Berichtsvorlage - 0700/2021
Grunddaten
- Betreff:
-
Kinder- und Jugendbeteiligung in Hagen - Stand der Dinge
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführend:
- FB55 - Jugend und Soziales
- Bearbeitung:
- Hannah Scharlau
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Jugendhilfeausschuss
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08.09.2021
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Sachverhalt
Kurzfassung
Der JHA hat den FB Jugend und Soziales, Fachgebiet Jugendförderung beauftragt, über die neue Formen der Jugendbeteiligung zu berichten (vgl. Drucksache 0160/2021). Dieser Bericht schildert den aktuellen Stand und die nächsten geplanten Entwicklungsschritte.
1. Aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten
Im Jahr 2020 haben auf Einladung der Verwaltung (Fachgebiet Jugendförderung) mehrere Treffen mit den ehemaligen Mitgliedern des Jugendrates und weiteren Interessierten als „offene Jugendforen“ stattgefunden. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten während der Corona-Pandemie hat sich die aus dem Jugendforum entstandene AG „Politische Beteiligung“ mehrfach (teilweise online) getroffen und u.a. ein Videoprojekt zur Kommunalwahl durchgeführt. Diese Aktivitäten liefen auch in 2021 weiter und es war ein weiteres Video-Projekt zum Thema Kommunalpolitik geplant. Mit dem Beginn neuer Lebensphasen (Abitur-Vorbereitungen, Arbeit, Studium, Freiwilligendienst etc.) der jungen Menschen hat sich die Gruppe inzwischen leider aufgelöst. Der Kontaktaufbau zu neuen Interessierten gestaltete sich aufgrund der Corona-Situation, der Sommerferien und der begrenzenten personellen Ressourcen schwierig – hier ist wieder deutlich geworden, wie wichtig eine kontinuierliche (Beziehungs-)arbeit für die Kinder- und Jugendarbeit auch mit Blick auf Jugendbeteiligung ist.
1.1 Beteiligungsbotschafter*innen im Rahmen des Projektes „Wir bestimmen mit!“
Seit Mai 2021 läuft das aus dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW über das LWL-Landesjugendamt geförderte Projekt „Wir bestimmen mit“. Hier hat bereits ein Auftakt-Workshop stattgefunden und es konnten junge Erwachsene als Beteiligungsbotschafter*innen gewonnen werden. Zurzeit wird Informationsmaterial erarbeitet und gestaltet. Ab September 2021 werden diese Botschafter*innen die Jugendzentren, Jugendverbände und Schulen besuchen, um dort Beteiligungs-möglichkeiten vorzustellen und die Teilnahme daran zu bewerben.
Parallel wird ein Instagram-Kanal entwickelt, der zukünftig regelmäßig über die Beteiligungsmöglichkeiten in Hagen und aktuelle Veranstaltungen informiert.
Vom 26.-28.11.2021 findet unter dem Motto „Wir bestimmen mit!“ ein Wochenende für Jugendliche mit jugendaffinen Methoden zum Thema Beteiligung in der Jugendherberge Hagen statt.
1.2 Mädchengruppe „Girls United“
Im Empowerment-Projekt „Girls United“ (gefördert von LWL Landesjugendamt) sind zurzeit 20 Mädchen und junge Frauen aktiv. Ziel des Projektes ist es, die Handlungskompetenzen der Mädchen zu erweitern, so dass sie motiviert und fähig sind, (kreative) Projekte in ihren Sozialräumen anzuregen, z.B. in Jugendeinrichtungen und an ihren Schulen niederschwellige Angebote in Form von Workshops oder AGs durchführen können. Dabei ist auch geplant, die Mädchen in die verschiedenen Beteiligungsangebote einzubeziehen. Erste Schritte sind durch Kontakte mit den Beteiligungsbotschafter*innen und einen geplanten Einsatz bei der Spielplatz-Planung bereits gemacht.
1.3 Podcast Jugendbeteiligung “Hagen spricht”
Mit den neuen Folgen des Podcasts „Hagen spricht“ informiert der Jugendring Hagen in Kooperation mit dem Fachgebiet Jugendförderung der Stadt Hagen über die Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen in Hagen, auch während Corona. Freizeitaktivitäten, Workshops oder die Beteiligung auf politischer Ebene – in Hagen gibt es ein vielfältiges Angebot für Jugendliche. Seit dem 07. Juni 2021 erscheint wöchentlich eine neue Podcastfolge, die jeweils eine Möglichkeit vorstellt, sich kulturell und politisch zu engagieren oder an einem der vielen Freizeitangebote teilzunehmen.
Bei „Hagen spricht“ sind verschiedene haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sowie Mitwirkende und Experten der verschiedenen Jugendangebote zu Gast. Die Informationen kommen somit aus erster Hand. Der Podcast ist bei Spotify und SoundCloud zu finden.
