Beschlussvorlage - 0892/2005
Grunddaten
- Betreff:
-
Das Ruhrtal - Bericht über den Projektstand
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB61 - Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Bezirksvertretung Hagen-Nord
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Vorberatung
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09.11.2005
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Erledigt
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Stadtentwicklungsausschuss
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Entscheidung
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15.11.2005
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Sachverhalt
Die Vorlage berichtet über den Stand des Projektes “Das Ruhrtal” mit folgenden Schwerpunkten:
·
Ruhrtalbahn
·
Wasserwandern
·
Personenschifffahrt
·
Ruhrtal-Radweg
·
Artery
·
Städtebauliche
Initiative “Städte an den Fluss”
·
Marketing
1. Die Initiative “Das Ruhrtal”
150 Jahre lang bestimmten der Bergbau sowie die Eisen-
und Stahlerzeugung und –verarbeitung die Entwicklung des Ruhrtals. Die
landschaftliche Schönheit und kulturellen Besonderheiten der Region gerieten in
dieser Zeit nahezu in Vergessenheit.
Nach dem Ende des montan-industriellen Zeitalter wird
man sich nun dieser Qualitäten zunehmend bewusst. In diesem Bewusstsein haben
sich die Städte Bochum, Hagen, Witten, Hattingen, Wetter, Herdecke und der
Ennepe-Ruhr-Kreis mit Unterstützung des Regionalverbandes Ruhr zu einer
dauerhaften regionalen Kooperation zusammengeschlossen. Neu hinzugekommen sind
seit Beginn dieses Jahres die Städte der Initiative “Städteregion
2030”: Dortmund, Essen, Mülheim a. d. Ruhr und Oberhausen. Beide
Initiativen arbeiten unter dem gemeinsamen Leitthema “Das Ruhrtal –
Sonnenseite des Ruhrgebietes” zusammen. Das gemeinsame Ziel ist es, den
Zukunftsstandort Ruhrtal erfolgreich zu entwickeln. Eine Steigerung der Umwelt-
und städtebaulichen Qualitäten als auch eine qualitätvolle Erweiterung der
Freizeitangebote sind zentrale Voraussetzungen für den Umbau des Industriestandortes
Ruhrgebiet zu einem wettbewerbsfähigen Dienstleistungsstandort und zu einer
überregionalen Tourismusadresse mit eigener Identität.
2.
Derzeitiger
Stand der Leitprojekte
RUHRTALBAHN
Im Jahr 2005 hat die Ruhrtal-Initiative die entscheidenden
Weichenstellungen zum Ausbau der Ruhrtalbahn getroffen. Der Regionalverband
Ruhr hat mit der Touristikeisenbahn Ruhrgebiet GmbH ein
Eisenbahninfrastrukturunternehmen gegründet und den von der Stillegung
bedrohten Streckenabschnitt Hattingen – Witten – Herbede von der DB
AG erworben. Die neu gegründete Ruhrtalbahn Betriebsgesellschaft mbH führt seit
April 2005 zusammen mit dem DGEG Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen an allen
Freitagen, Sonn- und Feiertagen des Sommerhalbjahres einen erweiterten Ruhrtalbahnverkehr
zwischen Bochum-Dahlhausen und Hagen Hbf. mit Dampfzügen und historischen
Schienenbussen durch. Die Städte Hagen und Bochum und der Ennepe-Ruhr-Kreis
unterstützen bis 2007 die Betriebsgesellschaft mit Betriebskostenzuschüssen.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat den technischen Ausbau der Strecke, neue
Haltepunkte an den Standorten der westfälischen Industriemuseen und die
Sicherung von Bahnübergängen mit 1,1 Mio. Euro unterstützt.
Die
Ruhrtalbahn Betriebsgesellschaft hat einen Geschäftsbericht für den
Berichtszeitraum März – Juli 2005 vorgelegt. Daraus werden im Folgenden
die wesentlichen, in erster Linie betrieblichen Ergebnisse und
Schlussfolgerungen entnommen.
