18.09.2008 - 6.6 Reduzierung des Zuschusses an die Hagener Verso...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 6.6
- Gremium:
- Haupt- und Finanzausschuss
- Datum:
- Do., 18.09.2008
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/BC Beteiligungscontrolling
- Bearbeitung:
- Jürgen Reiß
- Beschluss:
- vertagt
Wortprotokoll
Herr Oberbürgermeister Demnitz weist darauf hin, dass in der Ratssitzung am
19./20.06.2008 zwei Ratsbeschlüsse mit unterschiedlichen Einsparsummen im
Bereich des ÖPNV gefasst wurden, die auch Gültigkeit besitzen und um 500.000
€ differieren.
Herr Röspel erklärt im Namen der CDU-Fraktion, dass das Einsparziel von 2,52 Mio.
€ aus dem 1. Sparpaket erreicht werden soll, obwohl es grundsätzlich
schwierig ist, über Einschränkungen im ÖPNV befinden zu müssen. Er regt dazu
an, möglichst eine umfassende Bewertung und Beratung in den Bezirken vornehmen
zu lassen und hierbei die Bürger zu beteiligen. Weiterhin regt die CDU-Fraktion
an, die Zeitschiene bis zur Beschlussfassung so zu erweitern, dass der
Beschluss in der Ratssitzung am 18.12.2008 gefasst werden kann. Denkbar wäre
für ihn hier ein Beschluss aus einer Synthese der Punkte 1 und 2 des
Beschlussvorschlages. Aus Sicht seiner Fraktion ist dem Bürger leichter zu
vermitteln, dass es zu gebrochenen Verkehren und einer Schnellverbindung von
den einzelnen Bezirken zur Innenstadt kommt, als eine zeitliche
Angebotsreduzierung bzw. schlechte Erreichbarkeit hinnehmen zu müssen.
Im Namen der SPD-Fraktion erklärt Herr Weber,
dass er den Ausführungen von Herrn Röspel zustimmt. Er ergänzt, dass in den
Bezirken der Sachverstand mit der entsprechenden Nutzernähe vorhanden ist, der
für die Vorbereitung der Beschlussfassung im Rat benötigt wird. Wichtig ist es,
die Anbindung der Stadtteilzentren an die Wohngebiete zu gewährleisten. Herr
Weber sieht die Chance, aus der Synthese der Punkte 1 und 2 eine Lösung
hinzubekommen, die funktionieren kann und hält es für geboten, Vertreter der
Hagener Straßenbahn AG in die Diskussion mit den Bürgern einzubeziehen.
Herr Riechel erklärt für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, dass beim ÖPNV das Ende
der Sparrunden erreicht ist. Die Verkehre wurden stärker, als man dies ertragen
kann, ausgedünnt. Hierzu verweist er auf die Reduzierung der Fahrten in den
Abendstunden als ein Beispiel für die Verringerung der Mobilität, insbesondere
für die ältere Generation. Und für die Menschen in den Vororten. Herr Riechel
weist darauf hin, dass man versucht, die Attraktivität der Stadt zu steigern,
um auch junge Menschen in die Innenstadt zu ziehen, legt hierfür ein sog.
"Schokoticket" auf, um die Nutzung des ÖPNV zu erhöhen und bietet
dann weniger Fahrten an. Dazu kommt, dass die Reduzierung der Leistung nun auch
noch mit einer Erhöhung der Preise einhergeht. Ferner verweist Herr Riechel auf
die Diskussion zur Feinstaub und Verkehrsproblematik, die seit geraumer Zeit
geführt wird. Durch die Reduzierung des ÖPNVs einen Anstieg des Individualverkehrs
zu erzielen, hält er für kontraproduktiv; die Betrachtung ausschließlich aus
fiskalischer Sicht ist seiner Ansicht nach ebenfalls nicht richtig.
Frau Priester-Büdenbender verweist darauf, dass die Bezirksvertretungen
Eilpe/Dahl und Nord am 17.09.2008 nicht abschließend beraten haben, weil auch
diese der Auffassung sind, dass die Bürger vor Ort mit eingebunden werden
sollen.
Die Einbindung der Bezirksvertretungen und der
Bürger, wie Herr Weber dies empfohlen hat, hält auch Frau Neuhaus für
sinnvoll. Im Aufsichtsrat der Hagener Straßenbahn AG wurde seitens der Politik
darauf hingewiesen, dass in den Sitzungen der Bezirksvertretungen zur
Unterstützung der Beratung Power-Point-Vorträge vorhanden sein sollen. Diese
wurden jedoch von der Hagener Straßenbahn AG nicht angefordert.
Herr Asbeck stimmt inhaltlich den Ausführungen von Herrn Riechel zu, verweist aber
darauf, dass die Einsparvorgaben zu erzielen sind und viele andere Leistungen
an den Bürger auch nicht mehr erbracht werden können. Der Kritikpunkt, dass in
der Vergangenheit nicht in ausreichendem Maße gespart worden ist, lässt seiner
Ansicht nach außer acht, dass es Leistungen an den Bürger waren, die in der
Vergangenheit evtl. in einem Umfang erbracht wurden, den man sich nicht leisten
konnte. Herr Asbeck bedauert, dass es nun erforderlich ist, diese Leistungen
zurückzufahren. Der Weg, den es im ÖPNV nun einzuschlagen gilt, hält er noch
für vertretbar; negative Randerscheinungen dabei auch für durchaus noch
korrigierbar. Abgesehen von ganz geringen Ausnahmen werden die Wohngebiete
weiterhin angebunden bleiben. Es stellt sich die Frage, ob es für den Bürger in
Schwachlastzeiten erforderlich ist, dass die Busse in dichter Taktfolge fahren.
