Beschlussvorlage - 0944/2007
Grunddaten
- Betreff:
-
Einrichtung des Projektes "Moderne Verwaltung"
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 19 Zentrale Steuerung
- Bearbeitung:
- Susanne Tschiesche
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Haupt- und Finanzausschuss
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Vorberatung
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25.10.2007
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Bereit
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Fachausschuss für Informationstechnologie und Digitalisierung
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Vorberatung
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Bereit
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Personalausschuss
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Vorberatung
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20.11.2007
| |||
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●
Erledigt
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Haupt- und Finanzausschuss
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Vorberatung
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22.11.2007
| |||
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●
Bereit
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Rat der Stadt Hagen
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Entscheidung
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13.12.2007
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Beschlussvorschlag
Die Verwaltung wird beauftragt, das Projekt Moderne Verwaltung (MoVe) einzurichten.
Ziel des Projektes ist es, eine weitgehende IT-unterstützte, leistungsstarke und wirtschaftlich optimierte Verwaltung aufzubauen, auch um Haushaltskonsolidierungsnotwendigkeiten und -vorgaben erfüllen zu können.
Dies soll vornehmlich geschehen durch die Identifikation, die Untersuchung und die Optimierung der Geschäftsprozesse der Verwaltung.
Untersuchungsgegenstände bzw. Aufgabenfelder des Projektes sind
- die Aufgaben der inneren Verwaltung,
- die Verwaltungseinheiten mit direktem Bezug zu Bürgerinnen und Bürgern,
- der Aufbau eines Dokumentenmanagementsystems und
- die Koordination der für das Projekt relevanter Modernisierungsbestrebungen in der Verwaltung.
Durch das Projekt MoVe soll, beginnend zum 1.1.2008 in den nächsten 10 Jahren insgesamt ein Konsolidierungsbeitrag von 5.000.000€ erreicht werden.
In Abhängigkeit von den Vorschlägen des Mentors sind die zeitlichen und finanziellen Zielsetzungen des Projektes MoVe ggf. anzupassen.
Sachverhalt
Kurzfassung
Das
Projekt “Moderne Verwaltung” (MoVe) stellt eine umfassende
Reformstrategie der Verwaltung dar, mit dem Ziel, eine weitgehend IT-gestützte,
leistungsstarke und wirtschaftlich optimierte Verwaltung aufzubauen.
Diese
Verwaltungsmodernisierung ist einerseits vor dem Hintergrund einer dauerhaft
notwendigen Haushaltskonsolidierung notwendig und unausweichlich, andererseits
muss sich die Verwaltung noch mehr als bisher in ihrem Handeln an Nachfrage, Wirkung
und Ergebnis mit Blick auf ihre Zielgruppen (Bürgerinnen und Bürger, heimische
Wirtschaft, potentielle Investoren usw.) ausrichten.
Der
demografische Wandel bildet dabei eine besondere Herausforderung, auch da nach
Einschätzung von Verwaltungswissenschaftlern in den nächsten 10 bis 15 Jahren
bis zu 50% des Personals im öffentlichen Dienst aus Altersgründen aus dem
aktiven Berufsleben ausscheiden werden.
Darüber
hinaus werden in den nächsten Jahren weitere Notwendigkeiten zu berücksichtigen
sein, die sich aus dem o. a. Modernisierungsprozess zwangsläufig ergeben werden,
oder durch nationale bzw. EU-Anforderungen an eine Verwaltungsmodernisierung
vorgegeben werden.
Um
diese Anforderungen meistern zu können, soll das Projekt “Moderne
Verwaltung” eingerichtet werden.
Begründung
- Einführung
Die bestehende aufgabenorientierte Verwaltung hat aus
historisch-strukturellen Gründen ein hohes Maß an Doppelarbeiten, eine
ausgeprägte Notwendigkeit an Abstimmung und Koordination. Dies hatte seine
Ursache unter anderem darin, dass es in
der Regel keinen übergreifenden Zugriff auf Datenbestände gab. Nur so konnte
über Jahrhunderte hinweg ein einheitlicher sicherer Rechtsraum garantiert
werden. Insbesondere im kommunalen Bereich gab es für die Flächenverwaltung keine Alternative. Erst mit den heutigen
Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnen sich
insbesondere im kommunalen Verwaltungssektor neue Gestaltungspotentiale, ohne
die kommunale Selbstverwaltung in Frage zu stellen.
