Beschlussvorlage - 0862/2010
Grunddaten
- Betreff:
-
Wohnungsmarktbericht 2010
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 23 Fachbereich Immobilien, Wohnen und Sonderprojekte
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
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Vorberatung
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26.10.2010
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Erledigt
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Stadtentwicklungsausschuss
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Entscheidung
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03.11.2010
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Sachverhalt
Kurzfassung
Die
Zielsetzung der Wohnungsmarktbeobachtung liegt darin, für alle Beteiligten des
Wohnungsmarktes aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung möglichst aktuelle und
umfassende Informationen vorzuhalten. Grundlage der Wohnungsmarktbeobachtung
bildet ein Indikatorensystem, resultierend aus den verschiedensten örtlich
relevanten Daten.
Der
vorliegende Wohnungsmarktbericht 2010 spiegelt die aktuelle Lage des Hagener
Wohnungsmarktes wider. Die Wohnungspolitik soll in die Lage versetzt werden,
aufgrund der dokumentierten Erkenntnisse Steuerungsmechanismen zu ergreifen.
Begründung
Die Verwaltung übt eine
kontinuierliche Wohnungsmarktbeobachtung aus, um Entwicklungen auf dem
Wohnungsmarkt rechtzeitig erkennen zu können und die Möglichkeit der Steuerung
zu geben. Turnusmäßig wird ein Wohnungsmarktbericht erstellt, mit dem
insbesondere die Wohnungspolitik in die Lage versetzt werden soll, ihr Handeln
auf die demographische sowie auf die wirtschaftlich und sozial bedingte
Situation auszurichten.
Der Wohnungsmarktbericht
2010 spiegelt die aktuelle Lage des Hagener Wohnungsmarktes wider. Grundlage
bildet ein Indikatorensystem, das aus den verschiedensten örtlich relevanten
Daten resultiert.
Folgende Eckpunkte
kennzeichnen die derzeitige Situation:
Die rückläufige Bevölkerungszahl,
die sich Ende 2009 auf 191.558 belief, trägt dazu bei, dass der Hagener
Wohnungsmarkt als entspannt angesehen werden kann. Die Versorgung der Hagener
Bevölkerung mit Wohnraum ist weitestgehend gesichert.
Im
Zuge eines zum Stand 31.12.2009 durchgeführten Haushaltsgenerierungsverfahrens
ist eine Haushaltsanzahl von rd.
92.500 ermittelt worden. Die häufigste Haushaltsform in Hagen ist der
Einpersonenhaushalt mit einem Anteil von 41 %, gefolgt von den
2-Personenhaushalten mit einem Anteil von 31 %.
Trotz günstiger
Baulandpreise war im Jahr 2009 auf dem Hagener Grundstücksmarkt eine
stagnierende bis leicht zurückgehende Entwicklung festzustellen. Die Anzahl
von Grundstückskaufverträgen für
Eigenheimmaßnahmen ist wieder leicht angestiegen; Verkäufe im
Geschosswohnungsbau bleiben auf sehr niedrigem Niveau. Die
Bodenpreisentwicklung stagniert im siebten Jahr.
Die Stadt Hagen reagiert
mit ihrem „100-Einfamilienhäuser“-Programm auf die Diskussion um
die Fortzüge vieler Hagener in Nachbarkommunen, die bauträgerfreie Grundstücke
zu günstigen Konditionen anzubieten haben.
Der rechtsgültige
Flächennutzungsplan weist im Stadtgebiet noch eine Anzahl nicht genutzter
Wohnbauflächen aus.
Gering waren im Jahr 2009
die Anzahl fertig gestellter Wohnungen und die der erteilten Baugenehmigungen. Zurückhaltung war erkennbar
bei der Errichtung von Mehrfamilienhäusern. Der Neubau eines Einfamilienhauses
ist für viele Hagener immer noch ein erstrebenswertes Ziel.
Die Höhe der Hypothekenzinsen
war 2009 wieder rückläufig und hat zwischenzeitlich zum niedrigsten Zinsniveau
der letzten 30 Jahre geführt.
Die durchschnittlichen
Gesamtbaukosten für geförderte Wohnungen und Eigenheime in Hagen lagen 2009 im
regionalen Vergleich recht niedrig, so dass Bauwillige nicht aus finanziellen
Gründen in Umlandgemeinden ausweichen mussten.
