Beschlussvorlage - 0612/2006

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Der Rat der Stadt Hagen beschließt, für die Durchführung des Teilprojektes “1km² Stadt und eine Brücke” im Rahmen des Kunstprojektes Altenhagener Brücke die erforderlichen Mittel in Höhe von 20.000 € aus den Sondermitteln des Projektes CRII (Cities Regain Identity and Images) zur Verfügung zu stellen sowie aus den von der Sparkassenspende 2004/2005 nicht abgeflossenen Mittel einen Betrag von 15.000 €. Sollten keine Altspendenmittel verfügbar sein, wird auf die Sparkassenspende 2006 zurückgegriffen.

 

Die Maßnahme wird ab 01.09.2006 umgesetzt.

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Sachverhalt

Die sog. Altenhagener Brücke (Ebene II) und ihre AnwohnerInnen bilden in 2006 Anlass für zahlreiche Kunstprojekte. Die 450 Meter lange Hochbrücke, in deren Schatten Menschen aus 82 (!) Nationen leben, soll in ein positiveres Licht gerückt werden.

 

Die Einbindung der dort lebenden Bevölkerung in künstlerische Aktionen soll helfen, neue Dialoge zwischen Einheimischen und Zugewanderten zu schaffen und den Lebensraum im Schatten der Brücke nachhaltig zu verbessern – ganz im Sinne des im Juni verabschiedeten Kommunalen Handlungskonzeptes Interkultur. Finanziell abgesicherte Kunstprojekte im Herbst 2006 unter koordinierender Leitung des Kulturamtes sind:

1.      Theaterstück mit SchülerInnen der Hauptschule Altenhagen unter Leitung von Werner Hahn, LUTZ-junge Bühne hAGEN

2.      RapSchool-Projekt für Jugendliche aus Altenhagen unter Leitung von Gandhi Chahine, MusicOfficeHagen,

3.      Tanzcollage des Hagener Ballett, Choreografie: Ricardo Fernando,

4.      Kurzfilm des jungen Filmemachers Özgür Mustafa Arslan,

5.      Erzählung des Schriftstellers Ali Arslan, der selbst an der Altenhagener Brücke wohnt.

Geplant ist, das alte GLORIA-Kino temporär für einen Teil der Proben und Aufführungen zu nutzen.

 

Gegenstand dieser Vorlage ist ein weiteres wesentliches Teilprojekt “1 km² Stadt und eine Brücke”. Die Ideengeberinnen und Initiatorinnen des gesamten Brückenprojektes sind zwei Künstlerinnen, die mehrere internationale Projekte erfolgreich realisierten: Milica Reinhart, Hagen und Marjan Verkerk, Amsterdam. Der wichtigste und aufwändigste Teil ihrer Idee ist, die Hochbrücke farblich neu zu gestalten und mit Lichtakzenten eine veränderte Situation des Viertels zu schaffen.

 

Voraussetzung für die technisch aufwändige und in ihrer Finanzierung derzeit noch nicht gesicherten Neugestaltung der Brücke ist die Entwicklung eines künstlerischen Entwurfs, für den die Anwohnerinnen der Brücke Impulse liefern sollen. In mitgeschnittenen Interviews werden die Frauen aus verschiedensten Ländern über Kindheitsbilder und Heimaterfahrungen erzählen und sich an die Farben erinnern, die fester Bestandteil ihres früheren Lebens waren – der Landschaft, des Dorfes, eines geliebten Gegenstandes etc. Mit diesen Farben der Erinnerung entwickeln die Künstlerinnen ihr Gesamtfarbkonzept für die Ebene II. Mit Hilfe von 20.000 € aus dem CRII-Mitteln sowie 15.000 € aus dem Sparkassenfond sollen rund hundert Interviews geführt und dokumentiert werden, Fotos erstellt, ein Modell der Brücke gebaut und alles zu einer Ausstellung verarbeitet werden. Ein Café im alten GLORIA-Foyer soll die Infrastruktur liefern. Die Ende 06/Anfang 07 präsentierte Ausstellung zeigt mit verschiedenen künstlerischen Mitteln ein Soziogramm der Anwohnerschaft rund um die Brücke und ist als Material für zahlreiche weitere Kunstaktionen nutzbar und stellt damit auch ein eigenständiges Kunstwerk dar, auch wenn die neue Farbgestaltung der Brücke finanziell nicht realisierbar sein sollte.

