03.06.2004 - 4 Vorschlag der Fraktion Bürger für Hagen zur Tag...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 4
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 03.06.2004
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- AdR Amt des Rates
- Bearbeitung:
- Burkhard Wehner
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Herr Marscheider führt aus, die Fraktion Bürger für Hagen sei der Ansicht,
dass es sich bei den Vorgängen am Fichte Gymnasium schon lange nicht mehr um
eine reine Personalangelegenheit handele. Allerdings sei seine Fraktion der
Meinung gewesen, dass sich diese Angelegenheit auf vernünftigem Wege bereinigen
lasse. Er appelliert an die anderen Fraktionen dahingehend Einigkeit zu
erzielen, in Zukunft frei werdende Schulleiterstellen nicht nach
Parteienproporz sondern nach Qualifikation zu besetzen. Herr Marscheider
spricht sich für eine stärkere Einflussmöglichkeit des Schulausschusses und der
Schule gegenüber der Bezirksregierung aus. Er kritisiert zudem, dass der derzeitigen
Schulleiterin keine Möglichkeit der Einarbeitung zugebilligt worden sei; statt
dessen sei hier von Anfang an interveniert worden.
Herr Hamburger schließt unter Hinweis auf die gesetzlichen Vorgaben eine
weitergehende Beteiligung bei der Besetzung von Schulleiterstellen aus. Zur
Lage am Fichte Gymnasium verweist Herr Hamburger auf die ausführliche
Presseveröffentlichung der vergangenen Woche. Die Bezirksregierung beabsichtige
mit Beginn Schuljahr 2004/2005 eine neue Schulleitung einzusetzen. Vor dem
Hintergrund der verschiedenen Aktionen am Fichte Gymnasium und der
bevorstehenden Abiturprüfungen habe sich aus der Fürsorgepflicht heraus die
Notwendigkeit gegenüber dem Lehrpersonal ergeben ihnen bei der ordnungsgemäßen
Dienstausübung zu helfen. Er sehe seine Aufgabe darin, die Arbeit der
bisherigen Schulleitung bis zum Ende des laufenden Schuljahres aktiv zu
begleiten und alles zu tun, um Ruhe in den Schulalltag einkehren zu lassen. Die
Bezirksregierung beabsichtige die Schulleitung zu Beginn des neuen Schuljahres
für ein halbes Jahr kommissarisch von Außen zu besetzen bevor eine endgültige
Neubesetzung erfolgen könne. Herr Hamburger macht noch einmal deutlich,
dass gleichzeitig im Einvernehmen mit dem Lehrerkollegium, auch die Stelle des
stellvertretenden Schulleiters neu besetzt werden solle. Er gehe davon aus,
dass die neue Schulleitung des Fichte Gymnasiums bis Februar 2005 installiert
werden könne.
Herr Thielmann erinnert daran, dass die derzeitige Schulleitung gegen den
erklärten Willen der Mehrheit des Schulausschusses von der Bezirksregierung
durchgesetzt worden sei. Er bezweifele keinesfalls, dass das Verfahren
juristisch einwandfrei gewesen sei, gibt jedoch zu bedenken, dass das im
Vorfeld durchgeführte Beurteilungsverfahren möglicherweise gesteuert worden
sei. Herr Thielmann weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass nach
der von Turbulenzen begleiteten Besetzung der Stelle mit der derzeitigen Schulleiterin
zunächst für rd. 1 Jahr öffentlich Ruhe eingekehrt war. Wenn nach nunmehr 2
Jahren deutlich geworden sei, dass es personelle und organisatorische Defizite
bei der Schulleitung gebe, dann müsse eine Entscheidung zum Auswechseln der
Schulleitung getroffen werden, wie sie jetzt von der Bezirksregierung völlig zu
recht erfolgt sei. Herr Thielmann bittet alle Beteiligten darum, der
neuen Schulleitung unvoreingenommen eine Chance zu geben.
Frau Herms stellt ausdrücklich fest, dass es sich bei der von Herrn
Thielmann angesprochenen Abstimmung im Schulausschuss um die Mehrheit der
Stimmen von CDU und FDP gehandelt habe. Die SPD-Fraktion sei der Meinung
gewesen, dass Frau Heukeroth sehr wohl für die ihr übertragene Stelle als
Schulleiterin geeignet gewesen sei. Frau Herms betont, dass ihr als
Vorsitzender des Schulausschusses sehr daran gelegen sei, dass der Schulfrieden
wieder hergestellt werde und die Pressekampagnen aufhörten. Sie kritisiert,
dass die Eltern jetzt versuchen würden, den bisherigen Stellvertreter, Herrn
Plöger, als neuen Schulleiter durchzusetzen und die Entscheidung der Bezirksregierung
nicht akzeptierten.
