03.11.2010 - 2.1 ENERVIE - Südwestfalen Energie und Wasser AGSta...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 2.1
- Gremium:
- Stadtentwicklungsausschuss
- Datum:
- Mi., 03.11.2010
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- Fachbereich des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Markus Funk
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Zusammenfassung des
Diskussionsergebnisses:
Herr Dr. Ramrath begrüßt zu diesem
Tagesordnungspunkt Herrn Struwe als Mitglied des ENERVIE - Vorstandes und
erteilt ihm das Wort mit der Bitte, zu den Absichten der ENERVIE Stellung zu
nehmen.
Herr Struwe führt aus, dass es Absicht von
ENERVIE sei, die bisher im Stadtgebiet verstreuten Betriebsstätten an einem
Zentralstandort in Haßley unter zu bringen. Das Grundstück befinde sich bereits
im Eigentum der ENERVIE. Da die Aktivitäten insbesondere in südliche Richtungen
gingen, sei dieser Standort an der BAB 45 besonders wichtig, um auch für die
Beschäftigten kurze Wege zu haben. Bei einer Standortuntersuchung durch ein
beauftragtes Büro aus dem Jahre 2008 sei herausgekommen, dass Haßley die
absolute Nummer Eins sei. Der Standort Wehringhausen habe bei der Auswahl ganz
hinten an gestanden. Das Grundstück in Haßley sei inzwischen baureif und die
gesamte Erschließung vorbereitet. Auch die Wirtschaftlichkeit spreche für
diesen Standort. Hinsichtlich der Altstandorte insbesondere an der Körnerstraße
und in Oberhagen seien Vorkehrungen für Nachnutzungen getroffen. So würden an
der Körnerstraße ein Kunden- und Beratungszentrum sowie ein weiterer
Ankermieter untergebracht. In Oberhagen habe sich bereits die Stadtentwässerung
Hagen angesiedelt und würde auch in Zukunft die jetzt noch belegten
Räumlichkeiten nutzen. Für den Altstandort in Wehringhausen sie durch ein Büro
ein Planungsvorschlag gemacht worden. Hier müsse eine kleinteilige Entwicklung
vorangetrieben werden. Vorstellungen beständen in eine Automotive Richtung mit
u. a. einer hochmodernen Waschstraße. Nachteile dieses Standortes für eine
zentrale Unterbringung der ENERVIE seien u. a. schlechte Wirtschaftlichkeit
durch Trennung der Grundstücke durch die Rehstraße, schlechte Erreichbarkeit,
Altlasten sowie geringere Erweiterungsmöglichkeiten. Bei einem Nicht - Zustandekommen des
Zentralstandortes Haßley sei nicht
automatisch Wehringhausen die zweite Wahl. Er verspreche jedoch, dass die
ENERVIE Wehringhausen nicht vergessen
und auch keine Brache hinterlassen werde.
Herr Dr. Ramrath gibt für die weitere Beratung zu
bedenken, dass dieser Ausschuss sich weniger um die wirtschaftliche und
betriebswirtschaftliche Sinnhaftigkeit kümmern müsse, sondern dass im
Vordergrund mehr die städtebaulichen Gesichtspunkte ständen. Der Rat müsse dann die Dinge in der
Gesamtheit würdigen.
Herr Panzer bemängelt die Tatsache, dass bei der
Beschlussfassung zum Planungsrecht die ENERVIE bereits Eigentümerin des
Grundstückes in Haßley gewesen sei und bestimmte Dinge den Ausschussmitgliedern
überhaupt nicht bekannt gewesen seien. Nach wie vor würde der Standort Haßleyer
Insel abgelehnt, weil dort kein einziger neuer Arbeitsplatz entstehen würde.
Bei den wenigen Gewerbeflächen im Hagener Stadtgebiet sei es ein Jammer, eine so große Fläche für
diesen Zweck zu entwickeln. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht spricht
sicherlich einiges für die Haßleyer Insel. Dies sei jedoch aus Sicht der
Stadtentwicklung nicht so.