 


 
Die Sehnsucht nach Ebene II

Kunstprojekt für eine Brücke

 

 

Das Gesamtkonzept – ein Überblick

 

Im Rahmen des Kunstprojektes “Die Sehnsucht nach Ebene II - Kunstprojekt für eine Brücke” im Stadtteil Altenhagen in Hagen haben die Künstlerinnen Milica Reinhart, Kroatien/Deutschland, und Marjan Verkerk, Niederlande, ein Konzept entworfen, wie sie gemeinsam mit der Bevölkerung rund um die Brücke eine künstlerische Gestaltung dieses Bauwerks realisieren. In Altenhagen, einem Stadtteil mit “besonderem Erneuerungsbedarf”, leben Menschen mit Migrationshintergrund aus 82 Ländern[1].

 

Die Brücke selbst, “Ebene II” (offizielle verkehrstechnische Bezeichnung des Bauwerks), ein dominantes Bauwerk aus den siebziger Jahren, trennt als Hochbrücke den Stadtteil Altenhagen vom Zentrum der Stadt Hagen. Das monumentale Bauwerk fällt zwangsläufig in den Blick aller, die den Hauptbahnhof passieren und in die Stadt von Nordwesten hereinkommen. In einer dicht besiedelten Umgebung gelegen, führt diese schnelle Verbindungsstraße nur wenige Meter an den angrenzenden Wohnhäusern vorbei und ermöglicht Blicke bis in die Wohnungen der Anwohner in der ersten und zweiten Etage der Häuser.

 

Die Brücke steht im Mittelpunkt des Konzeptes “Sehnsucht nach Ebene II”, um diesem Bauwerk eine neue ästhetische Qualität, eine neue städtebauliche Integration und damit eine neue Bedeutungsebene zu geben. Diese Bedeutung wird nicht nur für die Stadt Hagen wichtig sein, sie wird Beispiel sein, “Brücken zu schlagen” zwischen den deutschen und migrierten Bevölkerungsgruppen, wie sie in vielen Stadtteilen deutscher Städte zusammenleben. Dieses Projekt will so ein “übertragbares” Beispiel sein für die künstlerische und partizipative Umgestaltung von Ortsteilen.

 

Neben der neuen farblichen Gestaltung der Brücke soll ein neues Lichtkonzept das Bauwerk und die Umgebung akzentuieren. Das Wort “Brücke” in Sprache und Handschrift der AnwohnerInnen als Neonschriftzüge gefertigt, lassen diese als Symbol für die Verbindung zwischen den Kulturen erstrahlen.

 

Die Farbflächen sollen auf der Grundlage von Workshops und Interviews mit den AnwohnerInnen gestaltet werden. Die Künstlerinnen setzen in ihrem Farbkonzept die Heimaterinnerung der MigrantInnen, ihre Träume und Visionen farblich um. Die Realisierung des Projektes ist an die Einbindung der direkten AnwohnerInnen, an Akteure aus dem Stadtteil und Kulturschaffenden aus der gesamten Stadt geknüpft.

 

Inspiriert durch das Konzept der Malerinnen Reinhart/Verkerk und koordiniert durch das Kulturamt entstanden bereits weitere Kunstkonzepte, die in 2006 realisiert werden und in 2007 weitergeführt und in einer gemeinschaftlichen Präsentation – einem Brückenfest - münden sollen. Dazu gehören ein Theaterstück des LUTZ, ein RapSchoolProjekt des MusicOfficeHagen, eine Tanzcollage des Ballett-Ensembles Hagen, ein Kurzfilm und eine Erzählung. (Näheres  dazu s.u.)

 

Recherche- und Probenphasen dieser Kunstprojekte parallel zur Brückengestaltung in einem anliegenden leerstehenden Kino sollen das Viertel in die Kunstprozesse einbinden. Dieses temporäre Proben- und Aufführungszentrum soll Treffpunkt und Kommunikationsort wie Betätigungsfeld für möglichst viele der Anwohner werden. Hier sollen fertige Arbeitsergebnisse in Form von Theaterstücken, Tanz, Fotos, Konzerten, Filmvorführungen zu sehen sein.