Hier hält er es für möglich, dass diejenigen, die zu diesen Zeiten den ÖPNV nutzen,
sich nach der ausgedünnten Taktfolge richten können. Herr Asbeck geht darauf
ein, dass im ÖPNV-Arbeitskreis am 17.09.2008 von Politik und Verwaltung die
weitgehende Veränderung des Sonn- und Feiertagsverkehrs kritisch betrachtet
wurde. Hier soll noch geprüft werden, ob die rd. 500.000 €, die hier
eingespart werden können, durch andere Einsparmaßnahmen (z. B. die gebrochenen
Verkehre) ebenfalls erbracht werden können. Herr Asbeck bekräftigt, dass
Einsparungen nicht vermieden werden können und zeitnah umgesetzt werden müssen.
Im ÖPNV-Arbeitskreis wurde dazu darauf hingewiesen, dass spätestens in der
Ratssitzung am 18.12.2008 eine Entscheidung getroffen werden muss, um diese
noch für den Fahrplanwechsel im Sommer 2009 umsetzen zu können. Vor diesem
Hintergrund plädiert er dafür, dass die Bezirksvertretungen bis dahin zwar mit
ihrem Sachverstand eingebunden werden, jedoch ihnen auch mit auf den Weg
gegeben wird, dass ihre Beteiligung nicht die Beschlussfassung im Dezember 2008
gefährden darf. In diesem Zeitraum ist die Bürgerinformation dann ebenfalls so
zeitnah durchzuführen, dass sich dieser über die Veränderungen einen Überblick
verschaffen kann.
Herr Finck weist darauf hin, dass es sich um ein großes, bundespolitisches Problem
handelt. Hier führt er die Entwicklung der Mineralölpreise an und die Erträge,
die der Bund hieraus zieht. Viele Menschen verzichten vor dem Hintergrund der
hohen Kraftstoffpreise auf den PKW und nutzen den ÖPNV. Da die Stadt Hagen aber
völlig verschuldet ist, müssen überall Einsparungen vorgenommen werden, wobei
sich die Frage stellt, wie diese im ÖPNV-Bereich so vorgenommen werden können,
dass es dem Bürger möglich ist, sich auf diese Veränderungen noch einstellen zu
können. Selbst wenn man hier keine Kürzungen vornimmt, so werden sich die
Bürger trotzdem auf steigende Fahrpreise aufgrund steigender Kraftstoffpreise
einstellen müssen. Daher ist die Fraktion Bürger für Hagen zunächst der
Auffassung, die Reduzierung des ÖPNV in der vorliegenden Form nicht mittragen
zu wollen. Aus diesem Grund hält er die vorgeschlagene Einbeziehung der Bürger
für sinnvoll. Ferner sollte beim 100-Einfamilienhaus-Programm, bei den
ländlicher gelegenen Grundstücken geprüft werden, ob hier eine ÖPNV-Anbindung
überhaupt gegeben ist und sein wird.
Herr Riechel geht auf die Ausführungen von Herrn Asbeck ein und weist darauf hin,
dass eine Ausdünnung des ÖPNV an Sonntagen dazu führen wird, dass die
Innenstadt und Stadtteilzentren veröden. Dies konterkariert auch die Ausweisung
familienfreundlicher Grundstücke. Herr Riechel hält es für erforderlich, auch
jenseits der Finanzvorgaben des Mentors in der Stadt noch agieren zu können. Es
besteht die Bereitschaft, sich aus der schwierigen Situation herauszuarbeiten,
jedoch darf dies nicht dazu führen, dass die Infrastruktur zerstört wird.
Die Reduzierung des ÖPNV ist der erste Fall, wo
eine Vielzahl von Bürgern betroffen ist und nicht bestimmte Gruppen, die z. B.
mehr zu bezahlen haben, erklärt Herr Thielmann. Er schließt sich seinen
Vorrednern dahingehend an, dass nun geeignete Lösungen für eine möglichst
verträgliche Reduzierung des ÖPNV gefunden werden müssen und man sich leider
nicht mit der Frage eines weiteren Leistungsausbaus beschäftigen kann.
Herr Oberbürgermeister Demnitz fasst zusammen, dass die Beratung in den
Bezirken, nach Möglichkeit unter Beteiligung der Bürger, erfolgen und die
gebrochenen Verkehre verstärkt Berücksichtigung finden sollen. Die
Beschlussfassung soll im Rat am 18.12.2008 erfolgen. Er stellt die Frage, ob
dies so einvernehmlich für die Niederschrift festgehalten werden kann.
Bedenken, so zu verfahren, bestehen nicht.
Beschluss:
1. Dem Vorschlag zu einer weiteren Einsparung beim Leistungsangebot der Hagener Straßenbahn AG in Höhe von jährlich 2 Mio. Euro wird zugestimmt. Auf dieser Grundlage werden die erforderlichen Abstimmungen mit den benachbarten Gebietskörperschaften und Verkehrsunternehmen sowie dem Zweckverband VRR durchgeführt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, unter Beachtung der reduzierten Verkehrsleistung im ÖPNV den Nahverkehrsplan fortzuschreiben bzw. neu aufzustellen.
3. Die Umsetzung des Einsparkonzeptes erfolgt zum Sommerfahrplan 2009
4. Darüber hinaus wird die Verwaltung beauftragt, mit der HVG Gespräche über weitere Einsparmöglichkeiten im Gesamtkonzern HVG zu führen. Ziel dieser Gespräche ist es, den Zuschussbedarf der HVG für die nächsten Jahre weiter zu senken und eine angemessene Planungssicherheit auch für die HVG zu erreichen.
Die Umsetzung der Vorlage erfolgt bis zum 30.06.2009.
Anlagen zur Vorlage
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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1,7 MB
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