Beschlussvorlage - 0685/2014
Grunddaten
- Betreff:
-
Verlagerung des Stadtmuseums Hagen in das Junge Museum im Osthaus Museum Hagen
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB49 - Museen und Archive
- Bearbeitung:
- Angelika Josten
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Kultur- und Weiterbildungsausschuss
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Entscheidung
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11.09.2014
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Beschlussvorschlag
Die Verwaltung wird beauftragt, einen Umzug des Stadtmuseums im Sinne der vorgelegten inhaltlichen Konzeption und im Rahmen des genannten Zeitplans vorzubereiten. Eine weitere Beratung mit abschließendem Umsetzungsbeschluss soll in der Sitzung des Kultur- und Weiterbildungsausschusses am 04.12.2014 erfolgen.
Sachverhalt
Kurzfassung
entfällt
Begründung
- Verlagerung des Stadtmuseums in die Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums
Das Historische Centrum Hagen (HCH) wurde nach einem Ratsbeschluss (26.10.1995) zur lokalen Bündelung von Stadtarchiv und Stadtmuseum gebildet und nach einer Ausbauphase bis 1998 in der Wippermann-Passage in Hagen-Eilpe, Eilper Strasse 71-75, untergebracht. Die bauseitige Einrichtung im Gebäude wurde durch den LWL mit 1 Millionen DM gefördert; die Bindefrist läuft bis 2023. Für die Museumseinrichtung durch den LWL erfolgte von 2002 bis 2005 eine Zuwendung über insgesamt 271.500 Euro, mit einer Zweckbindungsfrist bis zum 22.12.2016.
Die Dauerausstellung zur Hagener Stadtgeschichte wurde 2005 eröffnet. Mit dem Museum Wasserschloss Werdringen in Hagen-Vorhalle fand 2004 eine Erweiterung des Historischen Centrums Hagen in einer städtischen Immobilie statt. Im Rahmen der gesamtstädtischen Finanzkonsolidierung erhielt die damalige Leitung des Historischen Centrums vom Verwaltungsvorstand im Mai 2010 den Auftrag, ein Konzept zur Verlagerung des Stadtmuseums in das Wasserschloss Werdringen zu erstellen.
Infolge der Beratungen zur Erstellung des Haushaltssanierungsplans legte die Gemeindeprüfungsanstalt NRW im folgenden Jahr einen Vorschlag zur Verlagerung des Stadtmuseums in die Räumlichkeiten des Jungen Museums in die Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums vor (Maßnahme 12.47.002). Der Vorschlag sah bereits vor, das Stadtarchiv an Ort und Stelle zu belassen.
Daraufhin wurde diese Maßnahme im Haushaltskonsolidierungspakt beschlossen (Konsolidierungsdatenbank 12_47.002). Mit Bezug auf den Produktvergleichsbericht der Gemeindeprüfungsanstalt NRW wurde eine jährliche Einsparsumme von 259.700 Euro gerechnet und eine Realisierung ab 2016 festgestellt. Die Maßnahme wurde am 21.6.2012 durch den HFA und Rat als Teil des Haushaltssanierungsplans beschlossen.
Der Verwaltungsvorstand brachte die Maßnahme am 25.6.2012 (Vorlage 0333/2012) in die erste Lesung des Haushaltsplans 2012/2013 durch den KWA ein. Am 11.8.2012 beschloss der KWA in 2. Lesung die Verlagerung des Dauer- und Wechselausstellungsbereichs des Stadtmuseums (mit einem späteren möglichen Nachzug des Stadtarchivs) in ein städtisches Gebäude.
Räumliche Situation
Im Historischen Centrum belegt das Stadtmuseum eine Raumfläche von 350 m2 für die Dauer- sowie 250 m2 für die Wechselausstellung. Hinzu kommen ein Multifunktionsraum (Museumspädagogik, Vorträge etc.) von rund 120 m2, der auch als Lesesaal für das Stadtarchiv genutzt wird, und das Foyer mit 57 m2. Insgesamt ergibt sich daraus eine museal genutzte Fläche von rund 777 m2. Hinzu kommen im Dachgeschoss 410 m2 sowie im Keller 100 m2, die als Depot für Exponate, Werkstatt und Lager genutzt werden, sowie rund 400 m2 als Büro, Verkehrs- und Sozialflächen.