 

Kultur- und Diskussionsveranstaltungen während der Projektphase sollen das Thema der Migration und Integration begleiten. Die Aufwertung des Viertels ist dabei ebenso im Blickpunkt wie die dort lebenden Frauen und ihre besondere Lebenssituation. Indem das Projekt der kulturellen Vielfalt ein Gesicht gibt, will es ein richtungweisendes Modell sein: Sowohl im “meltingpot” Ruhrgebiet als Beitrag für die Kulturhauptstadt 2010 als auch für die Partizipation von Migrantinnen und Migranten in künstlerischen und städtebaulichen Prozessen.

 

 

Status quo

 

Aufgrund der Komplexität des Gesamtprojektes ist sowohl die Finanzierung als auch die Realisierung nur in Teilschritten möglich. Für die Kunstprojekte des Theaters, des Filmemachers und Autors sowie des MusicOffice existiert eine Projektgruppe unter Leitung des Kulturamtes. Mit Hilfe städtischer Finanzen aus laufenden Haushaltsmitteln sowie einem Zuschuss der Staatskanzlei in Höhe von 24.000 € konnten diese Projekte für 2006 abgesichert werden. Für ihre Fortsetzung in 2007 sollen weitere Mittel bei der Staatskanzlei beantragt werden.

 

Für die Farb- und Lichtgestaltung der Ebene II ist aufgrund der technisch sehr aufwändigen Umsetzung in 2006 keine ausreichende Finanzierung gelungen, da die Bundeskulturstiftung sich nicht an der Ko-Finanzierung beteiligte. Für 2007 müssen in Kürze Gespräche mit dem Bauministerium geführt werden, um eine ausreichende Teilfinanzierung aus den Mitteln Soziale Stadt NRW auszutarieren. Die dort verfügbaren Mittel sollen in 2007 für Projekte mit Migranten deutlich erhöht werden.

 

Teilprojekt “1 km² Stadt und eine Brücke” für Herbst 2006

 

Gegenstand dieser Vorlage ist ein Teilprojekt des oben beschriebenen Gesamtkonzeptes. Die Künstlerinnen Reinhart/Verkerk erarbeiten von September bis Dezember 2006 eine Ausstellung, die im Januar der Öffentlichkeit präsentiert wird. Grundlage dieser Ausstellung sind über hundert Interviews, die die Künstlerinnen mit Anwohnerinnen verschiedenster Herkunft in dieser Zeit führen und digital aufzeichnen werden.

 

Die befragten Frauen sind aus verschiedenen Generationen und haben unterschiedliche Motivationen zum Zuzug nach Hagen. Die Tondokumente werden aufbereitet und durch Fotografien ergänzt. Die sich aus den erinnerten Farben der Befragten aus Kindheit und Heimat ergebenden Farben werden künstlerisch umgesetzt.

 

Die vielleicht befremdliche Idee, einen reellen Entwurf in Hinblick auf Farbe und Form für die Brücke aufgrund von Erzählungen zu schaffen, erscheint auf den ersten Blick abstrakt, aber die Geschichten und die daraus entstehenden Bilder zeigen sich fassbarer, voll neuer Blickwinkel und unvermuteter Anknüpfungspunkte.

 

Ein Modell der Brücke mit einem durchgearbeiteten Farbkonzept ergänzt die Arbeit der Künstlerinnen, die von EXILE Kulturkoordination organisatorisch begleitet werden.

 

Während des fünfmonatigen Prozesses werden die Künstlerinnen täglich im Foyer des GLORIA-Kinos öffentlich arbeiten, zu Gesprächen einladen und einen Arbeitskreis für die anwohnenden Migrantinnen gründen. Durch die direkte räumliche Nähe und ihren eigenen Migrationshintergrund hoffen sie auf breite Akzeptanz in der Anwohnerschaft.

