Beschlussvorlage - 0781/2011
Grunddaten
- Betreff:
-
Einführung einer bürgerbeteiligten Haushaltssanierung
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- VB2 Vorstandsbereich für Finanzen, Controlling und interne Dienste
- Bearbeitung:
- Beate Wegehaupt
- Beteiligt:
- FB20 - Finanzen und Controlling
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Rat der Stadt Hagen
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Entscheidung
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15.12.2011
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Sachverhalt
Kurzfassung
Der
Rat der Stadt Hagen hat in der Sitzung am 14.07.2011 die Verwaltung beauftragt,
eine Informationsvorlage zur Einführung eines Bürgerhaushaltes zu erstellen.
Drei
Möglichkeiten stehen für die Einführung eines Bürgerhaushalts zur Auswahl:
a)
Den bereits erfolgreichen Weg der Bürgerversammlungen
aus dem Jahr 2011 aufzugreifen.
b) Über eine Internetplattform mit der Möglichkeit einer
Ja/Nein Bewertung
c) oder über eine Volltext-Variante mit der Möglichkeit
einer offenen Diskussion und einer Bewertung
mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten.
Aufgrund
der dargestellten Abwägungsprozesse schlägt die Verwaltung vor, die Alternative
a) aufzugreifen.
Begründung
1. Einleitung
Die
Stadt Hagen steht vor einer großen finanziellen Herausforderung. Auf Grund der
derzeitigen Schuldensituation sind Sparmaßnahmen unvermeidbar. Es muss
konsequent gespart werden, jedoch sollen die Bürgerinnen und Bürgern nicht
einfach vor vollendete Tatsachen gestellt sondern bei den tiefgreifenden Einschnitten,
die auch sie betreffen, beteiligt werden und Ihre Meinungen äußern, um einen
Weg aus der Krise zu finden.
1.1 Erfahrungen aus anderen Kommunen
In
mehreren Städten und Gemeinden ist oder wird eine Beteiligung der Bürger ermöglicht,
damit einhergehend wurden unterschiedliche Wege beschritten und Ergebnisse
erzielt.
Köln
In
Köln wird seit 2007 ein Bürgerhaushalt aufgestellt. Es werden in jedem Jahr
Themenschwerpunkte gesetzt, in denen sich die Bürger einbringen können.
Aktuell
werden auch mögliche Einsparungen im städtischen Haushalt als Auswahl angeboten
und die Frage gestellt, ob Prioritäten anders gesetzt werden sollen.
Die
Beteiligung erfolgt schriftlich, telefonisch oder über das Internet. Letzteres
wird am häufigsten genutzt. Die Kosten für die Internetseite liegen bei 60.000
€.
Solingen
Die
Stadt Solingen startete die „bürgerbeteiligte Haushaltssicherung“
im Jahr 2010.
Die
Einrichtung eines Bürgerhaushalts gilt als zusätzliche freiwillige Maßnahme und
ist
für eine Kommune mit drohender Überschuldung unzulässig. Nichtsdestotrotz
tragen das Innenministerium und die verantwortliche Bezirksregierung diese
Maßnahme mit, sofern es ein vernünftiges Verhältnis von Aufwand und Nutzen
gibt sowie die Begrenzung des Mitspracherechts
auf Konsolidierungsebene.
Münster
Der
Bürgerhaushalt wurde in Münster dieses Jahr eingerichtet. Die Vorschläge sind
frei wählbar. Die Beteiligung und Bewertung erfolgt schriftlich, telefonisch
(nur Vorschläge) oder über das Internet. Die Kosten für die Internetplattform
liegen bei rund 30.500 €, die Folgekosten pro Jahr werden auf ca. 2.000
€ geschätzt.
Bonn
Die
Einführung des Bürgerhaushalts erfolgt in Bonn zum Haushalt 2011/12.
Die
Beteiligung der Bürgerschaft ging ausschließlich über das Internet. Deshalb
wurden öffentliche Internetterminals zur Verfügung gestellt und durch
persönliche Ansprechpartner vor Ort ergänzt.
Die
tatsächlichen Kosten der Einführung liegen bei rund 300.000 €.
Stuttgart
Die
Stadt Stuttgart startet mit dem Bürgerhaushalt im Jahr 2012. Bereits
abgeschlossen ist die Beteiligungs- und Bewertungsphase der Bürgerschaft über
das Internet, per Telefon (nur Vorschläge) oder schriftlich. Es wurden Formulare und ein öffentlicher
Internetzugang zur Verfügung gestellt. Die Vorschläge sollten sich auf
Einnahmen und Ausgaben beziehen und konnten mit „gut für unsere
Stadt“ oder „weniger gut für unsere Stadt“ bewertet werden.
Frankfurt
In
Frankfurt ist die Einführung für einen Bürgerhaushalt im Jahr 2013 geplant.