Der demografische Wandel bildet dabei eine besondere
Herausforderung, auch da nach Einschätzung von Verwaltungswissenschaftlern in
den nächsten 10 bis 15 Jahren bis zu 50% des Personals im öffentlichen Dienst
aus Altersgründen aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden werden.
Hier besteht die Notwendigkeit und eröffnet sich
gleichzeitig die Chance, die Modernisierungsmöglichkeiten an der Zielstellung
auszurichten, auch den demografischen Wandel für die Einführung neuer
Arbeitsformen und Kooperationsmodelle zu nutzen.
Das Projekt MoVe (Moderne Verwaltung) stellt eine
umfassende Reformstrategie der Verwaltung dar mit dem Ziel, eine weitgehend
IT-unterstützte, leistungsstarke und wirtschaftlich optimierte Verwaltung
aufzubauen, auch um Haushaltskonsolidierungsnotwendigkeiten und –vorgaben
erfüllen zu können.
Ausgangspunkt dieses Projektes ist die Erkenntnis,
dass die heutige Aufbauorganisation der Verwaltung sich überwiegend nach
bestehenden rechtlichen Zuständigkeiten richtet. Die Spezialisierung auf
arbeitsteilige Einheiten (Fachämter, Abteilungen, Sachgruppen, Stellen)
erfolgte entweder nach vorhandenen Arbeitsmengen oder nach den vorhandenen
Aufgabenarten.
Ergebnis dieser Spezialisierung ist eine Verwaltung
mit einer hochgradigen Arbeitsteilung (z.B. intern und extern ausgerichtete
Fachämter) mit mehr oder weniger auf die Bürgerinnen und Bürger ausgerichteten
Aufgabenzuordnungen und Zuständigkeiten.
Aufgabenüberschneidungen, Brüche in den
“Herstellungsprozessen”, Doppelzuständigkeiten oder häufige
Schnittstellen erfordern intern komplexe Koordinationen, die einer konsequent effektiven und effizienten
Aufgabenerledigung oftmals entgegen stehen.
Diese Schwachstellen in Verbindung mit den heute und
erst recht morgen zur Verfügung stehenden informationstechnischen Möglichkeiten
erfordern einen umfassenden Um- und Neubau der Verwaltung.
Kernstück hierbei ist die Überzeugung, dass auf
kommunaler Ebene zukünftig die Aufbau- und Ablauforganisation gekennzeichnet
sein muss durch Denken, Gestalten und Handeln von und in Prozessen. Dabei
werden die vorhandenen bedeutenden Verbesserungspotentiale durch die
Prozessorganisation nicht nur verwaltungsintern sondern durch die Betrachtung
von Leistungsketten über Organisationsgrenzen hinweg erschlossen.
Prozessorientierung erfordert die Ausrichtung des kommunalen Handelns an den
Kategorien Nachfrage, Wirkung und Ergebnis mit Blick auf die Zielgruppen des
Verwaltungshandelns (Bürgerinnen und Bürger, heimische Wirtschaft, potentielle
Investoren usw.).
Neben dieser konsequenten Ausrichtung der Verwaltung
an den Prozessen ist eine Vielzahl von weiteren externen Bestimmungsgrößen in
die Restrukturierungsüberlegungen einzubeziehen. So sind nationale oder
EU-weite Anforderungen an das kommunale Handeln zukünftig zu beachten und
organisatorisch abzubilden.
Dieser Prozess einer radikalen Neuausrichtung der
Verwaltung erfordert eine zentrale Koordination und Steuerung. Mögliche und
wahrscheinliche Interessenkollisionen aller Beteiligten sind frühzeitig zu erkennen
und auszuräumen. Gegenläufige Entwicklungen sind im Sinne einer einheitlichen
Organisationsentwicklung zu vermeiden. Deshalb sollte die Zuständigkeit für
diese Aufgabe, auch im Hinblick auf den notwendigen Dialog mit der
Verwaltungsführung und der Politik bei 19/Zentrale Steuerungsunterstützung
angebunden werden.
- Organisatorische
Notwendigkeiten
Konsequent betriebene prozessorientierte
Verwaltungsorganisation ist nur möglich, wenn es gelingt, das gesamte kommunale
Handeln vollständig und überschneidungsfrei in Kernprozessen zu beschreiben.