 

“1 km² Stadt und eine Brücke” ist ein in sich abgeschlossenes, eigenständiges Kunstprojekt, das auf künstlerische Weise das Leben der Menschen rund um die Brücke dokumentiert und damit einen wichtigen Beitrag zur interkulturellen Kulturarbeit in Hagen liefert. Parallel zu der Ausstellung entsteht während des Arbeits-Prozesses ein Folge-Konzept, das in 2007 umgesetzt werden könnte. Aber auch wenn eine Realisierung nicht gelingen sollte, bieten die in “1 km² Stadt und eine Brücke” gesammelten und aufbereiteten Materialien einen großen Fundus für weitere Theaterstücke, Filme, Musiktheater etc., mit denen sich Hagen bis 2010 im Rahmen der Kulturhauptstadt – Stadt der Kulturen bewerben könnte. Entsprechende positiv aufgenommene Vorgespräche mit dem Kulturhauptstadtbüro haben stattgefunden. Dort wird auch die Umsetzung des Gesamtprojektes incl. der Farb- und Lichtgestaltung sehr positiv bewertet. Inwieweit von hier Ko-Finanzierungen möglich sein werden, gilt es nach Gründung des Kulturhauptstadtbüros Ende 2006 auszuloten.

 

Finanzierungsplan Teilprojekt “1km² Stadt und eine Brücke”

 

Honorare für M. Reinhart/M. Verkerk

5 Monate (September – Januar)

á 2000 € p.P. für Recherche

Interviews, Ausstellungskonzept                               20.000 €

Material für Entwürfe und

Interviews, Fotos                                                   1.000 €

Material für die Ausstellung                                   3.000 €

Fahrtkosten M. Verkerk

Amsterdam-Hagen und Transporte                           1.500 €

Werbung für öffentl. Veranstaltungen

(Flyer, Plakate)                                                             2.000 €

Organisation Koordination, Öffentlichkeits-

arbeit, Recherche und Beantragung von

Sponsormitteln 5 Monate a 1500 € für

EXILE Kulturkoordination                                            7.500 €

 

Gesamt                                                                      35.000 €

 

 

Die Mittel sollen ab sofort folgendermaßen bereitgestellt werden:

 

20.000 € aus CRII – Cities Regain Identity and Images, dessen Ziele das o.g. Projekt auf innovative wie öffentlichkeitswirksame Weise erfüllt.

 

15.000 € aus Mitteln des Sparkassenfonds

 

 

Zum Hintergrund – die Ebene II

 

Die Brücke Ebene II liegt als Hochbrücke in Bahnhofsnähe und bildet über eine gewachsene Straßenkreuzung hinweg eine Verkehrsachse zwischen Zentrum und Autobahnanbindung.

 

Unter architektonischen Gesichtspunkten eher uninteressant, ist sie sowohl ein optischer Störfaktor aus einer Zeit falsch verstandener Verkehrspolitik als auch eine Lärm- und Geruchsbelästigung gerade für den dicht besiedelten Stadtteil. Trotzdem gehört sie augenfällig zum Stadtbild. Ein Rückbau ist, auch mangels finanz- und verkehrspolitischer Alternativen, in naher Zukunft unwahrscheinlich. Eine Farbgestaltung des Baukörpers greift einer sowieso zyklisch anstehenden Betonsanierung vor.

 

Das Quartier entlang der Brücke besteht aus mehrgeschossigen Wohnhäusern, teils aus der Jahrhundertwende, teils aus schmucklosen Nachkriegsbauten. Die Anwohner setzen sich aus einem hohen Migrantenanteil verschiedener Herkunft zusammen. Viele kleine Einzelhandelsgeschäfte, die zu einer regen Belebung der Straßen beitragen, sind hier angesiedelt. Nach den städtebaulichen Akzenten in der Neuen Mitte gälte es auch hier, eine neue Aufenthaltsqualität zu schaffen.

 

 

Die Projektbausteine Sehnsucht nach Ebene II

 

Zur besseren Übersicht des komplexen Gesamtprojektes hier die Auflistung der einzelnen Bausteine.

 

 

Die Gestaltung der Brücke

 

Der umfangreichste Baustein ist die Neugestaltung der Altenhagener Brücke durch ein abgestimmtes Farb- und Lichtkonzept, das in Kooperation mit den AnwohnerInnen von den Künstlerinnen Milica Reinhart und Marja Verkerk entwickelt und realisiert wird.

 

Ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Umsetzung ist, das Wort Brücke in der Handschrift und der Sprache der jeweiligen Anwohnerinnen selbst schreiben zu lassen: Mostra, Köpri, Ponte...Die so erzeugten Schriftzüge werden jeweils als warm weiße Neonröhren ausgearbeitet ( ca. 1 m hoch) und entlang des Unterrandes der Brücke befestigt – mit Abstand zum Beton und angebracht auf einer dünnen Stahlkonstruktion. Damit erstrahlt abends symbolhaft die Verbindung der Kulturen in rund zwanzig Sprachen als gemeinsames Zeichen für Verständigung.

