Berichtsvorlage - 0204/2011

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Der Bericht der Verwaltung wird zur Kenntnis genommen.

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Sachverhalt

Kurzfassung

 

Durch die Zuschusskürzungen der Stadt an die HVG/HST sind in 2008 und 2009 Einsparungen im ÖPNV-Angebot erforderlich geworden. Die Anzahl der individuellen Fahrten ist seitdem in den Größenordnungen von drei bis vier Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang kann nicht ausschließlich auf die Angebotsreduzierungen zurück geführt werden.

 

Begründung

 

Zuschusskürzung für den ÖPNV: Ausgangslage 

 

(letzter Bezug: Ratsvorlage Drucksachen-Nr. 0107/2010 vom 22.02.2010 - Sachstand Zuschusskürzung für den ÖPNV – Erfahrungsbericht Leistungskürzungen im ÖPNV – )

 

In 2008 wurde – nach dem Ratsbeschluss vom August 2007 über die Kürzung des von der Hagener Straßenbahn benötigten jährlichen Liquiditätszuschusses – durch die Anwendung des Tarifvertrags TV-N und durch Einführung des Abendnetzes auf NE-(Nachtexpress) -Basis der Zuschussbedarf um € 2,0 Mio. reduziert.

 

Mit seinem Beschluss vom Dezember 2008 hat der Rat Verwaltung und Hagener Straßenbahn (HST) nochmals beauftragt, ab 2009 weitere Reduzierungen im ÖPNV-Angebot in der Größenordnung von jährlich € 2,52 Mio. vorzunehmen.

 

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen (Taktausdünnungen, Linienwegänderungen und

-einstellungen) zum Sommerfahrplan 2009 wurde der Zuschussbedarf um zusätzliche € 2,07 Mio. per anno verringert.

 

Der noch fehlende Betrag von € 0,45 Mio. sollte durch Maßnahmen bei der ÖPNV-Bevorrechtigung, im Schülerverkehr, im Sonn- und Feiertagsverkehr sowie bei Parallelverkehren erwirtschaftet werden.

 

Zum Winterfahrplan 2010 (07.01.) wurden durch kleinere Angebotsänderungen (Abbau von Parallelverkehr) € 0,18 Mio. „erwirtschaftet“, so dass zu diesem Zeitpunkt ein noch ausstehender Betrag von € 0,27 Mio. zur Anpassung an den beschlossenen, gekürzten städtischen Zuschuss auszugleichen war. Dies sollte und konnte laut Beschluss des Aufsichtsrats der Hagener Straßenbahn AG vom November 2009 durch unternehmensinterne Maßnahmen, die zwischenzeitlich umgesetzt wurden, realisiert werden.

 

Im Ergebnis sind heute die Einsparvorgaben von insgesamt € 4,52 vollzogen.

 

Eine Angebotsreduzierung an Sonn- und Feiertagen wurde zuvor vom Aufsichtsrat der HST abgelehnt. Maßnahmen zur Busbeschleunigung sind nur mittel- bzw. langfristig umzusetzen und wirksam, können also keinen Beitrag zur kurzfristigen Kostensenkung leisten. Optimierungen im Schülerverkehr führen angesichts des verhältnismäßig geringen Kostenanteils am Gesamtvolumen aller Voraussicht nach nur zu marginalen Einsparmöglichkeiten. Dennoch wird zur Zeit von Verwaltung und HST untersucht, ob im Schülerverkehr Verbesserungen und Effizienzsteigerungen realisiert werden können.

 

 

Nachfrageentwicklung

 

Alle geplanten und realisierten Maßnahmen zur Reduzierung des ÖPNV-Angebots wurden gutachterlich mit Annahmen über einen Rückgang der Nachfrage und der Fahrgeldeinnahmen unterlegt und mit den Kosteneinsparungen gegen gerechnet (s. Vorlage „Reduzierung des Zuschussbedarfs an die HVG für den ÖPNV“ vom 08.09.2008, Drucksachen-Nr. 0816/2008).

 

Wie ist nun die tatsächliche Entwicklung der Fahrgastzahlen in den Jahren 2009 und im Jahr 2010, dem ersten Jahr mit durchgängig „gefahrenem“ Sparangebot“?

 

Fahrgastentwicklung 2008 – 2009 - 2010

Anzahl der Fahrten im Verbundtarif*

2008 – 2009:   -3,0%

2009 – 2010 (vorläufig)  : -3,7%

Zum Vergleich (1):

Einwohnerentwicklung 2008 – 2009 - 2010

2008 – 2009:   -1,2%

2009 – 2010 (Juli):   -0,4%

Zum Vergleich (2):

Einnahmeentwicklung 2008 – 2009 - 2010

2008 – 2009:   +0,4%

2009 – 2010 (vorläufig):   -1,2%

 

*Einzelfahrscheine (ohne Verkäufe außerhalb des HST-Vertriebssystems) und pauschalierte Annahmen über Nutzungshäufigkeit von Abo-Tickets

 

 

Fahrgastentwicklung seit 2008

 