Einnahmen
Zwischen
dem Eröffnungstag (28.März, Fahrplanstart April bzw. Mai) und Ende Juli hat die
Ruhrtalbahn an 6 Fahrtagen mit dem Dampfzug und 9 Fahrtagen mit dem Schienenbus
Einnahmen in Höhe von rd. 68.400 Euro erzielt und liegt damit einschließlich
von Einnahmen aus Reservierungen und Gutscheinverkauf zum Stichtag 29.7.2005
rd. 7.000 Euro über dem Plansoll für diesen Zeitabschnitt. Etwa 16.000
Fahrgäste haben bis dahin das erweiterte Angebot genutzt, so viele wie in den
Jahren zuvor in der gesamten Saison.
Schienenbusfahrten
wurden bis Ende September, Dampfzugfahrten werden noch bis einschließlich
November sowie im Dezember (Nikolausfahrten) angeboten, sodass mit diesem
Wirtschaftsergebnis eine Halbzeitbilanz für 2005 vorliegt. Ein Teil der Kosten
(Trassengebühren, Stationspreise) sind allerdings bisher noch nicht berechnet.
Insgesamt
geht die RuhrtalBahn-Betriebsgesellschaft davon aus, dass
Betriebskostenzuschüsse der Städte Bochum und Hagen sowie des
Ennepe-Ruhr-Kreises den vereinbarten Betriebsumfang in 2005 in vollem Umfang
garantieren.
Hinweis:
Laut Zuwendungsvereinbarung zwischen Betreiber und Zuschussgeber verringert
sich der jährliche Zuwendungsbetrag um 50% der Höhe der erzielten
Zusatzeinnahmen.
Schlussfolgerungen
für die Jahre 2006 ff.
Ab
2006 wird erwogen, die Fahrsaison auf die Monate April und Oktober
(Schienenbus) bei gleicher Anzahl der Fahrtage auszudehnen (Streckung des
Fahrplans) oder die Anzahl der Fahrtage entsprechend zu erhöhen. Die Anzahl der
Dampfzugtage (17) soll unverändert bleiben.
Allgemein
sollen ab 2006 die Fahrzeiten auf der Strecke sowohl im Dampfzug- als auch im
Schienenbusbetrieb verkürzt werden.
Mittelfristig
wird angestrebt, die Ruhrtalbahn bis zum Essener Hbf. fortzuführen bzw. sie mit
der Hespertalbahn am Baldeneysee Essen zu verknüpfen.
Besonderheiten
An
zwei Fahrtagen kam es aufgrund technischer Probleme zu Ausfällen im
Schienenbusbetrieb. Ab Frühjahr 2006 soll ein Komplett-Leistungspaket einschließlich touristischer Ausrüstung der
Fahrzeuge in technisch einwandfreiem Zustand angemietet werden.
Zur
Verbesserung der Zugänglichkeit und Attraktivität des Angebots ist nach
Auffassung des Betreibers eine umfassende Hinweisbeschilderung an den
Haltepunkten wünschenswert. Dies soll in Abstimmung mit den Kommunen / dem
Kreis für die nächste Saison erreicht werden.
WASSERWANDERN
Das bereits heute attraktive Wasserwandern auf der
Ruhr soll durch weitere Einrichtungen wie Anleger, Bootsrutschen, Umtragen und
Wasserwanderrastplätze gefördert werden.
Mit maßgeblicher Unterstützung des Landes
Nordrhein-Westfalen wurden inzwischen im Flussabschnitt zwischen der
Lennemündung in Hagen und Bochum-Dahlhausen sieben neue Bootsanleger (u.a. der
Anleger am Harkortsee beim Yachtclub Harkortsee) sowie eine neue Bootsgasse am
Hattinger Stausee in Betrieb genommen. Dass der Ausbau einen wirtschaftlichen
Nutzen für die Region bringt, zeigt die Tatsache, dass die Zahl der
gewerblichen Kanuverleih-Stationen von einer im Jahr 2002 auf mittlerweile fünf
Betriebe gestiegen ist.