Das Stadtarchiv (siehe auch Pk. 2 dieser Vorlage) belegt eine Gesamtfläche von rund 790 m2, zum größten Teil handelt es sich um Depotflächen mit Rollregalanlagen, und ist – bis auf den als Lesesaal genutzten Multifunktionsraum – räumlich getrennt vom Stadtmuseum im 2. Obergeschoss der Wippermann-Passage untergebracht.
Die Suche nach einer alternativen Unterbringung des Stadtmuseums sowie des Stadtarchivs in einer städtischen Immobilie blieb bislang erfolglos. Das ursprünglich in Erwägung gezogene Gebäude der früheren Sparkasse in der Hochstraße wurde zwischenzeitlich verkauft. Eine Schule ist derzeit nicht freigezogen und nutzbar. Etwaige alternative Liegenschaften müssen den besonderen Voraussetzungen an Lage und Räumlichkeiten für ein Museum bzw. Archiv genügen.
Für das Stadtarchiv sind besondere Anforderungen an die Deckenbelastung, Brandschutz und Klima notwendig, die kein städtisches Gebäude ohne die dann erforderlichen Umbauten bislang erbringen konnte.
Realisiert wurde jedoch bereits die personelle Umsetzung von Mitarbeitern vom Historischen Centrum in die Museumsverwaltung am Museumsplatz.
Im 1. Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes im HCH sind gemäß dem Ratsbeschluss vom 25.10.1995 auch der Hagener Heimatbund e. V. mit zwei und der Hagener Geschichtsverein e.V. mit einem Raum bisher unentgeltlich untergebracht.
Wie auch bereits von der GPA vorgeschlagen, soll das Stadtarchiv nach Auffassung der Verwaltung an dem bisherigen Standort verbleiben.
1.1 Mögliche Realisierung
Eine Verlagerung der vorhandenen Dauerausstellung des Stadtmuseums Hagen (rd. 350 m2) mit allen Themen, Ausstellungseinrichtungen und Exponaten in die aufgrund ihrer architektonischen Eigenheiten wesentlich kleinere Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums Hagen und in den bislang vom Jungen Museum genutzten Bereich (ca. 250 m2) ist vom Raumbedarf und den dafür notwendigen Installationen nicht möglich. Gleichzeitig ergibt sich für das Junge Museum eine von der ursprünglichen Konzeption abweichende Situation, die jedoch gelöst werden kann (s. u.).
Für die stadtgeschichtliche Präsentation ist deshalb eine thematische Schwerpunktbildung notwendig und sinnvoll. Hinzu kommt, dass – wie bereits 2014 mit der Ausstellung „Weltenbrand – Hagen 1914“ geschehen – im Osthaus Museum auf 900 m2 regelmäßig auch historische Wechselausstellungen bzw. Ausstellungen mit einem interdisziplinären, kulturhistorischen Ansatz (wie „Weltenbrand – Hagen 1914“) sowie Fotoausstellungen (wie „Die zerstörte Stadt“ im Oktober 2013) angeboten werden sollen. Vorträge mit historischen und kulturgeschichtlichen Themen werden seit 2013 im Kunstquartier angeboten und mit großem Erfolg und Beteiligung angenommen.
Der thematische Schwerpunkt sowie die neue Ausrichtung des Museumskomplexes am Standort sollten einerseits einen Bezug zum Ausstellungsort haben. Aufgrund des zu erwartenden Besucherinteresses kann eine zusätzliche thematische Ausrichtung am Museumsstandort auf Geschichte ein Gewinn sein.
Von der thematischen Ausrichtung der stadtgeschichtlichen Ausstellung in der Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums bieten sich verschiedene Schwerpunkte an, die zum Beispiel alle zwei Jahre neu gesetzt werden. So könnten die Themenschwerpunkte beispielsweise den Wiederaufbau nach 1945, die NS-Zeit, die Revolution 1848/49, die Kaiserzeit, die Industrialisierung, Stadtentwicklung, Migranten in Hagen und Handel und Gewerbe präsentieren.
