Beschlussvorlage - 0052/2007
Grunddaten
- Betreff:
-
Palliativpflege und Sterbebegleitung in Hagen
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB53 - Gesundheit und Verbraucherschutz
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
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Entscheidung
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12.02.2007
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Sachverhalt
Die Palliativpflege wendet sich an schwerstkranke und sterbende Menschen, denen kurativ nicht mehr geholfen werden kann. Krankenhausaufenthalte sollen möglichst vermieden werden.
In Hagen engagieren sich in der Palliativpflege mehrere Anbieter. Der langjährig bestehende Dienst des Caritasverbandes Hagen wird seit 2006 durch die Palliativpflege des Diakonischen Werkes Ennepe-Ruhr / Hagen und um das Angebot der Diakonie Mark für den Stadtteil Hohenlimburg erweitert.
Alle Akutkrankenhäuser in Hagen haben Anstrengungen unternommen, um sterbenden Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen einen würdigen Rahmen zu bieten. Besondere Sterbezimmer und ausgebildete Pflegefachkräfte stehen hierfür zur Verfügung.
Sterbebegleitung leistet seit acht Jahren der Caritasverband durch ehrenamtlich tätige Frauen und Männer, die Supervision und Fortbildung wahrnehmen. Trauergespräche, ein Trauercafé und ein ambulanter Kinderhospizdienst vervollständigen das Arbeitsfeld.
"Da sein - ambulante Sterbebegleitung" ist ein neuer ambulanter Hospizdienst des Diakonischen Werkes Ennepe-Ruhr / Hagen, der in enger Verzahnung mit den Diakoniestationen in Hagen, Wetter und Breckerfeld zusammenarbeitet.
Beide Träger haben i.S. der notwendigen Vernetzung Arbeitskreise mit anderen beteiligten Stellen und Fachleuten eingerichtet.
Der Verein
für ein stationäres Hospiz in Hagen setzt sich zur Schaffung eines entsprechenden
Hauses mit mindestens 6 Plätzen in Hagen ein, damit Betroffene auch in ihrer
Heimatstadt untergebracht werden können. Begonnen werden soll die Arbeit in
einem geeigneten und gemieteten vorhandenen Gebäude.
Unwürdig oder unter Schmerzen sterben zu müssen, ist eine
weitverbreitete Angst in unserer Gesellschaft. Die Enquete-Kommission der
Bundesregierung "Ethik und Recht der modernen Medizin" ist der Überzeugung,
dass die umfassende Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen durch
Palliativmedizin und Hospizarbeit dafür entscheidend ist, diese Ängste
abzubauen und der damit oft verbundenen Forderung nach vorzeitiger Beendigung
des Lebens wirksam entgegen getreten werden kann. Es bedarf einer lindernden
Medizin, die der Lebensqualität anstelle der künstlichen Lebensverlängerung
dient. Dieses Ziel verfolgen Palliativmedizin und Hospizarbeit. Beide Bereiche
können ein würdevolles Sterben auch in den eigenen vier Wänden ermöglichen.
1. Palliativpflege
Die Palliativpflege ist die Versorgung von Patienten mit einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, bei denen eine kurative Therapie nicht mehr anspricht. Das häufig gemeinsame Auftreten vielfältiger körperlicher und psychischer Symptome und Syndrome ist dabei kennzeichnend. Das Erleben der Patientinnen und Patienten ist geprägt durch Schmerzen, Atemnot, Siechtum, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, soziale Isolationen und dem Gefühl, Angehörigen zur Last zu fallen. Durch Palliativpflege ist eine angemessenen Balance zwischen somatischer und psychosozialer Behandlung herzustellen. Es ist mit das Ziel, Krankenhausbehandlungen zu vermeiden. Seit April 2006 handelt es sich hierbei um eine Regelleistung der Krankenkassen.
In enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten werden Betroffene zu Hause gepflegt und betreut. Schmerztherapie und Symptomkontrolle, aber auch die persönliche Zuwendung und Begleitung der Angehörigen sind Teil der Leistungen. Die patienten- und leistungsbezogenen Tätigkeiten erfolgen auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung. Meistens ist damit eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung verbunden.