Dies kann nur funktionieren, wenn man Kommunalverwaltung als ein auf
Bürgerinnen und Bürger bzw. Zielgruppen ausgerichtetes System begreift, das in
seinen Produktionsprozessen wirtschaftlichen Prinzipien folgt.
Diese “neue Sichtweise” kommunalen
Verwaltungshandelns als Ausgangsbasis für einen Modernisierungsprozess
erfordert die Bündelung aller Modernisierungsbestrebungen und -überlegungen im
Hause an einer zentralen Stelle. Es ist nur dann sinnvoll, den Erneuerungs- und
Umgestaltungsprozess als ein Gesamtkonzept anzulegen, wenn sichergestellt ist,
dass hierfür das Projekt MoVe eine zentrale Zuständigkeit erhält.
Innerhalb dieser Zuständigkeit ist es nach heutigem
Erkenntnisstand zweckmäßig, die Modernisierungsfelder in einem ersten Schritt
nach den Adressaten des Verwaltungshandels zu unterscheiden (Interne Verwaltung
und Verwaltung mit Ausrichtung auf externe Zielgruppen, z.B. Bürgerinnen und
Bürger).
2.1
Interne
Verwaltung, interne Dienstleister
Unter dem Begriff der Internen Verwaltung werden die
Aufgabenfelder subsumiert, die als Service- oder Steuerungsaktivitäten in
Organisationseinheiten für die Gesamtverwaltung erledigt werden, ohne zunächst
einen direkten Bezug zu Bürgerinnen oder Bürgern zu haben.
|
Amt |
Bezeichnung |
Relevante Aufgabenfelder * |
|
14 |
Rechnungsprüfungsamt |
Wirtschafts- und Bilanzprüfungen |
|
18 |
Zentraler Service |
Postbearbeitung, Callcenter, Lohn- und Gehaltsabrechung,
Personalverwaltung, Beihilfen, Beschaffung, Druckerei, Buchbinderei |
|
19 |
Zentrale Steuerung |
Controlling, Organisationsentwicklung, Personalwirtschaft und
-entwicklung, Ausbildung, zentrales IT-Management, Datenschutz |
|
20 |
Kämmerei |
Finanzbuchhaltung, Zins- und Kreditmanagement, Forderungsmanagement,
Steuern und Gebühren |
|
30 |
Rechtsamt |
Rechtsberatung |
|
37 |
Berufsfeuerwehr |
Fuhrpark und Werkstatt |
Weiterhin werden die Aufgabenfelder DV-Infrastruktur,
Informationssysteme durch den Eigenbetrieb HABIT und das Gebäudemanagement
durch den Eigenbetrieb GWH als interne Dienstleister zur Verfügung gestellt.
Diesen Aufgabenfeldern sind folgende Prüfkriterien zu
hinterlegen, die jedoch mehrfach zur Anwendung gelangen können.
Aufgabenkritik
Es wird geprüft, ob die Aufgabe/Tätigkeit als solche,
in der Menge oder in der Bearbeitungstiefe noch wahrgenommen werden soll,
wahrgenommen werden kann.
Vollzugskritik/Prozessoptimierung
Es wird geprüft, ob es bei dem Prozess der
Aufgabenwahrnehmung jedwede Schwachstellen gibt, die optimiert werden können.
Die Folge ist eine Neuausrichtung von Prozessen, ggf. Anpassung der Strukturen.
(*
Alle weiteren in den Organisationseinheiten wahrgenommenen Aufgaben sind nicht
Gegenstand der Untersuchung nach den genannten Prüfkriterien)
Kooperation
Es wird geprüft, ob sich die Prozesse dazu eignen,
durch neue Formen interkommunaler Zusammenarbeit effizienter gestaltet werden
zu können, bis hin zur Wahrnehmung in “regionalen Shared-Services”.
Outsourcing
Es wird geprüft, ob sich die Aufgaben dazu eignen,
von Dritten (in der Regel privatwirtschaftlichen Unternehmungen) effizienter
wahrgenommen werden zu können.
Sonstige Lösungen
Dies könnten z.B. Modelle von
Private-Public-Partnership sein.