Neben der Errichtung weiterer fünf Anlegestellen ist
die Weiterführung des Wasserwanderweges Richtung Westen bis nach Mülheim a. d.
Ruhr vorgesehen. Hierfür wird derzeit ein Planungskonzept erarbeitet.
PERSONENSCHIFFFAHRT
Beide Stauseen werden durch die Schiffe der weißen
Flotte befahren. Das Ausflugsschiff “Friedrich Harkort” legt nun
auch im Bereich des Yachtclubs Harkortsee (YCH) an dem Gelände
“Baukey” an. Von dort aus ist das Wasserschloss Werdringen mit dem
Ende 2004 eröffneten Museum für Ur- und Frühgeschichte fußläufig erreichbar.
RUHRTAL-RADWEG
Die Entwicklung des Ruhrtal-Radweges verlangt die Schließung noch bestehender Lücken im Radweg selbst, den behutsamen Ausbau des Weges in überlasteten Abschnitten, die Anbindung an das Radwegenetz der angrenzenden Städte, sowie die Aufwertung des Gesamtumfeldes durch eine klar ablesbare einheitliche Beschilderung und die Optimierung der Angebote in Hotellerie und Gastronomie.
Diese radtouristischen und infrastrukturellen Maßnahmen werden eingebettet in die übergreifende neue Produktlinie “Ruhrtal-Radweg – von der Quelle bis zum Mündung”. In Kooperation mit der Ruhrgebiet Tourismus GmbH soll diese Produktlinie bis 2007 zur Vermarktungsreife geführt werden und die überregionale Strahlkraft der Tourismusangebote in Nordrhein-Westfalen erhöhen. Mehrere Wegelückenschlüsse und Ausbauten im Bereich Witten und Hattingen werden zur Zeit vorgenommen bzw. sind bereits abgeschlossen.
Der Rat der Stadt Hagen hat in seiner Sitzung am 03.06.2004 die Querung der Dortmunder Straße in Form einer Mittelinsel abgelehnt, da diese Maßnahme nicht zu einer barrierefreien Durchgängigkeit des Radweges führt. Laut des Ratsbeschlusses wurde an dem Förderantrag Radwegeunterführung festgehalten. Die Querung der Volme bleibt weiterhin zur Bearbeitung offen.
ARTERY
Zum Jahreswechsel 2004 bot sich für die Stadt Hagen über die regionale Initiative “Das Ruhrtal” die Chance, mit dem Ausbau des Standortes Baukey als Ersatz für den nicht umsetzbaren Naturbadesee bei Kemnade ein Projekt auf Hagener Gebiet im Rahmen des EU-Programmes ARTery anzumelden. Das Projekt wurde im Rahmen eines Änderungsantrages von der zuständigen EU-Kommission positiv bewertet und angenommen.
Der Hagener Segelverein Yachtschule Harkortsee (YCH) und die Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigung (WABE) haben hierfür auf der vereinseigenen Fläche “Baukey” eine gemeinsame Nutzung in einem Kooperationsvertrag vereinbart. Neben der Segelnutzung durch den YCH wird die WABE die Radstation “Ruhrtal-Velo” zum Verleih von Spezialrädern, eine öffentliche Gastronomie und eine Büronutzung mit dem “Ruhrtal-Service” einrichten.
Das Projekt muss, einschließlich der erforderlichen Erschließung, zur Sicherung der EU-Fördermittel bis spätestens September 2006 abgeschlossen sein. Derzeit liegen die Arbeiten im Zeitplan.
