Beschlussvorlage - 0635/2007

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Der Rat der Stadt Hagen stimmt der Realisierung des Projektes „Sehnsucht nach Ebene II“ als Bestandteil der Kulturhauptstadt 2010 zu. Die Maßnahme wird in 2008 umgesetzt. Grundlage der Zustimmung ist der aktuelle Kosten- und Finanzierungsplan. Zur Kompensation von bislang nicht gedeckten Finanzierungsanteilen wird ein Sponsor/eine Stiftung im Rahmen einer Ausfallbürgschaft aufkommen. Städtische Sonderzahlungen über die bereitzustellenden Etats des laufenden Haushalts hinaus werden ausgeschlossen.

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Sachverhalt

Das interkulturell wie städtebaulich innovative Projekt Sehnsucht nach Ebene 2 soll zu einem der Leitprojekte Hagens für die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 werden. Es liefert zudem Strategien für den demografischen Wandel und den Umgang mit den unterschiedlichen Migrantenkulturen in der Stadt.

Die Neugestaltung der Hochbrücke Ebene 2 unter Beteiligung der AnwohnerInnen sowie die begleitenden Kunstprojekte, die von einer breiten künstlerischen Szene getragen werden, sollen ein Zeichen setzen für Akzeptanz und Anerkennung. Gleichzeitig wird auf diese Weise eine städtebauliche Aufwertung des Gebiets zwischen Hauptbahnhof und Altenhagen vorgenommen.

Gegenstand dieser Vorlage ist die Realisierung des künstlerischen Konzeptes durch Farb- und Lichtgestaltung an der Hochbrücke in 2008. Die dafür veranschlagten  Kosten in Höhe von rund 780.000 € werden – neben städtischen Haushaltsmitteln - durch  Zuschüsse aus verschiedenen öffentlichen  und privaten Mitteln  aufgebracht, so wie im anliegenden Finanzierungsplan aufgeführt. Eine über die ausgewiesenen städtischen Mittel hinausgehende Finanzierung durch zusätzliche städtische Mittel wird ausgeschlossen.


 
 Begründung

 

Die Sehnsucht nach Ebene II – Kunstprojekt für eine Brücke“

 

Einleitung

 

Voraussetzung für ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft  ist es, Kommunikationsformen zu finden, mit denen Toleranz und Akzeptanz entwickelt und erprobt werden können. In einer vom demografischen Wandel und Bevölkerungsverlusten gekennzeichneten Kommune wie Hagen sind gerade Kultur- und Bildungspolitik  zentrale Handlungsfelder, mit denen eine tolerante und gewaltfreie Stadtgesellschaft entwickelt werden kann. Mit Bildungseinrichtungen, Kulturschaffenden und Künstlern müssen neue Wege erprobt und neue Konzepte entwickelt werden, um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung bewältigen zu können. Hagen hat als interkulturelle Pilotstadt die Chance, sich im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 mit neuen Impulsen zu positionieren.

 

1. Idee

 

Neben fünf weiteren Städten in NRW ist Hagen seit 2005 interkulturelle Pilotstadt. Hier wurde 2005/2006 ein Kommunales Handlungskonzept Interkultur entwickelt, das im Medium der Künste und Kulturen - unterstützt durch einen entsprechenden Ratsbeschluss im Juni 2006 - städtische Netzwerke und Strukturen initiierte.

Aus dieser Arbeit ist in den vergangenen zwei Jahren ein interkulturell geprägtes und integrativ wirkendes, nachhaltiges großes Kunstwerk entwickelt worden, welches sichtbar den Dialog zwischen den Kulturen aktiviert und Zeichen setzt für eine neue, auf Verständigung und Begegnung, Qualifizierung und Kommunikation basierende interkulturelle Arbeit in Hagen.

Das Kunstprojekt Die Sehnsucht nach Ebene II steht in unmittelbarer Folge dieser Struktur bildenden Entwicklungen und zeigt schon in der Anfangsphase durch seinen Facettenreichtum und die breite Mitwirkung der Akteure, das es bestens geeignet ist,  nachhaltige interkulturelle Akzente zu setzen, städtebaulich zu wirken und überregionale Aufmerksamkeit zu erzielen.