Vorschläge sollen über das Internet, per Fax oder Telefon sowie schriftlich
geäußert werden. Die Themenwahl wird nicht beschränkt werden. Die Vorschläge
sollen in Arbeitsgruppen mit zufällig ausgewählten Bürgern diskutiert werden.
Die Kosten werden ohne wissenschaftliche Begleitung und „interne“
Kosten auf 1,2 Mio. € geschätzt.
1.2
Situation in Hagen
Bereits für die
Aufstellung des Haushaltssicherungskonzeptes 2011 wurden die
Konsolidierungsmaßnahmen im Internet präsentiert und die Bürger hatten die Möglichkeit
eigene Vorschläge einzureichen.
Daneben wurden in den
Stadtteilen Informationsveranstaltungen durch den Oberbürgermeister mit der
Möglichkeit der Bewertung der Konsolidierungsmaßnahmen durch die Bürger
durchgeführt.
Die Stadt Hagen befindet
sich im Nothaushalt und hat ihre Gestaltungsmöglichkeiten weitestgehend
verloren. Nach Auffassung des Innenministeriums handelt es sich bei der
Einführung eines Bürgerhaushaltes in einer von Überschuldung bedrohten Kommune eigentlich gleichfalls um eine unzulässige
freiwillige Maßnahme (vgl. Vorlage der Stadt Solingen). In Solingen haben die dortige Aufsichtsbehörde und das
Innenministerium das erfolgreiche Modell allerdings mitgetragen, wenn das
Verfahren darauf abzielt, nicht zusätzliche Wünsche zu äußern, sondern
“im Sinne einer Prioritätensetzung Schwerpunkte für die Konsolidierung
festzulegen.“ Dabei legen die Aufsichtsbehörden Wert darauf, dass keine
falschen Erwartungen in der Bürgerschaft geweckt werden und der Prozess
lediglich beratenden Charakter haben darf, mithin die Verantwortung für die
notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen beim Rat verbleibt. Auf Anregung der
Aufsichtsbehörden wurde der Begriff „Bürgerhaushalt“ in Solingen
daher in „Bürgerbeteiligte Haushaltssicherung“ verändert.
Die Einführung eines
vollständigen Bürgerhaushaltes mit freiem Vorschlagsrecht der Bürger für alle
Haushaltspositionen ist daher mit den Regelungen des § 82 GO nicht vereinbar.
2. Darstellung von Alternativen
Folgende
Vorgehensweisen sind für Hagen denkbar:
2.1 Durchführung von
Bürgerversammlungen
Bereits
in diesem Jahr hat die Stadt Hagen zum Haushaltssicherungskonzept ein sehr
erfolgreiches Modell eingeführt. Fünf Bürgerversammlungen haben in den
Stadtteilen und im Rathaus stattgefunden.
Dort
wurden die Bürgerinnen und Bürger über die Haushaltslage der Stadt, die
Ursachen und die marginalen Bewegungsspielräume informiert. Anschließend wurde
über die geplanten Maßnahmen diskutiert. Die Besucherinnen und Besucher übten
während der Diskussion Kritik und schlugen zusätzliche Maßnahmen vor. Zum
Schluss bewerteten die Bürgerinnen und Bürger die Maßnahmen.
Insgesamt
kamen in die fünf Bürgerversammlungen über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
die sich aktiv am Sparkurs der Stadt Hagen beteiligten. Diese Variante ist somit nicht nur die kostengünstigste, sondern
schaffte auch im Verhältnis zu anderen Kommunen eine überdurchschnittliche
Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
Hierfür
sind in 2011 Kosten in Höhe von 5.500,-- € entstanden.
2.2 Einführung einer Internetplattform
Die Bürgerbeteiligung über
eine Internetplattform könnte in Anlehnung an die Vorgehensweise der Stadt
Solingen erfolgen, da diese sich in einer entsprechenden Haushaltssituation
befindet. Die Maßnahme „Bürgerbeteiligte Haushaltssicherung“ wurde
vom Innenministerium und von der verantwortlichen Bezirksregierung unter den
Bedingungen eines ausgewogenen Verhältnisses
von Aufwand und Nutzen sowie der Begrenzung des Mitspracherechts auf
Konsolidierungsebene mitgetragen.
Für die Beteiligung der
Bürger mittels einer Internetplattform gibt es zwei Alternativen:
2.2.1
„Ja / Nein“ Bewertung
Die Bürger können die
Sanierungsvorschläge der Verwaltung mit
„ja“ oder „nein“ bewerten. Daneben können sie auch
eigene Sanierungsvorschläge ins Internet einstellen, die wiederum auch mit ja
oder nein bewertet werden können. In dieser Variante können Diskussionen nicht
geführt werden.
Die qualifizierte
Kostenschätzung des HABIT für den Erwerb einer Software liegt bei 8.000,--
€ sowie 12.000,-- € Betriebskosten pro Jahr.
