Berichtsvorlage - 1257/2014
Grunddaten
- Betreff:
-
Konzept Ruhr
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführend:
- FB61 - Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung
- Bearbeitung:
- Irene Heidasch
- Beteiligt:
- HAGEN.AGENTUR GmbH
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtentwicklungsausschuss
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Entscheidung
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09.12.2014
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Sachverhalt
Kurzfassung
Die interkommunale Arbeitsgemeinschaft Konzept Ruhr & Wandel als Chance legt einen Statusbericht für das Jahr 2014 vor, der im Hinblick auf die neu beginnende Förderperiode 2014 – 2020 auch Perspektiven und zukünftige Handlungsschwerpunkte der beteiligten Kommunen aufzeigen soll. Diese Vorlage enthält das von der Verwaltung erarbeitete Kommunalprofil der Stadt Hagen, das in den Statusbericht aufgenommen werden soll.
Begründung
Kommunalprofil der Stadt Hagen für das Konzept Ruhr 2014-2020
- Strategische Ausrichtung der Stadt Hagen und Schwerpunktsetzung der künftigen kommunalen Entwicklung in der Förderperiode 2014-2020
Die Stadt Hagen muss der Herausforderung begegnen, in Zeiten knapper öffentlicher Mittel, die Stadtstruktur dem demografischen Wandel anzupassen: dies bedeutet, dass die Innenentwicklung Vorrang vor der Außenentwicklung genießt. Für die gewerbliche Entwicklung werden jedoch weiterhin dringend Flächen benötigt. Es stehen aber im Freiraum kaum noch Entwicklungspotentiale zur Verfügung. Die aktuellen Flächendiskussionen machen deutlich, dass die Konflikte mit anderen Nutzungen im Freiraum (Landwirtschaft, Natur und Landschaft) nur noch schwer lösbar sind. Für die Zukunft stellen daher die vorhandenen Gewerbegebiete mit den vorhandenen Brachflächen und untergenutzten Flächen das Potential für die zukünftige Siedlungsentwicklung dar. Bei der Entwicklung dieser Flächen besteht die Chance, die Fehlentwicklungen aus der Vergangenheit (Bebauung ohne Rücksicht auf die natürlichen Gegebenheiten und Potentiale) zu korrigieren und die künftigen Gewerbeflächen sowohl in den städtebaulichen als auch in den landschaftlichen Zusammenhang zu integrieren. Hierzu sind insbesondere die Flächen entlang der B7 und der Ennepe bedeutsam. Öffentliche Zugänge zu den vier Flüssen in Hagen zu schaffen, bleibt ein wichtiges Thema der Stadtentwicklung insgesamt, vor allem entlang der Ennepe.
Im Bereich der Wohnsiedlungsbereiche ist sowohl die Sanierung der Bestände als auch in Teilbereichen ein Rückbau erforderlich. Die Stadt Hagen hat zwar gesamtstädtisch betrachtet große Freiraumanteile. Dennoch sind viele innenstadtnahe Quartiere durch eine hohe städtebauliche Dichte geprägt. Hier kann durch Abriss und Schaffung von Grünflächen eine höhere städtebauliche Qualität als auch eine klimaresilientere Stadtstruktur geschaffen werden.
Die Gestaltung des demografischen Wandels muss dabei berücksichtigen, dass der Rückbau so erfolgt, dass die zentralen Versorgungsbereiche und insbesondere die Stadtteilzentren in ihrer Versorgungsfunktion nicht gefährdet werden. Dies muss durch eine geordnete Einzelhandelsentwicklung flankiert werden. Wo die Kaufkraft nicht mehr ausreicht, um die vorhandenen Zentren mit Einzelhandelsnutzungen zu füllen, müssen ergänzende Nutzungen für diese Zentren gefunden werden. Die öffentlichen Infrastrukturen müssen so angepasst werden, dass die angestrebte Schwerpunksetzung auf die Zentren nicht gefährdet werden. Private und öffentliche Investitionen müssen dabei an gemeinsamen, langfristigen Strategien ausgerichtet werden. Der energetischen Sanierung von Siedlungsbeständen unter Einsatz von regenerativen Energien kommt dabei eine große Bedeutung zu.
Neben den Stadtteilzentren ist die flächendeckende Nahversorgung ein wichtiges Thema der Stadtentwicklung. Das Netz der Versorgungsstandorte muss im Hinblick auf die weiter fortschreitenden betriebswirtschaftlichen Anforderungen (Abbau von Standorten, zunehmende Betriebsgröße) so entwickelt werden, dass keine größeren Siedlungsbereiche von der Versorgung abgekoppelt werden.