 

 

 2. Konzept

 

Ausgangsidee des Hagener Projektes „Die Sehnsucht nach Ebene II - Kunstprojekt für eine Brücke“ im Stadtteil Altenhagen ist die künstlerische Neugestaltung der Hochbrücke Ebene II mit Hilfe eines Licht- und Farbkonzeptes. Konzept und künstlerische Realisierung liegen in der Hand der Künstlerinnen Milica Reinhart,                                                         

Hagen, und Marjan Verkerk, Amsterdam, unter Einbeziehung der weitgehend eingewanderten Bevölkerung  aus 82 Nationen rund um die Brücke.

Begleitend und ergänzend wurden und werden verschiedene Kunstprojekte aus den Sparten Tanz, Theater, Musik, Literatur und Film entwickelt, die in Kooperation zwischen professionellen Künstlern, Kultureinrichtungen und AnwohnerInnen aus Altenhagen umgesetzt wurden und werden.

Den Künstlerinnen kommt es neben dem ästheti­schen Aspekt darauf an, die kulturelle Vielfalt des Quartiers augenfällig sichtbar zu machen, die Anwohnerinnen und Anwohner in die Realisierung einzubinden und damit zur kulturellen Belebung und sozialen Aufwertung des Viertels beizutragen. Indem das Projekt der kulturellen Vielfalt ein Gesicht gibt, will es ein richtungweisendes Modell sein: als Beitrag zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 im  kulturellen Schmelztiegel Ruhr­gebiet und als Exempel für die Partizi­pation von Migrantinnen und Migran­ten in künstleri­schen und städtebaulichen Prozessen.

 

Die Hochbrücke Ebene II (offizielle verkehrstechnische Be­zeichnung), ist ein dominantes Bauwerk aus den siebziger Jahren; sie trennt den Stadtteil Altenhagen optisch vom Zentrum der Stadt. Das monu­mentale Bauwerk fällt zwangsläufig in den Blick aller, die den Hauptbahnhof passie­ren und die Stadt Richtung Nordwesten erreichen oder verlassen (ca. 40.0000 Autos täglich). In einer dicht besiedelten Umgebung gelegen, führt diese schnelle Verbindungsstraße nur wenige Meter an den angrenzenden Wohnhäusern vorbei und ermöglicht Blicke bis in die Wohnungen der Anwohner in den oberen Etagen der Häuser. Rund um die Brücke erstreckt sich ein Quartier mit Einzelhandel, Wettbüros, Spielhallen und Gastronomie, zumeist von Migranten geführt und besucht.

 

Die Gestaltung der Brücke will - nicht nur für die Stadt Hagen - Beispiel sein „Brücken zu schlagen“ für die Verständigung zwischen den deutschen und immigrierten Be­völkerungsgruppen. Das eingängige Gestaltungskonzept bestehend aus Farbe und Licht ist auch im Vorüberfahren ver­stehbar. Die Farbflächen an beiden Seiten der Brücke wurden auf der Grundlage von Interviews mit 42 Anwohnerinnen entwickelt. Die Frauen unterschiedlicher Herkunft wurden nach ihren Heimaterinnerungen, ihren Beweggründen zur Auswanderung oder Flucht und ihren Wahrnehmungen der neuen Heimat Hagen befragt. Die an wesentliche Erinnerungen geknüpften Farberinnerungen protokollierten die Künstlerinnen sorgfältig und schufen aus diesen  Farbbiografien ein stimmiges Farbkonzept für die Brücke. Der Dialog wird zur Quelle einer Alltagsästhetik und zum künstlerischen Sujet, das Welten verbindet. Die Brücke wird zur Dokumentation und zum Gedächtnis der beteiligten Anwohnerinnen.

Ein zweiter wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Gestaltung ist das Wort „Brücke“ als neue Beleuchtung. In den  unterschiedlichen Sprachen schreiben die Interviewten das Wort Brücke mit ihrer Handschrift. Diese Schriftzüge werden in Neonleuchten nachgebildet und auf den Farbflächen angebracht. Ein    Dokumentarfilm von Ute Badura, Berlin, und eine Internetseite geben Auskunft über den bisherigen Entwicklungsprozess.

