30.06.2005 - 5.21 Dezernatsorganisation und Ausschreibung von Vor...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.21
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 30.06.2005
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/A Amt des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Dieter Althaus
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Herr Riechel erklärt für die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, dass der
Vorschlag von SPD/CDU für seine Fraktion unannehmbar sei. Daher bitte er um
getrennte Abstimmung über Dezernatsstruktur und Ersten Beigeordneten. Das eine
sei eine Personalwahl, der seine Fraktion überdies zustimmen werde, weil das
schon lange überfällig gewesen sei. Mit der Bestellung zum 1. Beigeordneten
werde nur institutionell nachvollzogen, was Dr. Schmidt seit geraumer Zeit de
facto tue.
Das andere sei die inhaltliche Abstimmung über die
Dezernatsstruktur in Vorbereitung der Ausschreibung. Diese lehne er ab.
Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen halten die Behandlung
von Dr. Schmidt für ungeheuerlich. Schließlich sei er der am längsten gediente
Fachmann mit der höchsten Reputation und im Umweltbereich für Hagen
überregional und international tätig und angesehen. Allein das werde schon
nicht durch einen Neuling zu ersetzen sein. Dass die Mehrheit darauf
willentlich verzichte, zeige, wie egal ihr das Umweltthema an sich sei.
Außerdem habe Dr. Schmidt unter den letzten
Oberbürgermeistern jede Menge Fremdaufgaben übernehmen müssen, mit bravourösen
Erfolgen. Bedingung sei immer Erhalt seines Kernbereichs Umwelt gewesen. Das zu
ignorieren, nach all seiner Bereitschaft, sich fachlich zu verbiegen, sei eine
Abstrafung, die auch durch das Zückerchen Erster Beigeordneter nicht geheilt sei.
Hier erkenne man das klares Kalkül der SPD. Die Zumutung
werde so erhöht, dass Dr. Schmidt das Handtuch werfe und man endlich zeitnah
einen roten Sozialdezernenten besetzen könne. Aber auch das Kalkül der CDU
zeichne sich ab. Zwei Dezernentenstellen auf dem eigenen Ticket. Die Andeutung,
hier werde ein Vorstandsbereich gezielt auf Gerbersmann zugeschnitten, wäre
allerdings ein Skandal, wenn sie wahr würde: Ein Fraktionsvorsitzender könne
seine Stellung nicht legitim dazu benutzen, sein eigenes berufliches Fortkommen
zu sichern. Das entbehre jeder Integrität, und seine Fraktion würden das nicht
hinnehmen.
Diese Entscheidung habe auch Folgen für den Umweltbereich
und setze ein politisches Signal, denn es entspricht dem Wunsch der Baulobby in
CDU und SPD, endlich den Umweltbereich völlig zahnlos zu machen.
Auch sei dies ein besonderes Bonbon für die Herren Weber und
Asbeck, denn der Einfluss der GRÜNEN in ihrem Kernkompetenzbereich werde
beschnitten. Dies sei eine offene Kriegserklärung an seine Fraktion.
Im Gegensatz zu Jochen Webers Presse-Aussage sei die
Neuordnung gerade nicht fachlich begründet, sondern nur nach politischem
Proporz entstanden. Gäbe es eine Priorität bei der Fachkompetenz, müsste man
kritisieren, wenn man den fähigsten Kopf ausgerechnet da abziehe, wo seine
größte Kompetenz liege. Sein Fazit laute daher, dass zuviel Kompetenz in Hagen
offenbar nicht gewünscht sei.
Herr Thielmann pflichtet Herr Riechel in seinen Ausführungen bei und
ergänzt, dass solch ein Verhalten im Rat bereits Tradition habe. Frau Grehling
sei als Baudezernentin eingestellt worden und übernehme jetzt die Aufgaben der
Kämmerin, Herr Dr. Schmidt sei als Umweltdezernent eingestellt worden und solle
zukünftig einen anderen Job machen. Zwar habe der Rat das Recht, die Aufgaben
zu verteilen, jedoch sei diese Entscheidung nicht glücklich. Er kritisiere die
öffentliche Diskussion, in der das Umweltdezernat als
“Steckenpferd” von Herrn Dr. Schmidt bezeichnet werde. Dieser habe
die Aufgabe jedenfalls immer sehr gut erfüllt. Seine Fraktion könne aus den
genannten Gründen der Vorlage ebenfalls nicht zustimmen.