2.2
Verwaltungseinheiten
mit direktem Bezug zu Bürgerinnen und Bürgern
Die Ausrichtung der Informationen, Leistungen und
Produkte sowie der Herstellungsprozesse an Zielgruppen und Nachfragesituationen,
also an den unterschiedlichen Lebenslagen und Bedürfnissen der Zielgruppen wird
als Ergebnis am Ende der Analyse der Verwaltungsprozesse stehen. Erste
Erfahrungen wurden in der Stadtverwaltung bereits mit den Bürgerämtern und den
Kundenbüros (Planen und Bauen, behinderte Menschen, Tourismus und
Veranstaltungen) getätigt. Ziel der Lebenslagen und Zielgruppenorientierung,
der Ausrichtung an Nachfrage und Bedarf ist, dass z.B. Bürgerinnen und Bürger
alle Dienstleistungen die sie für eine bestimmte Lebenslage (Umzug, Heirat,
Bauen oder Geschäftsgründung) benötigen, an einer realen oder virtuellen Stelle
vernetzt, schnell und in bestmöglicher Qualität erhalten.
Um diesen Ansprüchen/Herausforderungen genügen zu
können, werden in Zukunft die Potentiale von E-Government ausgebaut und genutzt
werden müssen, es wird darüber zu befinden sein, ob und wenn ja wo es zu einer
Trennung von Front-Office und Back-Office Bereichen kommen wird und darüber
hinaus wird durch den Auf- und Ausbau
von kommunalen Netzwerkverwaltungen in ganzen
Regionen den Bürgern/den Zielgruppen
die Dienstleistungen übergreifend zur Verfügung stehen müssen.
2.3
Weitere
Modernisierungsaktivitäten
Die nachstehend kurz beschriebenen zusätzlich z. Zt.
bereits angegangenen oder noch zu beginnenden
Aktivitäten auf weiteren Feldern der Verwaltungsmodernisierung stehen in
einem engen Zusammenhang mit der Ausrichtung der Verwaltung an ihren Prozessen
und deren Optimierung. Insofern sind sie als Teil der Projektes MoVe
aufzufassen. Auch wenn eine unmittelbare Bearbeitung dieser Felder
entsprechenden Aktivitäten in den Fachverwaltungen obliegt, sollte bei dem
Projekt MoVe die Kompetenz für die
Koordinierung der Aktivitäten und Ergebnisimplementierung liegen.
2.31Dezentralisierung
Bei der sich zukünftig an den Prozessen
ausgerichteten Verwaltungsorganisation, die ihre Strukturen an den Produkten
und Wirkungen /Zielen ausgerichtet haben wird, stellt sich zwangsläufig die
Frage wer, wie auf welcher Ebene steuerungsrelevante Aufgaben wahrzunehmen hat.
Die dezentrale Aufgabe einer zielorientierten Produktsteuerung durch die Produktverantwortlichen
und die wirtschaftliche Steuerung durch die Kostenstellenverantwortlichen,
beide unterstützt durch das betriebswirtschaftliche know how in den dezentralen
Steuerungen, ist wie bisher dezentraler Natur. Ob es daneben einer
einheitlichen verwaltungsweiten Steuerung der Personalplanung und des
Personaleinsatzes (Personalwirtschaft), sowie der Organisationsentwicklung
bedarf, wird durch das Projekt zu beantworten sein. Bei der Klärung der sich hieraus zwangsläufig
ergebenden Gegenläufigkeiten zwischen dezentralen und zentralen Strömungen, der
Beantwortung von Steuerungsnotwendigkeiten auf welchen Ebenen und der
Modellierung entsprechend sinnvoller und effizienter Prozesse und Organisationsformen wird es
notwendig werden, Rat und Unterstützung durch externen Sachverstand
hinzuzuziehen.
2.32Prozessregister
Das Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung (KDV)
entwickelt im Rahmen eines sogenannten Masterprojektes einen Ordnungsrahmen,
Beschreibungsinhalte und Standards für
ein E-Government - Prozessregister. Ziel ist die Bereitstellung von Best - Practise - Prozessen im Internet.
