Berichtsvorlage - 0204/2011
Grunddaten
- Betreff:
-
Erfahrungsbericht "Zuschusskürzung im ÖPNV"
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Berichtsvorlage
- Federführend:
- FB61 - Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung
- Bearbeitung:
- Hans-Dieter Schumacher
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Stadtentwicklungsausschuss
|
Vorberatung
|
|
|
|
29.03.2011
|
Sachverhalt
Kurzfassung
Durch die
Zuschusskürzungen der Stadt an die HVG/HST sind in 2008 und 2009 Einsparungen
im ÖPNV-Angebot erforderlich geworden. Die Anzahl der individuellen Fahrten ist
seitdem in den Größenordnungen von drei bis vier Prozent zurückgegangen. Dieser
Rückgang kann nicht ausschließlich auf die Angebotsreduzierungen zurück geführt
werden.
Begründung
Zuschusskürzung
für den ÖPNV: Ausgangslage
(letzter Bezug: Ratsvorlage
Drucksachen-Nr. 0107/2010 vom 22.02.2010 - Sachstand Zuschusskürzung für den
ÖPNV – Erfahrungsbericht Leistungskürzungen im ÖPNV – )
In
2008
wurde – nach dem Ratsbeschluss vom August 2007 über die Kürzung des
von der Hagener Straßenbahn benötigten jährlichen Liquiditätszuschusses –
durch die Anwendung des Tarifvertrags TV-N und durch Einführung des Abendnetzes
auf NE-(Nachtexpress) -Basis der Zuschussbedarf um € 2,0 Mio. reduziert.
Mit
seinem Beschluss vom Dezember 2008 hat der Rat Verwaltung und
Hagener Straßenbahn (HST) nochmals beauftragt, ab 2009 weitere
Reduzierungen im ÖPNV-Angebot in der Größenordnung von jährlich € 2,52 Mio. vorzunehmen.
Mit
einer Vielzahl von Maßnahmen (Taktausdünnungen, Linienwegänderungen und
-einstellungen)
zum Sommerfahrplan 2009 wurde der Zuschussbedarf um zusätzliche € 2,07 Mio. per anno verringert.
Der
noch fehlende Betrag von € 0,45
Mio. sollte durch Maßnahmen bei der ÖPNV-Bevorrechtigung, im Schülerverkehr, im Sonn- und Feiertagsverkehr
sowie bei Parallelverkehren erwirtschaftet werden.
Zum
Winterfahrplan 2010 (07.01.) wurden durch kleinere Angebotsänderungen (Abbau
von Parallelverkehr) € 0,18 Mio.
„erwirtschaftet“, so dass zu diesem Zeitpunkt ein noch ausstehender
Betrag von € 0,27 Mio. zur
Anpassung an den beschlossenen, gekürzten städtischen Zuschuss auszugleichen
war. Dies sollte und konnte laut Beschluss des Aufsichtsrats der Hagener
Straßenbahn AG vom November 2009 durch unternehmensinterne
Maßnahmen, die zwischenzeitlich umgesetzt wurden, realisiert werden.
Im Ergebnis sind heute die
Einsparvorgaben von insgesamt € 4,52 vollzogen.
Eine
Angebotsreduzierung
an Sonn- und Feiertagen wurde zuvor vom Aufsichtsrat der HST abgelehnt.
Maßnahmen zur Busbeschleunigung sind nur mittel- bzw. langfristig umzusetzen
und wirksam, können also keinen Beitrag zur kurzfristigen Kostensenkung
leisten. Optimierungen im Schülerverkehr führen angesichts des
verhältnismäßig geringen Kostenanteils am Gesamtvolumen aller Voraussicht nach
nur zu marginalen Einsparmöglichkeiten. Dennoch wird zur Zeit von Verwaltung
und HST untersucht, ob im Schülerverkehr Verbesserungen und
Effizienzsteigerungen realisiert werden können.
Nachfrageentwicklung
Alle
geplanten und realisierten Maßnahmen zur Reduzierung des ÖPNV-Angebots wurden
gutachterlich mit Annahmen über einen Rückgang der Nachfrage und der
Fahrgeldeinnahmen unterlegt und mit den Kosteneinsparungen gegen gerechnet (s.
Vorlage „Reduzierung des Zuschussbedarfs an die HVG für den ÖPNV“
vom 08.09.2008, Drucksachen-Nr. 0816/2008).
Wie
ist nun die tatsächliche Entwicklung der Fahrgastzahlen in den Jahren 2009 und
im Jahr 2010, dem ersten Jahr mit durchgängig „gefahrenem“
Sparangebot“?
Fahrgastentwicklung
2008 – 2009 - 2010
Anzahl
der Fahrten im Verbundtarif*
2008 – 2009: -3,0%
2009 – 2010 (vorläufig) : -3,7%
Zum Vergleich (1):
Einwohnerentwicklung
2008 – 2009 - 2010
2008 – 2009: -1,2%
2009 – 2010 (Juli): -0,4%
Zum Vergleich (2):
Einnahmeentwicklung
2008 – 2009 - 2010
2008 – 2009: +0,4%
2009 – 2010 (vorläufig): -1,2%
*Einzelfahrscheine (ohne Verkäufe
außerhalb des HST-Vertriebssystems) und pauschalierte Annahmen über
Nutzungshäufigkeit von Abo-Tickets
Fahrgastentwicklung
seit 2008
Seit der Einführung des Abendverkehrs zur
Jahresmitte 2008 durch Ausweitung des Nachtexpressangebots auf die komplette
Woche (i. d. R. ab 21.30 Uhr) und des reduzierten Verkehrsangebots zum
Sommerfahrplan 2009 hat sich die Anzahl der ÖPNV-Fahrten (Fahrgäste) deutlich
verringert: In 2009 um knapp 3% im Vergleich zum Vorjahr und in 2010 nochmals
um fast 4% (vorläufiges Ergebnis). Der Fahrgastrückgang ist nur zum Teil durch
den allgemeinen Bevölkerungsrückgang zu erklären, der im Vergleichszeitraum
erheblich geringer ausfiel. Allerdings können sich im Betrachtungszeitraum
Folgen der temporären Wirtschaftskrise (Kurzarbeit) auch auf die ÖPNV-Nachfrage
ausgewirkt haben.
