27.06.2017 - 2 HagenKultur 20.25 - Kulturentwicklungsplan der ...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 2
- Gremium:
- Kultur- und Weiterbildungsausschuss
- Datum:
- Di., 27.06.2017
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:03
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB48 - Bildung und Kultur
- Bearbeitung:
- Horst Freygang
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Frau Kaufmann erläutert, dass die Diskussion um die zukünftige Kulturentwicklung parallel zu der Diskussion um die notwendigen Einsparungen im Kulturbereich geführt worden sei, so dass zwei Dinge verkoppelt worden seien, die a priori gar nichts miteinander zu tun gehabt hätten. Das habe dazu geführt, dass die Diskussion um die Kulturentwicklung auch als Sammlung von Argumentationen gegen die Kürzung genutzt worden sei. Ein solches Format wie die Kulturkonferenzen zeichne sich dadurch aus, bürgeroffen zu sein und möglichst viele Menschen einzubinden, könne aber in keiner Weise ersetzen, dass der Rat dieser Stadt sich mit dem Thema Ressourcenverantwortung auseinandersetze. Die Verantwortung dafür, welche materiellen Voraussetzungen wir für die Kultur in dieser Stadt hätten, habe letztlich der Rat mit seiner Entscheidung zu tragen.
In dem Prozess habe auch entdeckt werden können, welche Stärken und welche Schwächen diese Formate hätten. Man könne dies als Lernprozess sehen, den man als schwierig empfinden könne, der aber letztendlich der Selbstvergewisserung diene. Das Papier zeige, welche reichhaltigen Institutionen und Programme diese Stadt beherberge.
Eine der Stärken der Kulturkonferenz sei der intensive Austausch zwischen professionell und ehrenamtlich Kulturschaffenden mit der Verwaltung gewesen, daraus sei eine intensivierte Zusammenarbeit entstanden. Frau Kaufmann legt nahe, an diesem Punkt vor allem über die Stärken des Kulturentwicklungsplanes (KEP) zu sprechen und keine Ressourcendiskussion zu führen, denn diese sei mit der Entscheidung des Rates über das zukünftige Kulturbudget abgeschlossen. Nun solle es darum gehen, wie die vorhandenen Ressourcen besser genutzt würden, und wie man sich besser vernetzen könne. Eine weitere Kulturkonferenz soll am 30.09.2017 stattfinden. Dazu sei Frau Dr. Freigang vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe geladen worden, die Ergebnisse einer Evaluierung von Kulturentwicklungsplänen vorzutragen, und über Erfahrungen zu berichten, die anderorts gemacht worden seien.
Herr Freiesleben erläutert, gemäß dem in der vorangehenden Diskussion geäußerten Wunsch sei in den KEP eingearbeitet worden, welche Beziehungen und Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen es schon gäbe. Dies sei in der neuen Ausgabe des KEP kursiv gesetzt, was die Lesbarkeit erleichtern solle. Am Schluss des Papiers seien, ebenfalls wunschgemäß, einige derzeit geplante Projekte aufgeführt, wie z.B. im Jahr 2021 das 275-jährige Stadtjubiläum der Stadt Hagen, in dessen Rahmen ein großes Gemeinschaftsprojekt stattfinden solle.
Herr Becker führt aus, dass zwei Dinge im Mittelpunkt der geplanten Kulturkonferenz stehen sollten, die konkrete Vereinbarungen erzielen sollten: zum einen die Arbeit an der vertieften Vernetzung zwischen städtischen und anderen kommunalen Akteuren, und zum anderen die Vereinbarung konkreter Projekte, um zu spürbaren Ergebnissen zu kommen.
Herr Asbeck empfindet das Papier als sehr umfangreich und schwer lesbar. Es sei richtig, Kooperationen aufzuführen, dies trage aber nicht zur Übersichtlichkeit bei, vielleicht könne man diese als Anlage zum KEP besser lesbar fassen. Das Vorhaben, den KEP nur bis 2025 zu formulieren, begrüßt Herr Asbeck. Für bedenklich und problematisch hält Herr Asbeck, dass im KEP die Bestandssicherung absolute Priorität habe vor neuen Entwicklungen, also dass Neues nur gemacht werden könne, wenn etwas Altes aufgegeben werde. In der gesamten Vorlage vermisst Herr Asbeck die Offenheit für neue Zielsetzungen. Für die Zukunft müsse es möglich sein, vor allem hinsichtlich der Entwicklung der Bevölkerung, umzuschichten und Schwerpunkte anders zu setzen. Herr Asbeck wünscht sich hier eine weichere Formulierung, die es ermögliche, neue Institutionen oder Projekte anzustoßen, ohne dass dadurch der jetzige Bestand gefährdet werde. Der KEP sei in diesem Punkt zu restriktiv formuliert, und zu stark auf die aktuelle Haushaltssituation ausgerichtet. Herr Asbeck wünscht sich Zukunftsperspektiven über die Bestandssicherung hinaus. Er ist der Meinung, der KEP könne wegen dieser und weitere Punkte an diesem Tag nicht abgestimmt werden, das Papier gehöre erst einmal in die Fraktionen.
