Mitteilung - 0392/2012
Grunddaten
- Betreff:
-
Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen bei Baumfällungen
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- FB60 - Verkehr, Immobilien, Bauverwaltung und Wohnen
- Bearbeitung:
- Ilona Schaefer
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Geplant
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Bezirksvertretung Haspe
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Anhörung
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09.05.2012
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Sachverhalt
Begründung
In der Sitzung der Bezirksvertretung Haspe am 08.03.2012 wurde die Verwaltung beauftragt zu prüfen und in einer Auflistung darzustellen, wo in Haspe und in welcher Anzahl in den nächsten Jahren Bäume zu ersetzen sind.
Planbare Baumfällungen sind nur solche, die aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten zu Beeinträchtigungen von Dritten oder Anlagen im Baumumfeld führen.
Die in der Anlage aufgeführten Baumfällungen sind unbeschadet der Maßnahmen, die sich aus der Regelkontrolle ergeben und in der jährlichen Winterfällvorlage erscheinen.
Die Auflistung enthält ausschließlich Bäume, deren Erhalt aufgrund von Wurzelaufbrüchen an Gehwegen kritisch zu bewerten ist.
Bäume bilden unterschiedliche Wurzeltypen aus. Tiefwurzelnde Baumarten sind dadurch geeigneter für schmale Baumscheiben als solche, die ein flaches oder ein herzförmiges Wurzelsystem ausbilden.
Grundsätzlich gilt jedoch, dass Wurzeln für die Wasser- und Nährstoffaufnahme Sauerstoff benötigen und damit gut durchlüftete Substrate bevorzugen.
Unter Gehwegen wird ein Plattenunterbau aus Splitt / Mörtelmischung aufgebracht. Diese Substrate sind aufgrund der Grobstruktur sehr sauerstoffreich und stellen damit ein bevorzugtes Wurzelmilieu.
Flachwurzelnde Baumarten, wie Pappeln und Platanen, nutzen diesen Bereich nicht nur für die Versorgungswurzeln sondern bilden hier auch das statisch relevante Halte-Wurzelsystem aus.
Durch das Dickenwachstum der Wurzeln werden die Erdschichten über den Wurzeln verschoben bzw. Gehwegplatten angehoben oder Asphaltdecken aufgebrochen.
Auf Gehwegen ist die Stadt verkehrssicherungspflichtig, d.h. Stolperkanten über 1 cm sind zu beseitigen.
Die Sanierung der Gehwege geht zumeist mit der Entfernung der eingewachsenen Wurzeln einher. Nach einer Gefährdungsbeurteilung ist die fachgerechte Beseitigung oft möglich, jedoch immer nur für eine eingeschränkte Dauer wirksam.
In unten aufgeführten Bereichen ist die Beseitigung der Wurzeln bereits mehrfach durchgeführt worden, jedoch aufgrund der erneut zu entfernenden Wurzelmasse aus baumphysiologischer und verkehrssicherungstechnischen Gesichtspunkten sowie der Effektivität nicht noch mal zu verantworten.
Baumphysiologische Betrachtung:
Alle Teile eines Baumes bedingen sich wechselseitig, d.h. die Entfernung von Wurzeln führt zu einem Versorgungsschatten der jeweils versorgten Kronenpartien. Die Ableitung der unterversorgten Gefäße auf verbleibende Wurzeln ist möglich, jedoch nur in geringem Umfang. Die Vitalität der Bäume wird nachhaltig verschlechtert.
Des Weiteren führt ein Wurzelschnitt zur Freilegung der Holzfläche, diese wird zwangsläufig aufgrund der Dimensionen von holzzersetzenden Pilzen befallen.
Verkehrssicherungstechnische Betrachtung:
Jeder Baum versucht ein konstantes Spannungsverhältnis in allen Teilen aufrechtzuerhalten. Dabei werden Lastspitzen von oberirdischen Teilen in die Wurzeln übertragen. Grundsätzlich sind dabei zwei unterschiedliche Wurzelformen ausschlaggebend. Das Druckwurzelsystem besteht aus breiten jedoch weniger langen Wurzeln, die die Scherfestigkeit von Böden nutzen. Das Zugwurzelsystem besteht aus langen Wurzeln, die über den Querschnitt die kaum vorhandene Zugfestigkeit der Böden bestmöglich ausnutzt.
Die Entfernung von Haltewurzeln führt zu einer sofortigen Spannungsungleichheit und damit zum Kompensationswachstum zur Optimierung der Spannungsgleichheit. Bei großem Wurzelverlust kann der Baum durch reagierende Prozesse lediglich „hinterherlaufen“, da nur die jeweilige Vegetationsperiode zur Optimierung zur Verfügung steht. Das Versagen des Baumes bei Lastspitzen kann auch nach Jahren noch die Folge sein.
Effektivität:
Durch das kompensatorische Wachstum der Wurzeln, wird sich der Schaden an den Gehwegbelägen immer wieder wiederholen.
Folgerung:
Zukünftig sind in schmalen Baumscheiben nur noch Baumarten zu pflanzen, die Pfahlwurzel- bzw. schlanke Herzwurzelsysteme aufweisen. Der zusätzliche Einbau von Wurzelschutzfolien zur Ablenkung der Wurzeln auf eine Tiefe von 50cm ist ebenfalls an gefährdeten Bereichen sinnvoll.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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325,9 kB
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