Die flexible Ausrichtung der Präsentation mit immer neuen Themenschwerpunkten in Form eines „dynamischen Museums“, die Nutzung von weiteren Ausstellungsorten im Stadtgebiet (s. u.) sowie eines „virtuellen“ Stadtmuseums (s. u.) eröffnet neue Perspektiven und Möglichkeiten, nicht nur bei der Darstellung, sondern vor allem auch in der Bildung und Vermittlung. Hier könnte Hagen nicht nur richtungsweisend, sondern auch vorbildlich sein.
Die Schwerpunktausstellung erfordert eine neue Konzeption, die sich in den denkmalgeschützten Präsentationsort einfügt, sowie auch eigene, teilweise neue Ausstellungsmittel, etwa Stellwände usw., wobei ein Teil der Vitrinen aus der Dauerausstellung des Stadtmuseums verwendet werden können.
Stand die Kulturverwaltung einer Verlagerung des Stadtmuseums ursprünglich noch skeptisch gegenüber, wird heute eine Verlagerung ausdrücklich begrüßt. Nach das HCH im Jahre 1998 eingerichtet worden war, hat sich die Museumslandschaft in Hagen seitdem durch die Eröffnung des Kunstquartiers und des Wasserschlosses Werdringen grundlegend verändert. Das Stadtmuseum als museale Komponente des HCH befindet sich nach heutigen Kriterien an einem falschen Standort, der für Ausstellungszwecke nicht mehr geeignet ist. Auch die Immobilie ist nach heutiger Anschauung für ein Museum wenig günstig. Es fehlt an Zentralität und Erschließung sowie an einer Anbindung an den öffentlichen und individuellen Verkehr. Vor allem fehlt es an der besonderen Öffentlichkeit und Ausstrahlung für ein Museum, entsprechend des heutigen Kunstquartiers und des Wasserschlosses Werdringen.
Auch die Entwicklung der Besucherzahlen im Stadtmuseum zeigt deutlich, dass eine Veränderung der Gesamtkonzeption und des Standortes dringend erforderlich ist. Die Besucherzahlen haben sich in den letzten Jahren wie folgt entwickelt:
2003 | 23254 | 2008 | 8088 |
2004 | 13141 | 2009 | 17429 |
2005 | 6072 | 2010 | 17375 |
2006 | 13463 | 2011 | 13634 |
2007 | 20567 | 2012 | 8055 |
Mit einer Verlagerung des HCH, mit Ausnahme des Stadtarchivs, und Veränderung der bestehenden Konzeption, verspricht sich die Verwaltung neben der notwendigen Haushaltskonsolidierung u.a. folgende Ergebnisse:
- Zentralisierung des musealen Angebots in der Stadt;
- Erreichung von Synergieeffekten der verschiedenen Museumsangebote;
- Optimierung der personellen Strukturen;
- Verbesserung von Vermarktungs- und Werbemaßnahmen;
- Attraktivität des Museumsstandortes durch zentrale Infrastruktur für Veranstaltungen, Vorträge, Shop und Gastronomie.
Das Junge Museum
Das Junge Museum, das in der Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums angesiedelt ist, kann mit seinen wechselnden thematischen Ausstellungen im Christian Rohlfs-Saal im 2. Obergeschoss des Osthaus Museums installiert werden, ohne an Funktionalität und Attraktivität zu verlieren.
Einerseits werden die Mitmach-Ausstellungen und –Aktionen direkt in die Museumsausstellungen eingebunden, andererseits ist der Raum auch autark zu nutzen, weil er einen abgeschlossenen Bereich im Museum bildet. Zugleich bietet sich im Jungen Museum eine Zusammenarbeit von Kunst, Geschichte und Archäologie an, wie sie bereits 2013 in der Ausstellung „Natur und Kunst“ realisiert werden konnte.
