01.12.2009 - 10 "Kinderschutz in Hagen"- Maßnahmenplanung
Grunddaten
- TOP:
- Ö 10
- Sitzung:
-
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
- Gremium:
- Jugendhilfeausschuss
- Datum:
- Di., 01.12.2009
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB55 - Jugend und Soziales
- Bearbeitung:
- Renate Haack
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Zusammenfassung des
Diskussionsergebnisses:
Frau Simon erläutert die
Vorlage.
Frau Reinke begrüßt den
Umstand, dass man sich mehr mit Kinderschutz beschäftige und dass mehr in
Richtung Prävention getan werden solle.
Er beantragt für seine Fraktion allerdings in heutiger Sitzung die erste
Lesung der Vorlage. Er bittet die anderen Vertreter der Fraktionen, dort auch
für mehr Prävention im Bereich des Kinderschutzes zu werben. Er könne der Vorlage nicht klar entnehmen, welche
Maßnahmen denn jetzt vorgeschlagen würden. Ihm fehle die Perspektive, in welche
Richtung Prävention gehen solle.
Positiv bewertet er das angesprochene Zusammenwirken von Schule,
Jugendhilfe und Gesundheit. Das Projekt der Willkommensbesuche sei nur bis Ende
des Jahres finanziell gesichert. Um diesen Baustein müsse man sich dann auch
dringend kümmern.
Frau Schwerdtfeger bittet
Frau Simon um einige konkretere Beispiele. Wie sie der Vorlage habe entnehmen
können, seien in den Stadtteilen Vorhalle und Wehringshausen Pilotprojekte von
Sozialraumteams geplant. Auch dazu bittet sie Frau Simon um nähere Auskünfte.
Herr Fischer stellt fest,
dass die Zielrichtung des Papiers in Richtung Jugendhilfe gehe. Er hielte
eine Koppelung an die Arbeit des
Jugendförderplans für sinnvoll. Diejenigen, die im Jugendförderplan vernetzt
würden, seien ja auch gleichzeitig Akteure innerhalb des beschriebenen
Arbeitsbereiches. Dann könne man eine engere Verknüpfung der Entwicklung
vorsehen. Es sei wichtig, nicht am Jugendförderplan vorbei zu planen. An der in
dem Papier beschriebenen Weichenstellung „Bildung und Erziehung“ würde
auch deutlich, welche Entwicklung in den Schulen noch notwendig sei.
Es sei dringend geboten, diese Handlungsfelder zu verknüpfen.
Frau Klos-Eckermann erklärt
ihre Verwunderung über den Vorschlag von Herrn Reinke, die Vorlage heute als
erste Lesung zu betrachten. Sie habe die Vorlage als eine grundsätzliche
richtungsweisende Änderung in der Arbeit verstanden. Die einzelnen Vorschläge würden ja in Zukunft
sicher noch konkretisiert. Es gehe doch wohl heute eher darum, eine Art
Paradigmenwechsel festzustellen. Es solle zum Ausdruck gebracht werden, dass
man sich in dieser Stadt grundsätzlich neu aufstellen wolle. Andere Städte
seien Hagen im Bereich der frühen Hilfen und des präventiven Kinderschutzes um
Längen voraus. Die kommende Vorlage passe hervorragend in dieses Konzept. Die
beiden Vorlagen hätten einen ganz konkreten Bezug zueinander. Natürlich müsse
das im Rahmen des Jugendförderplans geschehen. Es gehe darum, in Zukunft nicht
nur viel menschliches Leid zu vermeiden, sondern eigentlich auch langfristig
immense Kosten zu vermeiden.
Sie erwarte von den Ratsmitgliedern im Ausschuss, dass sich diese in
ihren Fraktionen für die Sache einsetzten. Heute wolle man diesen Wechsel in die Richtung vollziehen.
Mehr sei in der heutigen Sitzung nicht gefragt.
Frau Burghardt ist der
Meinung, dass dieser Richtungswechsel schon lange überfällig gewesen sei. Das
sei der erste Schritt in die richtige Richtung. Sie nimmt Bezug auf die bereits
angesprochenen Willkommensbesuche, die vom Kinderschutzbund angeboten würden.