 

Die Entwicklung des Projektes wird begleitet von Tanz-, Theater-, Musik-, Film- und Ausstellungsprojekten mit Akteuren unterschiedlicher Altersstufen aus dem Stadtteil, mit  renommierten Künstlern und Hagener Kulturinstituten. In dem eigens zu diesem Zweck reaktivierten Gloria Kino entstanden seit September 2006 eine Reihe von Inszenierungen. Die Akzeptanz des Aufführungsortes ist bei der Anwohnerschaft groß, die als Akteur und Publikum beteiligt ist.

Die Aufführungen eines Jugendtheaters mit Hauptschülern aus Altenhagen unter der Leitung von Werner Hahn, ein Kurzfilm von Mustafa Özgür Arslan, einem jungen Hagener Filmemacher, die Choreografie Estacao esperanca von Ballettleiter Ricardo Fernando, der Roman „Die Schatten der Liebe“ von Ali Arslan, die Ausstellung „1 km² Stadt und eine Brücke von Milica Reinhart und Marjan Verkerk  und das HipHopProjekt des MusikOfficeHagen unter Leitung von Gandhi Chahine – dies alles sind Projekte, die unter der Leitung des Kulturamtes zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2007 im Rahmen des Projektes Ebene II entstanden. Sie alle richten  den künstlerischen Fokus auf den Alltag und die Lebenswelten der Migranten in Hagen. Und sie haben bereits bewiesen, dass sie mit hoher künstlerischer Qualität und gleichzeitiger Einbeziehung der Anwohner Altenhagens hohen Publikumszuspruch und große Medienresonanz erreichen konnten. Weitere begleitende Kunstprojekte wie ein neues Jugendtheaterstück noch in 2007 werden folgen.

 

3. Bedeutung und Resonanz

 

Das von den Künstlerinnen entwickelte Gestaltungskonzept als auch die parallel entstandenen Kunstprojekte haben weit über Hagen hinaus bereits jetzt große Anerkennung gefunden. Das Büro der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 bescheinigte bereits im August 2006 dem Hagener Oberbürgermeister:„Die Art, wie hier Stadtentwicklung, Integration und Kunst in Wechselwirkung und positive Spannung gesetzt werden, macht anschaulich, wie eine Wirkungskette „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ in der Realität eines Stadtteiles konkret organisiert werden kann“ (Oliver Scheytt).

Die Kulturabteilung der Staatskanzlei bezeichnete in einer Veranstaltung im Frühjahr 2007 in Hagen dieses Projekt als beispielhaft für die interkulturelle Arbeit in NRW und wird die Ebene II in einer im Herbst erscheinenden Publikation zur Interkultur in NRW besonders herausstellen. Sie kenne kein Projekt, das auf so herausragende Weise den Kriterien der interkulturellen Kulturpolitik  in unserem Lande entspräche, so Ulla Harting aus der Referat für Interkultur u.a..

Auch Fritz Pleitgen,  Geschäftsführer des Ruhr 2010, äußerte sich gegenüber der Presse sehr positiv zu dem Projekt.

Im März 2007 wurde das Projekt mit weiteren Bausteinen bis 2010 angereichert und als Beitrag zur Kulturhauptstadt zum Schwerpunktthema „Stadt der Kulturen“ eingereicht. Die Entscheidung, ob dieses Projekt zu einem der Leitprojekte der Ruhr 2010 wird, entscheidet eine Jury voraussichtlich Ende Oktober. Erste Hinweise lassen auf eine positive Entscheidung hoffen.

 

4. Realisierung

 

Die Umsetzung des Farb- und Lichtkonzeptes erfordert eine langwierige Vorbereitungsphase. Neben der Prüfung der technischen Gegebenheiten und Erfordernisse wird in 2007 die Umsetzung der Farbentwürfe erprobt. Dazu erhalten die Künstlerinnen kostenlose Unterstützung und Beratung eines Farbenherstellers. Unterstützt mit Mitteln der Staatskanzlei werden die vorbereitenden Arbeiten durchgeführt, so dass im März 2008 mit der Realisierung des Kunstprojektes begonnen werden kann.

