Beschlussvorlage - 0807/2004
Grunddaten
- Betreff:
-
Bürgeraktion zugunsten der Bronzeplastik "Jephtas Tochter" von Milly Steger.
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 45 Osthaus Museum Hagen
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Kultur- und Weiterbildungsausschuss
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Entscheidung
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26.11.2004
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Beschlussvorschlag
Der Kultur-
und Weiterbildungsausschuß nimmt zur Kenntnis, daß die Bronzeplastik
“Jephtas Tochter” von Milly Steger in das Eigentum der Stadt Hagen
übergegangen ist. Der Erwerb des Eigentums ist durch die Einwerbung von Spenden
von Hagener Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Unternehmen ermöglicht
worden.
Sachverhalt
1919
schuf Milly Steger (1881-1948),
die von 1910 bis 1917 Stadtbildhauerin von Hagen war, die Plastik einer
lebensgroßen Tanzenden, mit dem Titel “Jephtas
Tochter”. Bereits 1981 und 1998 war “Jephtas Tochter”
in Gedächtnisausstellungen für Milly Steger in Hagen zu sehen. Diese Plastik
wurde dem Karl Ernst Osthaus-Museum Ende Februar 2004 zum Preis von 60.000,-
Euro zum Kauf angeboten, zahlbar in drei Raten (Mai/Juli/Oktober).
Die
grazile Figur zählt zu den schönsten und ausdrucksvollsten Arbeiten Milly
Stegers und ist ein Hauptwerk nicht nur in ihrem Œuvre, sondern in der
Plastik der klassischen Moderne. Der Titel der Bronzearbeit bezieht sich auf
eine Begebenheit aus dem Alten Testament: der israelische Hauptmann Jephta
befreite seinen Stamm von den Ammonitern und opferte dafür einem Gelübde gemäß
seine Tochter (Richter 11, 30-39). Vor ihrer Opferung nimmt Jephtas Tochter
tanzend Abschied von ihrem Leben. Sie tanzt einen vollkommen in sich gekehrten,
kaum in den Raum ausgreifenden, melancholisch gestimmten Tanz. In dieser
tragischen Gestalt aus dem Alten Testament verarbeitete Milly Steger die
spannungsvolle Körpersprache des damals populären Ausdruckstanzes.
Die
erste Version von “Jephtas Tochter” von 1919 war aus schwarzem
Steinguß. 1920 kaufte Karl Ernst Osthaus die Tanzende für das Hagener Museum
Folkwang. “Jephtas Tochter” gelangte 1922 mit der gesamten
Folkwang-Sammlung nach Essen und wurde 1944 im Krieg zerstört. Milly Steger
ließ jedoch bereits 1920 noch einen Bronzeguß der Figur anfertigen, den ein
Kasseler Bankier kaufte, der zugleich Leiter des dortigen Kunstvereins war.
Seitdem war “Jephtas Tochter” in dritter Generation im Besitz der
Familie, die sie nun veräußerte.
Da das Karl Ernst Osthaus-Museum
nicht mehr über Ankaufsmittel verfügt, wurde unter dem Motto “Eine Tanzende für Osthaus” mit
Unterstützung des Karl Ernst Osthaus-Bundes eine Initiative von Hagener
Bürgerinnen und Bürgern ins Leben gerufen, um die Skulptur für das Karl Ernst
Osthaus-Museum zu sichern.
Gemeinsam wurden verschiedene Initiativen und Angebote
entwickelt, die Geld erbringen sollten. Als erstes wurde eine Patenaktie
aufgelegt. Der Hagener Künstler Bernhard van der Minde, Mitglied des
Hagenrings, fertigte dafür eine Feder-Zeichnung der Milly Steger-Plastik an und
ließ diese dann als Siebdruck vervielfältigen (Auflage: 500, Preis pro
Patenaktie: 50,- Euro). Im Juni bot die Kunsthistorikerin Ariane Hackstein eine
Busexkursion an zugunsten des Ankaufs der Tanzenden unter dem Motto: Auf den
Spuren von Milly Steger in Hagen. Auch der Intendant des Theaters Hagen, Rainer
Friedemann, unterstützte die Aktion: Anläßlich der im Juni veranstalteten
“Tanzräume” konnte sich “Jephtas Tochter” im Foyer des
opus dem Publikum vorstellen. Schließlich wurde Ende Juni der letzte
“Tango” der Spielzeit zu einer Benefizveranstaltung für die
Tanzende umgewidmet und der Erlös des Abends kam vollständig dem Ankauf zugute.
Ein Höhepunkt der Spendenaktion war das “Sommerfest für Jephtas
Tochter” des Karl Ernst Osthaus-Bundes und des Museums im Garten des
Hohenhofs am 10. Juli . Peter Pietzsch moderierte den Abend und die
musikalische Leitung lag in den Händen von Antony Hermus. Der Tänzer und
Choreograph Torsten Konrad, Lehrer an der Essener Folkwang-Hochschule, trat mit
zwei eigens entwickelten Choreographien auf. - Das Fest wurde von zahlreichen
Unternehmen, Banken und Verbänden, Hagener Serviceclubs und Privatpersonen
sowie wiederum dem Theater Hagen unterstützt.
Am 5. Oktober 2004 ging Milly Stegers Bronzeplastik
“Jephtas Tochter” durch Zahlung der letzten Rate in das Eigentum
des Karl Ernst Osthaus-Museums der Stadt Hagen über (Inv. Nr. K 4524). Somit
wurde die Bürger-Aktion “Eine Tanzende für Osthaus”, die Anfang März
ins Leben gerufen wurde, erfolgreich abgeschlossen, bei der sich über 500
Hagenerinnen und Hagener engagiert und gespendet haben.
In der Spielzeit 2004/05 soll die Plastik im Café des
Theaters stehen, für dessen Fassade Milly Steger 1911 die vier großen
Frauenakte schuf. Ab Sommer 2005 soll “Jephtas Tochter” auf Dauer
im Hohenhof - Museum des Hagener
Impulses präsentiert werden.
Folgende Personen, Verbände und Unternehmen seien genannt
– stellvertretend für die 500 Bürgerinnen und Bürger -, die sich mit
hohen Geld- oder Sachspenden sowie durch ihren Einsatz maßgeblich an der Aktion
“Eine Tanzende für Osthaus”
beteiligt haben:
-
Altenloh,
Brinck & Co., Ennepetal
-
Europart
Holding, Hagen
-
Karl
Ernst Osthaus-Bund, Hagen
-
Lions
Club Hagen
-
Lions
Club Hagen-Mark
-
Lions
Club Hagen-Westfalen
-
mark
E, Hagen
-
Märkische
Bank Stiftung, Hagen
-
Rathaus-Apotheke
- Internationale Apotheke, Dr. Klaus Fehske
-
Rent
a cook, Hagen, Thomas Prudlik
-
Rotary
Club Hagen
-
Rotary
Club Hagen-Lenne
-
Soroptimist
International Club Hagen
-
Stifterverband
des Karl Ernst Osthaus-Museums
-
Theater
Hagen
-
Bernhard
van der Minde, Hagen
-
Wirtschaftsjunioren
Hagen / Ennepe-Ruhr
-
Zonta
Club Hagen Area
sowie rund
500 Bürgerinnen und Bürger.