Bisher sind Podcast-Folgen zu diesen Themen veröffentlicht worden: „Ideenlabor Vielfalt“, Jugendforum, Jugendring, Vereine, Jugendverbände, Demonstrationen, Wahlen.
1.4 Internationales Beteiligungsprojekt
Der Hagener Jugendverband „East West East Germany e. V.“ führt gemeinsam mit einem Partner-Verein aus Georgien und in Kooperation mit dem Fachgebiet Jugendförderung der Stadt Hagen das internationale Projekt „Promoting Youth Potential in Georgia“ durch. In diesem Projekt geht es darum, lokale Jugendgruppen in mehreren georgischen Städten dabei zu unterstützen, Beteiligungsstrukturen wie z.B. Jugendräte zu etablieren. In verschiedenen Online-Workshops werden zunächst Möglichkeiten und Methoden der Jugendbeteiligung vorgestellt. Anfang November 2021 findet ein Besuch der georgischen Teilnehmer*innen in Hagen statt. Dabei sollen die Besucher*innen die Beteiligungsformate in Hagen kennen lernen sowie ein Jugendforum besuchen.
1.5 Kinder- und Jugendbeteiligung im Rahmen der Grundsanierung der Spielplatze
Auf Basis der Prioritätenliste für die Grundsanierung der Kinderspielplätze (KSP) gehen aktuell die Aufträge zu Planung der Spielplätze Dahmsheide und Hochstraße an den WBH. Eine Beteiligung von Kindern und Familien an der Planung wird von der Fachabteilung 55/3 (Fachgebiet Jugendförderung) in Kooperation mit dem WBH durchgeführt. Ein Austauschgespräch zu den Beteiligungsverfahren findet Anfang September statt. Die Beteiligung an der Planung KSP Dahmsheide ist für Herbst/Winter 2021/2022 geplant, für den KSP Hochstraße für Winter/Frühjahr 2022. Hierbei werden auch die Jugendeinrichtungen und die Sozialraumteams vor Ort einbezogen.
2) Neue Strukturen durch das Beteiligungskonzept & Planungen 2021/2022
Im März/April 2021 haben alle Bezirksvertretungen und der JHA das Beteiligungskonzept „Neustrukturierung der Kinder- und Jugendbeteiligung in Hagen – Beteiligungskonzept“ beschlossen. Das Konzept beschreibt die neuen Strukturen der Jugendbeteiligung in Hagen und die Zusammenarbeit von Jugendarbeit, Politik und Verwaltung.
2.1 Jugendforen in den Bezirken
Offene Jugendforen werden bis Ende des Jahres 2021 in allen Bezirken, teilweise auch in einzelnen Sozialräumen durchgeführt. Hier sind kleine Veranstaltungen und teilweise auch online-Angebote in Planung. Inwieweit online-Angebote angenommen werden und was aufgrund der Kontaktbeschränkungen darüber hinaus möglich sein wird, bleibt noch abzuwarten. Berichte aus den Jugendforen in die Bezirksvertretungen sind fester Bestandteil des Beteiligungskonzeptes.
2.2 Stadtweites Jugendforum
Ein stadtweites offenes Jugendforum online durchzuführen, ist aus der Sicht der Fachabteilung nicht sinnvoll, da auf diesem Wege die (neuen) Zielgruppen, die erreicht werden sollen, erfahrungsgemäß nicht erreicht werden. Zurzeit wägen die Verantwortlichen ab, wann, wie und wo eine solche Veranstaltungen mit der Beteiligung vieler junger Hagener*innen auch unter Pandemie-Bedingungen gut umsetzbar ist. Bei diesem stadtweiten Jugendforum wird dann auch die Wahl für den gesamtstädtischen Jugendrat stattfinden. Vorab zur Wahl eingeladen wird über die Jugendforen in den Bezirken, über die Schulen (in Kooperation mit der Bezirksschülervertretung) sowie über weitere Kanäle der Kinder- und Jugendarbeit, den o.g. Instagram-Kanal und die lokale Presse.
2.3 Jugendrat der Stadt Hagen
Die neue Satzung des Jugendrates der Stadt Hagen wurde durch den Rat der Stadt Hagen am 24.06.2021 beschlossen und tritt nach der Veröffentlichung im Amtsblatt voraussichtlich im September 2021 in Kraft.
Die Wahlen für den gesamtstädtischen Jugendrat werden im Rahmen des nächsten stadtweiten Jugendforums (s.o.) voraussichtlich im Herbst/Winter 2021/22 stattfinden. So bleibt den Beteiligungsbotschafter*innen (s.o.) nach Start des neuen Schuljahres genug Zeit, in vielen Schulen und Jugendeinrichtungen sowie beim Workshop-Wochenende im November (s.o.) für die Jugendrats-Wahl zu werben und die Fachabteilung hat genug Zeit, eine Corona-konforme Großveranstaltung für viele jungen Menschen verantwortungsvoll zu organisieren.