Heute sterben vier von fünf schwerstkranke Menschen zu Hause. Früher war es genau umgekehrt: 80% dieses Personenkreises starben im Krankenhaus.
1.1 Palliativpflege im häuslichen Bereich
Caritasverband Hagen:
Palliativ-Pflege ist seit 2001 ein Angebot der Caritas Hagen.
Das Palliativ-Pflegeteam in der Sozialstation des Caritasverbandes bietet eine ganzheitliche, individuelle lindernde Pflege an. Sechs Krankenschwestern haben die spezielle Palliative-Care-Ausbildung absolviert. Jährlich werden zwischen 130 und 140 Menschen palliativ-pflegerisch versorgt.
► Frau Fricke, Tel. 02331 171680
Diakonisches Werk Ennepe Ruhr / Hagen:
Das Diakonische Werk ist mit seinen Diakoniestationen flächendeckend in Hagen tätig. Um für die Patienten/innen, die dies wünschen, eine pflegerische Vollversorgung garantieren zu können, wird seit 2006 auch ein palliatives Pflegeangebot vorgehalten. Im Diakonischen Werk arbeiten zur Zeit vier in der Palliativpflege ausgebildete Mitarbeiterinnen, vier sind noch in der Ausbildung und drei weitere beginnen mit der Ausbildung in Kürze. Auf absehbare Zeit sind somit 11 Mitarbeiterinnen entsprechend qualifiziert. Die Anerkennung bei den gesetzlichen Krankenkassen ist beantragt.
► Frau Dodt, Tel. 02331 380900
1.2 Palliativpflege im stationären Bereich
Alle Akutkrankenhäuser in Hagen sind bemüht, durch eine fortwährende Symptomkontrolle und durch Schmerztherapien sterbenden Patienten die verbleibende Lebenszeit so erträglich wie möglich zu gestalten. Einige Häuser haben besondere Sterbezimmer eingerichtet, die auch den Angehörigen einen würdigen Rahmen bieten. Ausgebildete Pflegefachkräfte stehen i.d.R. zur Verfügung.
Das Ev. Krankenhaus Haspe hat hierfür im Stellenplan speziell eine Stelle ausgewiesen. Seit 2001 werden dort sterbende Patienten und deren Angehörige durch die in der Palliativpflege ausgebildete Krankenschwester betreut. Der intensive Kontakt geht hier so weit, dass diese dann oft auch bei der Beisetzung anwesend ist.
2. Sterbebegleitung (Hospiz)
Viele Menschen fürchten, in ihren letzten Tagen und Stunden ihres Lebens der Apparatemedizin ausgeliefert und massiv von anderen abhängig zu sein. Deshalb wird die Forderung erhoben "hospizliches Denken" müsse in alle Bereiche des Gesundheitswesens Einzug halten. Moderne Schmerztherapien müssten angewandt werden, geschulte Menschen den Sterbenden begleiten. Zur Stärkung dieser auf der Menschenwürde basierenden Forderungen erfolgt im ambulanten und stationären Bereich bundesweit der Ausbau der Hospizarbeit. Durch die Einführung von § 39a SGB V sind die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung nunmehr dazu verpflichtet, Leistungen der Hospizversorgung - zumindest teilweise - zu finanzieren.
2.1 Ambulante Sterbebegleitung
Caritasverband Hagen:
Seit acht Jahren besteht das Ambulante Hospiz des Caritasverbandes Hagen. Es umfasst die ambulante Sterbebegleitung, Angebote von Trauereinzelgesprächen und Trauergruppen, ein Trauercafé und den ambulanten Kinder-Hospizdienst. Kinderhospizarbeit beinhaltet die Begleitung der ganzen Familie, also auch der Geschwister und Eltern, vom Zeitpunkt der Diagnose bis über den Tod hinaus.
2005 wurden von 42 durch Weiterbildung und Supervision geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen 54 Patienten/innen betreut, davon 5 Kinder, von denen zwei verstorben sind.
► Frau Stoppa, Tel. 02331 8039180
Diakonisches Werk Ennepe Ruhr / Hagen:
Die ambulante Sterbebegleitung begrenzt sich auf die Städte Hagen, Herdecke, Wetter und Breckerfeld. Der Dienst "Da-Sein - Ambulante Sterbebegleitung" begleitet schwerstkranke, sterbende und trauernde Menschen. Angehörige werden entlastet, die sich durch die Pflege von Kranken und Sterbenden zeitweilig oder ständig überfordert fühlen. Es sind 11 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen tätig.