 

Der Beton dahinter wird über die gesamte Länge der Brücke in großen Farbflächen bemalt. Die Farben in transparenten Schichtungen entstehen auf der Grundlage des Projektes “ 1 km² Stadt und eine Brücke” durch Berichte der Migrantinnen über eindrückliche Farberinnerungen aus ihrer Kindheit und Heimat. Die sanfte Farbgestaltung wird sich vorwiegend an Naturtönen orientieren.

 

Die neu gestaltete Brücke wird damit zum Gedächtnis seiner AnwohnerInnen und Bestandteil ihres Lebens.

 

 

Theaterprojekt Altenhagener Brücke

 

Das LUTZ – junge Bühne hAGEN wird unter Leitung von Werner Hahn ein Theaterstück entwickeln, in dem Jugendliche im Milieu der Brücke sowohl das Thema sein werden als auch die mitspielenden Akteure. Auf der Grundlage eigener Erfahrungen werden die Jugendlichen mit Werner Hahn gemeinsam eine Dramaturgie entwickeln. Als Aufführungsort ist  das leerstehende Kino GLORIA in unmittelbarer Nähe der Brücke angedacht. Inhaltlich wird das Stück die Suche nach der eigenen Identität der Jugendlichen und die Schwierigkeiten mit der multiethnisch geprägten Umgebung thematisieren.

 

 

Kurzfilm “Die Katzen von Ebene II”

 

Der junge türkischstämmige Filmemacher Mustafa Arslan, der selbst im Schatten der Brücke groß wurde, hat bereits einen Kurzfilm erstellt, der die Atmosphäre des Stadtviertels auf beeindruckende Weise einfängt. Der junge Student wird gemeinsam mit einer kleinen Crew von Mitstreitern einen weiteren Kurzfilm erstellen, so dass verschiedene Situationen und Lebenswelten auf künstlerische Weise dokumentiert und neu erfahrbar gemacht werden können. Die Filme sollen vor einem deutschen wie nichtdeutschen Publikum aufgeführt werden, das heißt, sowohl in dem leerstehenden Kino an der Brücke und Openair als auch in herkömmlichen Kinoräumen in der Stadt.

 

 

RapSchool 

 

Der Leiter des Hagener MusicOffice, Gandhi Chahine, zählt zu den ältesten und erfolgreichsten Rappern Deutschland. Seine Gruppe ‚Sons of Gastarbeita‘ machte deutschen Rap erstmals populär. Gandhi Chahine wird auf der Grundlage langjähriger Erfahrungen in der Jugendarbeit das Projekt RapSchool umsetzen. Dabei werden er und zwei seiner Musikerkollegen in einer Schule an der Altenhagener Brücke fünf Tage lang intensiv mit Schülern gemeinsam Raptexte über ihre eigene Situation und die Brücke als Teil ihres Erfahrungsumfeldes schreiben. Gemeinsam mit einem zweiten Komponisten wird Gandhi Chahine die Texte musikalisch bearbeiten und mit den Schülern einstudieren. Eine Filmproduktion soll die Erstellung der umgesetzten Raps in einem Videoclip gewährleisten. Die anschließend entstehenden DVDs und CDs sollen als Unterrichtsmaterial an anderen Schulen zum Einsatz kommen. Außerdem werden sie im Rahmen der anderen Kunstaufführungen Openair an der Brücke und im leerstehenden Kino aufgeführt. Eine anschließende Einbindung der Raps in die Theaterproduktion des LUTZ ist denkbar und wird im Laufe des Prozesses geprüft.

 

Tanztheater

 

Mit Hilfe von Videoaufnahmen und den Rapaufzeichnungen wird der Choreograf des Hagener Ballett-Ensembles, Ricardo Fernando, mit seinen Tänzerinnen und Tänzern eine Choreografie zum Thema entwickeln. Diese wird sowohl im Theater als auch im alten Kino aufgeführt werden und soll im Jahr 2007 Bestandteil des Tanztheaterfestivals TanzRäume des Kulturamtes sein.