Der neue Jugendrat wird dann unmittelbar nach der Wahl seine Arbeit auf Basis der neuen Satzung aufnehmen. Mindestens zehn Mitglieder werden alle zwei Monate tagen und dann auch die aktuell nicht besetzte Position der Vertreter*innen im JHA wieder besetzen.
3) Langfristige Strategie: Eigenständige Jugendpolitik (EJP) & Ausblick
Der Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Hagen nimmt als eine der Pilotkommunen am Projekt „Eigenständige Jugendpolitik in kommunaler Verantwortung“ als gemeinsames Förderprogramm des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW und dem LWL-Landesjugendamt teil.
Ziel des Projektes ist eine nachhaltige strukturelle Verankerung eigenständiger Jugendpolitik und gelebter Beteiligungskultur von Kindern und Jugendlichen in der Kommune - auch über den Projektzeitraum hinaus. Eigenständige Jugendpolitik soll als Querschnittspolitik auf kommunaler Ebene in der Stadt Hagen etabliert werden, um für möglichst viele Jugendliche und junge Erwachsene Einflussmöglichkeiten auf für sie relevante Politikfelder zu ermöglichen.
Die Fachabteilung Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Menschen koordiniert die Umsetzung des Projektes in Hagen.
Die teilnehmenden Kommunen verpflichten sich:
- zur intensiven Auseinandersetzung mit jungen Menschen in der Stadt, ihren Interessen und Anliegen
- zur Moderation eines Dialogs auf Augenhöhe zwischen jungen Menschen und Vertreter*innen von Verwaltung und Kommunalpolitik.
- zu einer anwaltschaftlichen Haltung für junge Menschen und ihre Initiativen in der Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik.
- gemeinsam mit Jugendlichen und in Abstimmung mit Verwaltung und Politik zentrale jugendpolitische Forderungen für den Projektzeitraum zu erarbeiten und umzusetzen.
Der JHA hat in seiner Sitzung am 28.04.2021 die Umsetzung einer Eigenständigen Jugendpolitik in der Stadt Hagen beschlossen (vgl. Vorlage 0915/2020). Die Zielsetzung wurde als Absichtserklärung der Kommune vertraglich festgehalten (Vertragsunterzeichnung Fr. Kaufmann & Fr. Sillies, LWL, während der JHA-Sitzung). Die Umsetzung der Ziele wird fachlich vom LWL begleitet, dokumentiert und ausgewertet, damit weitere Kommunen von den Ergebnissen des Projektes profitieren können.
Diese vielfältigen Aufgaben im Bereich der Jugendbeteiligung werden aktuell anteilig durch drei Mitarbeiterinnen des Fachgebietes Jugendförderung erbracht, die hierzu mit Honorarkräften (insb. in den beschriebenen Projekten) und Kooperationspartner*innen zusammenarbeiten, wobei insbesondere die Fachkräfte in den Jugendzentren und die Mitarbeiterinnen des Jugendring Hagen zu nennen sind. Die personellen Kapazitäten reichen jedoch nicht aus, um die Kontinuität der Arbeit sicherzustellen. Aus fachlicher Sicht ist es dringend notwendig, eine eigene Personalstelle für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen einzurichten. Auch aus fachlicher Sicht des Landesjugendamtes muss es eine solche Personalstelle geben, um die vielfältigen oben beschriebenen Aufgaben kontinuierlich und fachlich kompetent zu begleiten. Eine „Servicestelle Jugendbeteiligung“ in Hagen würde sicherstellen, dass es eine Person gibt, bei der die Fäden verschiedenen Beteiligungsstrukturen und -formate zusammenlaufen, (Verwaltungs-)Aufgaben bearbeitet und die beteiligten Menschen vernetzt und sowohl für die jungen Menschen als auch für die Fachkräfte aus den Einrichtungen zuverlässige Ansprechpartner*in ist. Um einen direkten Zugang zu den jungen Menschen in Hagen zu gewährleisten, soll diese Stelle nach Möglichkeit in der aktuell in Planung befindlichen Einrichtung der OKJA in der Hagener Innenstadt verortet werden.
Zur Finanzierung ist geplant, zunächst einen Projektantrag beim Landesjugendamt zu stellen – die Einrichtung der Stelle wäre dann frühestens im Mai 2022 möglich und auf die Projektdauer (maximal ein Jahr) befristet.
Inklusion von Menschen mit Behinderung
Belange von Menschen mit Behinderung (Bitte ankreuzen und Teile, die nicht benötigt werden löschen.)
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X | sind betroffen (hierzu ist eine kurze Erläuterung abzugeben) |
Kurzerläuterung:
Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen ist ein fester Bestandteil der OKJA und eines der Schwerpunkte im Rahmen des kommunalen Kinder- und Jugendförderplans der Stadt Hagen.
Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung
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X | keine Auswirkungen (o) |
