Beschlussvorlage - 0629/2011
Grunddaten
- Betreff:
-
Kleinräumige Quartiersanalyse im Stadtteil Emst
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 23 Fachbereich Immobilien, Wohnen und Sonderprojekte
- Bearbeitung:
- Kerstin Bühren
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Bezirksvertretung Hagen-Mitte
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Vorberatung
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06.07.2011
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Erledigt
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Stadtentwicklungsausschuss
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Entscheidung
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12.07.2011
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Beschlussvorschlag
- Der Bericht der Verwaltung wird zur Kenntnis genommen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Wohnungsunternehmen, die über Bestände in Emst verfügen, in einen Diskussions- und Abstimmungsprozess einzutreten.
- Die Verwaltung richtet einen Arbeitskreis ein, in dem Themen aufgegriffen werden, die die Situation der Menschen in Emst betreffen. Es sollen insbesondere die Belange der älteren Bevölkerung berücksichtigt werden.
4. Im ersten Quartal 2012 wird die Verwaltung eine weitere öffentliche
Veranstaltung im Stadtteil Emst organisieren, um die Bürgerinnen und Bürger
über Fortschritte und Entwicklungen zu informieren und das weitere Vorgehen
abzustimmen.
Sachverhalt
Kurzfassung
Am 24.05.2011 ist eine öffentliche
Veranstaltung im Stadtteil Emst durchgeführt worden, in der Frau Carolin Krüger
ihre Masterarbeit zum Thema „Demografischer Wandel und
Generationenwechsel als Auslöser für Umbruchsituationen im Stadtquartier: Eine
kleinräumige Quartiersanalyse im Hagener Stadtteil Emst“ vorgestellt hat.
An die Präsentation hat sich eine
Diskussion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeschlossen.
Es wurde der Wunsch geäußert, die
Wohnungsunternehmen in den Diskussions- und Abstimmungsprozess einzubinden.
Ein Arbeitskreis soll sich mit den
Themen, die die Situation der (älteren) Emster Bürgerinnen und Bürger
betreffen, auseinandersetzen.
Anfang des Jahres 2012 soll eine
Folgeveranstaltung durchgeführt werden,
um die interessierte Bevölkerung über Fortschritte und Entwicklungen zu informieren und das weitere Vorgehen
abzustimmen.
Begründung
Die Verwaltung (Fachbereich Immobilien,
Wohnen und Sonderprojekte) konnte Frau Carolin Krüger, Studentin der
Ruhr-Universität Bochum, im Jahr 2010 dafür gewinnen, eine Masterarbeit zum
Thema „Demografischer Wandel und Generationenwechsel als Auslöser für
Umbruchsituationen im Stadtquartier: Eine kleinräumige Quartiersanalyse im
Hagener Stadtteil Emst“ zu erstellen.
Die Arbeit knüpfte an den Masterplan
Wohnen, der von dem Bochumer Unternehmen InWIS in 2005/2006 erarbeitet wurde,
an und stellt einen Baustein des Handlungskonzeptes Wohnen dar. Frau Krüger stellte die Auswirkungen des
demografischen Wandels auf Quartiersebene dar,
wobei das Quartier als Handlungsebene und Möglichkeit zur Erprobung
neuer Handlungsansätze gesehen wurde. Die Untersuchung bezog sich darauf,
inwiefern sich das Quartier rund um den Fritz-Steinhoff-Park, ausgelöst durch
die parallele Alterung der Bausubstanz und der Bewohnerschaft, in einer
Umbruchsituation befindet.
Im Rahmen einer öffentlichen
Veranstaltung, die am 24.05.2011 im Gemeindehaus der Evangelischen
Erlöserkirche in Hagen-Emst stattfand,
präsentierte Frau Krüger die Eckpunkte ihrer Arbeit. Im Anschluss an diese
Darstellung entwickelte sich eine angeregte Diskussion.
Inhaltliche Darstellung der von Frau
Carolin Krüger erstellten Masterarbeit:
- Hintergrund und Anlass für die Untersuchung:
-
Demografischer Wandel
-
Schrumpfende Einwohnerzahlen, Alterung, Differenzierung der
Nachfrage
-
Städte vor der Aufgabe, trotz des eingeschränkten Spielraums
und knapper finanzieller Mittel generationengerechte Angebote zu gewährleisten
-
Auswirkungen des demografischen Wandels auf Quartiersebene
-
Quartier als Handlungsebene
-
Kleinräumige Quartieranalyse als Instrument der Aufdeckung
von Stärken / Schwächen und Chancen / Risiken und den daraus resultierenden
Handlungsbedarfen
- Zentrale Fragestellungen:
-
An welchen Indikatoren lassen sich die Auswirkungen des
demografischen Wandels und des Generationenwechsels auf das
„Fritz-Steinhoff-Park-Quartier“ messen, und inwiefern befindet sich
das Quartier bereits heute in einer Umbruchsituation?
