Berichtsvorlage - 0339/2023

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Die Einführung des Präventionsprogramms zur psychischen Gesundheit für Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 8 und deren Lehrkräfte wird zur Kenntnis genommen.

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Sachverhalt

Kurzfassung

 

Der Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz hat im Rahmen des Gesundheitsförderungsprojektes komm.gesund Hagen eine Regionalgruppe für das Präventionsprogramm  Verrückt? Na und! des Vereins Irrsinnig Menschlich e.V. aufgebaut. Aus dieser Regionalgruppe heraus wird, beginnend nach den Sommerferien 2023, bedarfsgerecht für interessierte Schulen jeweils ein Schultag ab der Jahrgangsstufe 8 angeboten mit dem Ziel der Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen, Aufzeigen von Lösungsstrategien und der Stärkung der Resilienz von Schüler*innen.

 

Begründung

 

Psychische Auffälligkeiten in Kindheit und Jugend können Auswirkungen bis in das Erwachsenenalter haben.

 

Die aktuellen Weltgeschehnisse wie Krieg, Energiekrise, Klimawandel und Covid-19-Pandemie sind für viele Kinder und Jugendliche mental belastend. Insbesondere die Covid-19-Pandemie geht mit psychischen Belastungen bei Kindern, Jugendlichen und Familien einher. Laut Ravens-Sieberer et al. („Veränderungen der psychischen Gesundheit in der Kinder- und Jugendbevölkerung in Deutschland während der COVID-19-Pandemie Ergebnisse eines Rapid Reviews Journal of Health Monitoring, 2023) lag die Prävalenz allgemeiner psychischer Gesundheitsprobleme von Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 17 Jahren vor der Pandemie bei      18 %. Während der Covid-19-Pandemie erreichte dieser Wert im Jahr 2020 seinen Höhepunkt mit 31 %. Im weiteren Verlauf sank der Wert bis Ende 2022 auf 23 %. Dementsprechend hat sich die allgemeine psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen im dritten Jahr der Pandemie verbessert. Insgesamt ist der psychische Allgemeinzustand aber schlechter als vor der Pandemie. Bei depressiven Symptomen gab es einen Erholungseffekt auf das präpandemische Niveau. Allerdings fühlen sich demnach 14 % der Zielgruppe depressiv.

 

Das Vorhandensein psychosozialer Schutzfaktoren auf individueller und umweltbezogener Ebene von Kindern und Jugendlichen beeinflusst die psychische Gesundheit, die Lebenszufriedenheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität auch im Erwachsenenalter. Ein Ansatz ist es daher, psychosoziale Ressourcen und die Resilienz von Kindern und Jugendlichen zu stärken.

 

Pventive Maßnahmen sind in der aktuellen Krisenlage demnach wichtiger denn je, um frühzeitig das Risiko für psychische Erkrankungen einzudämmen und ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

 

Bei der Frage nach der Ansprache der Zielgruppe gilt grundsätzlich der Lebensweltenansatz als Schlüsselstrategie für jegliche präventive und gesundheitsförderliche Maßnahmen. Dabei wird die entsprechende Zielgruppe in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld am besten erreicht. Für Kinder und Jugendliche spielt der schulische Kontext im Lebensalltag eine wichtige Rolle. Somit gilt bei dieser Altersklasse das Setting Schule als optimaler Ort für Prävention und Gesundheitsförderung. Als verpflichtende Bildungseinrichtung besteht hier außerdem die einmalige Chance eines umfassenden Zugangs zu den Kindern und Jugendlichen unabhängig von Herkunft, Sozialstatus und Bildungsniveau. Schulbasierte Programme zur Prävention und Gesundheitsförderung punkten zudem mit durchweg positiven Effekten.

 

Das wissenschaftlich evaluierte Programm Verrückt? Na und! von Irrsinnig Menschlich e.V. setzt genau an dieser Stelle an und adressiert das Thema psychische Gesundheit bei Jugendlichen im Setting Schule.

 

Im Rahmen der Umsetzung des Programms wird für Schüler*innen und Lehrkräfte ab der 8. Klasse ein Schultag im Zeitrahmen von 5 bis 6 Stunden durchgeführt, um über das Thema psychische Gesundheit ins Gespräch zu kommen. Am Ende dieses Schultages stehen folgende Ziele: Entstigmatisierung von mentalen Erkrankungen, Kennenlernen von Warnsignalen psychischer Krisen sowie von Bewältigungsstrategien und Entwicklung eines effizienten sowie effektiven Hilfesuchverhaltens in einer möglichen Krisensituation.

 

Umgesetzt wird ein Verrückt? Na und! - Schultag durch ein Zweierteam, bestehend aus jeweils einem fachlichen und einem persönlichen Experten. Fachliche Expert*innen sind Menschen, die beruflich Erfahrungen im Themengebiet psychische Gesundheit haben. Sie sind bspw. Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen oder Psychotherapeut*innen. Persönliche Expert*innen haben eigene Erfahrungen mit psychischen Krisen und insbesondere der Krisenbewältigung. Sie sind ausreichend stabil, um in der Klasse über die eigene Lebensgeschichte zu berichten.