Ein Teil dieses Projektes bezieht sich auf
Verwaltungsprozesse, die unter dem Oberbegriff “Leistungsbündel
Wirtschaft” zusammengefasst sind, ein anderer Teil beschäftigt sich mit
Prozessen aus dem Bereich des Kfz- und Führerscheinwesens. Die Stadt Hagen beteiligt
sich im Rahmen von zwei Teilprojekten mit diesen Bereichen. Die
Projektleitungen sind im SZW (Wirtschaft) bzw. bei VB 4/S (Kfz) angesiedelt.
Für den Bereich des “Leistungsbündels
Wirtschaft” liegen erste Ergebnisse für die Prozesse im
Baugenehmigungsverfahren und im Gewerbemeldewesen vor, die derzeit aufbereitet
werden.
2.33Fachbereichsbildung
Die konsequente Neuausrichtung der Verwaltung an
Prozessen wird zwangsläufig die bestehende Aufbauorganisation, die noch weitgehend
durch Fachämter, Abteilungen, Sachgruppen gekennzeichnet ist, verändern. Die
durch das Neue kommunale Finanzmanagement (NKF) vorgegebene Ressourcen- und
Ergebnisverantwortung der Produkt- und Kostenstellenverantwortlichen wird
ebenfalls zu einer Veränderung der heutigen Aufbauorganisation führen müssen. Dezentrale
Ressourcenverantwortung und Ausrichtung der Verwaltung an den
Zielgruppen/Bürgerinnen und Bürgern werden fast zwangsläufig die begonnene
Bildung von Fachbereichen verwaltungsweit beschleunigen. Neben den o. a.
positiven Auswirkungen auf Verantwortlichkeiten und Bürgerorientierung wird die
Bildung von Fachbereichen auch zur Abflachung
von heute noch bestehenden Hierarchien führen. Eine Verbindung zum
Projekt MoVe ist gegeben, da erst die Betrachtung der Prozesse zu Veränderung
der Aufbauorganisation führen kann und darf.
2.34Dokumentenmanagementsystem
Das Dokumentenmanagement dient der Erfassung,
Speicherung, Bearbeitung, Recherche, Verwaltung und Bereitstellung von elektronischen
Dokumenten. Wesentliches Ziel ist die Einführung einer elektronischen Akte, um
die medienbruchfreie und vollständige elektronische Abwicklung von
Geschäftsprozessen umzusetzen.
Wie bereits zum gemeinsamen Antrag der Fraktionen von
CDU und SPD zur Sitzung des Rates der Stadt am 30.08.07 ausgeführt, erfordert
die ganzheitliche Einführung des digitalen Datenmanagementsystems eine
umfangreiche und komplexe Bestandsaufnahme und Optimierung der Arbeitsprozesse.
Die Verbindung der Projekte MoVe und DMS in diesem Punkt ist somit gegeben.
2.35 Nationale- / EU Anforderungen zur Verwaltungsmodernisierung
2.351“115”
einheitliche Behördenrufnummer
Mit der Einführung einer bundeseinheitlichen
Behördenservicenummer soll die Erreichbarkeit von Verwaltungsdienststellen deutlich
erleichtert werden. Verwaltungsdienstleistungen, Informationen und Beratungen
sollen in Verwaltungsebenen übergreifenden Servicecentern transparent und rasch
abrufbar zur Verfügung stehen. Die Servicecenter sollen ebenübergreifend
arbeiten und untereinander vernetzt sein. Die einheitliche Behördenrufnummer
(115) wird von jedem Provider so geschaltet, dass der Bürger das zum Anrufort
nächst gelegene Servicecenter erreicht, in dem nach Möglichkeit ein Großteil
seiner Anliegen abgedeckt werden können. Mit Schreiben vom 11.9.2007 hat der
Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen entsprechend dem Strukturvorschlag
des Bundes für regionale Workshops das Interessenbekundungsverfahren zur Teilnahme
am Pilotprojekt D115 für den kommunalen Bereich eingeleitet. Da in den
Servicecentern zwangsläufig kommunale Prozesse abgebildet werden, ist eine
Verbindung zum Projekt MoVe gegeben.
2.352EU-
Dienstleistungsrichtlinie
Die Richtlinie sieht vor, dass Verwaltungsabläufe so
gestaltet werden, dass es für Anbieter oder Nachfrager gewerblicher Art aus dem EU-Raum möglichst einen Ansprechpartner
in der Region gibt. Dabei wird es notwendig werden, Verwaltungsprozesse so zu
gestalten, dass sie einerseits in elektronischer Form abgewickelt werden
können, andererseits auch einem Ansprechpartner, der sich außerhalb der
Kommunalverwaltung befinden könnte, zur Verfügung stehen. Insofern sind diese
Überlegungen in die Prozessuntersuchungen mit einzubeziehen.