-
In welchem Ausmaß
haben die aktuellen (demografischen, sozialen, städtebaulichen)
Entwicklungsprozesse Auswirkungen auf das Wohnen und Leben im Quartier und
welche Handlungsbedarfe lassen sich daraus identifizieren?
Ziel:
Identifikation von Problemlagen
-
Welche zukunftsfähigen und nachhaltigen Handlungsoptionen
lassen sich aus den identifizierten Handlungsbedarfen ableiten?
Ziel:
Zusammenführung des Ist-Zustandes mit zu erwartenden Entwicklungen
- Untersuchungsrahmen
Kontext:
-
Veränderung der Altersstruktur
-
Schrumpfende Bevölkerungszahlen
-
Zunehmende Internationalisierung
-
Neue Lebens- und Wohnformen
- Untersuchungsmethodik
-
Analyse:
Analyse
statistischer Daten
Analyse
Zeitung und Sekundärliteratur
Begehung und
Beobachtung
Qualitative
Experteninterviews
Bewohnerbefragung
-
Aus- und Bewertung
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
- Untersuchungsgegenstand
Makrostandort
Hagen
-
Strukturwandel und die Folgen
-
Bevölkerungsverlust durch Abwanderung
-
Attraktivitätsverlust
-
Schrumpfung und Alterung
-
Abzug von Kaufkraft
-
Haushaltsentwicklung der Stadt Hagen
als
Rahmenbedingung für die Stadtentwicklung
Mikrostandort Emst
-
Geschosswohnungsbauten und Einfamilienhäuser
-
Leitbild der gegliederten und aufgelockerten Stadt Hagen
-
Offene Zeilen- und Kammstrukturen
-
Städtebauliche Dominanten: vereinzelte Hochhäuser,
Garagenhöfe
- Untersuchungsergebnisse
Untersuchte
Indikatoren:
-
Bevölkerungsentwicklung
-
Altersstruktur
-
Wohndauer
-
Haushaltsstruktur
Ergebnisse:
-
Quartier hat in den letzten fünf Jahren 6,1 % an Bewohnern
verloren
-
Emst weist negativste
demografische Entwicklungsmöglichkeiten auf
-
Verschiebung der Altersstruktur:
starke Zunahme
der Menschen über 65 Jahre bei gleichzeitigen Verlusten in der Gruppe der
Kinder und jungen Starterhaushalte
-
Eine sehr hohe Wohnzufriedenheit prägt die Situation im
Quartier,
wobei die
Zufriedenheit mit dem Quartier mit steigendem Alter sinkt
-
Nur 10 % der Befragten spielen mit
dem Gedanken, umzuziehen!
-
Mietpreis der Geschosswohnungen liegt bei etwa 5,00
€/qm
-
Quartiere befinden sich nicht nur in sozialer Hinsicht in
einer Umbruchsituation, sondern auch in infrastruktureller und baulicher Hinsicht
-
Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen hat sich in
Hagen in den letzten 10 Jahren mehr als halbiert
-
Hoher Anteil nicht modernisierter Wohnungen, aber derzeit
noch keine problematische Vermietersituation
-
Wohnungen werden renoviert, wenn Mieter ausziehen. Oft
handelt es sich um Mieter, die seit Jahrzehnten dort gewohnt haben.
-
Die Wohnungen im Quartier sind nicht barrierefrei.
Zwischenfazit:
-
Wesentliche Kennzeichen des Quartiers:
Hohe
Wohnzufriedenheit, lange Wohndauer der befragten Einwohner, hoher Anteil an
Erstbeziehern
-
Kurze Errichtungszeit des Quartiers, keine langsam
gewachsenen Strukturen
-
Generationswechsel beginnt in den meisten Wohnblöcken und
hat in Teilbereichen schon stattgefunden
-
Quartier in seiner Nachfrage stabil, kaum Leerstände
-
Plateaulage als immenser Lagevorteil
Stärken:
-
Lage
-
Fußläufige Erreichbarkeit der Infrastruktur
-
Gute Verteilung der Haltestellen
-
Hoher Grünflächenanteil
-
Aufgelockerte Bauweise
-
Innenstadtnähe
-
Treffpunkte vorhanden
-
Keine ausgeprägten Angsträume
-
Keine bedeutsamen Leerstände
Schwächen:
-
Garagenleerstand
-
Parkplatznot
-
Schwellen an Hauseingängen
-
Nur schwer zu verändernde Grundrisse
-
Nur vereinzelt Aufzüge
-
Keine Barrierefreiheit
-
Kaum altengerechte Wohnprojekte
-
Kein zentraler Punkt für Nahversorgung
-
Hohe Heizkosten
-
Eingeschränkte Vermarktungsfähigkeit der Einfamilienhäuser
Chancen:
-
Hohe Ortsverbundenheit der Bewohner
-
Ausstrahlungseffekte der familienorientierten Infrastruktur
-
Erhaltungsfähigkeit der ÖPNV-Verbindungen
-
Langfristige Mietverhältnisse
-
Anhaltende Nachfrage nach Wohnraum
-
Differenzierung der Geschosswohnungen
-
Hohe Wohnzufriedenheit
-
Bürgerschaftliches Engagement
Risiken:
-
Künftiger Bevölkerungsrückgang
-
Abbau der Angebotsvielfalt
-
Überalterungstendenzen
-
Veränderte Ansprüche an Wohnraum und Umgebung
-
Unmodernisierter Wohnungsbestand
-
Eingeschränkte Investitionen der ETW-Besitzer
-
Eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten der Stadt Hagen
-
Zersplitterung der Eigentümerstrukturen durch Privatisierung
Eckpunkte der
Diskussion:
An der
öffentlichen Veranstaltung am 24.05.2011 haben ca. 55 Akteure des Quartiers und interessierte Bürgerinnen
und Bürger teilgenommen.