Seit der Einführung des Abendverkehrs zur Jahresmitte 2008 durch Ausweitung des Nachtexpressangebots auf die komplette Woche (i. d. R. ab 21.30 Uhr) und des reduzierten Verkehrsangebots zum Sommerfahrplan 2009 hat sich die Anzahl der ÖPNV-Fahrten (Fahrgäste) deutlich verringert: In 2009 um knapp 3% im Vergleich zum Vorjahr und in 2010 nochmals um fast 4% (vorläufiges Ergebnis). Der Fahrgastrückgang ist nur zum Teil durch den allgemeinen Bevölkerungsrückgang zu erklären, der im Vergleichszeitraum erheblich geringer ausfiel. Allerdings können sich im Betrachtungszeitraum Folgen der temporären Wirtschaftskrise (Kurzarbeit) auch auf die ÖPNV-Nachfrage ausgewirkt haben.

 

Zum Vergleich: Im gesamten VRR ging die Zahl der Fahrgäste zwischen Januar und November 2010 um 1,2% zurück, während die Fahrgeldeinnahmen um 0,9% stiegen

 

Ein Drittel des Fahrtenrückgangs von 2009 auf 2010 ist allein auf den rückläufigen Erwerb und die Nutzung des Schoko-Tickets zurück zu führen. Das Schoko-Ticket ist ausschließlich Schülern vorbehalten, die keine wahlfreien ÖPNV-Nutzer sind, ein Nachfragerückgang hier verweist auf einen Rückgang der Schülerzahlen (-1,8% zwischen 2008 und 2009). Dagegen gibt es beim alternativen und von einem Schulbesuch unabhängigen Young-Ticket-Angebot eine deutliche Steigerung.

 

Der Nachfragerückgang im ÖPNV seit Einführung des Spätverkehrfahrplans (2008) und des „Sparfahrplans“ (2009) kann daher nicht hauptsächlich auf die Angebotskürzungen seit 2008/2009 zurückgeführt werden. Hier wirken mehrere Faktoren, deren jeweiliger Anteil nur schwer einzuschätzen ist.

 

Die Fahrgastzahlen – seit 2002 kontinuierlich gestiegen – weisen aber in 2009 erstmalig ein negatives Ergebnis auf. Auch bei der Kenngröße „Gesamtbevölkerung / beförderte Personen“ als Maß für die allgemeine Akzeptanz und durchschnittliche Nutzung des ÖPNV gibt es in 2009 seit acht Jahren zum ersten Mal einen Rückgang (s. Anlage).

 

Dank der Tariferhöhungen wurden die Fahrgeldeinnahmen in 2009 noch leicht kompensiert, gehen in 2010 aber ebenfalls zurück (vorläufiges Ergebnis).

 

Eine differenziertere statistische Betrachtung und Bewertung der Angebotskürzungen – etwa auf ihre Auswirkungen auf bestimmte Nachfragegruppen (Senioren, Berufstätige, Kunden des Einzelhandels o. a.) – ist wegen nicht ausreichend robuster Daten nicht möglich.

 

Allgemein und flächendeckend wird das Spätverkehrs-Angebot mit dem ausgedünnten (Stunden-)Takt beklagt und dass eine Weiterfahrt vom Hauptbahnhof in den Abendstunden wegen dieser großen Zeitlücken erschwert ist, auch dass die Wege zur nächsten Haltestelle im Nachtexpress-Netz bis zu 600m betragen können.

 

Weitere Beschwerden richten sich gegen überfüllte Busse besonders zu Lasten von SchülerInnen.

 

Die nach einem guten halben Jahr nach Einführung des Sommerfahrplans 2009 vier meistgeäußerten Beschwerden sind in der Vorlage 0107/2010, Februar 2010 dargestellt, verbunden mit dem Hinweis, dass eine Rücknahme der Angebotsänderungen ausgeschlossen wird. Aktuell wird aus dieser Liste die Situation in Oege (Taxibus, Schülerverkehr) wegen jetzt vorliegender neuerer Beschwerden von Verwaltung und HST geprüft und mit den Betroffenen erörtert werden.

 


 

Anlage

Mobilität durch den ÖPNV

 

 

Einwohner

Beförderte

Fahrgäste

in Tsd.

Beförderte

Fahrgäste /

Einwohner

1992

 

217.137

40.198

185,12

1993

 

217.214

39.196

180,45

1994

 

216.157

38.332

177,33

1995

 

214.317

38.271

178,86

1996

 

213.361

37.232

174,50

1997

 

21.462

37.611

177,86

1998

 

209.681

36.445

173,81

1999

 

207.471

35.517

170,71

2000

 

205.307

35.538

173,10

2001

 

204.082

33.109

162,23

2002

 

203.078

34.798

171,35

2003

 

202.209

36.107

178,57

2004

 

201.171

37.115

184,50

2005

 

199.657

38.144

191,10

2006

 

198.103

38.601

194,48

2007

 

195.853

 

38.119

194,63

2008

 

193.979

38.183

196,68

2009

 

191.558

37.032

193,32

Quelle: Statistische Jahrbücher der Stadt Hagen

 

 

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Beschlüsse

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29.03.2011 - Stadtentwicklungsausschuss - ungeändert beschlossen