Beschlussvorlage - 0979/2006
Grunddaten
- Betreff:
-
Bürgerantrag der Frau Sigrid Keppe, Borgenfeldstraße 7m, 58099 Hagen, Anregung der Frau Ilse Köppen, Lange Straße 6, 58099 Hagen: Tierschutzgerechte Maßnahmen zur Verringerung des Taubenbestandes in Hagen
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/A Amt des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Elke Kramer
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Geplant
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Ausschuss für Bürgeranregungen und Bürgerbeteiligung
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Entscheidung
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28.11.2006
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Sachverhalt
Mit ihren Bürgeranträgen vom 17.10.2006 bzw. 23.10.2006
möchten die Antragstellerinnen erreichen, dass sich die politischen Gremien der
Stadt Hagen mit dem Thema Taubenpopulation befassen. Ihrer Auffassung nach kann
eine wirksame Reduzierung des Taubenbestandes nur dann erfolgen, wenn die Tiere
in betreuten Schlägen untergebracht werden, in denen die Kontrolle des
Nachwuchses möglich ist. Zudem wird angeregt, einen Arbeitskreis einzurichten,
in dem Verwaltung, Politik und Tierschützer gemeinsam ein Konzept zur Verringerung
des Taubenbestandes erstellen könnten.
Frau Köppen trug am
17.10.2006 Herrn Oberbürgermeister Demnitz vor, dass sie sich seit Jahren um
die Fütterung der Tauben im Bereich Wehringhausen kümmere. Sie beobachte mit
Sorge, dass die Taubenpopulation im Stadtgebiet immer größer werde. Dies
belaste sowohl die Menschen als auch die Tiere. Die Tiere seien auf die
Fütterung durch Menschen angewiesen, das Fütterungsverbot, so wie es derzeit in
Hagen angewendet werde, sei deshalb grausam und führe dazu, dass die Tiere verhungerten
oder durch ungeeignetes Futter krank würden. Sinnvoller sei es, mehrere
Fütterungsplätze anzulegen, an denen die Tauben von ehrenamtlichen Kräften
regelmäßig gefüttert würden. Auch sei die Einrichtung mehrerer Gauben oder Taubenhäuser
erforderlich, um den Taubenbestand, beispielsweise durch Austausch der Eier, zu
reduzieren. Das derzeit einzige Taubenhaus im ehemaligen Stadtarchiv reiche hierzu
nicht aus. Um die Taubenproblematik grundsätzlich zu lösen sei es erforderlich,
dass zusammen mit dem Tierschutzverein eine Linie gefunden werde, auf der man
miteinander agieren könnte. Langfristig müsse das Ziel sein, die
Taubenpopulation mit tierschutzgerechten Maßnahmen zu reduzieren bzw. unter Kontrolle
zu halten. Frau Köppen regt daher an, einen Arbeitskreis zu bilden, in dem
sowohl Tierschützer/Innen als auch Tierärzte und städtische Mitarbeiter/Innen
vertreten sein sollten, um ein entsprechendes Konzept zu erstellen.
