06.05.2010 - 5.2 Verabschiedung Haushaltsplanentwurf 2010 mit Ha...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.2
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 06.05.2010
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB20 - Finanzen und Controlling
- Bearbeitung:
- Beate Wegehaupt
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Haushaltsreden
CDU-Fraktion
- Herr Röspel:
„Die
Wahrheit ist dem Menschen zumutbar …und seine größte Chance!“ "Die Wahrheit ist dem Menschen
zumutbar!" So formulierte es einst Ingeborg Bachmann zutreffend, denn:
„Eine schmerzliche Wahrheit ist
besser als eine Lüge“, wusste es schon Thomas Mann auf den Punkt zu
bringen. Ist es richtig, wenn Ingeborg Bachmann schreibt: „Wir wollen alle sehend werden“? Wenn ich ganz ehrlich
bin, dann glaube ich nicht, dass der Hunger nach der Wahrheit so stark
ausgeprägt ist. Seit Jahren versuche ich nun, Rat, Verwaltung, Medienvertreter
und Bürger immer wieder mit diesen Fakten zu konfrontieren. Jedes Jahr aufs Neue werbe ich um
Unterstützung für den unverzichtbaren Sparkurs. Ich erntete Nachdenklichkeit,
Zustimmung und Lob. Gewirkt hat das in der Regel nur kurz, meist nicht länger
als bis zur letzten Haushaltsrede und der anschließenden Sitzungspause. Danach
reckten sich wieder die Hände der Mehrheit begierig nach oben, wenn es darum
ging, neue Wohltaten unters Volk zu bringen – wie im Traum. Das war jedes
Jahr so – in diesem Jahr wird es nicht mehr so sein! Ich maße mir nicht
an, mit meiner heutigen Rede mehr zu erreichen. Nein, die Rahmenbedingungen
haben sich derart einschneidend verändert, dass der eine oder andere inzwischen
aufgewacht ist. Zur schmerzhaften Wahrheit gehört nämlich, dass Hagen seit 2009
eine überschuldete Kommune ist – pleite, wie Oberbürgermeister
SPD-Fraktion
- Herr Krippner:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, die SPD-Fraktion wird den Haushalt 2010 mittragen. Alle wichtigen strategischen Entscheidungen stehen erst im Herbst bei der Beratung des HSK 2011 an. Diese für die Stadt wichtigen Entscheidungen müssen gut vorbereitet werden. Darauf sollten wir unsere Arbeit konzentrieren. Zum HSK 2010 ist uns aber noch folgende Klarstellung wichtig: Im HSK 2010 sind neben der pauschalierten Darstellung der Zielzahlen der Zukunftskommission in der Finanzplanung die Maßnahmen des 1. Sparpakets und die 3 zusätzlichen Maßnahmen je Amt enthalten. Die in Band 1 des Haushalts gegebenen kurzen Begründungen lassen eine abschließende Beurteilung der jeweiligen Maßnahme nicht immer zu. Ggf. sind im Herbst im Gesamtzusammenhang aller Maßnahmen auch Korrekturen notwendig. Unter diesem Vorbehalt steht unsere jetzige Zustimmung zum HSK 2010. Wir halten es deshalb für sinnvoll, wenn zur Vorbereitung der weiteren Beratungen folgende Ergänzungen durch die Verwaltung zu den genannten Maßnahmen erfolgen: - Information zum aktuellen Umsetzungsstand jeder Maßnahme - Zuordnung in die Systematik der Zukunftskommission -Darstellung der Zuständigkeit von OB oder Rat für jede Maßnahme. Mit der aktuellen Fortschreibung der Veränderungsliste erreicht das Defizit mit 160 Mio € eine bisher nicht für möglich gehaltene Größenordnung. Fast jeder 3. aufgewendete Euro ist nicht mehr durch Einnahmen gedeckt. Schnell wird wieder von der Vergeblichkeitsfalle bei der Haushaltskonsolidierung gesprochen. Um es medizinisch zu beschreiben: Hagen liegt auf der Intensivstation. Welche lebensrettenden Maßnahmen müssen ergriffen werden? Es ist kein Königsweg, kein Patentrezept erkennbar. Manche Medizin schmeckt bitter. Besonders die aus Düsseldorf und Berlin. Es ist ein Trauerspiel, wie sich die Kommunalfinanzen insgesamt entwickelt haben. Nur noch 18 von 359 Gemeinden haben überhaupt einen ausgeglichenen Etat. Nothaushalte drohen zur Normalität zu werden. Viele Kommunen sind bereits überschuldet oder stehen kurz davor. Es ist schon skandalös, dass es erst soweit kommen musste, bevor Bund und Land überhaupt bereit waren, dieses für die Städte existenzielle Thema auf ihre Tagesordnung zu nehmen. Gerne haben Bund und Land von hausgemachten Problemen der Städte gesprochen. Leider wurden sie hierbei von kommunaler Seite zu lange unterstützt. Noch im Kommunalwahlkampf haben auch Sie Herr Oberbürgermeister die Ursachen der Finanzprobleme nicht in den Rahmenbedingungen, sondern nur hier in Hagen gesehen. Inzwischen ist aber auch für sie klar, dass Hagen allein der Schuldenfalle nicht entkommen kann. Wir begrüßen es, dass sie hier Flagge zeigen und sich jetzt mit uns gegen Bund und Land zur Wehr setzen. Wir als SPD-Fraktion haben diese Auffassung schon immer vertreten. Die, die auch nach Auffassung des RP laufend gegen das Konnexitätsprinzip verstoßen, sind als Mitverursacher verpflichtet, uns zu helfen. Wir sehen uns hier nicht als Bittsteller. Wir haben als Stadt einen Anspruch auf eine sachgerechte Finanzausstattung. Die ZuKo hat die externen Belastungen mit mindestens 42,5 Mio € jährlich ermittelt, Tendenz steigend. Einen besonders eklatanten Griff in die Gemeindekassen hat der Bund mit dem sog. Wachstumsbeschleunigungsgesetz praktiziert. Bis zu 12 Mio € an Steuerausfällen werden in Hagen bis 2013 zu beklagen sein. Diese Verluste einer unverfrorenen Klientelpolitik sind bisher noch nicht in die Finanzplanung eingeflossen. Der OB hat entschieden, dass aufgrund des Gesetzes Mehreinnahmen zu erwarten sind. Bei allem Respekt Herr Oberbürgermeister, mit dieser Meinung stehen sie allein auf weiter Flur. Auch für dieses schwarz-gelbe Geschenk gilt: Nicht überall wo Wachstum drauf steht, ist auch wirklich Wachstum drin. Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren. Ich will unsere zentralen Forderungen an Bund und Land noch einmal in Erinnerung rufen: - Der Soli gehört für die belasteten Kommunen abgeschafft. Rund 10% unserer Kassenkredite sind allein auf diese Zahlungen zurückzuführen. - Die Beteiligung des Bundes an den Kosten der Unterkunft muss angehoben werden. Ebenso muss ein Ausgleich für den Anstieg beim Pflegewohngeld und der Grundsicherung im Alter gewährt werden. - Der Finanzausgleich muss die Aufgaben und Funktionen der Großstädte durch Aufstockung der Mittel mehr als bisher berücksichtigen. Die Vorteile, die das Umland aus unseren Angeboten erhält, müssen zumindest anteilig finanziell mitgetragen werden. - Hilfen bei Zinsen und Tilgung der aufgelaufenen Altschulden sind unerlässlich. Mit der Entscheidung des Rates im Juni 2009 über das Papier der Zukunftskommission hat der Rat einen Prozess eingeleitet, der angesichts der finanziellen Entwicklung der Stadt unausweichlich war. Da es aber bisher keine maßnahmenscharfe Beschlüsse gibt, können die Konsequenzen und Folgen im Einzelnen noch nicht endgültig eingeschätzt werden. Fakt ist: Mit einem Volumen von rd. 90 Mio € muten wir der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern eine Menge zu. Die SPD-Fraktion sieht die große Gefahr, dass in einem übereilten Verfahren Strukturen und Einrichtungen für immer zerschlagen werden. Deshalb müssen bei allen Maßnahmen die Auswirkungen für die Bürger und für die Zukunftsfähigkeit der Stadt gewissenhaft geprüft und abgewogen werden. Davon kann uns auch ihre Bemerkung Herr Oberbürgermeister „keine Zeit für endlose Debatten“ nicht abbringen. Der Grundsatz Qualität vor Schnelligkeit bleibt auch hierbei richtig. Für uns ist klar, dass sich mit dem Volumen dieses Pakets bereits der Rahmen abbildet, den die Stadt, wenn überhaupt, alleine heben und bewältigen kann. Summen jenseits der 90 Mio sind für uns nicht vorstellbar. Wir lehnen es ab, mit unserer Stadt in einen zerstörerischen Wettbewerb um immer größere Kürzungen zu treten. Hagen muss lebenswert bleiben. Kahlschlag ist nicht unser Verständnis von nachhaltiger und zukunftsfähiger Politik. Kahlschlag hat die Abstimmung mit den Füßen zur Folge: Die Bürger werden diese Stadt verlassen. Dies kann nicht einmal dieser RP ernsthaft wollen. Die Intendanten der NRW-Theater sprechen von einer bereits laufenden Zerstörung der Städte in ihrer Substanz. Sicher etwas überpointiert. Im Ergebnis darf es dazu nicht kommen. Wir müssen eine Balance zwischen dem Abbau des Defizits und dem Erhalt intakter Strukturen finden. Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren. Das Papier der Zukunftskommission benennt summarisch Verbesserungspotenziale in den verschiedenen Themenfeldern. Die Kommission hat dazu Abgleiche mit den Haushalten von 7 vergleichbaren Städten in NRW auf Ebene der Produktbereiche vorgenommen. Im ausführlichen Tabellenanhang des Berichts sind die hierbei gewonnenen Benchmarks farblich dargestellt. Auf dieser differenzierten Grundlage hat der Rat im Juni 2009 den Auftrag zur Entwicklung konkreter Maßnahmen an die Verwaltung erteilt.
Erklärter Wille war und bleibt es: Die hier erkennbare Gewichtung muss sich in den zu entwickelnden Maßnahmen widerspiegeln. Vereinfacht ausgedrückt: Grüne Bereiche wie Sozial und Jugend oder Sicherheit und Ordnung müssen weniger, rote Bereiche wie innere Verwaltung und Kultur müssen mehr zum Erreichen des Ziels beitragen. Das bleibt auch die Zielsetzung meiner Fraktion für die Maßnahmendebatte im kommenden Herbst. Der Rat hat mit seinem Beschluss vom Juni 09 bewusst die Methode Rasenmäher ausgeschlossen. Ihre Ausführungen im HFA am 23.4.10 veranlassen die SPD-Fraktion jedoch, sie mit Nachdruck an das vorher beschriebene differenzierte Vorgehen zu erinnern. 18,76% Einsparvorgabe über alles ist mit uns nicht zu machen. Es entspricht auch nicht der Vorgabe des Ratsbeschlusses, zumal die Ausgangsbasis immer die Fluktuationsrate des Personals war. Wir erwarten deshalb im Herbst Vorschläge, die auf der Grundlage der Benchmarks der ZuKo differenziert die Stärken und Schwächen der Bereiche, aber auch Qualitätsstandards berücksichtigen. Dazu muss endlich der seit einem Jahr angekündigte Austausch mit den 7 Vergleichsstädten über die hinter den Benchmarks liegenden Details erfolgen. Dieses Vorgehen ist nicht zuletzt auch im Blick auf erbrachte Vorleistungen der Ämter in früheren Sparrunden nur gerecht. Verweigerung in der Vergangenheit darf nachträglich nicht auch noch belohnt werden. Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren. Nicht zuletzt durch die jetzt erneut versandte Kurzfassung des Leitfadens des Innenministers zur Haushaltssicherung sind die Regelungen des § 82 GO als das Kernstück des Nothaushaltsrechts nochmals in die Diskussion gekommen. Grundsätzlich ist zunächst festzustellen, dass derartige Vorgaben von einer Landesregierung, die selbst Forderungen nach eigenen Sparanstrengungen als wirtschaftlich nicht geboten abblockt, nur schwer erträglich sind. Die Leichtigkeit, mit der u.a. Nochinnenminister Wolf den Kahlschlag bei den sog. freiwilligen Leistungen fordert, macht schon erschrocken. Auch der Versuch der Disziplinierung mit dem massiven Hinweis auf disziplinar-, schadensersatz- oder gar strafrechtliche Folgen stellt eine neue Qualität in den Beziehungen zwischen dem Land und seinen Städten dar. Ich stelle mir die Frage, ob diese Maßstäbe eigentlich auch für die Akteure in Bund und Land gelten, wenn sie fortlaufend gegen den Verfassungsgrundsatz der Konnexität verstoßen? Aber auch die Praxis im eigenen Haus und im Zusammenspiel mit der Aufsichtsbehörde bietet wenig Anlass zur Freude: § 82 kommt immer dann ins Spiel, wenn es politisch angebracht erscheint. Hierzu zwei Beispiele: Beispiel 1: Ausbildungskräfte - Nach langem Ringen haben wir im Februar einen gemeinsamen Kompromiss zur Neueinstellung und Übernahme gefunden. Jetzt, Anfang Mai belehrt uns der OB über seine Zuständigkeit und den § 82, der ihm quasi alles verbietet. Das ist ein mieses Spiel, Herr Oberbürgermeister. So lassen wir nicht mit uns umspringen. Ihre Zuständigkeit haben wir nie bezweifelt. In der Sache mussten wir davon ausgehen, dass der gefundene Kompromiss auch von ihnen so umgesetzt wird. Schließlich haben sie ihre Vorlage zurückgezogen und den Kompromissbeschluss im Rat mit ihrer Stimme unterstützt. Leider müssen wir jetzt feststellen, dass sie und die CDU-Fraktion von Anfang an das Ziel verfolgt haben, keine Azubis einzustellen. Ihre Flucht hinter den § 82 lassen wir ihnen dabei aber nicht durchgehen. Wäre diese Argumentation nämlich richtig und konsequent, hätte z.B. die unbefristete AT-Einstellung von Herrn Funk als ihrer rechten Hand niemals erfolgen dürfen. Auch ihre Überlegungen für einen hoch bezahlten neuen Geschäftsführer der WFG dürften kaum mit § 82 vereinbar sein. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der RP trotz Kenntnis von diesen Vorgängen weder beanstandet, noch mit einem seiner sonst üblichen Briefe reagiert hat. Die gab es nur bei den Azubis. Für uns ergibt sich hieraus als Fazit: Die Besetzung des eigenen Umfelds sind OB und RP wichtiger, als die Verpflichtung Jugendlichen eine Ausbildungsmöglichkeit zu eröffnen. Vertrauen sie doch bitte dem Sprecher ihres Kommunalen Arbeitgeberverbandes, dem Münchner Personaldezernenten. Der hat die Untersagung von Ausbildung als einen gesellschaftlichen Skandal scharf kritisiert. Zeigen Sie Kreuz Herr Oberbürgermeister und stehen Sie zu dem Kompromiss vom Februar und stellen Sie 15 gewerblich-technische Azubis ein. Auch gegen ein Votum aus Arnsberg. Unsere Unterstützung haben Sie. Beispiel 2: Tierheim - Das Tierheim in der beschlossenen Form war der CDU-Fraktion, zumindest in Teilen von Anfang an ein Dorn im Auge. Auch der OB hat sich nicht als potentieller Fürsprecher des Neubaus besonders hervorgetan. Ähnlich wie bei den Azubis, hat plötzlich auch dieses Thema den RP interessiert. Die dann folgende quälende Geschichte bis zum gescheiterten Schlichtungsverfahren ist hinlänglich bekannt. Für uns steht heute fest: Der RP beging eindeutigen Rechtsbruch und strich die bereits bewilligten Bundesmittel eigenmächtig aus der Bewilligungsliste. Ein einmaliger Vorgang bundesweit, wie wir vom zuständigen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium erfahren haben. Das jetzt beginnende Gerichtsverfahren wird die Rechtswidrigkeit des Handelns von Helmut Diegel bestätigen. Den Tieren nutzt es wenig, die Fristen werden das Projekt wahrscheinlich zur Strecke bringen. Uns drängt sich der Verdacht auf, dass man in Arnsberg und auch in Teilen in Hagen über dieses Ergebnis nicht besonders traurig ist. Das Vorgehen ist zudem ein Schlag in das Gesicht all derer, die sich ehrenamtlich in diesem Bereich einbringen und in einem bisher nicht da gewesenen Maß finanziell engagiert haben. Wenn so die Bürgergesellschaft nach Muster der CDU funktionieren soll, nein Danke. Am kommenden Sonntag wird ein neuer Landtag gewählt. Vom Wahlergebnis hängt auch die Besetzung des Regierungspräsidenten in Arnsberg ab. Helmut Diegel war in dieser Funktion für Hagen und andere Ruhrgebietsstädte keine Hilfe, eher eine Belastung. Ich bin sicher, dass die Hagener das wissen und sich richtig entscheiden werden. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren. Die SPD-Fraktion hofft, dass es uns trotz aller Unterschiede letztlich gelingt, zu Kompromissen zu finden, um das Defizit des Haushalts soweit wie eben noch vertretbar zu verringern. An dieser Stelle will ich den Bürgerinnen und Bürger Dank sagen für das, was sie ehrenamtlich mit großem Einsatz und Engagement für diese Stadt leisten. Ich hoffe, sie werden sich weiter für ihre Stadt zu engagieren und mitmachen. Ohne diesen Einsatz würde viele Bereiche bereits heute nicht mehr funktionieren. Aber es ist auch klar: Von außen muss spürbare Hilfe kommen. Gibt es keine Hilfe, muss die Stadt allein oder ggf. mit anderen Städten vor dem Verfassungsgericht klagen, um eine ihrem Verfassungsauftrag entsprechende Finanzierungsgrundlage zu erwirken. Die Menschen in Hagen haben Anspruch darauf, dass auch hier die Kinderbetreuung verbessert, die Schulen saniert, der Sport und die Kultur weiter gefördert und die Jugendarbeit verbessert wird. Kurzum, die Stadt lebens- und liebenswert bleibt. Es gibt schließlich nichts, was systemrelevanter sein könnte als eine funktionierende Stadt Hagen. Glückauf!