2.2.2
Diskussion in einem offenen Forum (Volltext-Variante)
Die Volltext-Variante
bietet eine offene und transparente Möglichkeit, die Bevölkerung in
Entscheidungsprozesse einzubinden. Jeder Bürger der sich registriert, kann
Sanierungsvorschläge abgeben, zu bereits vorhandenen Sanierungsvorschlägen
Beiträge schreiben oder mit anderen Bürgern diskutieren sowie die Sanierungsvorschläge bewerten.
Die Beiträge müssen von
Moderatoren überwacht werden. Dies ist besonders wichtig, damit sich alle
Beteiligten an die vorgegebenen Spielregeln halten und beispielsweise
unsachliche Beiträge oder Beleidigungen gegenüber Dritten herausgefiltert
werden. Die Moderation muss von Externen durchgeführt werden, weil es
einerseits eine hohe personelle Bindung in diesem Bereich verursacht und
andererseits die Distanz zur Stadt Hagen gewährleistet wird. Die Verwaltung
antwortet lediglich auf Fachfragen.
Wie jedoch die Erfahrungen
aus Solingen gezeigt haben, ist einerseits trotz der größeren Erreichbarkeit
der Bürgerinnen und Bürger über das Internet die Anzahl der verwertbaren
Vorschläge ähnlich gering, wie bei dem bisher in der Stadt Hagen praktizierten
Modell der Bürgerbeteiligung. Andererseits sind für die Einstellung und
Aufbereitung der Maßnahmen sowie die Begleitung des Prozesses für ca. 5-6
Monate zusätzliche Arbeitsanteile für etwa 4 Personen aus dem Fachbereich
Finanzen und Controlling sowie dem Fachbereich OB - Öffentlichkeitsarbeit erforderlich.
Für die Software entstehen
voraussichtlich Kosten in Höhe von 15.000 € bis 18.000 €.
Hinzukommen die Kosten einer externen Moderation, die mit 25.000 € bis
27.000 € angesetzt werden können. Insgesamt entstehen Kosten in Höhe von
40.000 € bis 45.000 €.
3. Vorschlag der Verwaltung
Aufgrund der geschilderten Situation der Stadt Hagen
und angesichts möglicher finanziellen Auswirkungen schlägt die Verwaltung vor,
den bereits im Jahr 2011 beschrittenen Weg der Bürgerbeteiligung auch für die
neuen Maßnahmen des Haushaltsanierungsplanes 2012 mit Hilfe von
Bürgerversammlungen weiter zu gehen.
Das Verfahren sollte sich
weiterhin auf den Bereich der Haushaltssanierung beschränken. Vorhandene Sanierungsmaßnahmen sollten
bewertet werden aber auch neue Maßnahmen vorgeschlagen werden können.
Die Bewertung kann sich
allerdings nicht auf die Maßnahmen des Haushaltssicherungskonzeptes 2011
beziehen, da dieses bereits vom Rat der Stadt verabschiedet wurde. Der
Schwerpunkt der Beteiligung kann daher nur bei den für den
Haushaltssanierungsplan 2012 neu aufzulegenden Maßnahmen liegen.
Die Bürgerschaft sollte
den Status eines beratenden Charakters haben, die Entscheidungsgewalt für die
notwendigen Sanierungsmaßnahmen verbleibt weiterhin beim Rat.
Wichtig
bei der Umsetzung dieses Verfahrens ist die Einhaltung eines straffen
Zeitplans, da der Haushaltssanierungsplan 2012 nach den Vorstellungen des
Stärkungspaktgesetzes bis zum 30.06.2012 vom Rat der Stadt verabschiedet sein
muss. Das heißt, eine Bürgerbeteiligung darf nicht zu einer Verlängerung des Beratungsgangs
führen.

15.12.2011 - Rat der Stadt Hagen - geändert beschlossen
Beschluss:
Der Rat
der Stadt Hagen beschließt für eine bürgerbeteiligte Haushaltssanierung
folgende Vorgehensweise:
-
Der Weg der dialogorientierten
Bürgerversammlungen wird wie 2011 stadtteilbezogen fortgesetzt.
-
Im Jahr 2012 wird dieser Weg um eine weitere Spur
erweitert, die dem Stand des Informationszeitalters gerecht wird. Dazu wird auf
der Webseite der Stadt Hagen eine Internetplattform geschaffen, auf der
Bürgerinnen und Bürger Sanierungsvorschläge einstellen können. Im
Monatsrhythmus werden diese eingegangenen E-Mails-Vorschläge (nur mit ihren
Inhalten) an die Politik weitergeleitet. Von der Verwaltung erhält der Bürger
spätestens acht bis zwölf Wochen nach
dem Monatsletztem eine begründete Antwortmail.
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Abstimmungsergebnis: |
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Einstimmig beschlossen |