Der Sozialwohnungsbestand
hat sich durch planmäßige Tilgung und vorzeitige Rückzahlung der öffentlichen
Mittel auf 6.600 Mietwohnungen reduziert. Diese rückläufige Tendenz wird
anhalten, da nur in geringem Umfang neue öffentlich geförderte Wohnungen dem
Markt zugeführt werden. Trotz dieser Entwicklung ist im Blick zu halten, dass
auch künftig der öffentlich geförderte Wohnungsbau mit erschwinglichen Mieten
und entsprechenden Ausstattungsmerkmalen, insbesondere Barrierefreiheit,
notwendig ist, um vorrangig die Gruppen mit Wohnraum versorgen zu können, die
besonderer Unterstützung bedürfen. Hier sind z.B. Ältere, Familien mit Kindern,
Geringverdienende bzw. Menschen mit Sozialleistungsbezug und behinderte
Menschen zu nennen. Die Eigentümer der öffentlich geförderten Objekte sind
gefordert, aufwertende Investitionsmaßnahmen durchzuführen, um Ausstattung und
Wohnumfeld zu verbessern. Nur so kann verhindert werden, dass in den aufgrund
ihrer Lage und Beschaffenheit weniger nachgefragten Beständen Leerstände
entstehen.
Mieterprivatisierung als
Maßnahme zum Verkauf von umgewandelten Miet- in Eigentumswohnungen ist in Hagen
bisher eher selten vorgekommen.
Der Wohnungsbestand hat
sich auf 105.122 Wohneinheiten erhöht. Die Tendenz zu kleineren Haushalten ist
bereits seit Beginn der 90er Jahre festzustellen. Fast 41 % der Hagener
Haushalte sind 1-Personenhaushalte. Bedingt durch die anhaltende Verringerung
der Einwohnerzahl ergibt sich eine zunehmende Leerstandsproblematik. Zum
Jahresende 2008 ergab sich eine durchschnittliche Leerstandsquote von 5,4 % der
Wohnungen. Der Leerstand ist eine Folge des demographischen Wandels. Er
entsteht dort, wo Wohnungsbestände nicht mehr in entsprechendem Maße
nachgefragt werden. Zumeist sind ganze Straßenzüge oder Quartiere betroffen. Es
mangelt nicht an der Quantität, sondern an der Qualität des Wohnraums. Die
Umgestaltung der Wohnsiedlung „Höxterstr.“ durch die GWG eG und der
Bauvereins-Siedlung „Im Spieck“ sind Beispiele für die Veränderung
von Wohnvierteln.
Der Wohnungsmarkt wird
durch verschiedene Nachfrageindikatoren bestimmt. Hierzu gehört z.B. die
Einkommenssituation der Nachfrager. Wenngleich sich auch die durchschnittliche
Einkommenssituation der Hagener in der
Zeit von 2000 bis 2007 verbessert hat,
besteht die Vermutung, dass seitdem aufgrund der Wirtschaftslage wieder
eine Verschlechterung eingetreten ist.
An der innerstädtischen
Umzugshäufigkeit kann abgelesen werden, ob der Wohnungsmarkt sich eher
angespannt oder entspannt darstellt. Seit 1999 liegt die jährliche
Umzugshäufigkeit in der Spanne zwischen 80 und 90 pro 1000 Einwohner. Dadurch
ist ein Anhaltspunkt für einen entspannten Wohnungsmarkt gegeben.
Im Jahr 2009 wurden 1.567
wohnungssuchende Haushalte im Hinblick auf geförderte Wohnungen registriert.
Hier war insbesondere das Ressort Wohnen gefordert, dem in erster Linie aus
Älteren, Familien mit Kindern, Geringverdienenden bzw. Menschen mit
Sozialleistungsbezug zusammengesetzten Personenkreis Hilfestellung zu leisten.
In naher Zukunft ist diesbezüglich hier keine andere Tendenz zu erwarten.
Die Steigerungsraten bei
den Mieten fallen moderat aus. Dies spricht ebenfalls für eine entspannte Lage
auf dem Wohnungsmarkt.
In der Möglichkeit der
Eigentumsförderung liegt für einen Teil des interessierten Personenkreises ein
Weg, den Wunsch nach Wohneigentum zu befriedigen. Im Jahr 2009 wurden 81
Eigentumsförderungen gewährt. 64 % der Fälle entfielen auf Haushalte, in denen
mindestens ein Mitglied oder beide Partner einem nicht deutschen Herkunftsland
entstammt bzw. entstammten.
Die demographische
Entwicklung geht einher mit der Zunahme des Anteils älterer Menschen. Die Folge
ist, dass die Nachfrage nach angemessenen seniorengerechten und barrierefrei
gestalteten Wohnformen wächst. Ein wichtiger Aspekt ist auch das „Wohnen
mit Versorgungssicherheit“. Da von einem nicht gedeckten Bedarf
ausgegangen werden muss, sind weiterhin entsprechende Konzepte zu entwickeln.
Realisiert wurde bereits das „Henry-Dunant-Haus“ an der Feithstr..
Im Bau befinden sich das Wohnprojekt der Georg-Kraus-Stiftung am Elbersufer und
das Heurich-Haus am Wilhelmsplatz in Wehringhausen.
