Beschlussvorlage - 1121/2012

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Beschlussvorschlag

 

Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den beteiligten freien Trägern Maßnahmenvorschläge zur Beseitigung der hier aufgeführten „Stolpersteine“ beim Ausbau der U3-Betreuung in der Kindertagespflege inkl. der finanziellen Auswirkungen im interkommunalen Vergleich zu entwickeln und dem JHA zur Entscheidung vorzulegen.

 

Reduzieren

Sachverhalt

Kurzfassung

 

Die Verwaltung informiert in dieser Vorlage über die Aktivitäten im Rahmen des „Aktionsprogramms Kindertagespflege“ und über erkannte „Stolpersteine“ beim Ausbau von Betreuungsplätzen im U3-Bereich.

Im Rahmen eines Auftrages des JHA sollen Maßnahmenvorschläge zur Beseitigung dieser Stolpersteine inkl. einer Bezifferung der finanziellen Auswirkungen im interkommunalen Vergleich entwickelt werden.

 

 

Begründung

 

Zum „Aktionsprogramm Kindertagespflege“

 

Hagen ist Modellstadt im „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ der Bundesregierung, das mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) kommunale Impulse setzt. Da die Kindertagespflege bei weitem noch nicht so durchgängig im öffentlichen Bewusstsein verankert ist wie die fachlich gleichwertige Betreuung in Kindertageseinrichtungen, liegt der erste Schwerpunkt bei den geförderten Aktivitäten in einer umfangreichen und nachhaltigen Öffentlichkeitsarbeit.

Faltblätter richten sich an die Eltern von U3-Kindern,  um sie aufmerksam zu machen auf das hohe Qualitätsniveau der Kindertagespflege, die mit ihrer familiären Geborgenheit vor allem für Kinder unter drei Jahren eine sehr gute Alternative zur Tageseinrichtung darstellt. Stark nachgefragt wird sie von Eltern, die eine flexible und ebenso verlässliche Betreuung suchen, um Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können.

Gesonderte Faltblätter richten  sich an künftige Tagesmütter und -väter, um sie für diesen verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Beruf zu gewinnen.

Für einmal interessierte Eltern und gesondert für künftige Tagesmütter gibt es daneben weiterführende Informationsbroschüren im DIN A 4-Format.

An Eltern und potenzielle Tagesmütter gerichtete Plakate machen außerdem auf diese qualifizierte und kompetente Betreuungsform aufmerksam.

Faltblätter, Broschüren und Plakate sind auch auf der Website verfügbar und herunterzuladen:  www.kindertagespflege-in-hagen.de . Auf dieser Website lässt sich nutzerfreundlich navigieren und auch ein professioneller Imagefilm „Ein Tag bei der Tagesmutter“  betrachten, der neben sympathischen und fröhlichen Szenen aus dem Kindertagespflegealltag Interviews mit einer Tagesmutter, dem Fachbereichsleiter und dem Oberbürgermeister zeigt. Diesen Imagefilm gibt es zur Vorführung in Einrichtungen und auf Veranstaltungen auch als DVD.

Gut positionierte Zeitungs-Anzeigen mit Blickfangcharakter und flankierende Pressearbeit informieren zudem immer wieder über die gute Betreuungsqualität der Kindertagespflege. Eine Auswahl davon lässt sich jederzeit unter der o. g. Website nachlesen.

Im Frühling 2012 startete die erste Staffel einer Funkkampagne mit Werbespots und redaktionellen Beiträgen bei Radio Hagen. Eine zweite Staffel wurde im Sommer 2012 ausgestrahlt.

 

 

Alle sehr informativen Beiträge und Interviews zum ansprechenden Praxisalltag in der Kindertagespflege inkl. eines ausführlichen Wortbeitrags des Oberbürgermeisters lassen sich unter der genannten Website nachhören.

 

Im Rahmen der Förderung im „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ beteiligte sich der Fachbereich in einem zweiten Schwerpunkt an einer interkommunalen Elternbefragung U3 des Forschungsverbundes TU Dortmund / Deutsches Jugendinstitut (DJI) München / Institut für soziale Arbeit (ISA) Münster zum Betreuungsbedarf von unter 3-jährigen als aussagekräftige Grundlage für die örtliche Ausbauplanung bis August 2013 und darüber hinaus. Über die Ergebnisse wurde dem JHA in seiner Sitzung am 14.11.12 berichtet.