Herr Thieser erinnert daran, dass es hier um ein
Kommunales Unternehmen mit einer ganz besonderen Funktion gehe. In den
gestrigen Sitzungen der Fraktionen seien zum ersten Mal Informationen seitens
ENERVIE vorgelegt worden, die bisher nicht bekannt gewesen seien. Dies beträfe
u. a. das vorgelegte Gutachten. Daher schlage er vor, die heutige Entscheidung
auf die morgige Ratssitzung zu verschieben, um die Möglichkeit der nochmaligen
Beratung in der Fraktion zu haben. Bis dahin bitte er darum zu klären, in
welchem wirtschaftlichen und auftragsmäßigen Verhältnis das mit dem Gutachten
beauftragte Büro zu ENERVIE stehe. Evtl. könne dies auch Projektentwickler für
die Haßleyer Insel sein. Auch die Frage der Verantwortlichkeit für die
Altlasten in Wehringhausen sei von großer Bedeutung, wer zuständig für die Entsorgung wäre und welche vertraglichen Vereinbarungen
zwischen ENERVIE und Stadt beständen.
Für Herrn Sondermeyer spricht nichts dagegen, die
Entscheidung auf den Rat zu übertragen. Im Zusammenhang mit Wehringhausen sei
durchaus ein städtebaulichen Wettbewerb vorstellbar. Dies könnte auch im Rat
mit eingebracht werden.
Für Herrn Romberg stellt es sich schon
erstaunlich dar, dass die Beratung der Haßleyer Insel schon so weit gediehen
sei mit allen möglichen Beschlüssen und würde doch jetzt wieder in Frage
gestellt. Der Erwerb der Haßleyer Insel durch ENERVIE habe sicherlich seine
Grundlage auch in diesen Beschlüssen des Rates. Er sehe keinen Grund, die Beratung
zu schieben. Die Fakten seien bekannt.
Herr Dücker kann die unterschiedlichen
Auffassungen zur Entwicklung der Haßleyer Insel durchaus nachvollziehen. Er
sehe jedoch die Chance, dass sich durch die geplante Entwicklung ENERVIE in
Hagen und der Region weiter festige. Daher könne er auch aus städtebaulicher
Sicht nicht gegen Haßley sein. Dem gegenüber stehe natürlich aus dieser Sicht
auch die dringende Entwicklung von Wehringhausen. Hier sei ENERVIE in der
Verpflichtung. Wenn dort schon Zusagen vorlägen, sollten diese weiter verfolgt
werden. Allerdings halte auch er die Klärung hinsichtlich der Altlasten für
sehr wichtig. Mit einer Vertagung auf den
morgigen Rat habe er keine Probleme.
Herr Arnusch fragt, wie ENERVIE zur Beseitigung
der Altlasten stehe.
Herr Panzer verweist auf die vielen
Altlastenbereiche insbesondere im Ruhrgebiet und dass für kaum einen dieser
Bereich eine positive Lösung gefunden worden sei. Wenn die Vorschläge von
ENERVIE im gesamten Bereich so gesehen würden, dann entwickele sich das
Ruhrgebiet zu einem potentiellen Standort für Waschstraßen aber nicht zu einem
lebenswerten Umfeld für die Bürger, die dort leben. Daher müssten Beispiele geschaffen
werden wie anders vorgegangen werden könnte. Die ENERVIE sei in der Pflicht,
sie befinde sich schon an diesem Standort und ihre Rechtsvorgänger hätten diese
Altlasten verursacht. Er halte die Entscheidung für Haßley für eine grobe
Fehlentscheidung, während diese für Wehringhausen ein positives Zeichen für den
Stadtteil setzen würde. Es könne auch ein Verwaltungsgebäude ohne Keller dort
errichtet werden. Dies sei wesentlich positiver als eine Waschstraße und noch
ein Autohaus.