 

Realisierung/Brückenfest

 

Für die derzeitigen Planungsphase und die Durchführung des Projektes ist ein Arbeitskreis gegründet worden. Die einzelnen Präsentationen sind im Dezember 2006 geplant, weitere Projekte bzw. Fortsetzungen in 2007. Zu einer Gesamtabschlussveranstaltung, dem Brückenfest, ist eine Präsentation aller erarbeiteten Teilprojekte unter Beteiligung der Anwohner auf der temporär gesperrten Brücke im Sommer 2007 angedacht.

 

 

Das Kunstprojekt aus sozialpolitischer Sicht

 

Die Integration der Zuwandererfamilien in die Gesellschaft ist in vielen Städten ein sozialpolitisch bedeutsames Thema geworden. Die Stadt Hagen hat das “Zusammenleben der Kulturen” als Schwerpunkt im Rahmen der Maßnahmen zum demographischen Wandel gewählt.

 

Das Kunstprojekt  “Die Sehnsucht nach Ebene II”  lenkt den Blick auf  Menschen, deren ursprüngliches Heimatland nicht Deutschland ist und die Hagen als ihre Heimatstadt gewählt haben.

 

Wahrnehmung - Die Brücke als Symbol

 

Das Kunstprojekt symbolisiert öffentlich und unübersehbar die besondere Bedeutung, die die Integration der zugewanderten Bevölkerung als gemeinschaftliche Aufgabe für die Zukunft der Stadt Hagen hat.

 

Erstmalig und öffentlich wird dies weithin sichtbar für alle Hagenerinnen, Hagener, Besucherinnen und Besucher der Stadt.

 

 

Verantwortung  -  Integration als kommunale Aufgabe

 

Die Stadt Hagen setzt, durch die Bedeutung der Brücke als verbindendes Element, ein Signal, sich ernsthaft der Herausforderung der Integration von Zuwandererfamilien zu stellen und konkrete Schritte einzuleiten.

 

Wertschätzung –  Migrantinnen und Migranten beteiligen sich

 

Durch die öffentliche Präsentation und insbesondere die Einbeziehung der Bewohnerschaft um die Brücke erfolgt eine deutliche Wertschätzung der zugewanderten Bevölkerung – sie gehört hier hin und sie ist willkommen.

 

Auseinandersetzung – wir kommen miteinander ins Gespräch

 

Angeregt durch die Aktivitäten rund um die Brücke und die Interviews der Bewohnerschaft entsteht eine Auseinandersetzung um das Alltagsleben an diesem Ort, um Träume, Hoffnungen und Erwartungen. Insbesondere die Frauen erhalten erstmalig eine Stimme, um ihre Anliegen äußern zu können.

 

Nachhaltigkeit – Teil eines Prozesses in die Zukunft

 

Der Kommunikationsprozess wird fortgesetzt, Netzwerke werden gestärkt und weiterentwickelt. Das Ziel ist die aktive Teilhabe an der Entwicklung der Stadtgesellschaft.

 

Maßnahmen in den Bereichen Soziales, Kultur und Bildung werden durchgeführt, die das Zusammenleben der Kulturen verbessern und die Chancen zur Integration der Zuwandererfamilien stärken.

 

Kunst für alle – Medium der Verständigung

 

Mit diesem Projekt werden Menschen erreicht, die sonst keinen Zugang zur Kunst haben. Sie erleben trotz möglicher sprachlicher Barrieren die verbindende Kraft künstlerischen Schaffens und sind so bereit, sich für weitere Entwicklungen zu öffnen.

 

Somit ist diese Projektidee übertragbar auf andere Städte und andere Länder!

 

 

 

 

 

Biografische Daten

 

EXILE-Kulturkoordination e.V., Agentur für internationale und interkulturelle Kunstprojekte, Essen

 

Der Arbeit des 1982 gegründeten Vereines liegt das Bestreben zugrunde, zum einen der hiesigen Öffentlichkeit Kulturen aus den Ländern des Südens und der hier lebenden Migrantinnen und Migranten zu präsentieren, und zum anderen auf diese Themenbereiche bezogene Ausstellungen, Veranstaltungsreihen und Kunstprojekte zu konzipieren, durchzuführen und anzubieten.