Frau Keppe kommt in ihrem Vortrag vom 23.10.2006 zu ähnlichen Einschätzungen. Sie ergänzt dies um den Hinweis darauf, dass sie bereits im Jahre 1990 einen Bürgerantrag gestellt habe, in dem die Aufhebung des in der Gebietsordnung verankerten Fütterungsverbotes sowie die Einrichtung von betreuten Taubenschlägen an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet gefordert wurde. Dieser Bürgerantrag habe zu einem Gespräch zwischen Vertretern der Verwaltung und der Tierschutzorganisationen geführt, in dem verschiedene Vorschläge zur Reduzierung des Taubenbestandes erarbeitet wurden. Im Jahre 1996 habe sie im Rahmen eines Pilotprojektes das so genannte „Taubenhormon“ nach Hagen geholt. Das Hormon sei von Tierschützern in Zusammenarbeit mit den Amtstierärzten ausgegeben worden. Hierdurch sei der Taubenbestand in Hagen erheblich reduziert worden. Da für das Hormon keine Zulassung erteilt worden sei, sei diese Aktion 1998 ausgelaufen. Nach Gesprächen mit dem Experten Herrn Dr. Rademacher aus Hannover werde es jedoch bald möglich sein, das Taubenhormon wieder einzusetzen. Dies sollte dann auch in Hagen geschehen. Langfristig müsse ein Konzept erstellt werden, das zu einer wirksamen Reduzierung der Taubenpopulation führt. Beispiele aus anderen Städten, wie zum Beispiel Augsburg und Aachen zeigten, dass dies möglich ist. Bereits im Jahr 1998 hätten auf ihre Veranlassung hin Vertreter der Verwaltung und der Politik die Stadt Aachen besucht und sich die dortige Situation angesehen. In Aachen gebe es sowohl städtische als auch private Taubenschläge sowie öffentlich eingerichtete Fütterungsplätze. Über dieses und andere Konzepte gebe es umfangreiches Schriftenmaterial der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben, deren Mitglied sie sei. Das derzeit geltende Fütterungsverbot müsse aufgehoben werden, da das Einfangen von verletzten und kranken Tieren ohne Fütterung nicht möglich sei. Die Tierschützer würden zu Unrecht kriminalisiert, wenn sie Tauben fütterten.
Frau Keppe bitte den Beschwerdeausschuss darum, sich mit folgenden Anregungen zu befassen:
- Einrichtung von Fütterungsplätzen und Erteilung von „Fütterungserlaubnissen“ an ausgesuchte Personen
- Errichtung eines betreuten Taubenschlages am Bahnhof
- Einrichtung eines neuen, funktionsgerechten Taubenhauses am Arbeitsamt
- Planung von weiteren Maßnahmen zusammen mit der Politik und der Verwaltung, insbesondere den Amtstierärzten
- Fortsetzung
des Gesprächskreises, der sich in den neunziger Jahren auf Initiative der
Politik zu diesem Thema gebildet hatte.
Die Verwaltung nimmt zu den vorgetragenen Punkten wie folgt Stellung:
Dass sich die Anzahl der Stadttauben in den letzten Jahren deutlich erhöht haben soll, kann weder bestätigt noch beobachtet werden. Der betreute Stadttaubenschlag im ehemaligen Stadtarchiv arbeitet äußerst erfolgreich. Dies zeigt die Tatsache, dass sich im Durchschnitt täglich gegen Mittag um 350 Tiere im Inneren des Schlages aufhalten. Im Mittel brüten etwa 50 Tiere im Taubenschlag, deren Eier regelmäßig entfernt werden.
Aufhebung des Fütterungsverbotes, Einrichtung von Fütterungsplätzen und
Erteilung von „Fütterungserlaubnissen“ an ausgesuchte Personen
Einer Aufhebung des Fütterungsverbotes wird seitens der Verwaltung nicht zugestimmt, da hierdurch die mittlerweile an feste Plätze gebundenen Tauben sich wieder über das gesamte Innenstadtgebiet verteilen würden. Die betreuten Fütterungsplätze liegen am Bergischen Ring sowie am Arbeitsamt. Ein Fütterungsplatz am Bahnhof wird seitens der Verwaltung abgelehnt, da ein solcher dazu führen würde, dass sich der gesamte Taubenbestand des Bahnhofsumfeldes dann dort niederlassen würde. Nach Einrichtung eines betreuten Taubenschlags im Bahnhofsbereich müssten die Fütterungsaktivitäten am Bergischen Ring und am Arbeitsamt eingestellt werden, um auch diese Tiere an den neuen Schlag zu binden.
Einrichtung eines betreuten Taubenschlags am Bahnhof
Die Einrichtung eines betreuten Taubenschlags im Bahnhofsbereich ist auch nach Auffassung der Verwaltung dringend erforderlich, um einen weiteren Brennpunkt der Taubenproblematik zu entschärfen. Mit einem solchen Taubenschlag, der bereits seit mehreren Jahren vom Umweltamt und der Tierschutzbehörde gefordert wird, ließen sich die Stadttaubenprobleme im Bereich Arbeitsamt, Bahnhof und östliches Wehringhausen innerhalb eines Jahres zum großen Teil lösen, so wie es im Innenstadtbereich bereits geschehen ist. In dem neuen Taubenschlag müssten mindestens 200-300 Tiere untergebracht werden. Mögliche Standorte wären das Flachdach des Rathauses II oder das Dach des von der Stadt angemieteten Gebäudes „Haus Deutscher Ring“. Bisher fehlen zu einer solchen Maßnahme jedoch sowohl die Zustimmung der Eigentümerin des Rathauses II (Axa- Versicherungen AG) als auch personelle und finanzielle Mittel.
