Beschlussvorlage - 0089/2006
Grunddaten
- Betreff:
-
Einwohnerantrag zur Zukunftskonzeption der Hagener Bäderhier: Inhaltliche Bewertung
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/BC Beteiligungscontrolling
- Bearbeitung:
- Jürgen Reiß
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Bezirksvertretung Eilpe/Dahl
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Vorberatung
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06.02.2006
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Erledigt
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Bezirksvertretung Hohenlimburg
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Vorberatung
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08.02.2006
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Erledigt
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Bezirksvertretung Hagen-Mitte
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Vorberatung
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14.02.2006
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Erledigt
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Schulausschuss
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Vorberatung
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14.02.2006
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Erledigt
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Bezirksvertretung Hagen-Nord
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Vorberatung
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15.02.2006
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Erledigt
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Haupt- und Finanzausschuss
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Vorberatung
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16.02.2006
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Erledigt
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Stadtentwicklungsausschuss
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Vorberatung
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23.02.2006
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Erledigt
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Bezirksvertretung Haspe
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Vorberatung
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01.03.2006
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Erledigt
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Sport- und Freizeitausschuss
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Vorberatung
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01.03.2006
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Erledigt
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Rat der Stadt Hagen
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Entscheidung
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02.03.2006
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Sachverhalt
Die
Vorlage ergänzt die Drucksache 0010/2006 (Zukunftskonzeption und Neuausrichtung
der Hagener Bäder) durch eine inhaltliche Stellungnahme zu dem am 12.01.2006
eingegangenen Einwohnerantrag.
Der Rat der Stadt Hagen in seiner Sitzung am 02.02.2006
mit Beschlussfassung zur Vorlage 0073/2006 den am 12.01.2006 eingegangenen
Einwohnerantrag für zulässig erachtet. Daher soll nachstehend zu den Inhalten
des Antrages Stellung genommen werden.
Der Antrag enthält zwei Aspekte – zum einen den Erhalt aller stadteigenen Bäder, zum anderen die Forderung erschwinglicher Eintrittspreise.
Die Forderung im Einwohnerantrag nach Erhalt aller Bäder wird begründet mit der wünschenswerten Stadtteilnähe und damit verbundener leichter Erreichbarkeit sowie dem für Vereine und Schulen notwendigen Angebot.
Als Möglichkeit zur Kosteneinsparung wird vorgeschlagen, die Bäder in “Naturbäder” umzurüsten. Hierdurch könnten Renovierungs- und Folgekosten in erheblichem Umfang eingespart werden.
Zunächst soll erläutert werden, was unter einem Naturbad zu verstehen ist.
Ein Naturbad ist ein künstlich angelegtes, naturnahes Freibad, das weitestgehend ohne den Einsatz von Chemikalien auskommt. Ein Naturbad fügt sich baulich und ästhetisch harmonisch in die umgebende Landschaft ein. Bei den Wasserflächen sind Badebereiche und Regenerationsbereiche zu unterscheiden. In letzteren findet die Wasserreinigung statt.
Die Unterschiede zu einem normalen Bad sind folgende: Biologisch-mechanische Prozesse ersetzten chemische. Alle Wasserflächen sind in einem geschlossenen Kreislauf miteinander verbunden. Wasserpflanzen (Phyto- und Zooplankton), eine Umwälzung des Wassers über die Pflanzenfilterbecken und regelmäßige Pflegemaßnahmen sorgen für die Sicherstellung der Wasserqualität. Auf ein Aufheizen der Becken wird verzichtet, die Wassertiefe beträgt i. d. R. höchstens 1,80 m. Durch die gegebene Wassertemperatur ist ein Winterbetrieb nicht möglich.
Damit lassen sich die Vor- und Nachteile von Naturbädern wie folgt zusammenfassen:
Vorteile
· Geringe Herstellungskosten
· Geringere Betriebs- und Unterhaltungskosten durch Verzicht auf Chemikalien.
· Einsparung Energiekosten, da Becken ungeheizt.