Zum
Vergleich: Im gesamten VRR ging die Zahl der Fahrgäste zwischen Januar und
November 2010 um 1,2% zurück, während die Fahrgeldeinnahmen um 0,9% stiegen
Ein Drittel des Fahrtenrückgangs von 2009 auf 2010
ist allein auf den rückläufigen Erwerb und die Nutzung des Schoko-Tickets
zurück zu führen. Das Schoko-Ticket ist ausschließlich Schülern vorbehalten,
die keine wahlfreien ÖPNV-Nutzer sind, ein Nachfragerückgang hier verweist auf einen
Rückgang der Schülerzahlen (-1,8% zwischen 2008 und 2009). Dagegen gibt es beim
alternativen und von einem Schulbesuch unabhängigen Young-Ticket-Angebot eine
deutliche Steigerung.
Der Nachfragerückgang im ÖPNV seit Einführung des
Spätverkehrfahrplans (2008) und des „Sparfahrplans“ (2009) kann
daher nicht hauptsächlich auf die Angebotskürzungen seit 2008/2009
zurückgeführt werden. Hier wirken mehrere Faktoren, deren jeweiliger Anteil nur
schwer einzuschätzen ist.
Die Fahrgastzahlen – seit 2002 kontinuierlich
gestiegen – weisen aber in 2009 erstmalig ein negatives Ergebnis auf.
Auch bei der Kenngröße „Gesamtbevölkerung / beförderte Personen“
als Maß für die allgemeine Akzeptanz und durchschnittliche Nutzung des ÖPNV
gibt es in 2009 seit acht Jahren zum ersten Mal einen Rückgang (s. Anlage).
Dank der Tariferhöhungen wurden die
Fahrgeldeinnahmen in 2009 noch leicht kompensiert, gehen in 2010 aber ebenfalls
zurück (vorläufiges Ergebnis).
Eine differenziertere statistische Betrachtung und
Bewertung der Angebotskürzungen – etwa auf ihre Auswirkungen auf
bestimmte Nachfragegruppen (Senioren, Berufstätige, Kunden des Einzelhandels o.
a.) – ist wegen nicht ausreichend robuster Daten nicht möglich.
Allgemein und flächendeckend wird das
Spätverkehrs-Angebot mit dem ausgedünnten (Stunden-)Takt beklagt und dass eine
Weiterfahrt vom Hauptbahnhof in den Abendstunden wegen dieser großen Zeitlücken
erschwert ist, auch dass die Wege zur nächsten Haltestelle im Nachtexpress-Netz
bis zu 600m betragen können.
Weitere Beschwerden richten sich gegen überfüllte
Busse besonders zu Lasten von SchülerInnen.
Die nach einem guten halben Jahr nach Einführung des
Sommerfahrplans 2009 vier meistgeäußerten Beschwerden sind in der Vorlage 0107/2010, Februar 2010
dargestellt, verbunden mit dem Hinweis, dass eine Rücknahme der
Angebotsänderungen ausgeschlossen wird. Aktuell wird aus dieser Liste die
Situation in Oege (Taxibus, Schülerverkehr) wegen jetzt vorliegender neuerer
Beschwerden von Verwaltung und HST geprüft und mit den Betroffenen erörtert
werden.
Anlage
Mobilität durch den ÖPNV
|
|
Einwohner |
Beförderte Fahrgäste in Tsd. |
Beförderte Fahrgäste / Einwohner |
|
1992 |
217.137 |
40.198 |
185,12 |
|
1993 |
217.214 |
39.196 |
180,45 |
|
1994 |
216.157 |
38.332 |
177,33 |
|
1995 |
214.317 |
38.271 |
178,86 |
|
1996 |
213.361 |
37.232 |
174,50 |
|
1997 |
21.462 |
37.611 |
177,86 |
|
1998 |
209.681 |
36.445 |
173,81 |
|
1999 |
207.471 |
35.517 |
170,71 |
|
2000 |
205.307 |
35.538 |
173,10 |
|
2001 |
204.082 |
33.109 |
162,23 |
|
2002 |
203.078 |
34.798 |
171,35 |
|
2003 |
202.209 |
36.107 |
178,57 |
|
2004 |
201.171 |
37.115 |
184,50 |
|
2005 |
199.657 |
38.144 |
191,10 |
|
2006 |
198.103 |
38.601 |
194,48 |
|
2007 |
195.853 |
38.119 |
194,63 |
|
2008 |
193.979 |
38.183 |
196,68 |
|
2009 |
191.558 |
37.032 |
193,32 |
Quelle:
Statistische Jahrbücher der Stadt Hagen