Lt. Herrn Dr. Ramrath habe ENERVIE immer betont,
dass sich das Unternehmen an Nachfolgenutzungen und einer verträglichen
Entwicklung beteiligen wolle und man solle die Aussagen des Vorstandes eines kommunalen
Unternehmens ernst nehmen. Es gebe
natürlich immer Argumente, die für bzw. gegen ein Vorhaben sprechen würden. Letztendlich
sei es immer eine Frage der Abwägung. Auch könnten kleinteilig genutzte Gewerbequartiere
durchaus architektonisch qualitätvoll sein. Auch spricht er seiner Auffassung
nach mehr innerstädtische Mehrbelastungen durch Fahrzeugverkehre in Richtung
Wehringhausen an. Dies solle auch berücksichtigt und in die Abwägung mit einbezogen
werden.
Herr Romberg gibt zu bedenken, dass das
Altlastenproblem in jedem Fall gelöst werden müsse, egal in welche Richtung es
in Wehringhausen gehe. Es könne auch heute keine Entscheidung entweder Haßleyer
Insel oder Wehringhausen getroffen werden, hierüber habe die Stadt kaum
Entscheidungsgewalt. Falls die Entscheidung gegen Haßley ausfallen sollte,
halte er es für nicht sehr realistisch, dass sich in Wehringhausen Gravierendes
ändern würde. Er stelle die Frage, was wirklich die Konsequenz sei, wenn Haßley
abgelehnt würde.
Für Herrn Grothe geht es in Wehringhausen um die
Entwicklung von hochwertigem Gewerbe. Die gewerblichen Potentiale, die in der
Stadt nicht mehr vorhanden seien, sollten an diesen Altstandorten entwickelt
werden und nicht auf der grünen Wiese. Diese sollten kleinteilig und möglichst
innovativ sein und durch eine Mischentwicklung sei sicherlich auch die
Gewinnung relativ vieler Arbeitsplätze möglich. Die Frage der Verantwortlichkeit
für die Altlasten und entsprechende vertragliche Regelungen könne derzeit nicht
beantwortet werden.
Die bisher aufgeworfenen Fragen beantwortet Herr
Struwe dahin gehend, dass das Thema Altlasten beim Übergang der Stadtwerke auf
Mark-E wahrscheinlich zu Lasten der
Stadt geregelt worden sei. Dies sollte jedoch nochmals juristisch überprüft
werden. Hinsichtlich der Beauftragung von Büros erklärt er, dass zwei Standortgutachten
von zwei Büros erstellt worden seien und
eines auch ein Raumprogramm für die Gebäude auf der Haßleyer Insel entwickelt
hätte. Abschließend bietet er an, mit der Stadt an innovativen Konzepten für
Wehringhausen zu arbeiten. Es müsse etwas für Wehringhausen getan werden, auch
von ENERVIE.
Auf Nachfrage von Herrn Arnusch wie ENERVIE zu
der Altlastenproblematik stehe, antwortet Herr Struwe, dass hieran gemeinsam nichts getan werden
sollte. Der Boden dürfe nicht angegriffen und müsse versiegelt werden.