Sie habe der Vorlage entnommen, dass diese Willkommensbesuche beibehalten
werden sollten. Sie macht darauf aufmerksam, dass es dafür keine gesicherte Finanzierung
gebe. Man bewege sich seit fast genau zwei Jahren auf dem sehr unsicheren Terrain
der nicht gesicherten Finanzierung. Einmal habe man das Glück gehabt, einen
Betrag in Höhe von 10.000 € aus dem Sparkassentopf zu erhalten. So könne
man aber keine gesicherte präventive Arbeit leisten. Sie zitiert aus der
Vorlage, dass ein Ausbau der Besuche auf das ganze Stadtgebiet anzustreben sei.
Sie klärt auf, dass dies seit Monaten praktiziert würde. Weiterhin entnehme sie
der Vorlage, dass es einer teilweisen Veränderung des Konzeptes bedürfe, um
alle Familien zu erreichen. Sollte es sich dabei um inhaltliche Veränderungen
handeln, bitte sie darum, Gespräche zu
führen. Da wolle der Kinderschutzbund konstruktiv mitwirken. Sie hoffe, dass
die Politik in Richtung des Gesamtkonzeptes zu guten Entscheidungen komme.
Frau Simon macht deutlich,
dass es in den unterschiedlichen Sozialräumen unterschiedliche Zielgruppen
geben werde.
Frau Haack äußert
in Richtung von Herrn Fischer, dass er offensichtlich die Verbindung
zwischen Kinderschutz und Jugendförderplan vermisse. Ausgangspunkt des Pilotprojektes
sei im letzten Jahr der Jugendförderplan und hier insbesondere die Verbindung
von Jugendarbeit und Erziehungshilfe gewesen. Man habe sich überlegt, wie man
das Anliegen aus dem Jugendförderplan umsetzten könne. Das solle jetzt in
Wehringhausen und Vorhalle versucht werden. Es sei ein Zusammenspiel zwischen
offener Jugendarbeit, allgemeinen Sozialdienst und Familienzentren. Das Konzept
werde gerade erst erarbeitet. Wichtig sei darauf hinzuweisen, dass alle Einzelbereiche
miteinander vernetzt seien.
Herr Reinke antwortet auf
den Wortbeitrag von Frau Klos-Eckermann. Er erinnert daran, dass er sich in der
Vergangenheit intensiv für den Kinderschutz eingesetzt habe. In dem Bereich
werde er sich weiterhin engagieren. Er wiederholt seine Bitte, die Vorlage
heute in erster Lesung zu beraten, da er diese in seiner Fraktion so nicht
vermittelt bekäme. Da sei noch eine Aufarbeitung nötig.
Herr Haensel erklärt, dass
er bezüglich der Spielregeln ein wenig verunsichert sei.
Nachdem von den Ausschussmitgliedern unterschiedliche Positionen
formuliert worden seien, hätte er gern eine Erklärung, nach der man seine
eigene Entscheidung ausrichten könne. Mit dem Beschlussvorschlag würde man nur
die halbe Wahrheit treffen.
Eine ganze Reihe von Ergebnissen der Maßnahmenplanung und Umsetzungselementen
bezögen sich auf Dinge, die man schon habe. Dort könne man nicht vom Ausbau im
eigentlichen Sinne sprechen, sondern eine Restrukturierung. Dann sei der
Bereich der zusätzlichen Ressourcen angesprochen. Er fände die Formulierung
etwas unglücklich.
Jeder der Ausschussmitglieder unterstütze grundsätzlich das Anliegen.
Alle wünschten sich sehr gute Angebote im Kontext Prävention. Der Prozess in
der vergangenen Periode sei sehr einvernehmlich gewesen. Daran wolle er
appellieren.