 

Baulicher Zustand des Brückenbauwerkes
Das Bauwerk ist in den Jahren 1963 – 1968 erstellt worden. Es handelt sich hierbei um einen vorgespannten mehrzelligen Hohlkasten in Stahlbetonbauweise.

Der bauliche Zustand des Brückenbauwerkes erfordert in den nächsten sieben bis zehn Jahren die Sanierung von Schadstellen im Bereich der Spanngliedverankerungen.
Des Weiteren müssen im Zuge dieser Arbeiten die Betonunterseiten der Brückenüberbauten mit einem Oberflächenschutzsystem beschichtet werden.
Es sinnvoll, die Sanierungsarbeiten am Bauwerk vorzuziehen, um anschließend das Kunstprojekt „Sehnsucht nach Ebene II“ uneingeschränkt realisieren zu können. Eine spätere Sanierung des Brückenbauwerkes würde wahrscheinlich große Teile des Kunstwerkes zerstören.
Die Herstellung des Kunstprojektes erfordert die Einrüstung und Einhausung der Überbauten. Diese Einrüstung kann gleichzeitig für die Sanierung des Bauwerkes im Vorfeld genutzt werden.

Baulicher Ablauf
Das Bauwerk besteht aus 15 Überbaufeldern mit Stützweiten von je 30 – 50 m
14 Felder sollen nacheinander saniert, beschichtet und farblich gestaltet werden. Ein Feld wurde bereits vor einigen Jahren saniert (Brandschaden).
Anschließend werden an einigen Feldern des Bauwerkes Leuchtschriften mit der Aufschrift „Brücke“ in verschiedenen Sprachen befestigt.

Aus Kostengründen sollen zeitgleich nur jeweils drei Felder des Brückenbauwerkes eingerüstet werden. Dadurch wird gewährleistet, dass die Sanierungs- und Gestaltungsarbeiten am Bauwerk fortlaufend ausgeführt werden können.
 
Für die Sanierungs- und Gestaltungsarbeiten an den einzelnen Bauwerksfeldern stehen jeweils nicht mehr als drei Wochen Zeit zur Verfügung.
In diesem Zeitraum werden auch die Haltekonstruktionen für die Beleuchtungseinrichtungen am Bauwerk montiert. Anschließend erfolgt die Montage der Licht-Schriftzüge „Brücke“ am Bauwerk.

 

Die Stromversorgung für die Lichtinstallation erfolgt über ein neu unter der Brücke zu verlegendes Kabelnetz in Edelstahlschutzrohren. Die Stromeinspeisung und Verbrauchsermittlung ist über einen separat vorgesehenen Schaltschrank mit Zähleinrichtung vorgesehen, so dass die Lichtanlage unabhängig von der öffentlichen Straßenbeleuchtung betrieben und geschaltet werden kann.

 

Die vorhandene Straßenbeleuchtung bleibt durch die vorhandenen Leuchten in ihrer Lichtstärke unverändert gewährleistet. Der Bereich „Altenhagener Brücke“ ist seit Jahren ein Unfallschwerpunkt. Von daher ist eine Veränderung der technischen Beleuchtung in ihrer Gesamtstärke aus Sicherheitsgründen zu vermeiden. Lediglich kann eine Reduzierung der Lichtstärke einzelner Leuchten mit gleichzeitiger Erhöhung der Leistungsaufnahme der benachbarten Leuchten zur Akzentuierung der Neonschriftzüge nach Vorlage detaillierter Lagepläne mit Darstellung der geplanten Schriftzüge der vorh. Leuchten und Nennung der Leistungsaufnahmen auf Basis einer lichttechnischen Berechnung in Erwägung gezogen werden. Eine Demontage von Leuchten wird ausgeschlossen.

 

Danach wird das Gerüst im fertig gestellten Feld demontiert, umgesetzt und vor den bereits eingerüsteten Feldern wieder aufgebaut.
Diese zeitliche Taktung des Bauablaufes ist zwingend und kann nicht verändert werden.

