20.06.2024 - 5.1 Bewertung der Stadt Hagen durch das Institut de...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.1
- Gremium:
- Stadtentwicklungsausschuss
- Datum:
- Do., 20.06.2024
- Status:
- öffentlich (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Vorschlag zur Tagesordnung
- Federführend:
- FB61 - Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung
- Bearbeitung:
- Dagmar Kreuzer
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Wortprotokoll
Herr Meier führt in das Thema ein und übergibt das Wort an Herrn Dr. Schmitt.
Herr Dr. Schmitt erklärt seinen gewollt differenzierten und sachlichen Blick auf die Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH (IW Consult) und
stellt sie im Folgenden vor.
Das vorliegende Niveauranking ist Teil des Regionalrankings 2024 des IW Consult. Darin wurden 400 Regionen bewertet.
Das Ranking wird in drei unterschiedlich stark gewichtete Hauptindikatoren unterteilt: Wirtschaftsstruktur (35 %), Arbeitsmarkt (16 %) und Lebensqualität (49 %).
Die zugrundeliegenden Vergleichswerte stammen aus den Jahren 2022 und 2023. Von den 60 am besten Bewerteten liegen 48 in Baden-Württemberg und Bayern.
Das Ruhrgebiet ist dagegen überproportional stark am unteren Rand vertreten:
Herne, Gelsenkirchen, Duisburg und Oberhausen teilen sich die untersten Plätze, alle sind Teil des Regionalverband Ruhr (RVR).
Hagen hat den Gesamtrang 394 und ist damit unter die letzten zehn abgerutscht.
Im Dynamikranking steht Hagen auf Rang 335.
Hauptursache für das schlechte Abschneiden ist die Bewertung der Lebensqualität.
Da belegt Hagen den Rang 392 (2022: 378). Großen Anteil haben die hohe Zahl der verzeichneten Straftaten und die private Überverschuldung.
Herr Dr. Schmitt betont das besondere Interesse an den Ergebnissen aus der
Wirtschaftsstruktur. Hier belegt Hagen den Rang 361. Bei den einzelnen Faktoren liegt Hagen sowohl im unteren wie im oberen Mittelfeld. Rang 361 ist in erster Linie dem Gewerbesteuerhebesatz von 520 geschuldet. Hier liegt Hagen auf einem
miserablen Rang 398 (vormals 391). Bei den wissensintensiven Dienstleistungen liegt Hagen auf einem erfreulichen Rang von 152, ein leicht ansteigender Trend. Die gemeindliche Steuerkraft hat sich ebenfalls verbessert, von Rang 244 auf 269.
Interessant findet Herr Dr. Schmitt das Gewerbesaldo (An- und Abmeldungen).
Hier ist der größte Niveauverlust zu verzeichnen, von 75 in 2022 auf 239.
Dies ist gleichzeitig mathematisch gesehen der maßgebliche Faktor für die Bewertung der Wirtschaft in Hagen. Auf Nachfrage beim Ersteller der Studie kam heraus, dass die Zahl der Gewerbeanmeldungen zwar angestiegen ist, die Zahl der Abmeldungen aber um ein noch höheres Maß. Herr Dr. Schmitt hat beim Gewerbeamt nachgefragt und einer qualifizierter Schätzung zufolge liegt die hohe Zahl zu 10% an der Abmeldung zahlreicher Scheingewerbe von Amts wegen. Würden die 10% herausgerechnet, wäre der Abzug überkompensiert. Beim Indikator Arbeitsmarkt liegt Hagen auf dem Rang 376 (2022: 374). Beim Anteil der hochqualifiziert Beschäftigten und dem Altersquotient liegt Hagen nah beim Mittelwert. Deutlich steigerungsfähig ist dagegen der Beschäftigungsanteil von Frauen. Dies lässt sich zum einen auf die Wirtschaftsstruktur, mit einer Konzentration auf Industrie und sog. Männerberufe, zurückführen, aber auch auf kulturelle Hintergründe in der großen Gruppe der Frauen mit Migrationshintergrund.