- Personelle
Konsequenzen
Es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse des
Projektes MoVe eine weitgehende Neustrukturierung der Verwaltung zur Folge
haben werden, die sich in unterschiedlichster, aber vermutlich nachhaltiger
Form auf die Anzahl und die Struktur des städtischen Personals auswirken wird.
Es sind daher parallel personalwirtschaftliche
Instrumente zu entwickeln, bereitzustellen und über DV-Verfahren abzubilden,
die den Herausforderungen genügen. Hierzu gehören insbesondere Instrumente für
eine möglichst verlässliche vorausschauende Personalplanung bezogen auf
Qualifikation und Menge. Eine unabdingbar für den Erfolg des Projektes MoVe
notwendige Kernaufgabe einer zukünftigen Personalwirtschaft ist die Umsetzung
der Ergebnisse in Bezug auf die Menge, die Qualifikation und das Profil des
Personals. Bisherige Modernisierungsprozesse haben an einer oftmals mangelnden
frühzeitigen Einbindung und Mitwirkung der Personalverantwortlichen gelitten.
Die Chance für das Projekt MoVe, diesen Fehler nicht zu wiederholen liegt in
der organisatorischen Anbindung an die Zentrale Steuerungsunterstützung, die
sowohl die organisatorische, als auch personalwirtschaftliche zentrale
Zuständigkeit besitzt. Daneben müssen weitergehende Strategien zum
Personalabbau entwickelt werden, die vorhandene Fluktuationspotentiale erkennt,
ausnutzt und optimiert. Hierzu ist es notwendig, ein umfassendes
Personalcontrolling zu entwickeln und aufzubauen.
- Finanzielle
Konsequenzen
Es ist schwer, am Anfang eines derartig umfassend
angelegten Modernisierungsansatzes eine
zuverlässige Erfolgsprognose abzugeben. Insbesondere, da ein derartig großes
Projekt nicht mit den bei der Zentralen Steuerungsunterstützung vorhandenen
Kapazitäten abgearbeitet werden kann (s. hierzu insbesondere Punkt 7).
Eine grobe Einschätzung des Konsolidierungspotentials
wurde bereits vorgenommen und inzwischen als “Ersatzmaßnahme HSK 2007 /
Prozessoptimierung” in das Maßnahmenmanagement bei VB 2/KM eingestellt.
Strukturell sollen durch das Projekt MoVe hier ab 2008 jährlich 500.000 EUR
Personalkosten (rd. 12 Stellen) eingespart werden.
MoVe bildet damit den Auftakt zu einer langfristig
angelegten positiven Entwicklung hin zu einer sparsamen und effektiven
Verwaltung. Perspektivisch sollen über eine flächendeckende Prozessanalyse
aller Geschäftsprozesse und die komplette Neuausrichtung der gesamten
Aufbauorganisation (MoVe ist “nur” der Einstieg in die
“teuersten und wichtigsten” Prozesse) strukturell jährlich
Personalkosten in Höhe von 2.000.000 EUR eingespart werden.
Darüber hinaus sind weitere Einsparungen,
insbesondere über eine Verschlankung der Aufbauorganisation durch die
konsequente Fachbereichsbildung, höchst wahrscheinlich, in ihrer Höhe jedoch
noch nicht bezifferbar. Durch das Projekt MoVe wird jedoch eine langfristig
positive Entwicklung zu einer sparsamen effektiven Verwaltung angelegt.
Die Verwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, insgesamt
durch das Projekt MoVe in dem im Punkt 7 genannten Zeitrahmen eine
Konsolidierungssumme von 5 Millionen € zu erreichen. Die o. a. 2
Millionen € stellen hierbei die Mindestgröße dar. Die Verwaltung wird
jeweils zeitnah nach Vorliegen seriöser Erkenntnisse vor allem zu diesem Punkt
berichten.