Hagen wird sich als Stadt der Weiterbildung weiter profilieren. Als Standort der größten deutschen Universität (FernUniversität Hagen) und mit zukunftsweisenden Projekten im Bereich E-learning (Wisnet) wird es sich in diesem Bereich strategisch weiter gut positionieren. Das Thema ist aber über die Wirtschaftsförderung hinaus auch ein Thema der erhaltenden Stadterneuerung. In einer Stadt mit einem Anteil von über 30% Migranten ist Bildung auch ein Schlüssel für erfolgreiche Integration. Die Schulen in den Stadtteilen übernehmen dabei über ihren Bildungsauftrag hinaus auch einer wichtige Aufgabe für die soziale Stabilisierung insbesondere problematischer Stadtquartiere. Darüber hinaus wird die Stadt Hagen weiterhin die Kreativwirtschaft fördern und als positives Element der Stadtentwicklung nutzen. Die positiven bereits vorhandenen Projekte (Elbershallen) werden um weitere Elemente ergänzt (Kreativquartier Wehringhausen).
- Kurzbeschreibung bedeutsamer laufender Projekte
- B7>17
Hierbei handelt es sich um ein interkommunales Projekt der Kommunen entlang der B7 von Schwelm bis Hagen. Thematische Schwerpunkte sind die Reaktivierung von Brachflächen, die Rückgewinnung landschaftlicher Qualitäten durch Freilegung der Ennepe und Schaffung von durchgehenden Radverbindungen für den Alltags- und Freizeitverkehr. Darüber hinaus sind die Realisierung wichtiger städtebaulicher Projekte entlang der B7 sowie der Umbau der Straße selbst Hauptthemen. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie als Voraussetzung für die Anmeldung einzelner Förderprojekte erarbeitet.
- Soziale Stadt Wehringhausen
Der Stadtteil Wehringhausen ist geprägt durch eine im Kern wertvolle gründerzeitliche Architektur mit vielen städtebaulichen Qualitäten. Andererseits ergeben sich aufgrund der hohen Nutzungsdichte auch Probleme durch Nutzungskonkurrenzen zwischen z.B. ruhendem Verkehr und Erfordernissen für eine Begrünung. Der Stadtteil hat erhebliche Bevölkerungsverluste zu erleiden. Mit dem Programm „Soziale Stadt“ wird zurzeit ein intensiver Beteiligungsprozess durchgeführt, mit dem Ziel, wichtige Projekte der Grün- und Verkehrsentwicklung gemeinsam vorzubereiten und mit Fördermitteln zeitnah umzusetzen.
- Bahnhofshinterfahrung
Mit der Bahnhofshinterfahrung wird derzeit eines der größten Infrastrukturprojekte der Hagener Stadtentwicklung realisiert. Diese neue Straße entlastet die westliche Hagener Innenstadt sowie die Unterstadt Wehringhausen vom Durchgangsverkehr und schafft andererseits neue Erschließungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für die Flächen westlich des Hauptbahnhofs bis zum ehemaligen Varta-Gelände.
- Westside Hbf
Mit der Entwicklung dieser Fläche ist die Schaffung eines neuen Westportals für den Hagener Hauptbahnhof verbunden, der über die Verlängerung des bereits vorhandenen Fußgängertunnels durch den Hauptbahnhof nach Westen geführt werden soll. Die geplanten Flächennutzungen sollen das Nutzungsspektrum der Innenstadt nach Westen erweitern und hochwertige Dienstleistungen umfassen, die auf die Standortqualitäten (fußläufige Nähe des ICE-Haltepunktes und der Innenstadt sowie landschaftliche Qualitäten am Zusammenfluss von Ennepe und Volme) ausgerichtet sind.
- Weitere Entwicklung der Innenstadt, Rathausgalerie
Mit der Fertigstellung der Rathausgalerie ist aktuell ein weiterer Baustein zur Attraktivitätssteigerung der Hagener Innenstadt und zum Erhalt der oberzentralen Versorgungsfunktion fertig gestellt worden. Weitere private Investitionen sind bereits im Umfeld dieses Projektes (Erneuerung Volme-Galerie, Eckhaus Mittelstraße, Konkordiastraße) in der Umsetzung.
- Reaktivierung des Brandt-Geländes
Am westlichen Stadteingang in unmittelbarer Näher zur Stadtgrenze zu Gevelsberg ist das Gelände der ehemaligen Zwiebackfabrik Brandt eine städtebauliche Herausforderung. Zurzeit wird das nördlich der B7 gelegene Gelände durch einen Investor entwickelt, der dort ein Gesundheitszentrum, die Verwaltung des Brandt-Konzerns sowie ein Einkaufszentrum für die Nahversorgung entwickeln wird. Für das südlich der B7 gelegene Gelände bestehen noch keine konkreten Nutzungsabsichten.
