Vorschlag zur Tagesordnung - 0174/2006
Grunddaten
- Betreff:
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Vorschlag der CDU-Fraktionhier: Mehrgenerationenhaus für Hagen, Konzeption und Fördermittel
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Vorschlag zur Tagesordnung
- Federführend:
- OB/A Amt des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Gesine Specht
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Rat der Stadt Hagen
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02.03.2006
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Erledigt
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Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
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Vorberatung
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06.04.2006
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Beschlussvorschlag
- Die Verwaltung wird beauftragt, umgehend zusammen mit den Hagener Wohnungsbauakteuren ein Konzept für ein Mehrgenerationenhaus in Hagen zu entwickeln und umzusetzen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, entsprechende Programme und Fördermittel ausfindig zu machen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, die Öffentlichkeit über den KfW-Award 2006 zu informieren.
- Erste Ergebnisse sind dem Rat bis spätestens zur Sitzung am 11. Mai 2006 zuzuleiten.
Sachverhalt
Der demographische Wandel in Deutschland wird auch an
Hagen nicht spurlos vorübergehen. Deshalb muss sich eine Stadt, die ihre
Attraktivität weiter steigern will, auch besonders den Bedürfnissen der älter
werdenden Menschen zuwenden.
Gleichzeitig steigt durch den Zwang zu immer größerer Mobilität der Erwerbstätigen und durch die Vereinzelungstendenzen gerade innerhalb der Stadtgesellschaft das Bedürfnis nach Unterstützung und Hilfe in einem Maß, das durch staatliche Aktivitäten nicht dauerhaft abzudecken ist.
Während früher die Zwei- bis Dreigenerationen-Familie in der Regel zentraler Lebensmittelpunkt der Menschen darstellte, leben heute immer mehr Menschen in Kleinstfamilien oder als Alleinstehende. Dort, wo Freunde und Bekannte noch in ausreichendem Maße die Hilfe von Familienmitgliedern ersetzen können, führt das in der Regel zu wenigen Problemen. Problematisch wird es dann, wenn gerade ältere Menschen mit Problemen im alltäglichen Leben konfrontiert werden, die sich nicht mehr vom immer kleiner werdenden Freundeskreis auffangen lassen und nicht durch Nachbarschaftshilfe abzudecken sind. Hier könnte das Modell des Mehrgenerationenhauses greifen.
Das Modell des Mehrgenerationenhauses ist eine von verschiedenen Lösungen, älteren Menschen möglichst lange ein selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen. Darüber hinaus bietet es nicht nur ein Zusammenleben verschiedener Generationen, sonder hilft auch, verschiedene Lebensformen sinnvoll miteinander zu kombinieren. So kann das Mehrgenerationenhaus ein gemeinsames Zuhause für junge und alte Menschen, für Menschen mit und ohne Behinderungen, für Alleinstehende, Alleinerziehende, Paare und Familien sein. Alle Bewohner genießen einerseits die Privatsphäre ihrer eigenen Wohnung, bringen sich aber andererseits in Form von Unterstützung und Hilfe ein.
In einem solchen Haus werden auf freiwilliger Basis die Elemente wieder zum Leben erweckt, die in einer Großfamilie dafür sorgten, dass jeder versorgt war.
Aus diesem Grund macht es auch in Hagen Sinn, ein entsprechendes Modell zu entwickeln, zumal sich erste Fördermöglichkeiten abzeichnen.
Die Bundesregierung beabsichtigt nach Aussagen von Staatssekretär Gerd Hofe bis zum Ende der Legislaturperiode die Förderung von Mehrgenerationenhäusern.
Nach Aussagen der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen, sieht der Koalitionsvertrag vor, “im Rahmen eines Modellprogramms in den kommenden vier Jahren in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt in Deutschland ein Mehrgenerationenhaus zu schaffen. Die "Start-Up"-Förderung soll 40.000 Euro per anno auf fünf Jahre betragen. Insgesamt beläuft sich das Finanzvolumen hierfür auf 88 Millionen Euro.”[1]
Doch nicht nur für Kommunen und Träger bieten sich Fördermöglichkeiten an. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, heute KfW-Bankengruppe, hat darüber hinaus im Rahmen des KfW-Award-2006 "Europäisch Leben - Europäisch Wohnen" den Wettbewerb "Generation 50 plus - Neue Ideen für altersgerechtes Wohnen im Eigentum" ausgelobt.
Teilnehmen können private Wohneigentümer in Deutschland, die ihr Haus oder ihre Wohnung in den vergangenen drei Jahren auf die speziellen Bedürfnisse des Alters hin ausgerichtet oder angepasst haben.
Der mit insgesamt 27.000 Euro ausgestattete Preis soll innovative Beispiele für altersgerechtes Wohnen auszeichnen. Dabei soll auch deutlich werden, wie den möglichen Einschränkungen des Alters begegnet werden kann, ohne dass dabei der Wohnspaß zu kurz kommt. Teilnahmeunterlagen können noch bis zum 2. April 2006 eingereicht werden.[2]
Nach Informationen des ZDF wird der KfW-Award 2006 die Lösungen mit der stärksten Vorbildfunktion und der größten Zukunftsrelevanz auszeichnen, die gleichzeitig die Praktikabilität sowie Kosten-Nutzen-Relationen nicht außer Acht gelassen haben. Dabei soll das Spektrum von Teilmaßnahmen bis hin zu kompletten Umbauten reichen, wobei die gelungene architektonische Umsetzung der Maßnahmen im Innen- und Außenbereich eine besondere Rolle spielt.[3]
Die Wirkung eines Mehrgenerationenhauses bleibt jedoch nicht auf oberflächlich messbare Erfolge bei der Pflege oder Kinderbetreuung beschränkt. Weniger messbar, gleichwohl aber nicht weniger bedeutend sind die “Sekundäreffekte”. Durch das Erlernen von Geben und Nehmen und das aktive Kennen lernen der Bedürfnisse des jeweils anderen wird sich ein hohes Maß an sozialer Kompetenz bei jenen entwickeln, die in solchen Häusern leben. Daneben können, je nach Konzeption, auch Außenstehende in das Projekt mit eingebunden werden, sei es durch regelmäßige Veranstaltungen im Gemeinschaftsteil des Hauses.
Für eine derartige Konzeption werden sicher eher öffentliche Einrichtungen oder Einrichtungen in Trägerschaft in Frage kommen.
Bundesministerin von der Leyen drückte es so aus: “Wir müssen moderne neue Netze schaffen, gewissermaßen die Vorteile der Großfamilie in moderne Sozialstrukturen übertragen.”[4]
[1] Siehe http://www.bmfsfj.de/Kategorien/aktuelles,did=59024.html
[2] siehe http://www.kfw-foerderbank.de/DE_Home/KfW_Foerderbank/Gesellscha12/KfW-Award96/KfW-Award06/index.jsp
[3] siehe http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/28/0,1872,2254428,00.html
[4] siehe: http://www.bmfsfj.de/Kategorien/reden,did=59326.html
