Anfrage - 0497/2015

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Im Zuge der Erörterung mit der Verwaltung über eine Wiederausstellung von derzeit archivierten Gegenständen, Bildern und Schriften aus dem Bestand des ehemaligen Hohenlimburger Museums auf dem Schloss wurde auf Initiative der CDU-Fraktion auch über Gegenstände gesprochen, die nachweislich aus den Hohenlimburger Ereignissen um den 10.11.1938 stammen, das Datum der Reichsprogromnacht - auch Kristallnacht genannt - und dem an diesem Datum quer durch Hohenlimburg angeordneten und durchgeführten Demolationszug.

Während der Pogromnacht wurde - unter den Augen von mehreren hundert Menschen - die Synagoge verwüstet, Türen, Fenster und Inneneinrichtung zerschlagen und der Davidstern vom Gebäude heruntergerissen. Das Synagogengebäude blieb aber baulich erhalten. Auch fast alle Wohnungen jüdischer Familien wurden vom fanatisierten Mob demoliert.

 

Aus Hermann Zabels Buch "Hohenlimburg unterm Hakenkreuz"

 

S. 370, 3. Abschnitt

 

Nach Beendigung des Demolationszuges wurden die "Beutestücke" auf dem Platz vor dem damaligen Rathaus aufgestapelt. Nach einem Bericht eines Mitarbeiters der Museumsverwaltung Hohenlimburg forderte der NSDAP-Ortsgruppenleiter und Führer des Heimatvereins den damaligen Museumswart und den damaligen Geschäftsführer des Heimatvereins auf, geeignete "Beutestücke" auszusuchen und in das vereinseigene Heimatmuseum zu bringen. Der damalige Museumswart hat seinem Nachfolger den Vorgang im Einzelnen beschrieben.

 

Dieser Absatz trägt die Fußnote 390:

 

Am 15.09.1986 erblickten zwei ältere Damen bei einem Besuch ihrer Heimatstadt, die sie angesichts der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor Jahrzehnten verlassen mussten, bei dem Besuch des Museums Hohenlimburg einen Ofen, der einstmals in der Wohnung ihrer im Konzentrationslager ermordeten Eltern in der Freiheitstraße gestanden hatte. Nach einer Mitteilung des Stadtarchivs Hagen verfügen die Hagener Museen für Stadt- und Heimatgeschichte u.a. über mehrere jüdische Exponate: 1 Sabbatlampe, 1 Thora-Schild, 1 Thora-Anzeiger, 1 Pokal, 1 Ofen aus jüdischem Privatbesitz.

 

Ende der Zitate-

 

Offensichtlich gelangten somit diese jüdischen Exponate zunächst in das Museum des Heimatvereines, der seinen Bestand später an die selbstständige Stadt Hohenlimburg übereignete. Nach Eingemeindung nach Hagen und späterer Auflösung des Museums am Schloss gelangten diese Bestände in das Hagener Archiv.

 

Seit 1986 dient die Alte Synagoge Hohenlimburg als Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Hagen; die Initiative dazu ging von der 1980 gegründeten „Bürgeraktion Synagoge Hohenlimburg” aus, die sich für eine Restaurierung und angemessene Nutzung des Gebäudes einsetzte. Das ehemalige Synagogengebäude war eines der wenigen im Land Nordrhein-Westfalen, das in seiner Bausubstanz einigermaßen erhalten geblieben war. Die Stadt Hagen hatte das Gebäude 1984 erworben und finanzierte mit öffentlichen Mitteln die vollständige Renovierung. Seit 1994 ist die Alte Synagoge Hohenlimburg der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ zur Nutzung überlassen worden. Das Gebäude dient seitdem der Durchführung von Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten u.ä.; im ehemaligen Synagogenraum ist eine kleine Dokumentation zur jüdischen Stadtgeschichte untergebracht.

 

Wir bitten die Verwaltung darzustellen, inwiefern oben näher bezeichneten Exponate und ggf. weiteres geeignetes Material aus dem Archiv der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ für die Dokumentation zur jüdischen Stadtgeschichte in der Synagoge angeboten werden könnte oder inwiefern die Stadt selbst hier Material ausstellen könnte. Auch wäre eine erweiterte öffentliche Zugänglichkeit der Synagoge und der Ausstellung wünschenswert, wir bitten darzustellen, ob hierzu - auch unabhängig von der angedachten Ausstellung weiterer Hohenlimburger historischer Gegenstände z.B. in der Pestalozzischule - Möglichkeiten gesehen werden.

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Sachverhalt

 

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Anlagen

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Beschlüsse

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20.05.2015 - Bezirksvertretung Hohenlimburg - ungeändert beschlossen