Weiterhin weist Herr Asbeck darauf hin, dass es wichtig sei, bei der Erwähnung des Verkaufs der Folkwangsammlung immer auch anzufügen, dass der Testamentsvollstrecker der Familie die Sammlung verkauft habe, und nicht die Stadt Hagen (Seite 8). Beim Osthaus Museum solle man außerdem Hohenhof und Riemerschmid-Haus ergänzen.
Der Punkt 4.4. erscheint Herrn Asbeck als nicht hinnehmbar. Der Ausdruck „native Bevölkerungsgruppe“ gefalle ihm nicht. Der Passus habe eine absolut einseitige Zielrichtung, welcher er widerspreche. Vordringliche Aufgabe müsse es doch sein, die Menschen mit Migrationshintergrund an unsere Kultur heranzuführen. Natürlich sei es wichtig, das wir fremde Kulturen kennen lernen, aber die Integration durch Kultur könne keine Einbahnstraße sein, in der wir lernen, wie andere Kulturen seien. Vorrangiges Ziel müsse es sein, den Menschen, die in Hagen leben, unsere Kultur zu öffnen, zu vermitteln und zugänglich zu machen. Wir müssten weniger integriert werden als die Anderen.
Herr Asbeck fragte nach der Absicht eines weiteren Absatzes, dessen Formulierung er zu allgemein gehalten und daher unverständlich findet. Herr Asbeck zitiert den Passus, dass Veranstaltungen sich an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientieren sollten. Veranstaltungen für ein Fachpublikum, die spezifische Vorkenntnisse voraussetzten, stünden demnach nicht im Mittelpunkt der Arbeit der Kulturinstitutionen, so die Vorlage. Herr Asbeck vertritt aber die Meinung, Veranstaltungen für ein Fachpublikum bräuchten wir ebenso, wie Veranstaltungen für ein breites Publikum (Seite 16).
Beim KEP kommt Herrn Asbeck weiterhin ein Punkt zu kurz. Es müssten noch Ideen eingebracht werden dazu, wie wir die Bedeutung der Bauten des Hagener Impuls und dessen Relevanz für die gesamte Architekturgeschichte besser vermarkten und stärker in das Bewusstsein der überregionalen Bevölkerung transportieren könnten (S. 21).
Herr Asbeck merkt außerdem an, wo die Freunde des Osthaus Museums, der Förderverein des Emil Schumacher Museums und weitere Fördereinrichtungen erwähnt würden, der Hagenring als bedeutsame und traditionsreiche Künstlervereinigung an dieser Stelle in der Aufzählung nicht fehlen dürfe (ebenfalls S. 21). Ein Kulturentwicklungsplan sollte seiner Meinung nach deutlich machen, dass dieses bürgerschaftliche Engagement vermehrt in städtischen Einrichtungen zur Geltung gebracht werden müsse, z.B. durch Ausstellungen wie die des Hagenrings im Osthaus Museum. Zu kurz käme ihm auch die Einheitlichkeit des Emil Schumacher Museums und des Osthaus Museums. Eine Kulturentwicklungsplanung bis 2015 müsste gemeinsame Projekte dieser Museen beinhalten, dies sei bislang im KEP zu vorsichtig formuliert.
Herr Asbeck fügt die Frage an, was mit der Douglas Lounge im Osthaus Museum zukünftig passiere.
Herr Fritzsche findet die Bestandsgarantie angesichts der Haushaltslage begrüßenswert. Er dankt für die Berücksichtigung von Anträgen und Ergänzungswünschen bei der Überarbeitung des KEP. Einige Anmerkungen von Herrn Asbeck könne er verstehen, aber jetzt gelte es, das Papier mit Leben zu füllen, und durch konkrete Projekte greifbarer zu machen.
Herr Dr. Fischer weist darauf hin, dass bei der Erläuterungen der Geschichte des Hagener Theaters der Umstand erwähnt sei, dass bereits im August 1945 in Hagen wieder Theater gespielt worden sei, hierbei sei die Ortsangabe nicht korrekt.