- Interne/Externe
Hilfen
Wie bereits unter 2.31 erwähnt, kann es notwendig
werden, externen Sachverstand in den Modernisierungsprozess einbeziehen zu
müssen. Dies kann entweder bei verschiedenen Meilensteinen innerhalb des
Prozesses sein, auch um für weitere Überlegungen und Schritte lernen zu können,
oder sinnvoll für bestimmte Organisationseinheiten sein. Insbesondere dann,
wenn für eine vorurteilsfreie Sicht innerhalb des Restrukturierungsprozesses
gegebene Scheuklappen hinderlich sein können.
- Ausblick
Das erste Aufgabenfeld des Projektes MoVe wird die Optimierung der Internen
Verwaltung darstellen. Daneben wird es Aufgabe des Projektes MoVe sein, das
Projektcontrolling für alle weiteren derzeit wahrgenommenen Bestrebungen, die
Verwaltung zu modernisieren, zu übernehmen.
Daran anschließen wird sich die Neuausrichtung der
Informationen, Leistungen und Produkte sowie der Herstellungsprozesse an
Zielgruppen und Nachfragesituationen, also an den unterschiedlichen Lebenslagen
und Bedürfnissen der Zielgruppen. Über den Fortgang des Projektes MoVe wird der
Verwaltungsführung und der Politik kontinuierlich berichtet werden.
- Vorläufige
Planung
Vorbemerkung
Das Ende eines Projektes ist abhängig von
vielfältigen Determinanten. Neben dem Aufgabenumfang, der eingeforderten
Qualität der Ergebnisse und den sich aus den Untersuchungsgegenständen
ergebenden Unwägbarkeiten, sind für die Dauer des Projektes die zur Verfügung
gestellten Ressourcen ausschlaggebend.
Gegenüber einem vergleichbaren Wirtschaftbetrieb, der
in der Regel durch nicht mehr als 100 Prozesse abgebildet wird, besteht die
Aufgabenerledigung in einer Kommunalverwaltung aus ca. 3.000 bis 3.500
Prozessen, die es zu identifizieren, zu untersuchen und zu optimieren gilt.
Dies führt zu dem Schluss, dass zunächst nur die Prozesse in die Untersuchung
einbezogen werden sollten, die den größten möglichen Erfolg/Einsparung vermuten
lassen. Nach einer gemeinsamen Untersuchung der Kommunalen Gemeinschaftsstelle
für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) mit der b.i.t. consult GmbH Seeheim binden
in der Regel 10 bis 20% der Prozesse 80 bis 90% der Ressourcen. Alle weiteren
Untersuchungen sind zurückzustellen und in den Folgejahren abzuarbeiten.
Notwendige Ressourcen
Bei der nachstehenden Auflistung der Arbeitsfelder,
der hierin erforderlichen Tätigkeiten und des hierfür benötigten
Zeitkontingentes wird für das Projekt MoVe (incl. der Aufgabenfelder
Dezentralisierung und Aufbau eines DMS) von folgender Personalausstattung
ausgegangen.
Leitung und Koordination 1 Mitarbeiter
Teilaufgabe Datenmanagementsystem 1 Mitarbeiter/in
Personalprognosen, Qualifizierungsanalysen 1 Mitarbeiter/in
Geschäftsprozessoptimierung 4 Mitarbeiter/innen
Skizzierung eines groben Arbeits- und Zeitplanes
-
bis 31.12.2007
Vorarbeiten, insbesondere
§
Inhaltliche und
personelle Planung des Projektes
§
Rekrutierung,
ggf. Qualifizierung des erforderlichen Personals
§
Mitwirkung bei
der Vorentscheidung betr. Kooperationen mit anderen Kommunen
§
Ggf.
Vorplanungen für externe Beratungsleistungen
§
Einrichtung des
Projektes durch Verfügung OB
Arbeitsfelder und erforderliche Tätigkeiten
-
ab 2.1.2008
§
Koordination und
Berücksichtigung der Ergebnisse der weiteren Modernisierungsaktivitäten (s. a.