Fraktion
Bündnis 90 / Die Grünen - Herr Riechel:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, Wir wissen alle, dass der heute vorliegende Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2010 nicht genehmigungsfähig ist. Manche Kollegen winken den Entwurf deshalb einfach durch. Sie erwarten die wesentlichen politischen Auseinandersetzungen um die geplanten Einnahmen und Ausgaben in dieser Stadt erst mit der Diskussion des Haushaltssicherungskonzept 2011. Das wird erst nach der Sommerpause vorgelegt und bietet mit seinem detaillierten Maßnahmenpaket, das die 90 Millionen Vorgabe der Zukunftskommission in schmerzliche Einzelvorschläge herunter bricht, sicher mehr Stoff für Kontroversen als die betrübliche Fortschreibung des gewohnten Nothaushaltsvollzugs. Dennoch: Die Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN wird auch diese heute vorgelegte Fortschreibung ablehnen. Weniger der Inhalt des Haushaltsplanentwurfs 2010 ist dafür entscheidend als vielmehr der Umgang, den die Verwaltung und Teile der Politik offensichtlich in Zukunft mit dem städtischen Defizit pflegen wollen. Hier zeichnen sich nach den ersten Amtsmonaten der neuen Stadtspitze Differenzen ab, die für meine Fraktion gravierend sind. Dazu später mehr. Zunächst: An den vorliegenden Zahlen gibt es wenig zu deuteln. Laut der ersten Veränderungsliste hat sich mittlerweile ein strukturelles Minus von 160 Millionen aufgetürmt. Die Kassenkredite haben die 900-Millionen-Grenze längst deutlich überschritten. Das sind schon fatale Eckwerte, die jedem verantwortungsvollen Haushaltspolitiker den Schweiß auf die Stirn treiben. Und wäre Hagen aus eigenem Verschulden und als einzige Kommune in NRW in so einer misslichen Lage, müsste sich dieser Rat zu Recht auf wütende Reaktionen von der Tribüne gefasst machen. Aber Hagen ist nun mal kein Einzel- oder Sonderfall: Das gesamte Ruhrgebiet und die Kommunen des bergischen Städtedreiecks sind überschuldet oder werden dies demnächst sein. Die Bertelsmann-Stiftung hat in ihrem jüngsten kommunalen Schuldenreport ermittelt, dass schon in 388 NRW-Gemeinden der Haushalt in eine problematische Schieflage geraten ist. In ganz NRW ist keine einzige Großstadt von der kommunalen Schuldenkrise ausgenommen! Schwarze Zahlen schreiben nur noch wenige kleine Gemeinden in den „Speckgürteln“ der Großstädte. Und die sind nur bedingt mit größeren Städten vergleichbar, müssen sie doch als „Schlafstädte“ viele Großstadtangebote nicht vorhalten. Unter dem demonstrativen Applaus des Regierungspräsidenten kann deshalb z.B. unser Nachbarörtchen Breckerfeld, mit seiner Schuldenfreiheit klingeln, während sich eine Not leidende Kommune wie Hagen vom gleichen Regierungspräsidenten Misswirtschaft und Verschwendungssucht nachsagen lassen muss. Dabei werden die Hagener Theater, Museen, Sport- und Freizeit-, ÖPNV-, Schul- und Bildungsangebote, Krankenhäuser und viele weitere Versorgungs- und Dienstleistungsangebote auch vom Umland, inklusive den schuldenfreien Breckerfeldern, genutzt. Allein von Mitte 2005 bis Ende 2009 stiegen die kommunalen Kassenkredite, mit denen die Städte ihre unmittelbare Zahlungsfähigkeit gewährleisten müssen, in NRW um rund 70 Prozent von 10,2 auf rund 17,6 Milliarden Euro. Die NRW-Kommunen haben damit über die Hälfte der bundesweiten Kassenkredite aufgenommen. Eine tickende Zeitbombe, denn die zur Zeit eher moderaten Kreditzinsen werden zukünftig wieder deutlich steigen. Das Defizit der NRW-Städte und Gemeinden hat sich in den vergangenen 20 Jahren auf rund 30 Milliarden Euro aufsummiert. Noch einmal die gleiche Summe wird für die kommenden 10-12 Jahre prognostiziert. Die Sozialausgaben sind von ehedem 6% auf mittlerweile 22% der Gesamtausgaben gestiegen und haben die 40-Milliarden-Grenze bereits deutlich überschritten, während die Sachinvestitionen von ehedem 33 % auf mittlerweile 12 % der Gesamtausgaben gesunken sind. Gleichzeitig gehen die Einnahmen insbesondere aus der Gewerbesteuer fast allerorten dramatisch zurück. Diese Trends betreffen mit im Einzelfall leicht anderen Prozentanteilen auch Hagen! Aber ich spreche zunächst bewusst von der überregionalen Situation. Denn es ist klar: Sämtliche Kommunen in NRW stecken in einer katastrophalen Strukturkrise, die eben nicht zuerst vor Ort in den Griff zu bekommen ist, so sehr sie sich auch anstrengen. Die kommunalen Ausgaben sind strukturell unterfinanziert. Die Zuweisungsschlüssel des Landes sind falsch bemessen, die Ausgleichsansätze nicht ausreichend, und es wird deutlich, dass die Finanzbasis der Kommunen mit ihren überwiegend (auch in der Krise) stetigen Ausgaben nicht vorrangig von einer derart wechselhaften Einnahmequelle wie der Gewerbesteuer abhängig sein darf. In Krisenzeiten verschärft sich die Lage der Kommunen durch den sich selbst verstärkenden pro-zyklischen Automatismus: Gerade wenn öffentliche Investitionen dringend notwendig sind, um die lokale Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze in der Region zu sichern, brechen den Städten die Einnahmen weg. Und aufgrund einschränkender gesetzlicher Vorgaben dürfen sie notwendige Konjunktur stützende Maßnahmen (wie etwa Infrastrukturinvestitionen, energetische Gebäudesanierungen, oder Ausbildungs- und Beschäftigungssicherung ihres eigenen Personals) wegen fehlender anteiliger Eigenmittel nicht vornehmen. Und dies, obwohl Fördermittel des Bundes dazu bereitstehen. Statt in ihre Zukunft investieren zu können, müssen die Kommunen jedoch die steigenden