Frau Köppen hat auch ein
paar Probleme mit der Vorlage. Sie wolle nicht nur den Ausbau beschließen,
sondern den Abbau verhindern. Sie sähe, dass man viele Dinge in der
Vergangenheit gar nicht weiter habe erhalten können. Sie erinnert an die
Situation in den Jugendzentren, wo es nach Aussage von Herrn Goldbach nicht
gelungen sei, Stellen wiederzubesetzen. Es müsse daher ein ganz wichtiges Ziel
sein, die Strukturen zu erhalten.
Herr Strüwer erklärt
zusammenfassend, dass man sich in der Frage einig sei, dass die
Präventionsarbeit forciert und im Zusammenhang mit den Erziehungshilfemaßnahmen
gesehen werden müsste. Dies sei schon sehr lange Thema in diesem Ausschuss und
sei teilweise bereits gelungen. Man müsse sich klar darüber sein, dass die
aufgeführten Projekte nicht mit zusätzlichem Geld realisiert werden könnten.
Tatsache sei, dass die Stadt Hagen keinen genehmigten Haushalt habe. Es sei von
der Kommunalaufsicht untersagt worden, zusätzliche Aufgaben anzugehen. Es sei
den Ratsmitgliedern auferlegt worden, die Sparbeschlüsse und
Konsolidierungsmaßnahmen der nächsten Jahre mitzutragen. Man müsse in diesem
Ausschuss sehr gut vorbereitet in solche Diskussionen gehen und im Detail
deutlich machen, dass eine bestehende und eine zusätzliche Investition mittel-
und langfristig eine gute Investition sei, die sich auch rechne.
Dieser Punkt sei seines Erachtens
noch stärker herauszuarbeiten. Man solle sich daher auch die notwendige Zeit
nehmen. Ein schneller Beschluss, der anschließend einkassiert werde, nütze
niemandem etwas. Wenn man das Rad bewegen wolle, müsse man noch stärker in die
Organisations- und Vernetzungsstrukturen gehen. Es wäre sinnvoll, sich ein oder
zwei Sozialräume herauszunehmen. Man müsse sich dann die Frage stellen, welche
Maßnahmen man dann neben den bestehenden Strukturen zusätzlich auf den Weg
bringen müsse. Anschließend müsse man sich Gedanken über die Finanzierung
machen. Diese könnten so aussehen, dass die Mittel, die derzeit in das große Geflecht
hinein flössen, als Budget zugrunde gelegt würden. Dann könne man eine Budgetvereinbarung
über mehrere Jahre abschließen. Es müsse nun ein gemeinsames Konzept
aufgestellt werden, das auch eine finanzielle Perspektive habe.
Herr Dr. Schmidt möchte
von Herrn Strüwer wissen, warum die Vorlage geschoben werden solle, wenn der
Auftrag in der heutigen Sitzung lauten könne, das Projekt stellvertretend in
einem Sozialraum zu starten.
Herr Strüwer erwidert,
dass der Rat diese Vorlage mit diesem Beschlussvorschlag nicht akzeptieren
würde. Das sei seine persönliche Einschätzung. Man diskutiere hier über viele
verschiedene Ebenen, die nebeneinander stünden. Diese müssten in irgendeiner
Form vernünftig zusammengefasst werden, um den Überblick zu behalten.
Herr Steuber hält es für
das Recht des Vorsitzenden, ein paar orientierende Punkte für die Diskussion zu
geben. Er erinnert daran, was die Verwaltung hier gemacht worden sei. Man habe
sich in einen gemeinsamen Planungsprozess mit mehreren Vertretern des
Landesjugendamtes begeben. Es sei darum gegangen, festzustellen, welche Angebote
man in dieser Stadt habe und was aus Sicht der verschiedenen Beteiligten fehle
und zu entwickeln sei. Man habe sich bewusst dazu entschieden, den Kinderschutz
gemeinsam prozesshaft zu entwickeln. Daher könne in dieser Vorlage nicht
detailliert beschrieben werden, welche Maßnahmen an welcher Stelle installiert
werden müssten. Der Weg sei, sich heute im Jugendhilfeausschuss und dann im Rat
dafür auszusprechen, dass man einen Paradigmenwechsel wolle.