In der
Diskussion wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern folgende Punkte
angesprochen:
-
Die Anbindung des Stadtteils an den öffentlichen
Personennahverkehr ist für viele Bewohner unzureichend. Insbesondere in den
Abendstunden werden die Emster Haltestellen nicht mehr im gewünschten Umfang
angefahren.
-
Die Einkaufsmöglichkeiten
werden als begrenzt empfunden. Der Stadtteil Emst verfügt zwar über ein ausreichendes
Nahversorgungsangebot und durch die verschiedenen Einzelstandorte der Geschäfte
über eine gute Erreichbarkeit, wobei jedoch die Ausstattung der Geschäfte und
die Angebotspalette den Ansprüchen nicht gerecht wird. Ein Großteil der Veranstaltungsteilnehmer
würde erweiterte Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil Emst sehr begrüßen.
-
Der Wunsch nach einem Verbleib in den Wohnungen ist bei der
älteren Emster Bevölkerung groß. Die Teilnehmer zeigen Interesse an
barrierefreien Umgestaltungen der Mehrfamilienhäuser und Wohnungen.
Diesbezüglich richten sich hohe Erwartungen an die Wohnungsunternehmen, die im
Stadtteil Emst über Bestände verfügen.
-
Der Emster Bevölkerung ist es wichtig, dass jüngere Bewohner
und vor allem Familien mit Kindern im
Stadtteil bleiben. Eine Lösung für Mehrpersonenhaushalte wird darin gesehen,
kleinere Wohnungen zusammenzulegen, um ausreichend große Wohnflächen zu
schaffen. Auch hier sind die Wohnungsunternehmen gefordert, sich mit
veränderten Bedarfen auseinanderzusetzen.
-
Die älteren Bürgerinnen und Bürger sind daran interessiert,
Alternativen zur Heimunterbringung
aufgezeigt zu bekommen.
-
Die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger zeigen Interesse am
Bauvorhaben Köhlerweg, bei dem es sich um ein Projekt der ha.ge.we in
Kooperation mit der Caritas handelt.
Weiteres
Vorgehen:
1.
Es ist vorgesehen, mit den beteiligten Wohnungsunternehmen
in einen
Diskussions-
und Abstimmungsprozess einzutreten.
2.
Die Einrichtung eines Arbeitskreises ist geplant. Es sollen
Themen aufgegriffen werden, die die Situation der Menschen in Emst betreffen.
3.
Aus dem Arbeitskreis, dem neben Vertretern der Verwaltung und
Politik auch Akteure vor Ort und interessierte Bürger teilnehmen sollen, sind
Handlungsoptionen zu entwickeln und umzusetzen.
4.
Anfang 2012 soll eine Folgeveranstaltung durchgeführt
werden, um die Bürgerinnen und Bürger über Fortschritte und Entwicklungen zu
informieren und das weitere Vorgehen neu zu definieren.

06.07.2011 - Bezirksvertretung Hagen-Mitte - geändert beschlossen
Beschluss:
Die Bezirksvertretung Hagen-Mitte empfiehlt dem
Stadtentwicklungsausschuss folgenden Beschluss zu fassen:
- Der Bericht der Verwaltung wird zur Kenntnis genommen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Wohnungsunternehmen, die über Bestände in Emst verfügen, in einen Diskussions- und Abstimmungsprozess einzutreten.
- Die Verwaltung richtet einen Arbeitskreis ein, in dem Themen aufgegriffen werden, die die Situation der Menschen in Emst betreffen. Es sollen insbesondere die Belange der älteren Bevölkerung berücksichtigt werden.
Als Vertreter der Bezirksvertretung
Hagen-Mitte werden Frau Adamczak von der CDU-Fraktion und Herr Wetzel von der
SPD-Fraktion benannt.
4. Im ersten Quartal 2012 wird die Verwaltung eine weitere öffentliche
Veranstaltung im Stadtteil Emst organisieren, um die Bürgerinnen und Bürger
über Fortschritte und Entwicklungen zu informieren und das weitere Vorgehen
abzustimmen.