 

Ein breites Spektrum von Veranstaltern, das sich zwischen Kultureinrichtungen und Kulturinitiativen aus dem internationalen, dem interkulturellen, dem entwicklungsbezogenen, dem kirchlichen, gewerkschaftlichen, dem soziokulturellen und dem Bildungsbereich bewegt, gehört zu den Kooperationspartnern.

 

Viele der Kulturprojekte (Musik- und Theatertourneen, Ausstellungen) werden in Zusammenarbeit mit Organisationen, wie terre des hommes, TransFair, mit Institutionen wie dem WDR, der UNESCO, dem Kultursekretariat NRW, Kultur- und Bildungsinstitutionen in Kommunen u.a. entwickelt und durchgeführt. Unterstützt wird die Arbeit des Vereins u. a. aus Mitteln der Landesregierung in NRW und anderen projektbezogenen Fördermitteln.

 

 

Die Künstlerinnen

 

Milica Reinhart, geboren in Kroatien, lebt und arbeitet in Hagen. Mit ihrem Kooperationsprojekt “Visible Visions”, an dem auch die niederländische Künstlerin Marjan Verkerk, Amsterdam, teilnahm, erntete sie viel Erfolg im In- und Ausland. Die für den Weltgipfel in Johannisburg 2002 gemeinsam mit südafrikanischen Künstlerinnen erarbeitete Ausstellung wurde in verschiedenen Museen Deutschlands (auch Karl Ernst Osthaus-Museum), der Niederlande und Südafrikas gezeigt und ist nächstes Jahr nach Nairobi zur UNESCO eingeladen. Als vorbildliches Agendaprojekt wählte das Land NRW die Ausstellung aus, um sie 2006 im Rahmen des deutsch-südafrikanischen Kulturaustausches in mehreren Städten Südafrikas zu zeigen. Folgeprojekte sind bereits in Arbeit.

 

Das Projekt an der Altenhagener Brücke knüpft konzeptionell an diese Erfahrungen an, indem es erneut die Belange von bestimmten Teilen der Bevölkerung zur Grundlage einer künstlerischen Auseinandersetzung macht.



   [1]  Auskunft: Makrodatei 30.06.03, Amt für Statistik der Stadt Hagen

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Auswirkungen

x

 Es entstehen keine finanziellen und personellen Auswirkungen.

 

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Beschlüsse

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09.08.2006 - Kultur- und Weiterbildungsausschuss

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17.08.2006 - Haupt- und Finanzausschuss - ungeändert beschlossen

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22.08.2006 - Bezirksvertretung Hagen-Mitte - geändert beschlossen

Beschluss:

Die Bezirksvertretung Hagen-Mitte empfiehlt dem Rat der Stadt Hagen folgenden Beschluss zu fassen:

 

Der Rat der Stadt Hagen beschließt,

 

1.         die erforderlichen Mittel in Höhe von 20.000 € aus den Sondermitteln des Projektes CRII und 15.000 € aus den von der Sparkassen-Spende 2004/2005 nicht abgeflossenen Mitteln nicht zur Verfügung zu stellen.

2.         die Mittel in Höhe von 20.000 € aus dem CRII-Projekt in ein anderes Projekt umzuleiten.

3.         die von der Sparkassen-Spende noch nicht abgeflossenen Mittel in Höhe von 15.000 € für die Realisierung der Skulpturenallee in der Bahnhofstraße zur Verfügung zu stellen.

Abstimmungsergebnis:

X

 Mit Mehrheit beschlossen

 

Dafür:

 11

Dagegen:

 6

Enthaltungen:

 1

 

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31.08.2006 - Rat der Stadt Hagen - geändert beschlossen

Beschluss:

Der Rat der Stadt Hagen beschließt, für die Durchführung des Teilprojektes “1km² Stadt und eine Brücke” im Rahmen des Kunstprojektes Altenhagener Brücke die erforderlichen Mittel in Höhe von 20.000 € aus den Sondermitteln des Projektes CRII (Cities Regain Identity and Images) zur Verfügung zu stellen sowie aus den von der Sparkassenspende 2004/2005 nicht abgeflossenen Mittel einen Betrag von 15.000 €.

 

Die Maßnahme wird ab 01.09.2006 umgesetzt.

 

Abstimmungsergebnis:

 

x

 Mit Mehrheit beschlossen