 

Seit 2010 sind neben dem hier schon langjährig erfahrenen Caritasverband (CV) auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) beim Ausbau des Angebots aktiv geworden. Die AWO betätigt sich seit dem Frühjahr 2012 nicht mehr in den Bereichen Beratung, Vermittlung, Begleitung und Qualifizierung.

Diese Träger haben in einem dritten Förderschwerpunkt gemeinsam mit dem Fachbereich Jugend und Soziales Konzepte zur weiteren Qualitätsverbesserung erarbeitet, um darüber auch Kapazitätserweiterungen zu erreichen und die Kindertagespflege als gute und gern gewählte Alternative zur Kindertages-einrichtung abzusichern.

Im Blickfeld stehen hier u. a. Angebotserweiterungen durch Großtagespflege oder festangestellte Tagespflegepersonen, die Vernetzung der Tagespflegepersonen, der Aufbau eines zuverlässigen Vertretungssystems bei Verhinderung einer Tagesmutter durch Urlaub, Fortbildung oder Krankheit, die Einrichtung eines Informations- und Beratungstelefons oder der Entwurf von Fortbildungsmodulen für die verbindliche und stetige Weiterqualifizierung der Tagesmütter und -väter.

Die beteiligten Träger beabsichtigen eine gemeinsame Umsetzung dieser Konzepte in die Praxis der Kindertagespflege in Hagen.

 

Als vorläufiges Fazit lässt sich feststellen, dass es in Hagen mit dem Rückenwind des „Aktionsprogramms Kindertagespflege“ gelungen ist, die Infrastruktur auszubauen. Die Qualität der Kindertagespflege und ihr Bekanntheitsgrad haben durch die Förderung Impulse erhalten und eine gute Entwicklung genommen. Alle in Hagen in der Kindertagepflege tätigen Personen sind inzwischen nach dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts München (DJI) umfassend qualifiziert. Dies führte zu einer erheblichen Verbesserung des Qualitätsniveaus. Eltern schätzen an der Kindertagespflege das familiäre, zeitlich flexible und durch gut qualifizierte Kindertagespflegepersonen durchgeführte Betreuungsangebot.

 

Der quantitative Ausbau der Kindertagespflege konnte jedoch bisher noch nicht im gewünschten und notwendigen Maße erreicht werden. Dies lässt sich offenkundig einmal zurückführen auf den gegenüber der Kita immer noch mangelnden Bekanntheitsgrad und zum anderen auf bestimmte noch bestehende Qualitätsmängel des Angebots.

 

 

 

 

Im Rahmen der aus diesen Beweggründen heraus in Angriff genommenen o. g. Konzeptarbeit hat der öffentliche Träger gemeinsam mit den beteiligten freien Trägern „Stolpersteine“ beim angestrebten Ausbau der Kindertagespflege identifiziert, die im folgenden beschrieben werden.

 

 

 

Wesentliche Stolpersteine beim Ausbau der Kindertagespflege

 

Im Hinblick auf die gesetzlich postulierte fachliche Gleichrangigkeit der beiden Betreuungsformen Kindertagespflege und Kindertageseinrichtung bedarf es einer kommunalen Gestaltung von verlässlichen, im folgenden aufgeführten Rahmen-bedingungen für die Inanspruchnahme aus dem Blickwinkel der Nutzer, nämlich der Eltern und aus dem Blickwinkel der Anbieter, nämlich der Träger und der Kindertagespflegepersonen:

 

·         Es zeigt sich in Gesprächen mit Eltern, dass diejenigen, welche sich für Kindertagespflege im Bereich U3 entschieden haben, ein hohes Maß an Zufriedenheit zum Ausdruck bringen. Um unentschlossene Eltern zu motivieren, ihre kleinen Kinder in Kindertagespflege zu geben, müssen klare und transparente Informationen und Antworten auf Fragen gegeben werden.

 

·         Eltern, die auf positive Erfahrungen oder Empfehlungen aus ihrem Umfeld zurück greifen können, haben eine offenere Einstellung zur Kindertagespflege. Die Öffentlichkeit und Multiplikatoren wie z. B. Kita-Mitarbeiterinnen, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften u. ä. sollen weiterhin regelmäßig  informiert werden. Eltern sollen die Möglichkeit von Schnuppertagen bekommen, um sich ein eigenes Bild von den Tagespflegepersonen und der Bildungs- und Betreuungsqualität dieses Angebots zu machen.