Städtebauliche Initiative – "Städte an
den Fluss”
Für den etwa 40 km langen Ruhrabschnitt zwischen Bochum und Hagen wurden in Form einer konzeptionellen Planung neue städtebauliche, touristische bzw. freizeitorientierte Gesichtspunkte herausgearbeitet und die Beziehung der Städte zur Wasserachse sowie untereinander untersucht. Das Büro Pesch & Partner erhielt in 11/2003 den Auftrag zur Entwicklung einer Rahmenkonzeption “Städtebauliche Entwicklung entlang der Ruhr”, die Ergebnisse der Planung liegen nun vor und sollen den beteiligten Kommunen zeitnah vorgestellt werden. Das Gutachten soll wichtige Hinweise für die künftige Entwicklung der Kommunen im Bereich der Ruhr bringen und die Chancen der Kommunen beim Land bzw. der Bezirksregierung auf Förderungen verbessern.
MARKETING
Die zahlreichen Maßnahmen der Ruhrtal-Initiative können nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie in der öffentlichen Wahrnehmung gut positioniert werden. Marketinganstrengungen der Region kommen daher eine herausragende Bedeutung zu.
Wesentlich dabei ist die Herausgabe gemeinsamer Medien, folgende werden derzeit angeboten:
· Die Panoramakarte Ruhrtal
Die Karte gibt Hinweise und Erklärungen zu Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen, Freizeit- und Kultureinrichtungen im Bereich des Ruhrtales.
· Die Wasserwanderkarte Ruhr
Die Karte beschreibt die Möglichkeiten einer Kanutour von Hagen bis Essen mit Anlege- und Einkehrmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Gefahrenstellen, Bootshäusern und Zeltplätzen.
· Im Essener Klartext-Verlag sind mehrere regionale Führer erschienen:
Der Burgen- und Herrenhausführer - “Von Grafen, Bischöfen und feigen Morden”,
der Schleusen- und Mühlenführer - “Von Mühlen, Schleusen und Turbinen”
der geologische Wanderführer - “Von Korallenriffen, Schachtelhalmen und dem Alten Mann”.
Der Kirchen- und Klosterführer Ruhrtal soll noch in diesem Jahr erscheinen.
Im nächsten Jahr sollen ein Naturführer und ein Gartenführer folgen.
Die Mitglieder der Ruhrtal-Initiative haben verabredet, ein gemeinsames Regionalmarketingkonzept zu erarbeiten. Ziel ist es, die einzelstädtischen Aktivitäten der zuständigen Stellen für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing zu bündeln und aufeinander abzustimmen. Das einzigartige Profil des Ruhrtals, die Verbindung von Landschaft, Industriekultur, Zeugen der mittelalterlichen Geschichte und der flussbezogenen Freizeitaktivitäten soll dadurch deutlicher sichtbar werden.
3. Das
Projekt “Evolutionspark Hagen”
Das Ende September 2005 der Öffentlichkeit vorgestellte Projekt “Evolutionspark Hagen” verfolgt das Ziel, ausgehend von der beachtlichen archäologischen-geologischen Fundlandschaft in Hagen auf einer 700 Hektar großen Fläche am Ufer des Hengstey- und des Harkortsees durch möglichst authentische Landschaften und Lebenswelten die Erdgeschichte vor dem Dasein der Menschen als auch die ersten menschlichen Lebensformen erfahrbar und erlebbar zu machen.
Inhalt und Dimension dieses Projektes sind in der Region und auch darüber hinaus einzigartig, das Ruhrtal würde bei seiner Realisierung mit einem bedeutenden Highlight aufwarten können.
Mit der Vorlage Drucksachen-Nr. 0661//2005 “Evolutionspark Hagen, Entwicklungsbereich” soll der Startschuss für die vorbereitenden Untersuchungen des Projektes fallen. In dem vorgesehenen Planungsraum werden derzeit bereits eine Vielzahl städtebaulicher Planungen verfolgt. Mit den aufgrund der unterschiedlichen Konzeptionen erforderlichen Abstimmungen innerhalb der Verwaltung als auch mit den betroffenen Anliegern und Eigentümern wurde bereits begonnen.