Die beiden für die praktische Arbeit erforderlichen Bereiche (museumspädagogische Werkstatt und Arbeitsbereich in der Säulenhalle im Souterrain) werden beibehalten und vom Fachbereich Kultur, d.h. von der Museumspädagogik des Osthaus Museums und des Historischen Centrums fortan als „Museumswerkstatt“ im pädagogisch-didaktischen Sinne gleichermaßen genutzt.
Alternative Präsentationsorte für Stadtgeschichte
Da die der räumlichen Situation geschuldete Schwerpunktbildung in der Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums nicht mehr die gesamte Stadtgeschichte abbilden kann, ist auch die Einbeziehung anderer möglicher Ausstellungsorte in Hagen denkbar, so dass das Konzept eines „dynamischen Museums“ schließlich auch die gesamte Stadt selbst einbezieht und erschließt.
Einige Beispiele verdeutlichen diese konzeptionelle Vorgehensweise:
- Die bei einer Verlagerung wegfallenden Bereiche Mittelalter und Frühe Neuzeit in der vorhandenen Dauerausstellung kann in die ohnehin vorzunehmende Neukonzeption der Dauerausstellung im Museum Wasserschloss Werdringen integriert werden. Diese historischen Epochen könnten sich vom Ambiente und den bereits vorhandenen Exponaten keinen besseren Ausstellungsort wünschen, als er in diesem aus dem Mittelalter stammenden Adelssitz bereits vorhanden ist.
Nach dem zehnjährigen Bestehen des Museums Wasserschloss Werdringen ist es ohnehin dringend erforderlich, die seitdem bestehende Konzeption, ggf. unter Einbeziehung von Räumlichkeiten im Haupthaus, weiterzuentwickeln, um dem Trend der sinkenden Besucherzahlen entgegenzuwirken. Die Fachverwaltung wird die Neukonzeption und –ausrichtung des Wasserschlosses Werdringenin den nächsten Monaten thematisieren müssen.
- Im Rathaus an der Volme könnte ein kleiner Ausstellungsbereich zu den Hagener Rathäusern, einschließlich wichtiger Exponate („Rathaushammer“, Grundsteinurkunde und –kapsel von 1899, Fotografien etc.), nicht nur über die Geschichte der Rathäuser informieren, sondern auch das historische Bewusstsein und die lokale Identitätsbildung in Hagen fördern. Dies lässt sich z.B. mit vorhandenen Vitrinen realisieren.
- Der „Eiserne Schmied“ von Hagen sollte schon allein aus Kostengründen (Transport, Aus- und Rückbau der Fassade) am jetzigen Standort verbleiben. Er könnte Teil einer Präsentation zum Ersten Weltkrieg sein und damit gemeinsam mit dem Stadtarchiv auch den Stadtteil Eilpe aufwerten. Diesbezügliche Gesprächen müssen mit den Vermietern geführt werden.
- Die Synagoge Hohenlimburg, im Eigentum der Stadt als Mahn- und Gedenkstätte, könnte mit einer Präsentation von Exponaten und Dokumenten zur Geschichte der Juden in Hagen sinnvoller genutzt und auch überregional besser vermarktet werden.
- In den Elbershallen könnte eine kleine Dokumentation und Ausstellung über die Geschichte der Hagener Textilindustrie informieren. Auch hier bedarf es der Gespräche mit den Eigentümern sowie der Klärung des finanziellen Aufwands und der Realisierung.
Eine dezentrale Darstellung von Stadtgeschichte bietet einige Vorteile. So werden historische Zusammenhänge und Entwicklungen in einem räumlichen Kontext erklärt und dargestellt. Die Präsentation wertet nicht nur den Ort als identitätsfördernder Bezugspunkt auf, sondern ermöglicht z. B. Schulklassen und Besucher eine unmittelbare Erfahrung von Geschichte am originären Ort des Geschehens. Geschichte, Gegenwart und Zukunft wären in Hagen damit nachvollziehbar und integriert.