Herr Marscheider ist der Auffassung, dass alles gesagt sei. Seine Fraktion
unterstütze den Vorschlag auf getrennte Abstimmung des letztes Punktes und
beantrage für die ersten vier Punkte eine geheime Abstimmung.
Herr Asbeck hält die Ausführungen von Herrn Riechel für unverschämt und
widersprüchlich. Entweder es seien persönliche oder sachliche Gründe für die
Dezernatsneuaufteilung. Er sage, dass hier sachliche Gründe vorliegen.
Hierdurch erreiche man in sich geschlossene Dezernate.
Es könne nicht sein, dass zufällig jemand den Umweltbereich
als sein Hobby habe und dieses deswegen unbedingt behalten müsse. Herr Riechel
habe es versäumt, hier – außer den persönlichen Wünschen von Herrn Dr.
Schmidt – Fakten zu nennen, die gegen die geplante Neuorganisation
spechen.
Herr Weber versteht, dass die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen
aufgeregt sei, denn sie habe schließlich Dr. Schmidt nach Hagen geholt. Jedoch
habe sie in der Vergangenheit auch viele Dezernatsveränderungen mitgetragen.
Deswegen dürfe es um Dr. Schmidt jetzt keinen Schutzzaun geben. Der neue
Dezernatsplan sei nach fachlichen Kriterien erstellt worden und sehr
ausgewogen. Für die Sozialdemokraten sei es sehr wichtig gewesen, diese
Kerndezernat Jugend und Soziales zu bilden.
Herr Sondermeyer fühlt sich als gewähltes Ratsmitglied schlecht informiert,
da er über solche Entscheidungen nur aus den Medien erfahren habe.
Herr Demnitz prüft, ob das erforderliche Quorum von einem Fünftel der
Ratsmitglieder für eine geheime Abstimmung vorliegt. Dies ist der Fall.
Herr Demnitz lässt über den letzten Absatz des Beschlussvorschlages
abstimmen.
Abstimmungsergebnis: Einstimmig beschlossen
Herr Demnitz lässt danach in geheimer Abstimmung über die ersten vier
Absätze abstimmen.
Abstimmungsergebnis: Mit Mehrheit beschlossen
Ja-Stimmen: 34
Nein-Stimmen: 23
Enthaltungen: 02
Beschluss:
Gemäß § 73 Abs. 1 GO NW wird der Geschäftskreis der Beigeordneten entsprechend dem in der Anlage beigefügten Plan festgelegt.
Der Plan bildet die Grundlage für die durch den
Oberbürgermeister unverzüglich vorzunehmende Ausschreibung für die
Vorstandsbereiche 2 und 4. Der Ausschreibungstext ergibt sich aus der Anlage.
Für die Vorauswahl der Bewerber, die zu einem
Vorstellungsgespräch eingeladen werden sollen, wird eine Auswahlkommission
gebildet. Die Auswahlkommission setzt sich aus dem Oberbürgermeister, den
Fraktionsvorsitzenden und dem Vorsitzenden des Personalausschusses zusammen.
Den Vorsitz führt der Oberbürgermeister.
Die weitere Vorberatung erfolgt gemäß § 19 Abs. 4
der Hauptsatzung im Personalausschuss.
Die Neuregelung der Zuständigkeiten der
Vorstandsbereiche tritt in Kraft, sobald einer der beiden ausgeschriebenen
Beigeordneten den Dienst antritt.
Abstimmungsergebnis: mit
Mehrheit beschlossen
Gemäß § 68 Abs. 1 GO NW bestellt der Rat Dr.
Christian Schmidt mit sofortiger Wirkung zum allgemeinen Vertreter des
Oberbürgermeisters (Erster Beigeordneter).
Abstimmungsergebnis: einstimmig
beschlossen