- Kurzbeschreibung von neuen/zukünftigen Projektinhalten und konkreten Projektideen
Für die nächsten Jahre sind folgende Projektschwerpunkte vorgesehen:
- Weiterführung B7>17 als regionaler Wirtschaftsstandort
Basierend auf dem integrierten Handlungskonzept (Machbarkeitsstudie B7>17) werden einzelne Projektbausteine Zug um Zug realisiert. Die interkommunale Kooperation wird den Wirtschaftsstandort B7 als Gemeinschaft entwickeln und in Kooperation mit den ansässigen Unternehmen und Wirtschaftsförderungen die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung des Standortes schaffen. Der Radweg entlang der Ennepe wird in Kooperation mit dem RVR realisiert werden. Der Umbau der B7 begleitend zur geplanten Abstufung wird stadtübergreifend erfolgen.
- Wesportal Hagener Hauptbahnhof
Mit der Fertigstellung der Bahnhofshinterfahrung in 2019 erfährt der Bereich westlich des Hauptbahnhofes eine neue Standortqualität. Die Nutzbarkeit dieser Flächen für die Innenstadterweiterung und die Ansiedlung der geplanten hochwertigen Dienstleistungs- und Büronutzungen setzt die Verlängerung des Fußgängertunnels im Hagener Hauptbahnhof voraus. Die Maßnahme soll mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, um die Entwicklungschancen des Quartiers zu ermöglichen.
- Fortführung des Projekts Soziale Stadt Wehringhausen und Ergänzung um energetische Aspekte und Klimaschutz
Die aus dem integrierten Handlungskonzept und den Maspterplänen herausgearbeiten Maßnahmen und Projekte werden realisiert. Die Programminhalte werden um die Themen energetische Sanierung und Klimaanpassungsstrategien ergänzt. Die Potentiale der Kreativwirtschaft im Stadtteil werden gefördert (Kreativquartier, Schlachthof als Kulturzentrum).
- Harkort-/Hengsteysee
Die Verbesserung der Erholungsfunktion des Freizeit- und Erholungsraumes Harkort-/Hengsteysee wird weiter fortgesetzt. Das Haus Baukey als regionaler Freizeitschwerpunkt ist fertig gestellt. Derzeit steht die Nachnutzung des ehemaligen Bahnhofes Hengstey (Projekt CargoBeamer) im Vordergrund. Die Stadt Hagen ist bestrebt, mit Unterstützung des RVR die Bahnflächen am Südufer des Hengsteysees zu erwerben und langfristig für die öffentliche Erholungsnutzung zu sichern. Entsprechende Bauleitplanverfahren sind eingeleitet. Ein weiteres Projekt ist die Realisierung einer durchgängigen Fuß-und Radwegeverbindung am Südufer von Harkort-/Hengsteysee (Südroute incl. Volmequerung).
- Sicherung der Stadtteilzentren
Neben der Innenstadt haben insbesondere die Stadtteilzentren eine besondere Bedeutung für die Versorgung. Gerade die Nebenzentren sind in ihrem Bestand und in ihrer Attraktivität gefährdet. Besonderes Augenmerk liegt dabei in Hagen auf der Wiederbelebung der Stadtbezirkszentren in Hohenlimburg und in Haspe. Hier sind erhebliche Investitionen für die Wiederbelebung der Zentren erforderlich.
- Masterplan Grün für die Innenstadt
Die besondere klimatische Situation in der Innenstadt verbunden mit der Feinstaubproblematik macht es erforderlich, einen Masterplan Grün für die Innenstadt aufzustellen. Hierbei sollen mögliche Rückbaupotentiale erkannt und für eine stärkere Begrünung der Innenstadt genutzt werden.
- Reaktivierung des Nahmertals
Sowohl die städtebauliche als auch die landschaftliche Entwicklung des Nahmertals und Einbeziehung der Offenlage des Nahmerbaches bleiben eine wichtige Aufgabe der Stadtentwicklung. Die vorhandenen Flächenpotentiale solle für eine gewerbliche Wiedernutzung aufbereitet werden (Werk I, II und IV). Ein städtebaulicher Rahmenplan für den gesamten Talraum soll die städtebaulichen Rahmenbedingungen für die geplante Freilegung und Renaturierung des Nahmerbaches definieren.