Zeitvorgaben
Mit der Einrüstung der ersten drei Brückenfelder soll im Februar 2008 begonnen werden. Die Einrüstung hierfür wird ca. drei Wochen in Anspruch nehmen. Die weitere Umsetzung der einzelnen Gerüstfelder erfordert jeweils ca. fünf bis sieben Tage.
Ab März 2008 soll mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. 
Die Fertigstellung aller Arbeiten ist für den November 2008 geplant. 

 

Verkehrliche Besonderheiten
Mit Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs (temporäre Sperrung von einzelnen Fahrspuren) während der Einrüstungsarbeiten der einzelnen Brückenfelder muss gerechnet werden.

 

 

5.  Gesamtkonzept Kulturhauptstadt Ruhr 2010

 

2006: Ein km² Stadt und eine Brücke

 

  • Die Projekte wurden wie beschrieben realisiert.

 

2007: Die Sehnsucht nach Ebene II

 

  • Ab Frühjahr : Vorbereitende Arbeiten für die Realisierung des Farb- und Lichtkonzeptes. Erstellung einer Dokumentation und einer Internetseite
  • Fortführung des Jugendtheaters mit der Hauptschule Altenhagen  unter Leitung von Werner Hahn und der Tanzpädagogin Vera Ivancic.

 

2008: Die Sehnsucht nach Ebene II – Farb- und Lichtgestaltung der Brücke

 

  • Von März bis November 2008 wird in einem abgestimmten Konzept zwischen Künstlerinnen und Brückenbauamt der Stadt die Realisierung des Farb- und Lichtplans erfolgen. Voraussetzung ist ein bis dahin abgeschlossenes Finanzierungskonzept. 

 

2009: crossover: the bridge

 

  • Das Philharmonische Orchester des Theater Hagen und die deutschsprachige Rap-Gruppe Sons of Gastarbeita (mit Gandhi Chahine) erarbeiten gemeinsam ein Musikwerk zur Brücke Ebene II und führen dies unter Einbeziehung von Musikern und Laien aus der Stadt auf.  Voraussetzung ist eine entsprechende Förderung durch das Kulturhauptstadtbüro und die Staatskanzlei.

 

2010: inside outside

 

  • Sommer 2010: Die international bekannte und agierende Performance-Künstlerin Angie Hiesl, Köln, und Roland Kaiser, Darstellender und Bildender Künstler aus Köln, entwickeln auf der Grundlage ihrer Aktions-Installationen   eine temporäre Gesamtbespielung der Hochbrücke. Indem sie mit entsprechendem Mobiliar einen Teil der Innenwelten der dort lebenden Bevölkerung nach draußen auf die Brücke holen und bespielen, wird nicht nur die Vielfalt familiärer, kulturell tradierter Lebenswelten aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit geholt, sondern der durch die Brücke radikal zerschnittene Lebensraum der Häuser nach draußen erweitert.  Voraussetzung ist eine entsprechende Förderung (s.o.).

 

  • Parallel wird eine Internationale Tagung unter dem Thema „Gateways to Heaven“ mit Jugendlichen aus Estland, Litauen, Polen, Italien, Russland, Weissrussland und der Ukraine  unter der Leitung der Evangelischen Schülerinnen und Schülerarbeit in Westfalen stattfinden.

 

 

6. Ziele

 

Das Kunstprojekt rund um die Ebene II wird als innovatives Projekt von der Landesregierung beispielhaft publiziert und gefördert. Es steht in unmittelbarer Folge der Struktur bildenden Initiativen zur interkulturellen Entwicklung in der Stadt.