Herr Hamburger teilt die Auffassung von Frau Herms hinsichtlich der
Presseveröffentlichungen und bittet um Verständnis, dass er die personellen
Entscheidungen der Bezirksregierung nicht bekannt geben könne. Er weist
ausdrücklich darauf hin, dass die anstehenden Versetzungen am Fichte Gymnasium
der Erhaltung des Schulfriedens dienen sollten und ausschließlich aus
dienstlichen Gründen erfolgen würden aber keine Disziplinarmaßnahmen
darstellten. Herr Hamburger verwehrt sich gegen die Ausführungen von
Herrn Thielmann, dass Stellenbesetzungen und Beurteilungsverfahren der Bezirksregierung
Arnsberg willkürlich seien.
Herr Riechel führt aus, der Presse sei zu entnehmen gewesen, dass zu
Beginn des Besetzungsverfahrens ein Brief des damaligen stellvertretenden
Schulausschussvorsitzenden, Herrn Breddermann, an die Bezirksregierung
geschickt wurde, der maßgeblich Einfluss auf die Entscheidungsfindung der
Bezirksregierung genommen haben solle. Darüber hinaus möchte Herr Riechel
wissen, was die Bezirksregierung dazu bewogen habe, nach einer nur drei Tage
zuvor veröffentlichten Stellungnahme dann eine völlig andere Entscheidung zu
treffen.
Herr Hamburger erwidert, zu dem angesprochenen Brief nicht Stellung
beziehen zu können, da es sich um Vorgänge handele, die weit vor seinem
Amtsantritt gelegen hätten. Hinsichtlich der Entscheidungsfindung erklärt Herr
Hamburger, dass es eine lange Phase der Hoffnung bei der Bezirksregierung
gegeben habe, den Konflikt am Fichte Gymnasium durch verschiedene Initiativen
und Gespräche mit allen beteiligten beizulegen.
Herr Gerbersmann vertritt die Auffassung, das es sich bei dem Thema Fichte
Gymnasium nicht um eine Angelegenheit des Rates handele. Er kritisiert, dass,
nachdem die Bezirksregierung eine Entscheidung zum Wohl der Schule getroffen
habe, mit Leserbriefen der Eindruck vermittelt werden solle, es handele sich um
eine politisch inszenierte Kampagne; dies sei eine unwahre Behauptung. Darüber
hinaus entspräche es ebenfalls nicht der Wahrheit, wenn Herrn Breddermann
unterstellt werde, er habe in denunziatorischer Weise einen Brief an die
Bezirksregierung übersandt um eine solche Kampagne vorzubereiten. Herr
Gerbersmann führt aus, dass mit diesem Brief der Bezirksregierung lediglich
die Bedenken mitgeteilt werden sollten, die die Mehrheit des Schulausschusses
im Zusammenhang mit der Besetzung der Stelle hatte, um diese mit in die
Entscheidung einbeziehen zu können. Wenn der Schulausschuss gefragt werde, ob
er eine solche Entscheidung für vernünftig halte, dann müsse es Mitgliedern des
Ausschusses bei Vorliegen von Bedenken erlaubt sein, diese zu äußern und der
Bezirksregierung in geeigneter Weise zuzuleiten. Herr Gerbersmann
appelliert an alle Beteiligten im Sinne der Schule und im Sinne von Frau
Heukeroth das Thema nicht weiter auszubreiten.
Herr Riechel erklärt, dass er Herrn Breddermann keinesfalls der
Denunziation habe bezichtigen wolle. Er habe lediglich einen Presseartikel
zitiert, aus dem hervorgegangen sei, dass ein solcher Brief existiere und sich
Herr Breddermann in diesem Artikel in seinen
Aussagen bestätigt fühle. Herr Riechel betont, er habe die
Bezirksregierung nur danach fragen wollen, ob ein entsprechender Brief in
Arnsberg vorliege.
Herr Horn spricht die Hoffnung aus, dass im Interesse der Schüler,
Eltern und Lehrer bald Normalität einkehre und das Fichte Gymnasium aus den
Schlagzeilen verschwinde.