Das Fazit für Herrn Dr. Schmitt ist, dass, ohne die Verzerrung der Daten im Bereich Gewerbesaldo, sich das Ranking im Vergleich zu 2022 nicht verschlechtert, sondern sogar leicht verbessert hat. Demzufolge sind die Werte im Bereich Wirtschaft kein Beleg für einen Abwärtstrend in Hagen. Dies gilt nicht für das Gesamtergebnis,
da Lebensqualität mit 49 % ausschlaggebend ist und Hagen in den Bereichen
Straftaten und Privatüberschuldung arbeiten muss. Darin liegt zwar nicht der
Aufgabenschwerpunkt der HAGEN.WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG GmbH,
gleichwohl gibt es aber Aktivitäten zur Steigerung der Lebensqualität zugunsten
des Standortes mit touristischen Produkten wie z.B. der Premiumwanderweg
3-Türme-Weg oder HAGEN.TRAILS (Mountainbike Netz in Hagen) oder
Veranstaltungen wie das Springefest.
In diesem Zusammenhang geht Herr Dr. Schmitt noch auf HAGEN.HORIZONTE ein und führt aus, dass es damit eine fundierte Analyse des Standortes gibt. Daraus sind konkrete Projekte abgeleitet, die in den Bereichen Innovation, Bildung, Innenstadt und Tourismus wirken. Das soll dazu beigetragen, dass sich der Wirtschaftsstandort gedeihlich entwickelt.
Frau Masuch fragt, welche Gewerbe beim Gewerbe-Saldo gemeint sind.
Herr Dr. Schmitt erklärt, dass alle Gewerbe, ohne zwischen groß oder klein oder sonst wie zu unterscheiden, darin aufgehen.
Herr Meier bedankt sich für die Recherche und den Vortrag durch Herrn Dr. Schmitt.
Er erwähnt die Äußerung des Kämmerers Herrn Gerbersmann, dass die Einnahmen durch Gewerbesteuern künftig voraussichtlich noch weiter sinken werden. Wie sich das dann im Vergleich mit anderen Kommunen und damit im Ranking auswirkt, bleibt abzuwarten. Herr Meier weist darauf hin, dass, im Gegensatz zum gehörten Vortrag Herr Dr. Geruschkat (SIHK), in seinem Bericht zur aktuellen Konjunkturumfrage am 14.03.2024 von einem sehr niedrigen Bildungsniveau gesprochen hat. Herr Meier vermutet, dass dieser Trend noch weiter anhalten wird und plädiert dafür wieder „Stadt der Bildung“ zu werden und Bildung mehr in den Fokus zu rücken. Zur Beschäftigungsquote der Frauen merkt Herr Meier an, dass dies aber auch oft an den mangelnden Kinderbetreuungsplätzen liegt. Er plädiert eindringlich dafür, hier Abhilfe zu schaffen, ebenso im Bereich Wohnbaugebiete.
Herr Ehrhardt äußert seine Verwunderung über die positive Deutung bzw. Erklärung der vorliegenden überwiegend schlechten Bewertungen der Stadt Hagen und bezweifelt sehr, dass Dritte dieses Ranking ebenso differenziert betrachten.
Er spricht sich dafür aus, Probleme klar zu benennen und sie entsprechend
anzugehen.
Herr Treß bedankt sich ebenfalls für den Vortrag. Er stimmt zu, dass die betrachteten Größen der einzelnen Faktoren richtig sind, dass es darüber hinaus aber noch weitere wichtige gibt. Würden Baugenehmigungen durch die durchschnittliche Kaltmiete ersetzt, wäre die Bewertung eine bessere. Auch kaum Berücksichtigung finden beispielsweise die vielen Grünflächen oder die sehr gute Verkehrsanbindung. Bezüglich der Zahl der Straftaten wundert sich Herr Treß, da er von der Polizei gehört hat, die Stadt Hagen sei eine der sichersten Städte in Deutschland.
Er plädiert dafür die einzelnen Problemlagen anzugehen, die Beurteilung sollte aber nicht überbewertet werden.
Herr Dr. Schmitt ergänzt, dass im Bereich Baugenehmigung sich der Wert von 394 auf 325 signifikant verbessert hat.
Herr Meier erwidert auf Herrn Treß, dass jede Bewertung mit den gesammelten Informationen jeweils in Zusammenhang gesetzt werden. Zu den Knackpunkten wird die Politik hoffentlich gemeinsam Anträge stellen und Schwerpunkte setzen.
Herr Sondermeyer betont, dass er Hagen für eine sehr schöne Stadt mit liebenswerten Menschen hält. Es gibt Probleme und über die muss man sprechen und sich kümmern. Er hat aber den Eindruck, dass bei Problemen pauschal auf Menschen mit Migrationshintergrund und Bürgergeldempfänger verwiesen wird und findet dies nicht gut. Herr Sondermeyer stimmt jedoch zu, dass im Bereich der Bildung unbedingt was getan werden muss.
Anlagen zur Vorlage
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