 

Der Schultag setzt sich aus drei aufeinander aufbauenden Schritten zusammen:

1)     Ansprechen statt Ignorieren

2)     Glück und Krisen Von Lebensschicksalen und eigener Verantwortung

3)     Mut machen, durchhalten, Wellen schlagen Erfahrungsaustausch mit Menschen, die seelische Krisen gemeistert haben

Es kommen verschiedene Methoden, wie Gruppenarbeiten, Diskussionsrunden und Rollenspiele zum Einsatz. Zum Abschluss bekommen alle teilnehmenden Schüler*innen den sog. Krisenauswegweiser mit Adressen von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Jugendliche in Hagen. Darüber hinaus werden zwölf unterschiedliche Pocket Guides ausgelegt, die spezifische Informationen zu unterschiedlichen psychischen Krisen beinhalten und bei Bedarf mitgenommen werden können. Ergänzend findet im Anschluss jeweils ein Nachgespräch zwischen dem eingesetzten Verrückt? Na und! - Team und der Lehrkraft statt.

 

Das Präventionsprogramm Verrückt? Na und! hat mehrere Auszeichnungen und Qualitätssiegel erhalten. Es ist Modellprojekt zur Umsetzung der nationalen Gesundheitsziele „Gesund aufwachsen“ und „Depressive Erkrankungen verhindern“. Es ist Teil der Grünen Liste Prävention, einer Datenbank für empfohlene Präventionsprogramme in Deutschland, besitzt das Wirkt!“-Siegel im Themenfeld „Depression“ von PHINEO, einem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus für wirkungsvolles Engagement und wurde in mehreren Bundesländern mit Gesundheits- und Präventionspreisen ausgezeichnet.

 

Im Rahmen des Netzwerktreffens vom Hagener Netzwerk Stärkung Kinder und Jugendlicher im Sommer 2022 hat sich herausgestellt, dass bei den entsprechenden Beratungsstellen in Hagen ein erhöhter Zulauf festgestellt werden kann und die Problemlagen bei den Jugendlichen sich verstärkt haben bis hin zu vermehrt geäerten Suizidgedanken. Die lokalen Erfahrungen in Hagen decken sich insofern mit den dargestellten wissenschaftlichen Ansätzen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

 

Aufgrund der gemeldeten Bedarfe durch Fachpersonen an Angeboten zum Thema psychische Gesundheit bei Jugendlichen in Hagen und bereits erfolgten Anfragen mehrerer Hagener Schulen bei Irrsinnig Menschlich e.V. nach dem Programm Verrückt? Na und! hat sich der Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz dazu entschieden, im Rahmen des Gesundheitsförderungsprojektes komm.gesund Hagen eine Regionalgruppe für das Programm aufzubauen, um entsprechende Schultage an Hagener Schulen anbieten zu können.

 

Ende März 2023 wurden dazu bereits sechs persönliche und sieben fachliche Expert*innen durch den Verein Irrsinnig Menschlich e.V über drei Tage für die Umsetzung des Programms geschult. Folgende Akteur*innen haben Fachexpert*innen ausbilden lassen: Sozialpsychiatrischer Dienst (Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz), Beratungszentrum Rat am Ring (Fachbereich Jugend und Soziales), Kommunale Drogenberatungsstelle (Fachbereich Jugend und Soziales), Der Paritätische Unabhängige ergänzende Teilhabeberatung (EUTB ®) und Wildwasser Hagen e.V.

 

Die Regionalgruppe ist grundsätzlich fortlaufend offen für neue Mitglieder, sowohl mit fachlichem als auch mit persönlichem Schwerpunkt. Ein Quereinstieg für Interessierte ist jederzeit gewünscht und wird durch regelmäßige Nachschulungen durch Irrsinnig Menschlich e.V. ermöglicht. Ansprechpartnerin für die Regionalgruppe in Hagen ist die Regionalgruppenkoordinatorin Lucie Hilscher, Lucie.Hilscher@stadt-hagen.de.

 

Die Regionalgruppe Hagen ist aufgrund der Schulungen ab sofort einsatzbereit. Ziel ist, im ersten Halbjahr des Schuljahres 2023 / 2024 mindestens sieben Verrückt? Na und!-Schultage durchzuführen. Derzeit erfolgt die Bekanntmachung des Programms und die Akquise von Schulen durch den Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz.

 

Die Buchung der Schultage kann durch interessierte Schulen direkt bei der Regionalgruppenkoordinatorin erfolgen. Die Kosten des Programms sind durch das Projekt komm.gesund gedeckt.

 

 

 

 

 

 

Inklusion von Menschen mit Behinderung

 

Belange von Menschen mit Behinderung

 

x

sind betroffen

 

Kurzerläuterung:

 

Das Programm soll zur Entstigmatisierung von Menschen mit psychischer Behinderung beitragen. 

 

Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung

x

keine Auswirkungen (o)

 

 

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Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen

 

x

Es entstehen weder finanzielle noch personelle Auswirkungen.

 

 

 

gez. Gerbersmann

(Christoph Gerbersmann

Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer)

 

 

 

 

 

 

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Beschlüsse

Erweitern

03.05.2023 - Jugendhilfeausschuss - ungeändert beschlossen

Erweitern

04.05.2023 - Schulausschuss

Erweitern

09.05.2023 - Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie - ungeändert beschlossen