  • Das Projekt unterstützt den Dialog der in Hagen lebenden Kulturgruppen positiv und trägt zur Integration bei.
  • Es setzt sich mit in qualitativ hochwertiger Weise künstlerisch mit eigenen und fremden kulturellen Lebensweisen auseinander.
  • Es besitzt aufgrund seines modellhaften Charakters und durch die Einbeziehung international erfolgreicher Künstler eine national wie international wirkende Anziehungskraft.
  • Es experimentiert mit unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen und stellt einen Diskurs zwischen den Künsten und den beteiligten Akteuren her.
  • Es trägt dazu bei, die kulturelle Vielfalt der Stadt als Bereicherung und Chance zu begreifen und zur Stadtidentität zugehörig wahrzunehmen.
  • Es intensiviert nachhaltig die interkulturellen Strukturen in der Stadt und implantiert interkulturelle Prozesse in die traditionellen Kulturinstitute.

 

 

7. Dimensionen

 

Neue Verknüpfungen: Das Projekt verbindet mit seinem künstlerischen Ansatz verschiedene Felder: Kunst, Städtebau und Stadtplanung, Integration, Frauen und Jugend. Kultur wird hier zum Motor für Begegnung und Integration, städtebauliche Erneuerung und kulturelle Reaktivierung eines Stadtteils mit besonderem Erneuerungsbedarf. 

 

Neue Kooperationen: Mit breit angelegter innerstädtischer Koopera­tion, die besonders auf die aktive Partizipation der Migrantinnen und Migranten gemein­sam mit kommunalen Institutionen und Initiativen setzt, werden die Potentiale solcher Zusam­menarbeit erstmals langfristig erprobt und für die Zukunft gefestigt.

Das Besondere ist die intensive Einbeziehung der Anwohner, insbesondere der Frauen, und der verschiedenen kommunalen Ak­teure über die ge­samte Dauer: von der Planungsphase über begleitende Veranstaltungen bis hin zur Durchführung über einen Zeitraum von fünf Jahren!

 

Neue Identifikationen: Die Realisierung des spartenübergreifenden Projektes „Die Sehnsucht nach Ebene II“ dient in der neuen Kontaktaufnahme und der breiten Beteiligung der Hagener Bevöl­kerung als Modell und Symbol für Verbin­dendes und Verständi­gung. Die künstlerische Bearbeitung der Brücke ver­weist jeden Passierenden auf diesen Dialog und auf die für manche Einwohner unbekannten Sei­ten der Stadt.

Bisherige Erfahrungen lassen darauf schließen, dass die kollektiven Gestaltungsprozesse dazu führen, dass Kunstwerke zu einem höheren Identifikationspoten­tial und ei­ner besonderen Wertschätzung der An­wohnerin­nen und Anwohner mit ih­rem Stadtteil führen. Durch eine Aufnahme des Projektes in das Angebot zur Kulturhauptstadt 2010 kann die gesamteuropäische Dimension der kulturellen und sozialen Annäherung in einem sich neu definierenden Europa abgebildet werden.

 

Europäische Dimension: Das Projekt, der Prozess der Gestaltung der Brücke selbst, verbunden mit dem brei­ten Spektrum an Aktivitäten zum Thema Migration, versteht sich als innerstädtische Kommuni­kations- und Kooperations­plattform zwischen verschiedenen Bevölkerungs­gruppen. Anknüpfend an vergleichbare städtebauliche  „Irrtümer“ der letzten dreißig Jahre, wie sie in vielen europäischen Städten auf ähnliche Weise entstanden, bietet das exemplarische Projekt Anleitungen zur Nachahmung auch über die nationalen Grenzen hinaus. Die Verknüpfung sozialer, kultureller, künstlerischer und städtebaulicher Ambitionen kann zur Neubewertung von städtischen Räumen mit Hilfe der AnwohnerInnen führen. Eine Weitergabe der dokumentarischen Ausstellung an interessierte Städte ist möglich und erwünscht. Eine Kooperation über deutsche Grenzen hinaus ist beabsichtigt und vorbereitet. Eine Realisierung des Projektansatzes in Amsterdam wird derzeit geprüft.

 

 

8. Finanzen

 

Die Finanzierung des Projektes in 2008 mit einem Gesamtvolumen von rund 780.000 € ist dem anliegenden Kosten- und Finanzierungsplan zu entnehmen. Entsprechende Vorgespräche mit den zuständigen Ministerien, Stiftungen und der Staatskanzlei erlauben die Aussicht auf eine gesicherte Gesamtfinanzierung bis Ende 2007 bzw. Anfang 2008.