Herr Becker spricht sich dagegen aus, den KEP an diesem Tag nur in erster Lesung zur Kenntnis zu nehmen, da dann die Vorstellung im Rat verschoben werden müsse, und dann konsequenterweise die geplante Kulturkonferenz nicht stattfinden könne, denn der KEP solle ja als eine von der Politik beschlossene Grundlage der dortigen Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern dienen.
Herr Asbeck warnt, man wäre überfordert, wenn man alle genannten Punkte an diesem Tag in konkrete Beschlussfassung umwandeln wolle, zumal das Papier seiner Meinung nach nun in die Fraktionen gegeben werden sollte. Manches sei zwar nur Anmerkung gewesen, aber der Punkt zum Thema Migration und Einbahnstraße sei so nicht akzeptabel. Er frage sich sowieso, wer Leute mit Migrationshintergrund seien, das müsse man auch definieren, wenn man so konkrete Zahlen nenne. Man könne das Papier jedenfalls nicht ohne Änderungen verabschieden.
Herr Söhnchen wirft ein, man könne das Papier schon so verabschieden, weil es ein Papier ist, das sich weiter entwickele. Herr Söhnchen sagt, er habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass nach der Verabschiedung das Papier dann auch von der Politik mit Leben gefüllt werden müsse.
Herr Freiesleben erläutert, dass das Kulturentwicklungskonzept als Ergebnis von Prozessen der Bürgerbeteiligung, und nicht als reines Verwaltungspapier entstanden sei. Die genannten Punkte seien von den Bürgerinnen und Bürgern gekommen. Man sei ausdrücklich aufgefordert gewesen, diese Punkte aus der Bevölkerung aufzunehmen, und genau dieses habe man getan. Der wichtigste Punkt, der immer wieder in den Bürgerbeteiligungsprozessen genannt worden sei, wäre genau dieser der Bestandssicherung. Zudem müsse man das Papier in der Gesamtheit sehen. Manche Punkte würden an anderer Stelle im Papier konkretisiert bzw. ergänzt werden, so z.B. Anmerkungen unter dem Punkt 4.1. Dort stünde, dass Kultur nicht statisch sei, als Teil der Gesellschaft dem Wandel unterliege, diese Veränderungen erkenne und aufnehme, und dadurch ihre Legitimation erfahre, in den Kulturinstitutionen berücksichtigt zu werden.
Herr Freiesleben fährt fort zu Punkt 4.4., zum Thema Integration: dieser Punkt sei in den Bürgerveranstaltungen ganz entscheidend in den Vordergrund gestellt worden. Wenn man das Papier in der Gesamtheit sähe, erkenne man, dass für die städtischen Kulturinstitutionen Ziele genannt seien. Und dabei spielten auch diejenigen Ziele eine Rolle, die sich auf die Kultur bezögen, wie sie von den Menschen, die schon länger in Hagen leben, eingebracht werde. Wann jemand Migrationshintergrund habe, das sei verbindlich definiert, auch für den statistischen Jahresbericht, aus dem die Zahlen übernommen worden wären.
Auch Punkt 3.7., fügt Herr Freiesleben hinzu, sei von den Bürgerinnen und Bürgern gefordert worden. Er solle nicht besagen, dass man nie wieder etwas tun dürfe, das sich an ein Fachpublikum richte. Nur dürften solche Veranstaltungen eben nicht im Mittelpunkt der Tätigkeiten der Kulturinstitutionen stehen.
Herr Millhoff sieht dringenden Bedarf, nicht weitere Kosten und Zeitaufwände zu verursachen, sondern das Papier zu verabschieden.
Frau Kaufmann plädiert dafür, das Papier als „work in progress“ zu sehen. Solche Themen wie „Leitkultur“ müssten diskutiert werden, und würden auch immer wieder diskutiert. Das möge aber in einem größeren Rahmen passieren, auch in dem der kommenden Kulturkonferenz. Und nach einer solchen Kulturkonferenz könne ja auch so ein Papier eine Aktualisierung erfahren.
Herr Dr. Geiersbach begrüßt im Namen der SPD Fraktion, dass diese Vorlage nun auf dem Tisch liege. Als Arbeitspapier weise sie in die Zukunft und habe damit eine gewisse Dynamik. Bei allem Verständnis für die Einwendungen von Herrn Asbeck hält Herr Dr. Geiersbach eine neue Redaktionsrunde nicht für sinnvoll. Deshalb schlägt auch Herr Dr. Geiersbach vor, mit Blick auf die kommende Kulturkonferenz die Vorlage an diesem Tag zu verabschieden, in den Rat zu bringen, und dann daran weiterzuarbeiten.
