Berichtsvorlage - 0118/2021
Grunddaten
- Betreff:
-
Bericht zur Entwicklung der Betreuung in KiTa und Schulen 2014 bis 2020
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführend:
- VB3/S - Dezentraler Steuerungsdienst
- Bearbeitung:
- Frederik Kowalski
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Haupt- und Finanzausschuss
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Entscheidung
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04.02.2021
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Sachverhalt
Kurzfassung
entfällt
Begründung
In der Hagener Ausgabe der Westfalenpost vom 26.01.2021 erschien ein mehrspaltiger Artikel zum Thema Kinderbetreuung in KiTa und OGS, der der Verwaltung Anlass für einen schriftlichen Bericht gibt. Die in diesem Artikel vorgebrachten Aussagen bilden den Ausgangspunkt für die folgende Darstellung der in den vergangenen sechs Jahren erreichten Ausweitung der Betreuung in Kindertageseinrichtungen und Schulen in Hagen.
Lebten im Jahr 2014 noch 9.240 Kinder unter sechs Jahren in Hagen, so waren es im Jahr 2020 bereits 11.902, also ein Plus von 2.662 Kindern. Laut Prognose wird diese Zahl bis 2022 auf 12.642 steigen. Dieser anhaltende Bevölkerungszuwachs bedeutet für die Stadt Hagen seit 2014, ihre Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur permanent anzupassen respektive auszuweiten, um dem wachsenden Bedarf entsprechen zu können. Gleichzeitig ist es der Stadt Hagen ein großes Anliegen, durch entsprechende Angebote die Familien zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.
In einer konzertierten Aktion über alle involvierten Fachbereiche hinweg hat die Stadtverwaltung diese Herausforderung angenommen und konsequent reagiert. Die Zahlen der von der Verwaltung durchgeführten Projekte und Maßnahmen belegen den Umfang des bisher Erreichten und weisen den Weg, den Hagen in Sachen Bildung und Betreuung in den kommenden Jahren gehen will.
Im Bereich Kita wurden seit 2014 in Summe 1.288 neue Betreuungsplätze geschaffen, darunter 584 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Durch den Bau von 15 neuen Kitas sowie vier umfangreichen Anbauten im Bestand konnte so die stetig wachsende Nachfrage aufgefangen werden. Mit weiteren zwölf Neu- und Ausbauprojekten wird auch in den kommenden zwei Jahren die Versorgung weiter verbessert.
In den Hagener Schulen hat die Betreuung der Grundschulkinder zu einem stetig wachsenden Bedarf an Plätzen im sogenannten Offenen Ganztag geführt. Im Berichtszeitraum wurden bei stetig wachsender Schülerzahl (800) 568 Plätze geschaffen, was einer Betreuungsquote von 36,85 % entspricht.
Der Verwaltung ist bewusst, dass die Kraftanstrengungen auch in den kommenden Jahren nicht nachlassen dürfen, um die politisch definierten Ziele zu erreichen.
- Kindertagesbetreuung
- Rückblick
Vor dem Hintergrund der notwendigen Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Förderung und Bildung von Kindern durch das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz und das Tagesbetreuungsausbaugesetz wurde in Nordrhein-Westfalen mit Verabschiedung des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) im Jahr 2008 die Betreuung für Kinder unter drei Jahren forciert. Da gleichzeitig ein starker Rückgang der Kinderzahlen ab 2006 prognostiziert worden war, nutzte die Stadt Hagen die vorhandene Infrastruktur zu einem weiteren Ausbau der Einrichtungen zur Betreuung der Kinder unter drei Jahren.
Zeitgleich wurde die Betreuung für Kinder im schulpflichtigen Alter durch die Einführung des „Offenen Ganztags“ (OGS) begonnen. Damit verbunden war der Abbau von Horten in den Kindertageseinrichtungen und schrittweise Verlegung der Betreuung der Kinder in die Grundschulen. Damit sollten zugleich räumliche Kapazitäten für die U3-Betreuung geschaffen werden, um die neue Verpflichtung, Schlafräume für die U3-Gruppen vorzuhalten, realisieren zu können.