Punkt 2.3)
§
Modernisierung
der Internen Verwaltung (s. a. Punkt 2.1)
o
Identifikation
der Kostentreiber
o
Bildung von
Prioritäten
o
Abarbeiten nach
den genannten Prüfkriterien
o
Begleitung des
Implementierungsprozesses
o
Evaluation
o
Ggf. mit
externer Unterstützung
-
frühestens ab
Sommer 2008 (je nach personeller Ausstattung)
§
Modernisierung
der Verwaltungseinheiten mit direktem Bezug zu Bürgern/Bürgerinnen und Kunden
o
Identifikation
von “Leuchttürmen” (Verwaltungseinheiten bei denen Effizienz- und
Qualitätssprünge möglich erscheinen)
o
Bildung von
Prioritäten
o
Geschäftsprozessoptimierung
o
Implementierung
o
Evaluation
o
Abarbeitung der
weiteren Prozesse
-
möglichst ab
2.1.2008 (abhängig von der personellen Ausstattung)
§
Datenmanagementsystem
o
Vorgehensweise:
s. a. Ausführungen zum gemeinsamen Antrag der Fraktionen der CDU und SPD zur
Sitzung des Rates der Stadt am 30.08.07.
-
laufende Überlegung,
je nach Fortschritt des Projektes
§
Fachbereichsbildung
o
Paralleler
Prozess, Konsequenzen aus den Erkenntnissen je nach Arbeitsfortschritt, analoge
Prozessschritte.
Spätestens nach der Sommerpause 2009 ist, fußend auf
den Erkenntnissen der bis dahin erledigten Arbeitsschritte, ein detaillierter
Arbeits- und Zeitplan vorzulegen.
Zeitkontingent
Bei rechtzeitiger Entscheidung über die benötigten
Ressourcen kann mit der eigentlichen Arbeit (nach Abschluss der Vorarbeiten)
zum 2.1.2008 begonnen werden. Der Umfang und die Unwägbarkeiten des
Gesamtprojektes lassen eine detaillierte Zeitplanung wie bei anderen -
überschaubaren, oder zeitlich begrenzten Projekten möglich - nicht zu. Analog
in anderen Städten für vergleichbare Projekte vorgesehenen Zeithorizonten, kann
man davon ausgehen, dass für MoVe ein Zeitrahmen von 10 Jahren gegeben sein
müsste.
- Mögliche
Schnittstellen
8.1
Konsolidierungsmanagement
Die Analyse und Optimierung von Prozessen dient
letztlich dem Ziel, das Verwaltungshandeln effizienter und effektiver zu
gestalten. Eine wirtschaftlichere Aufgabenerledigung hat stets zur Folge, dass
die Aufgabe mit geringeren Ressourcen erledigt wird (Minimalprinzip) oder mit
den gegebenen Ressourcen die Aufgabe qualitativ oder quantitativ aufgestockt
wird (Maximalprinzip). Bei der vorhandenen Haushaltslage wird sich in der Regel
eine Vorgehensweise nach dem Minimalprinzip ergeben müssen, d.h. eine
Geschäftsprozessoptimierung wird zu Einsparungen, zur Konsolidierung führen.
Insofern sind, was die Ergebnisse/den Output von MoVe angeht, u. a. auch
Übergabepunkte zum Konsolidierungsmanagement gegeben.
8.2
Einsatz
eines Mentors
Durch den Einsatz eines von der Bezirksregierung geförderten
Mentors zur Begleitung des Konsolidierungsprozesses sollen neben einer Ursachenanalyse für die
defizitäre Haushaltslage alle Bereiche des kommunalen Haushaltes
aufgabenkritisch beleuchtet werden. Daneben ist wichtiger Bestandteil der
Tätigkeit eine ergänzende Umsetzungsberatung der identifizierten und
beschlossenen Maßnahmen. Insofern liegen bei den Startbedingungen für die
Arbeit von MoVe mögliche Schnittstellen/Berührungen zum Aufgabenspektrum eines
Mentors vor. Prozesse, die zur Erledigung von Aufgaben dienen, deren Erledigung
in Frage gestellt wird bzw. auf die zukünftig verzichtet werden soll, bedürfen
keiner Optimierung mehr.
In Abhängigkeit von den Vorschlägen des Mentors sind
die zeitlichen und finanziellen Zielsetzungen des Projektes MoVe ggf.
anzupassen.
- Stand im Oktober
2007
.
Zum 1.9.2007 konnte die Stelle des Projektleiters
MoVe überplanmäßig mit einem erfahrenen Organisator mit Kenntnissen in
Projektarbeit besetzt werden.
Im Zuge des Projektfortschrittes werden zu den
einzelnen Kapiteln, wie angeführt,
weitere Ausführungen erfolgen.
