Beschlussvorlage - 0085/2011
Grunddaten
- Betreff:
-
Statusbericht 2010 zum Konzept Ruhr
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB61 - Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung
- Bearbeitung:
- Martin Bleja
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Stadtentwicklungsausschuss
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Vorberatung
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29.03.2011
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Erledigt
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Rat der Stadt Hagen
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Entscheidung
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31.03.2011
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Sachverhalt
Kurzfassung
Die Kooperation der
Kommunen im Ruhrgebiet unter dem Dach des Konzepts Ruhr wird weiter
fortgesetzt. Aufgrund der desolaten Finanzlage etlicher Kommunen wird die
Umsetzung neuer Förderprojekte zunehmend erschwert. Für die Stadt Hagen
bestehen derzeit über das Projekt „Bahnhofshinterfahrung“ hinaus
keine Handlungsspielräume.
Begründung
Konzept Ruhr – Stand der
Umsetzung
Seit
rund drei Jahren bringen die kommunalen Gebietskörperschaften ihre Vorhaben der
Stadterneuerung, der gewerblichen Flächenentwicklung und weitere, regional
bedeutsame Projekte im Rahmen interkommunaler Abstimmungsprozesse in das Konzept Ruhr ein. Die begleitende
Projektliste enthält mit Stand Juli 2010 insgesamt 350 Projekte, zu denen
weitere 122 Untervorhaben hinzukommen. Allein 72 Projekte sind interkommunal
angelegt.
Insgesamt
36 Vorhaben sind vollständig oder in wichtigen Bauabschnitten abgeschlossen,
mehr als 200 werden derzeit umgesetzt. Diese Maßnahmen mobilisieren ein
Investitionsvolumen von rund 1.65 Mrd. € im öffentlichen Bereich und
voraussichtlich rund 6.15 Mrd. € im privaten Sektor. Damit hat sich das
gemeinschaftliche Auftreten der Städte und Kreise gegenüber dem Land
Nordrhein-Westfalen bewährt.
Die
Realisierung der Vorhaben ist eng mit der Organisationskraft und Leistungsfähigkeit
der Kommunen verbunden. Die wirtschaftliche Lage der Kommunen schließt jedoch
derzeit namhafte Beiträge zur Mitfinanzierung und Unterhaltung neuer Projekte
weitgehend aus. So haben die Städte und Kreise die mittel- und langfristig
vorgesehenen Projekte bereits um rund 42 zurückgefahren. Damit verbunden ist
ein potentieller Rückgang der erwarteten öffentlich/privaten Investitionen um
rund 400 Mio. Euro.
Die
Zahlen insgesamt zeigen, dass die kommunalen Gebietskörperschaften alle
verfügbaren Mittel auf die Realisierung bereits laufender Maßnahmen
konzentrieren. Damit ist einerseits gesichert, dass die erheblichen
Beschäftigungseffekte der nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung erhalten
bleiben und keine „Planungsruinen“ entstehen. Andererseits ist eindeutig erkennbar, dass die Kommunen auf Grund ihrer
Haushaltlage derzeit nicht in der Lage sind, rechtzeitig die Grundlagen für
neue Projekte vorzubereiten.
Im
„Sparpaket“ der Bundesregierung sind ab 2011 erhebliche Kürzungen
im Bund-Länder-Programm zur Stadterneuerung vorgesehen. Die Fördermöglichkeiten
zur Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wurden bereits eingeschränkt.
Treten diese Planungen insgesamt in Kraft, verhindern sie nachhaltig und
dauerhaft den Beginn neuer Projekte im öffentlichen und privaten Bereich.
Sie
gefährden zudem die Fortführung bereits laufender, mehrjähriger Maßnahmen und
führen so bereits kurzfristig zu einer dramatischen Reduzierung der
Beschäftigungseffekte. Nur wenn es gelingt, die finanzielle Ausstattung der
Kommunen grundlegend zu verbessern, kann die nächste Phase des Wandels
erfolgreich bewältigt werden.
Stand der Umsetzung in der Stadt
Hagen
Die Stadt Hagen hat insgesamt 12
Projekte in das Konzept Ruhr eingebracht. Schwerpunkte der Projekte sind die
Reaktivierung gewerblicher Brachflächen (Brandt, Varta, Enervie, Schlachthof,
Werk IV Nahmertal, Flächen hinter dem Hauptbahnhof etc.), die Stadterneuerung
(Oberhagen/Eilpe, Wehringhausen, Altenhagen etc.) sowie die Freiraumentwicklung
(Ruhrtal, Radwege etc.). Die Gesamtliste der Hagener Projekte sowie der
Projekte der anderen Kommunen befindet sich in der zu dieser Vorlage gehörenden
Broschüre (Tischvorlage).
Von den Hagener Projekten konnte
bislang keines abgeschlossen werden. Zwei Projekte befinden sich in der Umsetzung: Stadtumbau
West - Oberhagen/Eilpe und Reaktivierung
des ehemaligen Werks IV (Krupp-Hoesch) im Nahmertal. Alle anderen Projekte können aufgrund des
fehlenden kommunalen Eigenanteils nicht als Förderprojekte qualifiziert werden.