Herr Strüwer weißt darauf
hin, dass der Beschlussvorschlag unter Punkt 1 inhaltlich mehr als einen
Paradigmenwechsel beinhalte. Diese Formulierung sei nicht konkret genug. In der
Sache sei man sich ja durchaus einig. Man sie sich aber noch nicht darüber
einig, ob die Vernetzung in dem Umfang tatsächlich hier schon niedergeschrieben
sei. Außerdem sei man sich auch noch nicht darüber einig, dass eine Perspektive aufgezeigt sei, wie eine
Finanzplanung hinterlegt werden solle.
Es müsse ein Weg gefunden werden, deutlich zu machen, dass eine
Umstrukturierung auch im Sinne des Kämmerers, der Kommunalaufsicht und
gleichzeitig im Sinne der Familien sei.
Frau Burghardt beantragt
aufgrund der gemachten Ausführungen, lediglich über Punkt 2 zu beschließen.
Dann wären alle Wege noch offen, der Paradigmenwechsel wäre eingeleitet und die
Parteien hätten Gelegenheit, sich weiter mit der Sache zu beschäftigen.
Frau Helling kann nicht
nachvollziehen, warum sich die Verwaltung schon mit konkreten Maßnahmen
beschäftigen solle, wenn eine Finanzierung noch nicht geklärt sei. Es bestünde
die Gefahr, dass diese Arbeit umsonst sei.
Dr. Schmidt entgegnet,
dass die Mittel aus anderen Bereichen entnommen werden müssten.
Frau Klos-Eckermann weist
darauf hin, dass hier im Ausschuss, im Rat und auch in den Fraktionen neue
Mitglieder seien, die nicht auf dem gleichen Wissenstand seien wie die alten
Mitglieder. Sie nimmt Bezug auf die in letzter Sitzung vorgestellte
Dokumentation „Kinderschutz in Hagen“. Sie sei der Meinung, dass
jedes Ratsmitglied diese Dokumentation gelesen haben müsse. Sie wäre sehr dankbar, wenn das realisiert
werden könne. Diese Dokumentation könne als gute Grundlage für
Überzeugungsarbeit in den Fraktionen genutzt werden.
Herr Fischer macht im
Hinblick auf mögliche Veränderungen bei bestehenden Maßnahmen darauf
aufmerksam, dass es sinnvoll sein könne, mit den politisch Verantwortlichen
eine Klärung herbeizuführen, ob es sich bei einer Veränderung um eine neue
Maßnahme handele oder um eine Weiterentwicklung bestehender Maßnahmen.
Er begrüße den Vorschlag, mit den freien Trägern und den Verantwortlichen
im Jugendamt für die Entwicklung des Kinderschutzes die Arbeitsgemeinschaften
zu nutzen, die bereits bestünden. Auch diejenigen, die verantwortlich für die
Beschlüsse seien, sollten mit einbezogen werden, um dann eine Ziellinie zu
markieren, die auch mit den politischen Vertretern in Arnsberg abgestimmt
werden könne.
Herr Strüwer erklärt, dass
er den Eindruck habe, dass in der Sache nun Einvernehmen bestehe. Man wolle
sich dem Vorschlag von Frau Burghardt anschließen.
Der Punkt 2 solle separat abgestimmt werden. Punkt 1 solle zurückgestellt
werden.
Man werde die weitere Beratung im Jugendhilfeausschuss bis zum 30.04.2010
führen.
Die vielen Vorschläge, die in die Diskussion eingebracht wurden, sollten
separat aufgearbeitet werden. Diese sollten bei der Verwaltung schon mit als
Grundlage genommen werden, um weiterzuarbeiten. Er fragt die
Ausschussmitglieder, ob so verfahren werden könne und stellt Punkt 2 des
Beschlussvorschlages zur Abstimmung. Eine Beratung der Vorlage im Rat der Stadt
Hagen solle nicht erfolgen.
Die Ausschussmitglieder sind mit dem vorgeschlagenen Verfahren einverstanden.