Soziallasten „auf Pump“ finanzieren. Die öffentliche Investition ist eine im Grundsatz für die Kommune mindestens produktive, wenn nicht gar rentierliche Ausgabe; die Transferleistungen sind dies leider nicht. Die zwangsläufige Folge einer solchen, kameralen Haushaltslogik: Die Kommunen leben von der Substanz. Öffentliche Infrastruktur vergammelt, Straßen und Liegenschaften werden nur noch notdürftig in Stand gehalten, Schulen und Spielplätze sind in einem beklagenswerten Zustand. Sanierungen, die der Werterhaltung der kommunalen Einrichtungen dienen, können ebenso wenig stattfinden wie rentierliche Investitionen, z.B. in energetische Optimierung oder soziale Infrastruktur. Das ist unwirtschaftlich und nicht nachhaltig. Das kommunale Vermögen wird so zwangsweise verfrühstückt. Das Versorgungsangebot sinkt, die Lebensqualität sinkt gleich mit, und in Hagen führt dies u.a. auch dazu, dass die Bevölkerungszahl weiter sinkt und bei schrumpfender Einwohnerzahl die Remanenzkosten der weiterhin vorhandenen Infrastruktur die Stadt finanziell strangulieren. Die Kommunen selbst fallen darüber hinaus als Auftraggeber für die mittelständischen Unternehmen und das Handwerk aus. Sie halten auch erheblich weniger zukunftssichere Arbeitsplätze vor und sollen neuerdings aus haushalterischen Gründen sogar auf notwendige Nachwuchsförderung und Ausbildung verzichten. Was wir hier in Hagen gerade in dem letztgenannten Punkt erleben mussten, ist eine kaum nachvollziehbare Posse. All dies ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch unsozial. Und es lädt nicht gerade zum Leben in den auf diese Weise abgehängten Städten und Gemeinden ein. Die Funktionsfähigkeit unserer Kommunen wird offenbar in Bund und Land für weniger „systemrelevant“ gehalten als die Rettung von EU-Mitgliedstaaten oder Zocker-Banken. Meine Damen und Herren, es ist für jeden erkennbar: Die Finanzausstattung der Kommunen ist nicht sach- und bedarfsgerecht. Hinzu kommt die kontinuierlich steigende Mehrbelastung durch immer neue Aufgaben und Belastungen, die Land und Bund den Städten und Gemeinden vor die Tür kippen. Dabei ist in der Landesverfassung das Konnexitätsprinzip fest verankert. Es verpflichtet das Land, den Kommunen die zu Erfüllung der übertragenen Aufgaben notwendigen Mittel gleichfalls bereitzustellen. Von der Einlösung des Verfassungsgebots, überall in Deutschland vergleichbare Lebensbedingungen für die Bürger zu schaffen, sind wir weiter entfernt denn je, sofern darunter nicht die allgemeine Absenkung der Standards, der Abbau von staatlichen Leistungen und die Privatisierung von Lebensrisiken verstanden wird. Wer unter der Phrase „Privat vor Staat“ auf eine solche Entwicklung hinaus will, dem spielt die Krise allerdings flächendeckend in die Hände. Meine Damen und Herren, bis hierher habe ich eigentlich nur eine Zustandsbeschreibung geliefert. Von einigen wertenden Bemerkungen abgesehen können wahrscheinlich viele in diesem Rat diese Auffassungen teilen. Es ist aber wichtig, die Hagener Gegebenheiten in dieses Gesamtbild einzuordnen. Nur so wird verständlich, warum meine Fraktion zunehmend unzufrieden damit ist, wie vor Ort mit dieser Herausforderung umgegangen wird. Zunächst ist allemal zu begrüßen, dass zumindest der Kämmerer in seiner Haushaltsrede endlich die externen Belastungen, die den Haushalt strukturell belasten, offensiv zum Thema gemacht hat. Über Jahre hinweg war dies kein Thema für ihn und die Mehrheitsparteien. Erst in Erkenntnis der immer auswegloseren Situation der letzten Jahre wird nunmehr auch seitens der Verwaltungsspitze zugestanden, dass Hagens Probleme nicht komplett hausgemacht sind und ohne Hilfe von außen auch nicht zu bewältigen sein werden. Ich räume gerne ein, dass auch wir GRÜNEN nicht der Meinung sind, Hagen habe gar keinen eigenen Anteil am Entstehen seiner Schuldenlast. Wir haben oft genug (insbesondere in den Haushaltsdebatten) das städtische Ausgabeverhalten und die Politik der Mehrheitsparteien kritisiert. Ausgaben für Großprojekte wie Ortsumgehungen, das neue Rathaus und einen überflüssigen Bebauungsplan nach dem anderen oder risikoreiche Derivatgeschäfte haben uns erhebliche finanzielle Probleme beschert. Wir haben mangelndes Controlling und schlechtes Management, unwirtschaftliche Entscheidungen, sinnfreie Privatisierungen und Ausgründungen ebenso angeprangert wie fehlerhafte Besetzung von Führungspositionen und mangelnde Personalentwicklung. Vielfach standen wir mit unserer Kritik alleine. Was wir für unwirtschaftlich, nicht nachhaltig und falsch hielten, wurde oft von einer Mehrheit im Rat als wichtige und zwingende Zukunftsentscheidung hochgehalten oder ohne weitere fachliche Diskussion aus politischem Kalkül schlicht „durchgewunken“. Meine Damen und Herren, wir müssen an dieser Stelle die vergangenen Schlachten nicht erneut schlagen. Ich will mit dieser Rückblende jedoch eines deutlich machen: Ob ein städtisches Vorhaben, eine Investition oder eine Leistung sich für die Stadt Hagen auszahlt und für seine Zukunft und die Lebensumstände seiner Bürger wichtig ist, kann man je nach politischem Standort sehr unterschiedlich bewerten. Das liegt im Wesen demokratischer Entscheidungen und kommunaler Selbstverwaltung. Daraus – und das ist der erste „Aufreger“, der uns nachhaltig auf die Nerven geht – jedoch die verbalradikale Folgerung zu ziehen, die Stadt habe über Jahrzehnte ohne Rücksicht auf Verluste über ihre Verhältnisse in Saus und Braus gelebt, finde ich sehr