Einrichtung eines neuen, funktionsgerechten Taubenhauses am Arbeitsamt
Mit der Einrichtung eines betreuten Taubenschlags für 200-300 Tiere im Bahnhofsbereich würde das Taubenhaus am Arbeitsamt überflüssig und könnte entfernt werden.
Planung von weiteren Maßnahmen zusammen mit der Politik und der
Verwaltung, insbesondere den Amtstierärzten
Folgender
möglicher Zeit- und Maßnahmenplan zur weiteren Verbesserung des Stadttaubenproblems
wäre vorbehaltlich dessen, dass Personal und Geldmittel zur Verfügung gestellt
werden, innerhalb kurzer Zeit durchführbar:
· Bau eines zweiten betreuten Taubenschlags entweder auf dem Flachdach des Rathauses II oder auf dem Dach des in Anmietung durch die Stadt befindlichen „Haus Deutscher Ring“ am Bahnhofsvorplatz.
Hierfür ist nach Zustimmung der entsprechenden Stellen ein Zeitrahmen von etwa 4 Wochen einzuplanen. Nach der Bauphase kann unverzüglich mit dem Einfangen von Tauben im Bahnhofsbereich begonnen werden, die dann zur Eingewöhnung über etwa 3 Monate im neuen Schlag eingesperrt bleiben müssten, die Tiere würden sich dann künftig, wie im ehemaligen Stadtarchiv zu beobachten, überwiegend im Schlag aufhalten.
Der vorgeschlagene Maßnahmenkatalog wurde vom Umweltamt bereits vor mehreren Jahren erstellt und muss lediglich beschlossen und umgesetzt werden. Hierzu müssen die finanziellen und personellen Erfordernisse für die Betreuung der Schläge sichergestellt sein. Der Tierschutzverein stößt diesbezüglich bereits im betreuten Taubenschlag im ehemaligen Stadtarchiv an seine Grenzen. Ohne ständig wechselnde „1-Euro-Jobber“ ist der Betrieb auf Dauer nicht aufrecht zu halten. Die Einrichtung eines Taubenhauses im Bahnhofsbereich würde vom Tierschutzverein wohl noch geleistet, jedoch können keine Betreuungsaufgaben übernommen werden. Hier ist die Stadt selbst gefragt. Hinzukommen könnte die Mitarbeit der Händlerorganisationen etc. (wie in anderen Kommunen selbstverständlich), da insbesondere diese durch eine Minimierung der Belastungen durch die Tauben große Vorteile hätten. Auch ist an eine finanzielle Beteiligung dieser Organisationen am Stadttaubenprojekt zu denken. Erste Kontakte sind geknüpft, Gespräche werden anberaumt. Nicht zuletzt stellt die Lösung des Stadttaubenproblems auch einen Beitrag zur Stadtsauberkeit dar, die nicht zum Nulltarif zu haben ist.
Fortsetzung des Gesprächskreises, der sich
in den neunziger Jahren auf Initiative der Politik zu diesem Thema gebildet
hatte
Der von Frau Köppen vorgeschlagene Arbeitskreis ist bereits gegründet worden und befindet sich in der Obhut von Herrn Andreas Schmidt (Bürgeramt Hohenlimburg), der sich in seiner Freizeit stark für das Thema engagiert.
Verwendung des „Taubenhormons“
Ein zugelassenes
„Taubenhormon“ ist derzeit in Deutschland nicht vorhanden, es bestehen
auch keine Aussichten darauf, dass mittelfristig ein solches auf den Markt kommen
könnte, so dass diese Methode zur Reduzierung des Taubenbestandes entfällt.
