03.05.2006 - 3.2 Bürgerantrag der Freien Wählergemeinschaft Hage...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3.2
- Sitzung:
-
Sitzung des Beschwerdeausschusses
- Datum:
- Mi., 03.05.2006
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/A Amt des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Elke Kramer
Wortprotokoll
Zusammenfassung des
Diskussionsergebnisses:
Herr Romberg ruft den Bürgerantrag auf. Der Antragsteller, Herr Dr. Bücker, ist anwesend und nimmt zu seinem Antrag
ergänzend Stellung. Er erläutert, dass die Wählergemeinschaft Hagen Aktiv von
vielen Anwohnerinnen und Anwohnern der Fleyer Straße und Umgebung darauf angesprochen
worden sei, dass die Wohnstraßen durch Besucherinnen und Besucher des
Wissensparks regelmäßig so zugeparkt
würden, dass für sie kein Parkraum mehr zur Verfügung stehe und auch
Müllfahrzeuge und Rettungsdienste teilweise nicht durchkämen. Auch der Parkplatz
am Polizeipräsidium sei durch diese Situation sehr belastet. Nachdem sich Hagen
Aktiv über die Situation vor Ort informiert habe, habe man sich dazu
entschieden, einen Bürgerantrag zu formulieren, um die Schaffung von 250
zusätzlichen Parkplätzen sowie verkehrsberuhigende Maßnahmen zu erreichen.
Dabei sei die geforderte Anzahl der zusätzlichen Parkplätze flexibel, es
müssten jedoch möglichst viele sein. Der Bürgerantrag werde unterstützt von 257
Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich an einer entsprechenden
Unterschriftenaktion beteiligten. Herr Dr. wies darauf hin, dass die
Parkraumnot besonders an Dienstagen und
Donnerstagen sehr groß sei, da an diesen Tagen Veranstaltungen im Wissenspark
stattfänden. Insofern sei die heutige Ortsbesichtigung des Ausschusses zu einem
ungünstigen Zeitpunkt erfolgt. Der Vorschlag, die Straße “Auf dem
Königsberg” einseitig zu sperren und damit zur Sackgasse zu machen, sei
aus der Anwohnerschaft gekommen, um die Abkürzung über den Loxbaum zum
Wissenspark zu unterbinden und somit zumindest einige Wohnstraßen vom
Durchgangsverkehr zu entlasten.
Nach dem Vortrag von Herrn Dr. Bücker bittet Herr
Romberg die Vertreter der Verwaltung, zur Parksituation am Wissenspark
Stellung zu nehmen sowie zu der Frage, wie es möglich sei, im
Baugenehmigungsverfahren einen Abzug von 30 % der vom Bauherrn nachzuweisenden
Stellplätze aufgrund einer guten ÖPNV- Anbindung vorzunehmen. Herr Grothoff, Bauordnungsamt, führt
aus, dass nach den Vorschriften der Landesbauordnung bei der Berechnung der
notwendigen Stellplätze eine gute ÖPNV- Anbindung zum Tragen komme, wenn das
geplante Bauwerk innerhalb von einer Stunde von einer Buslinie drei Mal
erreicht werden könne, also im Umkreis von 300 Metern alle zwanzig Minuten ein
Bus halte. Dies habe der Bauherr des Wissensparks durch Vorlage einer
Bescheinigung der Hagener Straßenbahn AG nachgewiesen. Bei anderen Bauprojekten
werde ebenso verfahren. Herr Römer fragt nach, wie die Zahl von 27
nachzuweisenden Stellplätzen schließlich ermittelt wurde. Seiner Kenntnis nach
reiche der Einzugsbereich des im Wissenspark ansässigen Lehrerseminars bis in
den Kreis Olpe und nach Siegen. Der Presse sei zu entnehmen gewesen, dass in
diesem Seminar insgesamt ca. 400 Referendare unterrichtet würden. Herr Grothoff
teilt mit, dass ihm diese Zahl nicht bekannt sei. Aufgrund der Angaben im
Bauantrag sei von einer Anzahl von 190 Seminarteilnehmern und Lehrkräften
ausgegangen worden. Es ergibt sich eine Diskussion darüber, inwieweit die
Angaben des Bauherrn nach Erteilung der Baugenehmigung zu überprüfen wären und
ob bei Feststellung erheblicher Abweichungen von den ursprünglich genannten
Zahlen Stellplätze nachgefordert werden können. Außerdem wird diskutiert, ob
der “ÖPNV-Bonus” einzuräumen war, obwohl aufgrund der Größe des
Einzugsgebietes des Lehrerseminars davon auszugehen war, dass die Teilnehmer
zum größten Teil mit dem eigenen PKW anreisen. An der Diskussion beteiligen
sich Herr Römer, Herr Ciupka, Frau Kramps, Herr Romberg,
Herr Voigt, Herr Langenohl und Herr Pieper. Herr Pieper
weist darauf hin, dass seiner Kenntnis nach das Lehrerseminar vorher in der Bahnhofstraße
ansässig war und dieser Standort wegen der ungünstigen Parkplatzsituation
aufgegeben worden sei. Es sei deshalb nicht nachzuvollziehen, dass an dem neuen
Standort so wenige Stellplätze ausgewiesen wurden. Herr Grothoff führt
zu den Fragen der Ausschussmitglieder aus, dass die Anzahl der Stellplätze nach
der Verwaltungsvorschrift zu § 51 der
Landesbauordnung ermittelt worden sei. Grundlage seien die vom Bauherrn, der
Meier – Besitz- und Vermögensgesellschaft mbH, angegebenen Zahlen zur reinen Büro- und
Verwaltungsfläche einerseits und zu den Seminarteilnehmern und Lehrkräften
andererseits. Letztere sei im Bauantrag mit 190 angegeben worden. Grundsätzlich
gebe es keinen Anlass, die Angaben des Bauherrn in dieser Hinsicht zu überprüfen
oder anzuzweifeln. Allerdings seien diese Angaben Bestandteil der Baugenehmigung.