gewagt. Eine solche Folgerung wird Ihrem Ausgabeverhalten und Ihrer Haushaltsverantwortung in der Vergangenheit, liebe Kollegen von der CDU/FDP/SPD, nicht gerecht. Als Kommunalpolitiker hatten und haben Sie sicher auch andere Prioritäten ins Kalkül zu ziehen als bloß einen unterm Strich ausgeglichenen Haushalt zu verabschieden. Und das sollte auch weiterhin für uns alle gelten. Richtig ist zwar das Argument: Eine katastrophale Schuldenlast an unsere Nachkommen zu vererben, ist alles andere als generationengerecht. Richtig ist aber auch: Eine kaputt gesparte Kommune mit maroder Infrastruktur zu hinterlassen, weil man sich eine Wert erhaltende Pflege nicht leisten kann, darf oder will, belastet zukünftige Generationen in gleicher Weise. Die müssen dann nämlich das Geld für einen Wiederaufbau im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand nehmen. Ganz so einfach, wie uns die Gralshüter des Paragraphen 82 GO in Arnsberg, Düsseldorf und dem eigenen Rathaus glauben machen wollen, liegt die Sache mit der disziplinlosen Schuldenmacherei also nicht! Und hier kommt unser zweiter „Aufreger“ ins Spiel: Anstatt nämlich sorgfältig abzuwägen, was eine gebeutelte Stadt wie Hagen braucht, um auch in der Krise einigermaßen lebensfähig und lebenswert zu bleiben, wird uns jetzt von Seiten der Landesregierung und deren Statthalter in Arnsberg der Rotstift als einziges Erfolgskriterium vorgeschrieben. Von den gleichen Leuten, die uns zu einem erheblichen Teil in die Krise geritten haben, wird nun vehement eingefordert, zur Haushaltsdisziplin zurückzukehren! Die Forderung kommt ausgerechnet von jener Landesregierung, die seit Jahren versucht, sich haushaltspolitisch auf Kosten der Kommunen einen „schlanken Fuß“ zu machen, zum Beispiel durch eine völlig missglückte Verwaltungsreform oder das KIBIZ-Gesetz. Zur Disziplinierung der ums Überleben kämpfenden Kommunen werden dann auch mal einer Stadt bereits bewilligte Bundesmittel einfach nicht ausgezahlt. Ob dies rechtens ist und dem Verfassungsauftrag, den die Länder gegenüber ihren Kommunen und Bürgern haben, gerecht wird, das klären wir gerade im Tierheim-Fall vor Gericht. Es bleibt allerdings ein zusätzliches Ärgernis, wenn die Stadtspitze bei einer solchen Verteidigung der kommunalen Selbstverwaltung erst per Ratsbeschluss zum Jagen getragen werden muss, weil sie offenbar die Haltung der Bezirksregierung teilt. Meine Damen und Herren, nach Aufgabenkritik Ende der 90er, Konsolidierungs-KOMA ab 2003 und dem Mentoren-Prozess in 2007/2008 ist es nun die im Juni 2009 verabschiedete 90-Millionen Vorgabe der Zukunftskommission, die als zwingendes Sparziel in den Raum gestellt wird. Aufmerksame Beobachter werden merken: Das ist ein geringerer Betrag, als zum gesetzlich geforderten Haushaltsausgleich tatsächlich nötig wäre. In den früheren Konsolidierungs-Runden sind wir noch der jeweils gerade stichtagsaktuellen Verschuldungssumme hinterher gehechelt, nur um dann festzustellen, wie sich diese binnen Wochen so erhöht hatte, dass mit der gerade beschlossenen Konsolidierungssumme auch theoretisch kein Haushaltsausgleich zu erreichen ist. Was an Sparvolumen realisiert wurde, ist schnell durch steigende Zinslasten und neue Transferlasten wieder aufgezehrt worden. Also verabschieden wir uns in der aktuellen Konsolidierungs-Runde realistischerweise besser und richtigerweise gleich von diesem aussichtslosen Ziel. Selbst die Aufsichtsbehörde hält offenbar die Fiktion nicht mehr aufrecht, die Stadt könne das Defizit aus eigener Kraft in voller Höhe ausgleichen. Das ist ein Fortschritt! An dieser Stelle lauert dann allerdings unser „Aufreger“ Nummer drei: Denn unbeschadet dieser erkennbar völlig willkürlich gegriffenen Einspargrößen und in voller Kenntnis der geschilderten Abwärtsspirale, in die unsere Stadt durch immer weiteren Leistungsabbau getrieben wird, überzieht man uns mit einer nervtötenden Blut-, Schweiß- und Tränen-Rhetorik: Wir wissen noch gar nicht, wie die 90 Millionen im Detail in Einzelmaßnahmen umgesetzt werden, aber wir bekommen jetzt bereits von der Stadtspitze und der Aufsicht eingebläut, die von der Zukunftskommission vorgeschlagenen Maßnahmen seien „alternativlos“. Diese Nötigungsvokabel hat der Oberbürgermeister in seiner Haushaltsansprache wiederholt verwendet, aber was bedeutet sie? Meine Damen und Herren, „alternativlos“ soll ja wohl heißen, dass nur noch das Erreichen einer gegriffenen Einsparsumme als Erfolgskriterium verantwortungsvoller Politik zulässig sein soll. Und das ist ja wohl ein Unding! Die Zukunft der Stadt, der soziale Ausgleich, der Erhalt von akzeptablen Strukturen und Standards – alles nur noch illegitime Hindernisse auf dem Weg zum Fleißkärtchen, dass uns der Regierungspräsident und der Landesinnenminister für das möglichst effektive Abwracken unserer Stadt irgendwann erteilen, - vielleicht! Wer das zum Maßstab macht, kann auch mit Notverordnungen regieren und den Rat nach Hause schicken. Lassen wir uns als gewählte Mandatsträger doch nicht das argumentative Korsett der „Alternativlosigkeit“ überstülpen! Denn natürlich haben wir bei jeder einzelnen Maßnahme, mit der wir im Laufe dieses Jahres konfrontiert werden, eine Alternative, eine Entscheidung und eine Wahl zwischen Kriterien, die jeden Einzelnen in der Einschätzung leiten, ob gerade diese vorgeschlagene Kürzung für die Zukunft der Stadt und ihrer Bürger tragbar ist oder nicht. Und da, meine Damen und Herren, werden unsere Meinungen sicherlich auseinander