Dies zeigt erneut, dass Kommunen mit einem Nothaushalt auch von dringend
notwendigen Fördermaßnahmen ausgeschlossen bleiben.
Konzept Ruhr
Schon
vor diesem Hintergrund gewinnt die interkommunale Zusammenarbeit in der
Metropole Ruhr weiter an Bedeutung. Die Städte und Kreise haben im Kontext des
Konzepts Ruhr seit 2008 in Zusammenarbeit mit privaten Akteuren strategische
Ansätze zur Bewältigung der neuen Herausforderungen definiert.
Dazu
gehören zum Beispiel die Erarbeitung des „Bildungsberichts
Ruhr“ unter Federführung des
RVR und der wmr in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen oder die Durchführung
des Wettbewerbs „Innovation City“ auf Initiative und unter
Federführung des Initiativkreises Ruhr.
Daraus wird deutlich: Herausforderungen in der
Bildung und der Integration, der Energieeffizienz und der Klimaverbesserung
treten in den nächsten Jahren gleichberechtigt neben die Stadterneuerung und
Flächenentwicklung.
Die
drei Säulen Stadt – Bildung -
Klima werden den Wandel der Metropole Ruhr in der nächsten Dekade
bestimmen.
Die
Städte und Kreise in der Metropole Ruhr blicken auf zwei erfolgreiche Dekaden der gemeinschaftlich verantworteten
Stadt-und Regionalentwicklung zurück.
Von
1989 bis 1999 hat die IBA Emscher
Park das Gesicht der gesamten Region verändert, den Grundstein für intensive
interkommunale Zusammenarbeit gelegt und das Image der Metropole Ruhr positiv
verwandelt. In der Dekade von 2000 bis
2010 haben die Städte und Kreise diesen Prozess erfolgreich erweitert und
vertieft. Sichtbarer Ausdruck dafür ist die erfolgreiche Bewerbung der Region
als Kulturhauptstadt Europas mit der Präsentation im Jahr 2010.
Gemeinsam
mit Akteuren aus Wirtschaft und Verbänden arbeiten die Städte und Kreise
– gemeinsam mit weiteren öffentlichen und privaten Akteuren - nun an Inhalten
und Zielen für die nächste Dekade
bis zum Jahr 2020. Dabei treten in der nächsten Phase des Strukturwandels
neben die „klassischen“ Themen der Stadterneuerung und Flächenentwicklung
zunehmend Herausforderungen in den Bereichen Bildung/Integration und
Klima/Energie, deren Wirkungen sich unmittelbar in den Innenstädten,
Stadtteilen und Landschaftsräumen abbilden.
Nächste Schritte
Das
Konzept Ruhr ist das „Dach“ der interkommunalen Aktivitäten zur
regionalen Entwicklung. Neben der
konsequenten Umsetzung der Projekte im Rahmen der kommunalen
Handlungsspielräume zielen die nächsten Schritte im Rahmen des Konzepts Ruhr
auf weitere Harmonisierung der
interkommunalen Ansätze, die Untersetzung der Entwicklungsziele des Konzepts
Ruhr mit konkreten Projekten und das Bemühen um neue Gestaltungsspielräume im
Bereich der öffentlichen Förderung.
Hinzu
kommt die konsequente Einbringung der kommunalen Entwicklungsziele in die
förmliche Regionalplanung beim RVR.
Von
besonderer Bedeutung ist die frühzeitige Diskussion der künftigen
Förderkulisse. Auch auf Landesebene wird es erforderlich sein, bislang
getrennte Sachbereiche und Fördermöglichkeiten – zum Beispiel in den
Bereichen Bildung und Klima - zu intelligenten Realisierungskonzepten
zusammenzufügen. Wie die IBA Emscher Park in den neunziger Jahren kann auch die
projektbezogene Innovation im Kontext des Konzepts Ruhr zur Überarbeitung von
Richtlinien oder Förderprogrammen beitragen.
Das
„Konjunkturprogramm“ des Bundes leistet einen erheblichen Beitrag,
um diejenigen Rückstände bei der Überholung kommunaler Infrastruktur
aufzuholen, die durch grundsätzliche Probleme in der kommunalen Finanzsituation
entstanden sind. In die Überlegungen zu einer veränderten Förderkulisse ist
deshalb die Schaffung vergleichbarer Instrumente einzubeziehen.
Die
Metropole Ruhr wird zu diesem Themenkreis frühzeitig das Gespräch mit dem Land
suchen. Einen aktuellen Anlass bieten die ersten Überlegungen zur Fortführung
der infrastrukturbezogenen EU-Förderung nach Auslaufen des der aktuellen Ziel
2- Periode im Jahr 2014. Die Metropole Ruhr hat ein erhebliches Interesse
daran, das auch nach 2014 weiterhin entsprechende Fördermöglichkeiten bestehen
und die Mittel im Sinne der vernetzten Strategie des Konzepts Ruhr eingesetzt
werden können.
Die
Koordinierung der Arbeit erfolgt durch den permanenten, interkommunalen
Arbeitskreis zum Konzept Ruhr unter Federführung der Stadt Bottrop.