Sofern die tatsächlichen Besucherzahlen hiervon erheblich abwichen, wäre ein
Nachtragsbauantrag zu stellen, durch den sich eventuell andere Stellplatzzahlen
ergeben würden. Inwieweit bauordnungsrechtlich vorzugehen wäre, wenn die
Angaben des Bauherrn sich im Nachhinein als unrichtig erwiesen, müsse geprüft
werden. Der “ÖPNV- Bonus” von 30 % sei sowohl auf die Anzahl der
Stellplätze für Beschäftigte als auch für die Seminarteilnehmer angerechnet
worden. Im Ergebnis seien danach für die Seminarteilnehmer und Lehrkräfte 19
Stellplätze errechnet worden. Nach einer Diskussion über das Verhältnis von
geforderten Stellplätzen und Teilnehmerzahlen, an der sich Frau Kramps, Herr
Voigt und Herr Langenohl beteiligen, stellt Herr Kurrat den
Antrag, die Verwaltung aufzufordern, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu
prüfen, unter denen zusätzliche Stellplätze für Seminarteilnehmerinnen und-
Teilnehmer des Wissensparks geschaffen werden können sowie das gesamte
Verfahren zur Baugenehmigung kurz darzustellen und die Angaben des
Antragstellers zu den Teilnehmerzahlen zu überprüfen. Herr Ciupka und Herr
Urban stellen in Frage, ob 19 Stellplätze für 190 Seminarteilnehmer
reichen. Offensichtlich sei bei der Berechnung nicht berücksichtigt worden,
dass der größte Teil der Seminarteilnehmer von auswärts komme. Herr Römer
ergänzt dies um den Hinweis, dass die am Wissenspark vorhandenen Stellplätze
zum Teil an die fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermietet
seien und somit den Seminarteilnehmern nicht zur Verfügung stünden. Die
Parkgebühren seien allerdings so hoch, dass das Mietangebot nicht von allen Beschäftigten
genutzt würde. Herr Grothoff stellt zu der Frage, wie hier
bauordnungsrechtlich vorzugehen wäre, dar, dass auch dieser Punkt geprüft
werden müsse. Der Betreiber habe sicherzustellen, dass die vorhandenen
Stellplätze zu einem gewissen Teil auch den Seminarteilnehmern zur Verfügung stehen, eine Vermietung
ausschließlich an Beschäftigte sei eine Zweckentfremdung. Nach Ende der
Wortmeldungen zu diesem Thema wiederholt Herr Kurrat seinen Antrag, Herr
Romberg lässt darüber abstimmen.
Zum zweiten Teil des Bürgerantrags, der Forderung
nach verkehrsberuhigenden Maßnahmen bzw. Sperrung der Straße “Auf dem
Königsberg”, trägt Herr Dr. Bücker vor, dass diese Anregung aus
der Anwohnerschaft gekommen sei, um zumindest den Verkehr, der vom Loxbaum aus
den Wissenspark anfahre, daran zu hindern, die dortigen Anliegerstraßen zur
Durchfahrt und zur Parkplatzsuche zu nutzen. Herr Schmidt, Amt für
öffentliche Sicherheit und Ordnung, führt zu diesem Thema aus, dass das
gewünschte Ziel mit der angestrebten Maßnahme nicht erreicht werden könne. Der
Nachweis darüber, dass jemand nicht berechtigt sei, eine Anliegerstraße zu
befahren, sei aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen kaum möglich, daher
werde seit Jahren davon abgeraten, sogenannte “Anliegerstraßen”
einzurichten. Die damit meistens verbundene Erwartung, den Durchgangsverkehr
sowie Fremdparken zu vermindern, seien nicht zu erfüllen. Zur Situation der
Straße “Auf dem Königsberg” trägt Herr Schmidt vor, dass schwer
nachzuvollziehen sei, warum auswärtige Besucherinnen und Besucher des Wissensparks
den Weg über die Loxbaumstraße, die Straße “Am Königsberg” und
durch den Grenzweg wählen sollten, wenn die Anfahrt direkt über die Fleyer
Straße oder die Feithstraße möglich ist, zumal die genannten Wohnstraßen
sämtlich in Tempo- 30- Zonen liegen. Es müsse zudem bezweifelt werden, dass ein
größerer Teil der Anwohnerschaft wünsche, dass die Straße “Auf dem
Königsberg” zur Sackgasse erklärt wird, da hierdurch erhebliche Umwege in
Kauf zu nehmen wären. Die Einfahrt fremder Fahrzeuge werde durch eine solche
Maßnahme ebenfalls nicht verhindert, außerdem müsse dann am Ende der Straße
gewendet und zurückgefahren werden. Erst kürzlich habe es aufgrund eines
wiederholt gestellten Antrags eines einzelnen Anwohners zu diesem Thema eine
Ortsbesichtigung mit der Polizei gegeben, bei der sich andere, ebenfalls
anwesende Anwohner, strikt gegen eine Sperrung der Straße ausgesprochen hätten.