► Frau Dodt, Tel. 02331 380900
► Frau Pfr. Lauxmann, Tel. 02331 3751199
Diakoniezentrum Haspe e.V.
Das Diakoniezentrum Haspe e.V. bietet ab Januar 2007 ein regelmäßiges Treffen für trauernde Menschen. Die Treffen finden im Casino des Alten Stadtbades in Haspe statt.
► Herr Pfarrer Grass, Tel. 02331 401531
Ev. Alten- und Pflegeheims Haspe
Die Hospizgruppe des Ev. Alten- und Pflegeheims Haspe bietet seit 1999 Kurse zur Sterbebegleitung für Ehrenamtliche an.
► Herr Pfarrer Krullmann, Tel. 02331 4763006
2.2 Stationäre Sterbebegleitung
"Förderverein stationäres.hospiz.hagen e.V."
Der als gemeinnützig anerkannte "Förderverein stationäres.hospiz.hagen e.V."
hat es sich zum Ziel gesetzt, in Hagen ein Hospiz zu errichten.
Für die Bedarfsklärung wird die Zahl der Tumorneuerkrankungen zu Grunde gelegt, die für Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis jährlich über 2.000 beträgt. Statistisch gesehen sterben hiervon jährlich etwa 200 bis 400 Menschen. Nach Forderung der Enquete-Kommission der Bundesregierung "Ethik und Recht der modernen Medizin" sind bei den genannten Zahlen 9 - 12 Betten in einem stationären Hospiz erforderlich.
Eine Rückfrage bei der AOK und der BARMER in Hagen ergab, dass in den ersten 11 Monaten 2006 insg. 29 Personen aus Hagen in einem auswärtigen Hospiz untergebracht werden mussten. Mit den anderen Kassen zusammen sowie den privat und nicht Versicherten wird die tatsächliche Bedarfszahl aus Hagen doppelt so hoch sein.
Geplant ist für Hagen ein Hospiz mit 6 Betten mit weiteren 4 Betten in Reserve. Die Finanzierung erfolgt nach SGB V zzgl. eines Trägeranteils von 10 %.
Als nächste Schritte sind geplant:
· Beginn in einem gemieteten und geeigneten vorhandenen Gebäude;
· Suche nach einem Investor, der auf der Basis Miete/Mietkauf ein Gebäude als Neubau bereitstellt.
Der Standort sollte folgenden Ansprüchen genügen:
· mitten im Leben;
· gute Verkehrsanbindungen;
· Garten und/oder Grünfläche in der Nähe.
► in Vertetung des Vorstandes: Frau Queckenstedt, Fachärztin für Innere Medizin und Palliativmedizin, Tel. 02331 301334
3. Kooperation
Um die häusliche Versorgung sterbender Menschen in unserer Stadt auf hohem Niveau sicherzustellen, ist es notwendig, dass möglichst viele mit diesem schwierigen Thema befasste Personen, z.B. Ärzte, Pflegedienste, Apotheker, Sanitätshäuser, aber auch Ehrenamtliche, gut zusammenarbeiten. Dies geschieht durch den Caritasverband schon seit vielen Jahren und seitens des Diakonischen Werkes als neue Aufgabe: Seit November 2006 gibt es engagierte Initiativen zum Aufbau eines Palliativ-Care-Versorgungsnetzes für den Ennepe-Ruhr-Kreis und die Stadt Hagen.
Oft sind Angehörige trotz guter Unterstützung durch ambulante Pflege und den
ambulanten Hospizdienst mit der Situation überfordert. Übermüdung, Überforderung
durch Pflege und psychische Anspannung führen zu Konflikten, die es manchmal
unmöglich machen, sich in guter Weise von einem Sterbenden zu verabschieden.
Der Verein für ein stationäres Hospiz in Hagen ist daher in die genannten
Kooperationsbezüge eingebunden.
► wie oben: Frau Stoppa, Frau Fricke, Frau Dodt, sowie: Frau Lauxmann, Frau Vollard, Frau Queckenstedt