· Alleinstellungsmerkmal durch den Naturcharakter (Strand- und Spielbereiche für Kinder in einer ökologisch angelegten Parklandschaft)
· Baden ohne Chlor schont Augen und Atemwege, ermöglicht Allergikern das Baden
Nachteile
· Wassertemperatur max. zwischen 18 und 20 Grad (Aufheizen geschieht i. d. R. nur durch Sonneneinstrahlung, Aufheizzeiten sind somit von Schönwetterperioden abhängig)
· Begrenzte Besucherzahl je nach Größe der Becken und der Bodenfilter (Beispiel: Mettmann 1.500 Badegäste bei insgesamt 2.000 m² Wasserfläche, konventionelle Anlagen haben mindestens die 4-fache Kapazität)
· Wegen der biologischen Filtration erhöhte Gefahr an Krankheitserregern (Pseudomaden, E.Coli und Enterokokken) im Badewasser. Daher ist eine wöchentliche Kontrolle des Badewassers vorgeschrieben. Genügt die Wasserqualität nicht den Anforderungen, dauert es i. d. R. mehrere Tage, schlimmstenfalls bis zu mehreren Wochen, bis sich das Wasser von selber regeneriert hat, da auf Chemikalien verzichtet werden muss. In dieser Zeit ist kein Badebetrieb möglich.
· Für die nutzbare Wasserfläche sind 3-fach so große Wasserregenerationsflächen vorzuhalten
· Sprunganlagen sind i. d. R. wegen der geringen Wassertiefe nicht realisierbar
· Bahnenschwimmen ist meistens aufgrund der Architektur der Becken nicht möglich, nur Freizeitbaden.
· Durch die Wassertemperatur ist kein Winterbetrieb möglich.
· Erhöhtes Haftungsrisiko für verunreinigtes und verkeimtes Wasser bleibt beim Betreiber
Die Umrüstung sanierungsbedürftiger Bäder stellt sich damit aus verschiedenen nicht als geeignete Alternative dar. Es müssten große Wasserregenerationsflächen neu angelegt werden. Die Kapazität der Bäder würde deutlich sinken, so dass für eine Großstadt wie Hagen nicht mehr von einem ausreichenden Angebot ausgegangen werden könnte. Gerade in Zeiten hohen Besucherandrangs muss mit Eintrag von Krankheitserregern gerechnet werden, was – wie beschrieben – die vorübergehende Schließung des Bades zur Folge hätte. Eine Nutzung für das normale Bahnenschwimmen ist regelmäßig nicht möglich.
Die aufgeführten Vorteile vermögen diese Nachteile nicht aufzuwiegen.
Die Befürchtung, dass Vereins- und Schulschwimmen nicht mehr ausreichend gewährleistet wären, ist nicht nachvollziehbar. Die für Schul- und Vereinsschwimmen zur Verfügung stehende Wasserfläche bleibt nahezu gleich und deckt – auch nach Äußerungen des Stadtsportbundes – den Bedarf. Zu den für vermehrte Schülertransporte anfallenden Kosten wird auf die Ausführungen im Konzept verwiesen. Diese Beträge sind im Vergleich zu den zu erwartenden Einsparungen als gering anzusehen.
Im übrigen befürwortet der Stadtsportbund die Einrichtung eines Zentralbades und hält dieses als Möglichkeit für Winterschwimmer für unverzichtbar.
Aufgrund der dargestellten überwiegenden Nachteile, die mit einer Umrüstung bestehender Bäder zu Naturbädern verbunden wären, der finanziellen Situation der Stadt Hagen und der Zielvorgabe, den derzeitigen Zuschussbedarf der HAGENBAD GmbH von etwa 6 Mio. € deutlich zu reduzieren, folgt die Verwaltung dem in der Vorlage 0010/2006 dargelegten Konzept der HVG. Danach ist davon auszugehen, dass mindestens ein, möglicherweise mehrere Bäder geschlossen werden müssen.
Daher schlägt die Verwaltung vor, der Forderung des Einwohnerantrages, alle Bäder zu erhalten, nicht zu folgen.