In der Folge wurden neue U3-Betreuungsplätze in erster Linie durch Umbauten im Bestand der Kindertageseinrichtungen realisiert. Um das Raumprogramm erfüllen zu können, bedeutete dies jedoch in vielen Fällen die Reduzierung um eine Betreuungsgruppe und damit zwangsläufig einen Abbau an Betreuungsplätzen für Kinder über drei Jahren (vgl. dazu Abb.2).
Ab 2012 wurden nicht mehr sanierungsfähige Kindertageseinrichtungen aufgegeben und durch größere Neubauten (siehe Anlage 1) ersetzt, um zum einen zusätzliche U3-Plätze zur Erfüllung des zum 01.08.2013 einsetzenden individuellen Rechtsanspruchs zu schaffen und zum anderen die Anzahl der Betreuungsplätze für Kinder über drei Jahren nicht zu weit absinken zu lassen.
Auf Basis der ursprünglichen Prognosen und hieraus eingeleiteten Maßnahmen wäre eine umfängliche Betreuung gesichert gewesen. Mit Realisierung aller Projekte wäre in 2015 die vom Rat der Stadt Hagen beschlossene Versorgungsquote von 38% an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren umfassend erfüllt gewesen!
2. Entwicklung ab Ende 2014
Die ursprünglichen Planungen mussten mit Beginn der in 2015 einsetzenden Flüchtlingsaufnahme und dem unerwartet hohen Zuzug aus Rumänien und Bulgarien im Rahmen der Ausweitung der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit revidiert werden.
Die Entwicklung der Kinderzahlen im Bereich der Kindertagesbetreuung (Abb.1) zeigt deutlich, wie massiv der Umbruch seit 2014/15 gewesen ist:
Entwicklung der Kinderanzahl (Abb. 1)
Jahr | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 |
unter 3 Jahren | 4.628 | 5.080 | 5.386 | 5.526 | 5.650 | 5.873 | 6.058 |
3 - 6 Jahre | 4.612 | 4.958 | 5.061 | 5.263 | 5.507 | 5.660 | 5.844 |
Gesamt | 9.240 | 10.038 | 10.447 | 10.789 | 11.157 | 11.533 | 11.902 |
In der Grafik wird der starke und unerwartete Anstieg der Kinderzahlen in den Jahren 2015 und 2016 deutlich. Hierauf wurde bereits im Laufe dieser Jahre reagiert und ein massiver Ausbau der Betreuungskapazitäten in Angriff genommen.
Die Umbauten in den Bestands-Kitas konnten vor dem Hintergrund des Weiteren U3- Ausbaus nicht rückgängig gemacht werden. Anbauten an Bestands-Kitas waren bereits vielfach ausgereizt. Nur durch die zur Erfüllung des U3-Rechtsanspruches bereits geplanten Neubauten und durch Umwandlung von Gruppenstrukturen konnte zu Beginn die neu einsetzende Entwicklung abgefedert werden.
Entwicklung der Kinderzahlen und Betreuungsplätze (Abb. 2)

Unter Mitwirkung aller beteiligten Fachbereiche, Bündelung aller Ressourcen in der Verwaltung und der Zur-Verfügung-Stellung der Finanzmittel während der Planungs- wie Realisierungsphase gelang es, die neuen Kapazitäten trotz nur beschränkt vorhandener Baukapazitäten ungewöhnlich schnell bereits in den Jahren 2017 bis 2019 zur Verfügung zu stellen.
Versorgungsquoten 2014 – 2020 (Abb.3)

3. Ausblick
Wie dargestellt wäre ohne Zuzug die Versorgungsquote von 38% im Jahr 2015 erfüllt gewesen. Bedingt durch den massiven Zuzug konnte dieses Ziel nicht erreicht werden. Dennoch gelang es, die Versorgungsquoten im Bereich Ü3 relativ hoch zu halten und im Bereich U3 die Betreuungsquote seit 2017 wieder zu steigern. Diese liegt aufgrund der erfolgreichen Umsetzung der ergriffenen Maßnahmen sogar über der Quote des Jahres 2014.