 

·         Für Eltern ist es wichtig, Sicherheit zu haben im Hinblick auf den Betreuungsumfang, d.h. analog zur Kita ein Stundenkontingent buchen und den tatsächlichen Anspruch darauf einlösen zu können. Bisher wird der Elternbeitrag des Stundenkontingentes erhoben, aber nur die Betreuungszeit, die absolut notwendig und nachweisbar ist, gewährt.

 

·         Ein weiterer Schlüssel für die Akzeptanz der Kindertagespflege ist die Sicherung, Weiterentwicklung und Transparenz der pädagogischen Qualität in der Kindertagespflege. Die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen soll für die Kindertagespflegepersonen verpflichtend sein und honoriert werden.

 

 

 

 

 

 

·         Die Situation der Kindertagespflegepersonen als freiberuflich Tätige ist gekennzeichnet durch die Unkalkulierbarkeit des Einkommens. Ausfallzeiten können nicht durch kurzfristige Neuaufnahmen kompensiert werden. Das Pflegegeld ist durch die Stadt Hagen grundsätzlich festgesetzt und freie Verhandlungen über einen zusätzlichen Pflegegeldbeitrag der Eltern sind  nicht erwünscht.

Um neue Kindertagespflegepersonen zu gewinnen und bewährte Kindertagespflegepersonen zu halten, bedarf es jedoch Sicherheiten im Hinblick auf ein kalkulierbares Einkommen. Hier sind zu nennen: Durchzahlung bei Fehlzeiten des Kindes durch Krankheit oder Urlaub, eine bezahlte Eingewöhnungsphase sowie Zuschläge für ungünstige Betreuungszeiten am Wochenende, in der Nacht oder bei beruflichen Schichtdiensten der Eltern. Die Urlaubszeiten der Tagesmutter sollten pauschal vergütet werden, da sie nicht wie andere Selbständige ihre Ausfallzeiten durch ein höheres Entgelt selbst kalkulieren kann.

 

·         Unterstützungsmaßnahmen für Kinder mit einem besonderen Förderbedarf  fehlen bisher völlig. Kindertagespflegepersonen, welche durch ihre besondere Qualifizierung die Möglichkeit eröffnet haben, Kinder mit besonderem Förderbedarf zu betreuen, tun dies bisher ohne entsprechende höhere Vergütung. Dies sollte sich ändern, um Plätze für Kinder mit besonderem Förderbedarf analog vorzuhalten und zu gestalten.

Das ebenfalls trägerübergreifend erarbeitete Konzept „Inklusion in der Kindertagespflege“ beschreibt ausführlich die Möglichkeiten der Betreuung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf in der Kindertagespflege.

 

Ausblick

 

Ein Auftrag des JHA zur Entwicklung von Maßnahmenvorschlägen inkl. Finanzierungsbedarf zur Ausräumung der wesentlichen Stolpersteine soll nach Umsetzung zu quantitativen und qualitativen Verbesserungen führen. Gleichzeitig wird die Grundlage für eine weitere Form der Kindertagespflege - die Großtagespflege - gelegt.

 

In diesem Zusammenhang steht das neue Förderprojekt der Bundesregierung zur Festanstellung von Tagespflegepersonen, das jetzt gestartet wurde. Die Stadt Hagen hat sich auch hier mit Erfolg um die entsprechenden Struktur-Fördermittel beworben. Zentrales Ziel des aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanzierten Förderprojekts ist die Erprobung von tragfähigen Modellen der Festanstellung von Tagespflegepersonen.

 

Eine Beseitigung der Stolpersteine und die Festanstellung von interessierten Tagespflegepersonen bilden mit Blick auf den im August 2013 einsetzenden Rechtsanspruch von Eltern von ein- und zweijährigen Kindern auf einen Betreuungsplatz eine gute Ausgangslage, auch durch Einrichtung von Großtagespflegestellen neue Plätze für Kinder im U3-Bereich in Hagen zu schaffen. Der Caritasverband Hagen hat bereits begonnen, hierzu ein über befristete Personalkostenzuschüsse gefördertes Modellprojekt zu initiieren.

 

Reduzieren

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen

(Bitte ankreuzen und Teile, die nicht benötigt werden löschen.)

X

Es entstehen keine finanziellen und personellen Auswirkungen

 

 

gez.

Dr. Schmidt

Erster Beigeordneter

 

Loading...

Beschlüsse

Erweitern

12.12.2012 - Jugendhilfeausschuss - ungeändert beschlossen