gehen, und das ist in einem Rat, in dem Vertreter verschiedener Parteien und Gruppen sitzen, auch gut und richtig so. Nicht akzeptabel ist, wenn dieser demokratische Meinungsstreit schon im Vorfeld mit dem Verweis auf die „Alternativlosigkeit“ eines bestimmten Vorgehens abgebrochen oder eine kritische Diskussion gar nicht erst zugelassen oder gar als destruktiv gegeißelt wird. Wie weit dieser Maulkorb geht, zeigt die jüngste Einlassung des Noch-Innenministers, der Räten und Stadtverwaltung mit rechtlichen Konsequenzen droht, wenn sie nicht wunschgemäß ihre Kürzungsvorgaben durchdrücken. Das hat mich schon sehr amüsiert: Wer in Hagen miterlebt hat, dass selbst klar zuzuordnende fahrlässig herbeigeführte Derivat-Verluste von 44 Millionen nicht zu irgendeiner rechtlichen Konsequenz für die Beteiligten geführt haben, der weiß, wie komplett zahnlos diese Angstmacherei aus Düsseldorf wirklich ist. Zu alldem passt dann auch unser vierter „Aufreger“: Dass der Oberbürgermeister in seiner Haushaltsrede im März glaubt, uns ins Stammbuch schreiben zu dürfen, wofür wir angeblich gewählt wurden. Nämlich, ich zitiere, um „den Menschen die schonungslose Wahrheit zu sagen, dass nur noch ein bedingungsloser Konsolidierungskurs die Stadt von ihrer Schuldenlast befreien kann“. Und nicht, um Lobbygruppen nach dem Mund zu reden, was wohl eine Chiffre dafür sein soll, dass uns außer dem Haushaltsausgleich keine sonstigen Erwägungen beeinflussen dürfen. Starke Worte, meine Damen und Herren, aber ich kann mich nicht erinnern, dass die im Kommunalwahlprogramm meiner Partei zu finden sind. Und eben dieses Programm– und NUR das - ist die Grundlage und enthält die Zielformulierung, mit der meine Fraktion und ich in die Kommunalwahl gegangen sind. Wir GRÜNE haben den Hagenerinnen und Hagenern versprochen, dass wir - wie schon in allen Kürzungsrunden zuvor- verantwortungsvoll jede einzelne Konsolidierungsmaßnahme prüfen werden und nur denjenigen zustimmen, die ökonomisch, sozial und ökologisch vertretbar sind. Unsere Leitlinie dabei ist der Erhalt von Standards und die sensible Anpassung der städtischen Angebote an den demografischen Wandel. NICHT versprochen haben wir, uns zu Bütteln eines besinnungslosen kollektiven Kaputtsparens zu machen, über das dann im Einzelfall nicht mehr diskutiert werden darf, weil ja ohnehin alles „alternativlos“ ist. Wer sich so in die Pflicht zwingen lässt, glaubt wahrscheinlich auch - wie der Oberbürgermeister in seiner Haushaltsansprache zu vermitteln versuchte - bei den ganz normalen städtischen Dienstleistungen handele es sich um, so wörtlich, „Segnungen“, die die Hagener Bürger über Jahre hinweg in Anspruch nehmen durften. Das verpflichte die Bürger jedoch jetzt, in der Krise, dazu, drastische Einschnitte kritiklos zu schlucken und nunmehr mit Eigenbeteiligungen die Defizite im städtischen Haushalt auszubügeln, die sie angeblich mit ihrem eigenen schwelgerischen Konsum verschuldet haben. Wer also bislang beispielsweise die „Segnungen“ eines funktionierenden ÖPNV erleben durfte, muss es nach Auffassung des OB nun auch aushalten, wenn er heute nach zwanzig Uhr mit dem Bus nirgendwo mehr hin kommt. Pech gehabt, denn wer über Jahre geglaubt hat, was anderswo gängiger Versorgungsstandard ist, müsse auch in Hagen möglich sein, war sich offenbar nicht bewusst, dass es hierzulande keine Selbstverständlichkeit, sondern eben eine „Segnung“ ist, wenn eine Stadt ihre Basisangebote halbwegs reibungslos auf die Reihe bringt. Unser Aufreger Nummer fünf. Und nebenbei: Wer tränenreich um Eigenleistung der Bürger barmt, sollte sicherstellen, dass er wenigstens so tut, als sei es ihm damit ernst. Die Aktivisten des Tierschutzvereins werden zum Beispiel nicht gerade als unverzichtbare Mitarbeiter bei der sachgerechten Erfüllung einer städtischen Pflichtaufgabe und als wertvolle Mitfinanziers des notwendigen Neubaus behandelt, sondern eher als lästige Kostentreiber, die durch angeblich immer neue fachliche Anforderungen die Tierheimkosten aufblähen. Wer als Ehrenamtler erwarten muss, so behandelt zu werden, wird sich in Zukunft hüten, der Stadt mit eigenem Engagement unter die Arme zu greifen… Unser Aufreger Nummer sechs ist, dass die von mir eingangs geschilderten überörtlichen Ursachen und Zusammenhänge der Hagener Notsituation weitgehend ignoriert oder vernachlässigt werden. Der OB und der Kämmerer gestehen zwar mittlerweile externe Einflüsse zu, aber daraus entsprechende Forderungen an Land und Bund abzuleiten, wird mit dem seltsamen Argument aufgeschoben, Hagen müsse sich zunächst durch radikale Kürzungen Glaubwürdigkeit auf diesen Ebenen verschaffen. Was uns daran aufregt, ist NICHT der Anspruch, dass die Stadt Hagen aktiv etwas zu ihrer Entschuldung beitragen muss. Das sehen wir durchaus auch so, wenn auch nicht zwingend in den gewünschten Größenordnungen und mit der geforderten Bedingungslosigkeit. Nein, was uns daran aufregt, ist die darin verborgene Unterstellung, es sei bisher nichts passiert. Was machen wir denn hier seit 2003? Haben wir nicht die erwähnten Konsolidierungsrunden gedreht? Haben wir nicht bereits verschiedene Bäder geschlossen, Leistungen abgebaut, den Nahverkehr geschleift, Zuschüsse an Verbände und Vereine gekürzt oder gestrichen und und und…? Wer maßt sich eigentlich an, diesem Rat und dieser Stadt zu bescheinigen, sie sei in ihren Konsolidierungsbemühungen unglaubwürdig? So leid es mir tut: Es ist – neben dem Regierungspräsidenten, der hoffentlich am Sonntag