Hauptanteil der Förderung soll über Bundessondermittel „Soziale Stadt“ fließen. Ein entsprechendes Sondierungsgespräch führten Vertreter der Verwaltung im Mai mit Vertretern der Staatskanzlei und den zuständigen Ministerien.

Die anwesenden Vertreter des Landes begrüßten die mit dem Brückenprojekt verbundenen Ziele und Intentionen und stellten im Rahmen ihrer haushälterischen Möglichkeiten eine noch zu klärende anteilige Förderung in Aussicht unter der Voraussetzung eines entsprechenden Ratsbeschlusses und angemessener finanzieller Beteiligung der Stadt Hagen und möglicher Sponsoren.

Die Kosten für die Herstellung und den Betrieb der Lichtanlage werden nach Vorliegen der Planung auf Basis einer lichttechnischen Berechnung und anhand von örtlichen Aufmaßen ermittelt und können daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffert werden.

 

Die Arbeiten werden nur bei einer Zusage der dem Finanzierungsplan zu entnehmenden Zuschüsse begonnen.  Die Finanzierung der Fortsetzungsprojekte in 2009 und 2010 werden durch gesonderte Anträge auf den Weg gebracht. Hier besteht die Möglichkeit, die vorgesehenen Konzepte dem jeweils verfügbaren Budget in 2009 und 2010 anzupassen.

 

 

 

 

 

9. Beteiligte

 

Veranstalter: Im Rahmen der bisherigen Aktivitäten haben sich verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung Hagen eingebracht, vom Baudezernat über die Gleichstellungsstelle bis zum Kulturbereich mit Theater (LUTZ - junge bühne hAGEN, Ballett Theater Hagen), Kulturamt und Jugendamt sowie Schulen. Darüber hinaus sind freie KünstlerInnen aus Hagen und Kulturinitiativen tätig geworden. Die Einbindung weiterer Kulturbereiche ist für die nächsten Projekte vorgesehen. 

Die Federführung des künstlerischen Teils des Gesamtprojektes liegt beim Kulturamt Hagen. Die Federführung der Sanierungsarbeiten am Bauwerk liegen beim Brückenbauamt. Der Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung ist für gestalterisches Licht und Werbung verantwortlich.

Die Agentur EXILE Kooperationen e.V., Essen ist mit dem Management  von Teilaufgaben beauftragt.

Netzwerke und Institutionen (Eine Welt Netz NRW und die regionale Stelle Kommunale Entwicklungszusammenarbeit) aus der Region haben eine breite Unterstützung gegenüber dem Projekt und ihre Beteiligung mit verschiedenen selbst organisierten Beiträgen angekün­digt. 

 

KünstlerInnen:

 

Milica Reinhart, 1958 geboren in Djakova, Kroatien, lebt und arbeitet als Bildende Künstlerin in Ha­gen. Sie ist regelmäßig vertreten in internationalen künstlerischen Aus­tauschpro­jekten die wesentlich durch ihr Engagement geprägt sind. In 2000 hat sie die künstlerische Arbeit von Mar­jan Ver­kerk, 1956 in Amsterdam geboren, kennengelernt. Mit dem internatio­nalen Kunstprojekt „Vi­sible Visions“, das Milica Reinhart und Marjan Verkerk gemeinsam ent­wickelten, und bei dem EXILE-Kulturkoordination auch schon die Projektorganisation geleitet hat, ernteten sie viel Erfolg im In- und Ausland. Die für den Weltgipfel in Johannesburg 2002 ge­meinsam mit inter­nationalen Künstle­rinnen erarbeitete Ausstellung wurde in ver­schiede­nen Museen Deutschlands, der Nie­der­lande und Südafrikas gezeigt und wurde im Frühjahr 2005 beim Sitz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nai­robi gezeigt. Das Kunstprojekt wurde als vorbildliches Agenda 21-Projekt des Landes NRW ausgezeichnet.

