Berichtsvorlage WBH - 0044/2025

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Die Kläranlage Hagen-Fley an der Buschmühlenstraße in Hagen soll aufgegeben werden, um das Gelände der Kläranlage und die benachbarte Grünfläche an der Federnstraße gewerblich entwickeln zu können. Die Gesamtfläche des Areals beträgt circa 12 ha. Der WBH plant daher, den aktuellen Maximalzufluss der Kläranlage Hagen-Fley von 490 l/s über einen Verbindungssammler zur Kläranlage Hagen überzuleiten. Der geplante Verbindungssammler ist ein Abwassertransportdruckleitungssystem, das aus zwei Druckleitungen mit einem Außendurchmesser von 800 mm besteht. Die Gesamtlänge der Druckleitungen beträgt circa 8,3 km. Der Verbindungssammler wird zusätzlich für den aktuellen Maximalzufluss der Kläranlage Hagen-Boele von 520-545 l/s ausgelegt, auch wenn eine Stilllegung dieser Kläranlage aktuell nicht geplant ist.

Der Verbindungssammler beginnt auf dem Gelände der Kläranlage Hagen-Fley, wo ein neues Pumpwerk geplant ist. Ab dem Pumpwerk liegt die Leitungstrasse in der Buschmühlenstraße und in der Hohensyburgstraße bis zur Kläranlage Hagen-Boele. Dieser Abschnitt ist mit einer offenen Leitungsverlegung geplant. Ab der Kläranlage Hagen-Boele kreuzt der Verbindungssammler den Batheyer Bach und einen Bahndamm der Deutschen Bahn. Nach der Kreuzung des Bahndammes ist der weitere Verlauf dem Hengsteysee folgend bis zum Laufwasserkraftwerk Hengsteysee. Der Verbindungssammler verläuft anschließend in dem weiterführenden Fuß- und Radweg entlang der Autobahn A1, ehe die Volme gequert wird. In diesem gesamten Bereich ist eine geschlossene Leitungsverlegung mittels Rohrvortriebs vorgesehen. Nach Querung der Volme liegt der Verbindungssammler im Fuß- und Radweg entlang der Herdecker Straße. Anschließend biegt der Verbindungssammler in die Zufahrtsstraße der Kläranlage Hagen ab und verläuft dort bis zum bestehenden Kreuzungsbauwerk des WBH. Das Abwasser wird in das Kreuzungsbauwerk über einen Beruhigungskanal eingeleitet. Für diesen Abschnitt ist eine offene Leitungsverlegung geplant. Ab hier fließt das Abwasser in den zwei bestehenden Freispiegelsammlern bis zur Kläranlage Hagen.

Im Bereich der Kläranlage Hagen-Fley sind Umbauarbeiten am bestehenden Kanalnetz vorgesehen, zum einen um das Areal der Kläranlage frei von abwassertechnischen Anlagen zu halten und zum anderen um das Schneckenpumpwerk an der Buschmühlenstraße und den dazugehörigen Entlastungsgraben zur Lenne stillzulegen. Die Überlaufschwellen der neuen Trennbauwerken werden höher als im Bestand vorgesehen, um die Entlastungshäufigkeiten dieser Bauwerke zu reduzieren und die Hochwassersicherheit des Kanalnetzes zu verbessern.

Eine Kosten- und Handlungsanalyse zur Zentralisierung der Abwasserbeseitigung im Stadtgebiet Hagen unter Berücksichtigung des Verbindungssammlers wurde vom Ingenieurbüro IWB Gemeinnütziges Institut Wasser und Boden e.V. für die SEH (Stadtentwässerung Hagen AöR) im Jahr 2006 durchgeführt. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Fortführung der vorhandenen Entwässerungssituation und die Realisierung des Verbindungssammlers gleichberechtigte Varianten sind, wobei der Erhalt der vorhandenen Entwässerungssituation für alle Beteiligten auf rein rechnerischer Basis eine angemessene Entscheidung darstellte.