Herr Walter betont, dass es mitnichten um eine „deutsche Leitkultur“ habe gehen sollen, was immer das sein solle, sondern man habe sich gestoßen an den Formulierungen zu Bestandssicherung. Man möchte für eine Offenheit sprechen, dem Kulturbereich zu ermöglichen, andere Prioritäten zu setzen, die Optionen für Veränderung offen zu halten. Da jetzt nun die Signale der Verwaltung und der anderen Parteien deutlich für diese Offenheit sprächen, seien die Befürchtungen in diesem Punkt ausgeräumt.
Herr Asbeck will dem auch nicht in Wege stehen, aber der Punkt 4.4. könne so nicht bleiben und in dieser Form nicht in die Kulturkonferenz weitergegeben werden. Herr Asbeck beantragt die Streichung des Satzes „Durch entsprechend konzipierte Veranstaltungen, wird der nativen Bevölkerungsgruppe die zunächst mehr oder weniger fremde Kultur näher gebracht und ermöglicht ihnen so eine weitere Annäherung“, oder eine Umformulierung im Sinne von wechselseitigen, gemeinsamen Veranstaltungen für alle Bevölkerungsgruppen.
Herr Arndt setzt sich für die von Herrn Asbeck vorgeschlagene Korrektur ein.
Nach Rücksprache mit Frau Kaufmann schlägt Herr Söhnchen vor, auf Seite 15 Absatz 4.4. zwei Sätze herauszunehmen. Damit wäre für den Anfang der Diskussion Genüge getan.
Herr Söhnchen unterbricht die Sitzung für 5 Minuten.
Herr Asbeck resümiert, in Hinblick darauf, dass dies wirklich ein Entwicklungspapier sei, könne man es verabschieden, wenn auch unter Zurückstellung gewisser Bedenken, und unter der Maßgabe, dass die betreffenden zwei Sätze aus dem Papier entfernt würden. Weiterhin geht Herr Asbeck davon aus, dass die Anmerkungen im Protokoll ausführlich festgehalten und Gegenstand der weiteren Erörterungen werden würden.
Herr Söhnchen fasst zusammen, dass diese beiden Änderungen mit eingefügt werden, damit handele es sich um eine Änderungsvorlage. Im Protokoll werde festgehalten, was bisher gesagt wurde, und dies würde dann auch in die weitere Diskussion mit hinein gegeben.
Beschluss:
Der Rat beschließt den Kulturentwicklungsplan der Stadt Hagen in der anliegenden Fassung (Anlage 1). Er beauftragt die Verwaltung, auf dieser Grundlage im Herbst 2017 eine Kulturkonferenz durchzuführen. Mit dieser Kulturkonferenz soll der Dialog der Kulturschaffenden untereinander sowie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung gefördert werden. Dabei stehen zwei Ziele im Mittelpunkt:
- Vertiefte Vernetzung, bzw. Zusammenarbeit zwischen städtischen Institutionen und anderen kommunalen Akteuren
- Vereinbarung konkreter Projekte
Der Kultur- und Weiterbildungsausschuss der Stadt Hagen stimmt dem Beschlussvorschlag unter der Maßgabe zu, dass folgende Änderungen im Kulturentwicklungsplan „HagenKultur 20.25“ durchgeführt werden:
- „Nach dem zweiten Weltkrieg nahm das Theater im August 1945 den Spielbetrieb zunächst in der Aula der Oberschule in Haspe Turnhalle des städtisch-mathematisch-naturwissenschaftlichen Knabengymnasiums Hagen-Haspe am Kirmesplatz 2 wieder auf.“ (Seite 9, Punkt 2.1.)
- „Die Stadt Hagen hat einen hohen Anteil von Bürgerinnen von Bürgern, die über einen Migrationshintergrund verfügen, der bei ca. 35% liegt. Der Grad ihrer Integration differiert stark und kann entweder noch erhöht oder gefestigt werden. Hier kann die Kultur durch Begegnungen einen wertvollen Beitrag leisten. Durch entsprechend konzipierte Veranstaltungen, wird der nativen Bevölkerungsgruppe die zunächst mehr oder weniger fremde Kultur näher gebracht und ermöglicht ihnen so eine weitere Annäherung. Auf der anderen Seite bedeutet dies für den Personenkries mit Migrationshintergrund, dass er nicht gezwungen wird, seine kulturellen Wurzeln zu verleugnen, was wiederum die Integration erleichtert.“ (Seite 15, Punkt 4.4.)
Anlagen zur Vorlage
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(wie Dokument)
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