Für Herrn Thieser ist diese Aussage kein
verantwortungsbewusstes Umgehen mit Altlasten. Er halte dies gerade für ein
kommunales Unternehmen für sehr widersprüchlich. Hier sei eine juristisch
saubere Stellungsnahme notwendig. Bei der jetzt anstehenden Entscheidung gehe
es um eine städtebauliche Positionierung des Rates der Stadt. Er halte es für
durchaus legitim, wenn dieses Thema durch unterschiedliche Herangehensweisen
diskutiert werde. Es könne aus unterschiedlichen Motiven zu unterschiedlichen Ergebnisses gekommen werden. Seine Auffassung
sei, dass die Stadt in den letzten Jahren durch sinkende Einwohnerzahlen
geprägt worden sei. Alle Prognosen sagten voraus, dass sich dieser Prozess auch
in den kommenden Jahren nicht ändern werde. Für die zukünftige Stadtentwicklung
bedeute dies noch eine stärkere Konzentration auf die Entwicklung bestehender
städtebaulicher Strukturen. Wo gewerbliche Flächen im Bestand genutzt werden
könnten, müsse diese Nutzung Vorrang vor der Nutzung von Flächen im Freiraum
haben. Gerade von kommunalen Unternehmen müssten diese Flächen im Bestand
genutzt werden. Wenn dies nicht so geschehe, warum sollten dies dann andere
Unternehmen praktizieren. Dies betreffe auch den Umgang mit Altlasten. Er sei
der Auffassung, dass sich kommunale Unternehmen an dem orientieren müssten, was
die Kommune wolle und nicht umgekehrt. Natürlich müsse die Dividendenentwicklung
berücksichtigt werden.
Herr Panzer würde es sehr bedauern, wenn die
vorgesehene Investition nicht in der Stadt
stattfinde und dieser Impuls nicht nach Wehringhausen ginge, sondern auf
die Haßleyer Insel.
Herr Schmidt sieht diese Entscheidung als
gesamtstädtisches Problem. Die Stadt besitze jede Menge Brachflächen und nur
ganz wenige Freiflächen, die für Investoren zur Verfügung ständen. ENERVIE
schaffe durch die Aufgabe von Flächen im Innenstadtbereich große Lücken, die
kaum geschlossen werden könnten. Das Unternehmen mache es sich leicht und gehe
auf die grüne Wiese. Anderen Unternehmen würde der Platz weg genommen. ENERVIE
sollte ein bisschen mehr Verantwortung für diese Stadt zeigen. Dies könne man
von einem kommunalen Unternehmen eher erwarten als von externen.
Herr Dücker spricht über Macht und Einflussnahme
der Politik bei Unternehmensentscheidungen. Nur mit ganz wichtigen Argumenten
könne Einfluss genommen werden. Er sei nicht froh über die jetzige Lösung in
Wehringhausen. Jedoch müssten die Alternativen nüchtern abgewogen werden. Dies
sollte geschehen, um zu einer vernünftigen Entscheidung zu kommen.
Frau Knollmann weist darauf hin, dass ENERVIE bei
aller städtischen Beteiligung immer noch ein wirtschaftliches Unternehmen sei.
Dieses siedle sich wahrscheinlich zusammen mit einem Möbelhaus im Rahmen eines
Gesamtkonzeptes auf der Haßleyer Insel an. Hierüber sollte man froh sein. Was
die Entwicklung von Wehringhausen anbelange, gebe es sicherlich gute Ansätze,
die aufgegriffen werden sollten. Beispiele in anderen Städten zeigten doch, wie
man mit solchen Flächen umgehen solle. Insgesamt gesehen könne man mit dem
Gesamtkonzept Haßleyer Insel gut leben.
Nach einer Sitzungsunterbrechung von 17.40 bis
17.50 Uhr stellt Herr Dr. Ramrath nach interfraktioneller Absprache den
nachfolgenden Beschlussvorschlag zur Abstimmung.
Bedenken hiergegen werden nicht erhoben.
Beschluss:
- Der
Stadtentwicklungsausschuss gibt keine Empfehlung für die Standortfrage
ENERVIE ab und überträgt die Entscheidung auf den Rat der Stadt.
- Die
Verwaltung wird beauftragt, entsprechend der vorgeschlagenen
Gebietsabgrenzung für den Bereich Wehringhausen Reh- / Wehringhauser
Straße ein Bebauungsplanverfahren mit dem Ziel einzuleiten, ein
qualifiziertes Gewerbequartier zu entwickeln.
Anlagen zur Vorlage
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(wie Dokument)
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