Für das kommende Kindergartenjahr 2021/22 wird der Fokus darauf liegen, die Betreuungskapazitäten für Kinder über drei Jahren auf aktuellem Niveau zu halten. Dies geschieht unter Berücksichtigung des Ziels, insbesondere Kinder im Alter von vier und fünf Jahren, die bisher nicht für eine Kindertageseinrichtung angemeldet waren, in das Betreuungssystem zu integrieren. Anzumerken bleibt hier, dass der Zuzug von Kindern aller Altersstufen unvermindert anhält und die Rate der Geburten in Hagen weiterhin hoch ist. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass die bereits geplanten Projekte und Baumaßnahmen (siehe dazu Liste in der Anlage 1) ohne Verzug und mit höchster Priorität umzusetzen sind, da der Bedarf weiterhin hoch und weitere Betreuungsplätze geschaffen werden müssen.
- Praxisintegrierte Ausbildung (PIA)
Neben den Herausforderungen von Neu- und Umbauten besteht seit langem ein massiver Fachkräftemangel. Daher werden seit dem 01.08.2018 in Kooperation mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet, die im Rahmen von PIA von Beginn in den jeweiligen Kitas eingesetzt werden. Eine Kooperation mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg wurde unter Beteiligung der Hagener Träger für Kindertageseinrichtungen vereinbart (die ebenfalls eine praxisintegrierte Ausbildung anbieten), um dem Fachkräftemangel im Bereich der Erzieherinnen und Erzieher nicht nur für die städtischen Kindertageseinrichtungen entgegenzuwirken. In den städtischen Kindertageseinrichtungen befinden sich aktuell 15 Auszubildende.
- Entwicklung der Betreuung in den Schulen
- Rückblick
Angesichts des steigenden Bedarfs an Betreuungsplätzen hat die Verwaltung in den letzten Jahren in Abstimmung mit dem Schulausschuss, der Schulaufsicht, den Ganztagskoordinatorinnen und -koordinatoren sowie den Schulen organisatorische Maßnahmen entwickelt, um die Anzahl der OGS-Plätze zu steigern.
Alleine in den letzten beiden Schuljahren konnten 415 Plätze geschaffen werden. Dazu gehören ein erstmaliges OGS-Angebot an der Grundschule Helfe sowie eines an der Förderschule Erich-Kästner.
Neue OGS-Plätze (Abb.4 + 5)

Parallel zur Schaffung neuer Plätze konnte auch die Versorgungsquote trotz steigender Schülerzahlen (+ 800 im Betrachtungszeitraum) auf nunmehr 36,85% gesteigert werden.
Entwicklung OGS-Versorgungsquote (Abb.6)

- Ausblick
Derzeit laufen Beratungsgespräche mit mehreren Grundschulen (Einzelberatungen an zwölf Schulen sowie weitere Informationen für acht Schulen) mit dem Ziel, durch organisatorische Neuorientierungen wie z. B. den Rhythmisierten Offenen Ganztag (ROG) perspektivisch weitere Plätze zu generieren. Erst nach Abschluss der Gespräche ist eine Einschätzung möglich, ob eine Aufstockung von OGS-Plätzen bereits zum Schuljahr 2021/22 möglich ist, ansonsten voraussichtlich zum Schuljahr 2022/23.
Im Rahmen des kurzfristig eingerichteten, aktuellen Förderprogramms des Bundes und des Landes zum Ausbau des Ganztages plant die Verwaltung, die Ausstattung der Schulen voranzutreiben und so einen Teil der Voraussetzungen zu schaffen zur Einrichtung weiterer Betreuungsangebote in den Grundschulen.
Bei der Planung des Neubaus einer Grundschule auf dem Areal Terra 1 ist im Hinblick auf die Räume für die OGS eine Versorgungsquote von 75% berücksichtigt, um damit dem von der Bundesregierung geplanten Ganztagsanspruch ab 2025 zu entsprechen.
Inklusion von Menschen mit Behinderung
Belange von Menschen mit Behinderung
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X | sind nicht betroffen |
Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung
x | keine Auswirkungen (o) |
Finanzielle Auswirkungen
X | Es entstehen weder finanzielle noch personelle Auswirkungen. |
gez. Erik O. Schulz | gez. Margarita Kaufmann |
Oberbürgermeister | Beigeordnete |
Anlagen
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