Die Forderung erschwinglicher Eintrittspreise im Einwohnerantrag wird wegen der Befürchtung aufgestellt, dass mit Errichtung eines zentralen Erlebnisbades stark steigende Eintrittspreise verbunden sein werden, die für Familien, Kinder und Jugendliche sowie Sozialschwache nicht tragbar wären.
Die von der HAGENBAD erarbeitete Konzeption sieht für das Zentralbad eine Differenzierung der Eintrittspreise je nach in Anspruch genommenem Angebot vor. Die Planung der einzelnen Tarifbereiche stellt sich nach derzeitigem Konzept wie folgt dar:
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Tarifbereich Sportschwimmen
Sportbecken mit Außenbereich
Lehrschwimm-, Therapiebecken
Liege- und Ruhebereiche
Erläuterung: Das Schwimmen in diesem Bereich soll auch zukünftig zu Preisen möglich sein, die sich an den derzeit von HAGENBAD erhobenen orientieren. Eine Staffelung der Badezeiten mit entsprechender Preisdifferenzierung ist ggf. möglich.
·
Tarifbereich Erlebnisbad innen und
außen/Solebecken innen und außen
Erlebnisbeckenbereich Innen- und Außenbecken und Kinderbecken
Sole-Innen- und Außenbecken
Liege- und Ruhebereiche
Erläuterung: Die Preise für diesen Bereich werden sich an den Tarifen der Konkurrenz-Anlagen in der Umgebung orientieren.
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Tarifbereich Sauna
Innen- und Außen-Sauna
Liege- und Ruhebereiche
Erläuterung: Die Preise für diesen Bereich werden sich an den Tarifen der Konkurrenz-Anlagen in der Umgebung orientieren.
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Tarifbereich Wellness
vollkommen abgekoppelter Betrieb
Liege- und Ruhebereiche
Erläuterung: Die Preise orientieren sich an den vielfältigen, unterschiedlichen Angeboten und richten sich ebenfalls nach üblichen Marktpreisen.
Selbstverständlich wird nach Benutzergruppen (Erwachsene/Kinder) und Nutzungsdauer der Bereiche differenziert. Ein kundenfreundliches Rabattierungssystem ist optional angedacht.
Die Tarifzonen erschließen sich über den zweigeschossigen Umkleidebereich und den Gastronomiebereich der Eingangsebene. Dabei sind an strategisch sinnvollen Stellen Drehkreuzanlagen mit Übergangsmöglichkeiten in andere Tarifzonen angeordnet. Die Tarifzonen lassen sich beliebig kombinieren. Hohe Tarife schließen die Leistungsangebote der niedrigeren Tarife mit ein. Angedacht ist ein elektronischer Chip, der – am Handgelenk des Kunden getragen – die unterschiedlichen Tarifzonen erkennt.
Eine endgültige Festlegung der Tarifbereiche hängt von den weiteren Planungen des Zentralbades ab.
Die Preise in den übrigen zu erhaltenden Bädern werden sich an der heutigen Preishöhe orientieren.
Aus dieser Konzeption wird deutlich, dass mit höheren Eintrittspreisen nur zu rechnen sein wird, wenn neue, bislang nicht bestehende Angebote genutzt werden. Das bisherige Angebot kann zu den bisherigen Preisen genutzt werden.
Da die
Forderung, Schwimmen zu erschwinglichen Eintrittspreisen auch weiter zu ermöglichen,
hinsichtlich des derzeit bestehenden Angebotes gewahrt bleibt und nur für neu
eingeführte Nutzungsmöglichkeiten marktorientierte Preise angedacht sind, hat
die Verwaltung keine Bedenken, dem Einwohnerantrag in dieser Forderung zu
folgen. Dies entspricht auch der bisherigen Haltung des Rates der Stadt Hagen.

08.02.2006 - Bezirksvertretung Hohenlimburg - geändert beschlossen
Beschluss:
1.
Die
Bezirksvertretung Hohenlimburg folgt dem Einwohnerantrag nicht, soweit der
Erhalt aller Bäder gefordert wird.
2. Die Bezirksvertretung
Hohenlimburg folgt dem Einwohnerantrag in der Forderung erschwinglicher
Eintrittspreise.