  

Curriculum Vitae Milica Reinhart  

 

2001: Arka –Zeche Zollverein/Essen

2002: Goethe-Institut Salvador de Bahia/Brasilien

2002: bis 2005 „Visible Visions – Internationales Kunstprojekt“ im Kontext der UN-Konferenz Johannesburg/Südafrika, Deutschland Niederlande, Kenia

2003: „Farbflucht“ Galerie Clasen/Münster

2004: „Das Erinnerte Haus“ FolkwangMuseum/Essen

2004: Wasserkunstprojekt in der Volme/Hagen

2005 „Länderspiele“ – L‘Acropoleum Tunis/Tunesien

2005: Teilnahme an den Deutschen Kulturwochen in Moskau und Smolensk/Goethe Institut

 

Curriculum Vitae Marjan Verkerk  

 

Studium der Malerei und Zeichnung an der Kunstakademie Arnheim, Niederlande  

Einzel und Gruppenausstellungen in u.a. Amsterdam (NL), Istanbul (T), Brighton (UK), Wien (Au), Aachen (D), Hagen (D)

seit 1981: Multimediaprojekte:  Kombinationen von Visueller Kunst mit Klang/Musik, Fotografie und Film in Installationen und Theaterprojekten.

u.a. ” Enige Nurksen” (“Einige Nörgler”), Klang, Gesang, Text und Bewegende Zeichnungen. Auftritte in u.a. Stedelijk Museum Amsterdam, Reithalle Bern und Cave 12 Genève (S), le 102 Grenoble (F) u.a. 2000: ”de Walvis” (”Der Wal“), Große Lichtinstallation mit Be­wegten Bildern für ein Glasgebäude in Amsterdam. 

Kuratorin von Ausstellungen, Kooperationsprojekte mit Künst­lern aus verschiedenen Disziplinen und Ländern ab 1981. 

Visible Visions 2002-2005: Internationales Multimedia-Ausstellungsprojekt mit 11 Künstlerinnen aus Brasilien, Kroatien, Niederlande, Irland, Deutschland

Unterrichtet Zeichnung und Malerei: Kunstakade­mie Arnheim (1989) und Breda (1994), Crea-Universität von Amsterdam (1998 bis heute), 

www.arttrack.nl/MarjanVerkerk

 

 

 

 

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Auswirkungen

x

 Es entstehen keine finanziellen und personellen Auswirkungen.

 

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Anlagen

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Beschlüsse

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14.08.2007 - Kultur- und Weiterbildungsausschuss - ungeändert beschlossen

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15.08.2007 - Frauenbeirat - ungeändert beschlossen

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21.08.2007 - Bezirksvertretung Hagen-Mitte - geändert beschlossen

Beschluss:

Die Bezirksvertretung Hagen-Mitte empfiehlt dem Rat der Stadt Hagen folgenden Beschluss zu fassen:

 

Der Rat der Stadt Hagen stimmt der Realisierung des Projektes „Sehnsucht nach Ebene II“ als Bestandteil der Kulturhauptstadt 2010 zu. Die Maßnahme wird in 2008 umgesetzt. Grundlage der Zustimmung ist der aktuelle Kosten- und Finanzierungsplan. Zur Kompensation von bislang nicht gedeckten Finanzierungsanteilen wird ein Sponsor/eine Stiftung im Rahmen einer Ausfallbürgschaft aufkommen. Städtische Sonderzahlungen über die bereitzustellenden Etats des laufenden Haushalts hinaus werden ausgeschlossen.

 

Zusatz:

Die Bezirksvertretung Hagen-Mitte empfiehlt dem Rat der Stadt Hagen, in den Verhandlungen mit den Künstlern den Ausschluss des Urheberrechtes abzuklären.

Abstimmungsergebnis:

X

 Einstimmig beschlossen

 

Dafür:

19

Dagegen:

0

Enthaltungen:

0

 

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28.08.2007 - Stadtentwicklungsausschuss - ungeändert beschlossen

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06.09.2007 - Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie - ungeändert beschlossen

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13.09.2007 - Haupt- und Finanzausschuss - ungeändert beschlossen

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11.10.2007 - Rat der Stadt Hagen - ungeändert beschlossen