Dennoch sei von der Verwaltung zugesagt worden, in der Straße “Auf dem
Königsberg” demnächst eine Verkehrszählung durchzuführen. Herr Römer
stellt die Frage, warum die Straße überhaupt zur Anliegerstraße erklärt wurde,
wenn dies nicht zu kontrollieren sei. Herr Schmidt verweist auf seinen Vortag
zu Beginn und ergänzt diesen um den Hinweis, dass die Straße “Auf dem
Königsberg” auch von Anliegern der Straße “Vogelherd” zur
Anfahrt ihrer Häuser genutzt werde. Insofern sei noch weniger zu kontrollieren,
ob eine Fremdnutzung erfolge. Die Einrichtung von Anliegerstraßen sei in der
Regel ein Zugeständnis an Anwohnerinnen und Anwohner, letztlich jedoch keine
wirksame Maßnahme, um Durchgangsverkehr zu verhindern. Herr Langenohl
stellt fest, dass dieses Thema mit dem eigentlichen Ziel des Bürgerantrags, die
Parksituation am Wissenspark zu verbessern, eigentlich nichts zu tun habe. Die
einzige Lösung des Problems bestehe darin, das Parkangebot durch zusätzliche
Stellplätze zu erweitern und nicht darin, das Parken in den Wohnstraßen zu
verbieten oder einzuschränken. Frau Kramps stimmt dem zu und stellt den
Antrag, den Bürgerantrag in diesem Punkt
für erledigt zu erklären. Herr Straehler, Stadtplanungsamt, führt zu der
Möglichkeit, zusätzliche Parkflächen im öffentlichen Bereich zu schaffen, aus,
dass der Bebauungsplan vorsehe, im südlichen Bereich des Wissensparks 30 zusätzliche
Stellplätze für Kleingartenbesitzer zu schaffen. Mit der Realisierung sei im
nächsten Jahr zu rechnen. Diese Maßnahme trage zur Entspannung der
Parksituation insofern bei, als hierdurch 30 Parkplätze im öffentlichen
Verkehrsraum freiblieben, die bisher von Kleingärtnern benutzt würden. Herr
Dr. Bücker gibt zu der von Herrn Schmidt angekündigten Verkehrszählung in
der Straße “Auf dem Königsberg” den Hinweis, dass diese an einem
normalen Wochentag stattfinden möge und nicht in den Ferien. Es ergibt sich
eine Diskussion darüber, ob die Verkehrszählung abgewartet werden soll, bevor
über den zweiten Teil des Bürgerantrags entschieden wird. An der Diskussion
beteiligen sich Herr Romberg, Frau Kramps und Herr Schmidt.
Herr Romberg fasst schließlich die Wortbeiträge zusammen und stellt den
Antrag von Frau Kramps zur Abstimmung, wonach der Bürgerantrag im zweiten Teil
für erledigt erklärt werden soll.
Beschluss:
1)
Der
Bürgerantrag wird hinsichtlich der Vorschläge zur Verbesserung der
Parksituation durch Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen auf dem Gelände des
Wissensparks vertagt.
2)
Dem
Oberbürgermeister wird empfohlen, die Verwaltung zu beauftragen, in der
nächsten Sitzung das gesamte Verfahren zur Berechnung der nachzuweisenden
Stellplätze darzustellen und zu bewerten, insbesondere im Hinblick auf die
Angaben des Bauherrn zur Anzahl der Beschäftigten, der Lehrkräfte und der
Besucherinnen und Besucher des Wissensparks.
3)
Im gleichen
Zuge sollen durch die Verwaltung die rechtlichen Rahmenbedingungen geprüft
werden, unter denen zusätzliche Parkmöglichkeiten, auch für
Seminarteilnehmer, auf dem Gelände des
Wissensparks geschaffen werden können.
4)
Der
Bürgerantrag wird hinsichtlich der Forderung nach verkehrsberuhigenden
Maßnahmen, insbesondere die Einrichtung einer Sackgasse in der Straße
“Auf dem Königsberg”, für erledigt erklärt.