Eine Machbarkeitsstudie zum Verbindungssammler wurde vom Ingenieurbüro Dr. Pecher AG im Auftrag der SEH im Jahr 2010 erarbeitet. Die Kostenuntersuchungen zeigten, dass die Abwasserüberleitung von den Kläranlagen Hagen-Fley und Hagen-Boele zur Kläranlage Hagen keine wirtschaftlichen Vorteile bietet. Dagegen liegen die Kosten für eine Abwasserüberleitung von der Kläranlage Hagen-Fley zur Kläranlage Hagen-Boele deutlich niedriger und es wurde deshalb empfohlen, für diesen Abschnitt weitergehende Untersuchungen durchzuführen.

Ein Konzept zur Neugestaltung der Abwasserentsorgung im Stadtgebiet Hagen unter Betrachtung des Verbindungssammlers wurde vom Ruhrverband im Jahr 2021 aufgestellt. Im Ergebnis zeigte sich kein eindeutiger gesamtwirtschaftlicher Kostenvorteil einer bestimmten Planungsvariante. Weitere Entscheidungen werden primär von der möglichen Zukunft der Werkskläranlage der Kabel Premium Pulp & Paper GmbH beeinflusst. Für den Ruhrverband ergibt sich damit keine monetäre Notwendigkeit für eine Aufgabe der Kläranlage Hagen-Fley und/oder der Kläranlage Hagen-Boele. Wenn sich der WBH und die Stadt Hagen für den Verbindungssammler entscheiden, um durch eine Aufgabe des Standortes der Kläranlage Hagen-Fley bestimmte wirtschaftspolitische Ziele zu erreichen, ist seitens des Ruhrverbands nur ein Anschluss an die Kläranlage Hagen möglich, da der Standort der Kläranlage Hagen-Boele in Verbindung mit der Werkskläranlage derzeit nicht verhandelbar ist.

Die reinen Baukosten für den Verbindungssammler wurden im Jahr 2010 mit circa 30 Millionen Euro brutto geschätzt (Machbarkeitsstudie der Dr. Pecher AG). Diese Baukostensumme wurde für das Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt Hagen für die Jahre 2025 bis 2030 übernommen. Aufgrund der des Anstiegs des Baupreisindex für Ortskanäle seit dem Jahr 2010 von circa 88% (Quelle: www.statistik.nrw) ist mit deutlich höheren Investitionskosten zu rechnen. Grund hierfür sind die geplanten Kanalumbauarbeiten an der Kläranlage Hagen-Fley, der erforderlichen Rohrvortriebe entlang des Hengsteysees (insbesondere im Seepark) sowie in der Zone II des Wasserschutzgebiets Hagen-Hengstey.

Für den WBH ist das monetäre Kriterium nur ein wichtiger Aspekt, der in den Abwägungsprozess einfließt. Die Kriterien Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Entwicklung von Gewerbe- und Industrieflächen sind ebenfalls wichtige Aspekte, die bei der Entscheidung über die Realisierung des Verbindungssammlers mitberücksichtigt werden müssen. Mit der Aufgabe der Kläranlage Hagen-Fley kann die Stadt Hagen auf diesem Areal dringend benötigte Gewerbe- und Industrieflächen realisieren, ohne bisher unerschlossene Flächen bebauen zu müssen. Durch die geplanten Kanalumbauarbeiten im Bereich der Kläranlage Hagen-Fley sowie durch die Bodenauffüllung des Areals wird ein höher Hochwasser- und Starkregenschutz erreicht. Zusätzlich bedeutet der Rückbau der Kläranlage Hagen-Fley eine höhere Wasserqualität der Lenne, von der auch die Wasserversorgung des Wasserwerks Hagen-Hengstey profitiert.

Der WBH plant den Baubeginn im Jahr 2028 und beabsichtigt eine späteste Fertigstellung im Jahr 2031. Zwischen dem Ruhrverband und dem WBH laufen aktuell Gespräche für einen abgestimmten Zeitplan. Der Ruhrverband wird dem WBH seine Zeitschiene für die erforderlichen Planungen und Umbauarbeiten der Kläranlagen bis Ende des ersten Quartals 2025 mitteilen.

 

gez. Henning Keune   gez. Hans-Joachim Bihs  gez. Jörg Germer

Vorstand Sprecher    Vorstand     Kfm. Vorstand

 

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Auswirkungen

 

 

 

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04.02.2025 - WBH-Verwaltungsrat - zur Kenntnis genommen