Das alles bietet natürlich auch Vorteile für eine Vermarktung der Tourismusförderung, vor allem aber der Identitätsbildung der Bürger mit ihrer Stadt Hagen. Über entsprechende Angebote im Internet sowie einen eigenen „Führer“, aber auch durch geführte Rundgänge können die einzelnen Orte erschlossen und dargestellt werden. Auch lassen sich weitere Orte und Gebäude durch Informationspunkte einbeziehen.
Das „virtuelle“ Stadtmuseum
Internetgestützte Online-Medien sind heute in der Kommunikation und medialen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Das Historische Centrum Hagen betreibt seit 1994 eines der frühesten Online-Angebote in der deutschsprachigen Museumslandschaft. In den 1990er Jahren waren viele historische und museale Angebote aus Hagen richtungs- und zukunftsweisend. Noch heute zählt das unter www.historisches-centrum.de abrufbare Online-Angebot mit monatlich rund 50.000 Besuchern zu den besonders stark frequentieren Museums- und Geschichtsseiten im Internet. Mit dem Facebook-Angebot „Hagen – Geschichte, Archäologie und Geologie“ wurde im Januar 2014 an diese erfolgreiche Arbeit angeknüpft; bislang fast 3.000 „Freunde“ belegen den Erfolg auch dieses Angebots.
Da mit der Verlagerung der Dauerausstellung des Stadtmuseums in die Säulenhalle des Souterrains im Osthaus Museum ein zentraler Ausstellungsort für die gesamte Stadtgeschichte mit allen ihren Facetten und Aspekt nicht mehr vorhanden sein wird, bietet sich konsequenterweise ein „virtuelles“ Stadtmuseum an. Es sollte eine Erweiterung des bereits bestehenden Angebots sein und auf vielfältige und vielseitige Weise die Stadtgeschichte Hagens abbilden.
Inhaltlich kann das Angebot einen auch multimediagestützten Überblick über die Stadtgeschichte geben, die nach Interesse und Bedarf thematisch auch ausführlicher abgerufen werden kann. Von Bedeutung ist hierbei auch ein benutzerfreundliches, barrierefreies und grafisch ansprechendes Design. Ein Content Management System ermöglicht dezentrales und verteiltes Arbeiten. Die Umsetzung mittels des bei Habit vorhandenen Systems, und zwar in der neueren Version, ist nach ersten Gesprächen möglich.
Vorstellbar ist neben einer Datenbank mit Exponaten auch eine Bilddatenbank mit Fotografien, Postkarten usw. aus dem umfangreichen Bestand des Stadtarchivs, die recherchierbar ist und mit einer Bezahlfunktion versehen werden kann. Hierzu wurden bereits Gespräche mit Habit geführt. Mit Blick auf die mittlerweile rund eine Millionen Fotografien umfassende Sammlung des Stadtarchivs sowie den herausragenden Sammlungen des Stadtmuseums, wie etwa die Porzellansammlung Laufenberg-Wittmann, würde sich sogar ein gewisser „Mehrwert“ zu einer konventionellen, realen Ausstellung ergeben.
Das Angebot verfügt auch eine große Bedeutung für das Stadtmarketing und die Tourismusförderung in der Stadt. So könnten die Alleinstellungsmerkmal auf dem ‚historischen‘ Gebiet, vor allem der Nationale Geotop in Hagen-Vorhalle, die Burgenlandschaft und die Blätterhöhle, gezielt und überregional angeboten werden. Über bereits vorhandene Kooperationen und Netzwerke – regional, deutschlandweit und international – ergeben sich Vorteile auch für die anderen Museen am Standort. Die Vorteile eines umfassenden „virtuellen“ Stadtmuseums für die schulische Bildung liegen ebenfalls auf der Hand.
In der Schwerpunktausstellung in der Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums könnten Besucher an einem Großbildschirm mittels Steuerung, auch dabei verfügt das Historische Centrum über einschlägige Erfahrungen, die Stadtgeschichte von ihren Anfängen an erkunden. Ein Vorteil ist auch die Integration von Audio- und Videoquellen, die bei den Besuchern neue Erfahrungsebenen öffnen.
In Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen ist der Fachbereich Kultur an einem Pilotprojekt für die Erstellung einer App zur Darstellung eines „virtuellen“ historischen Stadtführers beteiligt. Auf diesem Weg sollen u. a. die Inhalte der Publikation „101 historische Schätze in Hagen“ (Essen 2013) auf mobilen Endgeräten benutzt werden. Die Integration eines „virtuellen“ Stadtmuseums auf dieser Plattform ist anschließend ebenfalls möglich.
Das „virtuelle“ Stadtmuseum kann von 49 in Zusammenarbeit mit Habit und universitärer Partner konzipiert und realisiert werden.
Eine verstärkte und herausragende virtuelle Präsenz des Stadtmuseums über entsprechende Online-Angebote dienen im Besonderen den historische-pädagogischen Erfordernissen der Schulen, die heute im Unterricht gerade auch auf solche Angebote angewiesen sind. Das virtuelle Stadtmuseum kann unmittelbar Unterrichtsgegenstand im Klassenzimmer oder auch für Schüler zu Hause sein. Die Kompatibilität mit mobilen Endgeräten ermöglicht eine Integration geschichtlicher und kultureller Informationen auch unterwegs, wie z. B. bei Führungen durch die Stadt, Radtouren und Wanderungen.
Zeitplan
Die Realisierung ist aus personellen und finanziellen Gründen nur etappenweise möglich. Sofern alle anderen Maßnahmen geklärt und abgeschlossen sind, vor allem die Demontage des vorhandenen Stadtmuseums, die sach- und fachgerechte Unterbringung der Exponate und Ausstellungsmittel sowie der Depots in einem geeigneten Gebäude mit entsprechenden Vorrichtungen (Brandschutz, Alarmanlage, Klima), erscheint folgender Zeitplan ab 2016/17 für eine Umsetzung realistisch:
1. Schwerpunkt Hagen in der Säulenhalle im Souterrain des Osthaus Museums Hagen, parallel Einrichtung Junges Museum im Christian-Rohlfs-Saal.
2. Präsentation zur Geschichte der Hagener Rathäuser im Rathaus.
3. Einrichtung von alternativen Präsentationsorten in der Stadt.
4. Neukonzeption und Ausbau Museum Wasserschloss Werdringen.
5. Virtuelles Stadtmuseum (ggf. auch begleitend zu 1 - 3).
Die Verlagerung des Stadtmuseums sowie die Umsetzung der genannten Angebote erfordern, selbst bei Beteiligung von Kooperationspartner und sparsamer Einrichtung, finanzielle Mittel und Personal. Einen Überblick über diese Faktoren ist erst nach Vorlage von detaillierten Planungen möglich.
Die finanziellen Auswirkungen für die Stadt sollen in der 2. Lesung, gedacht ist an die Dezember-Sitzung, dargestellt, beraten und entschieden werden.
Mit dem LWL sind bis dahin Gespräche zu führen, welche Auswirkungen die Verlagerung des HCH wegen der geleisteten Förderung haben wird. Der LWL hat bereits aufgrund der bisherigen Verwaltungspraxis mitgeteilt, dass die Fördermittel zurückzuzahlen sind; ein Konsolidierungserschwernis, auf das der GPA-Bericht auch schon hingewiesen hat. Dennoch bestehen aus Sicht der Verwaltung wegen der Besonderheiten des Stärkungspaktgesetzes Ansatzpunkte mit dem LWL, gegebenenfalls auch über Mitwirkung des Regierungspräsidenten und des zuständigen Ministeriums, Gespräche zu führen. Ursprung der Überlegungen waren die gesetzlich notwendigen Konsolidierungen der Stadt aufgrund des Stärkungspaktgesetzes. Auch die notwendigen Gespräche mit den Vermietern können unterschiedliche finanzielle Auswirkungen haben. Ferner sind auch mit der GWH weitere Abklärungsgespräche zu führen, um das später zu erzielende Konsolidierungsmaß in Höhe und in der zeitliche Dimension abschließend zu klären.
Zunächst bedarf es allerdings der Entscheidung des Kultur- und Weiterbildungsausschusses, dass eine mögliche Umstrukturierung des HCH in der vorgestellten Art und Weise mitgetragen wird.