auch die verdiente Quittung für seine Obstruktionspolitik bekommt - leider auch der Oberbürgermeister unserer Stadt, der in dieses Horn tutet. Als haben vor seinem Eintreffen in Hagen die Stadtverwaltung und der Rat wahlweise im Dornröschenschlaf gelegen oder im Schlaraffenland geschwelgt. Die Fraktionen von CDU und FDP, von denen doch einige in diesem Rat schon Politik mit gestaltet haben, als der Hoffnungsträger aus Dinslaken noch nicht in unserem Jammertal gewirkt hat, müssten es eigentlich besser wissen, aber sie tragen diese Argumentation bislang eins zu eins mit. Das lässt mich vermuten, dass Ihre Krokodilstränen nicht ganz echt sind, mit denen Sie alle beteuern, wie schwer auch Ihnen all die Kürzungen fallen, die ja – wir wissen es mittlerweile - leider, leider „alternativlos“ sind. Passen nicht all jenen, die ohnehin ordnungspolitisch wenig Sympathien für einen funktionsfähigen öffentlichen Sektor haben, die klammen Kassen ganz gut ins Konzept? Weil man so endlich Behörden, öffentliche Leistungen und Personal abbauen kann, die einem schon immer ein Dorn im Auge waren? Und das wegen der „Alternativlosigkeit“ ganz ohne störende Streitereien? In der Tat werden die Samthandschuhe gerade abgestreift: Im Sozialausschuss kriegen wir zu hören, ausgerechnet ein sehr gering dotiertes regionales Beratungsangebot für die Opfer von Menschenhandel müsse eingespart werden, „weil man ja irgendwo anfangen muss“, so die CDU-Vertreter. Als im Frauenbeirat nach einer dramatischen Schilderung der Überlastungssituation beim Allgemeinen Sozialen Dienst eine Empfehlung an den Rat beschlossen werden soll, hier keine Kürzungen mehr vorzunehmen, heißt es aus den Reihen der CDU-Damen wörtlich, es müsse doch „endlich mal Schluss sein mit der Sozialromantik“. Und im Umweltausschuss müssen wir uns neuerdings mit einer Riege von CDU und FDP-Vertretern herumplagen, die nicht mal mehr verbergen, für wie überflüssig sie dieses Gremium und seine Themen halten. Der Ton wird merklich rauer! Offenbar beginnt für viele hier nun also erst mit Herrn Dehms Einzug ins OB-Büro die Zeitrechnung wahrer Konsolidierung; was vorher beschlossen und erreicht wurde, ist irrelevant und wird nicht mehr beachtet. Übrigens auch nicht, wer in dieser Verwaltung schon in den vorigen Runden massive Konsolidierungsbeiträge geleistet hat. Nein, überall werden die Uhren auf Null gestellt, und alle haben das gleiche abzuliefern: Erst drei Extra-Sparvorschläge, über deren Erarbeitung politisch niemand beschlossen hat. Dann eine sechsprozentige pauschale Stelleneinsparung, eine Vorgabe, von der die Politik aus der Zeitung erfahren durfte. Aus unserer Sicht eine eigenwillige Interpretation des gemeinsam getroffenen Personalentwicklungsbeschlusses aus Juni 2009, der eigentlich eine qualitative und auf einer Aufgabenkritik beruhende Personaleinsparung vorsah. Das sei ja nur ein Einstieg, heißt es von Seiten der Verwaltungsspitze; wenn im Herbst das Personalentwicklungskonzept vorliegt, dann werde angeblich beschlussgemäß vorgegangen. Und jetzt? Bei der laufenden Fachbereichsbildung werden alle Ämter beauftragt, die Personaleinsparungsvorgabe der Zukunftskommission linear als Stellenkürzung im Umfang von 18,76% einzuplanen. Da ist dann plötzlich keine Rede mehr von einem qualitativen Verfahren im Sinne des Personalbeschlusses, das ab Herbst gelten soll. Wie soll das zusammen funktionieren? Wenn alle Ämter ihre neuen Strukturen schon im Herbst entlang dieser linear fortgeschriebenen Stellenkürzung geplant haben? Welche Möglichkeiten hat der Rat dann noch, im Rahmen einer qualitativ geführten Aufgabenkritik Schwerpunkte anders zu setzen und entsprechende Personalausstattungen vorzuschlagen? Hier passt das intern veranlasste Vorgehen nicht zur externen Beschlusslage des Rates. Und da wundern Sie sich, meine Damen und Herren insbesondere von der CDU, dass meine Fraktion das Vertrauen in die beschlussgemäße Umsetzung von Ratsentscheidungen verloren hat. Meine Damen und Herren, bei den erwähnten sechs Aufregern habe ich aufgehört zu zählen; in den letzten Absätzen meines Redetextes waren noch drei bis vier weitere. All dies führt meine Fraktion in der Summe dazu, diesen Haushalt abzulehnen und erhebliche Warnsignale aufzustecken, was unsere weitere Beteiligung an der kommenden Konsolidierungsrunde angeht. Wir verweigern uns aber weiterhin nicht komplett, sondern sind zu den gleichen Konditionen dabei, die für uns immer gegolten haben: Wir prüfen die Einzelvorschläge und beschließen mit, was uns für das Wohl dieser Stadt vertretbar erscheint. Das waren – nur zu Ihrer Erinnerung – z.B. bei den Sparpaketen des KOMA und des Mentors immerhin jeweils ungefähr zwei Drittel der dort geforderten Summen. Und es gibt aus unserer Sicht in verschiedenen Bereichen durchaus Konsolidierungs- und Synergiepotentiale, die noch nicht gehoben sind: In der inneren Verwaltung, beim Schnittstellenmanagement und den Beteiligungen, sowie bei Feldern interkommunaler Zusammenarbeit sind eine Reihe von Themen mit uns zu machen. Worauf wir uns aber nicht einlassen, sind zwangsweise Summenvorgaben und Spardiskussionen, die nur eine fiskalische und keine fachliche und gesamtstädtische Bewertung zulassen. Denn im Gegensatz zu dem, was manche die Öffentlichkeit glauben machen wollen, wissen wir: Nichts, was diese Stadt streichen, kürzen oder einsparen könnte, führt uns aus dieser strukturell katastrophalen Lage heraus. Kämmerer Christoph Gerbersmann hat im März in seiner HH-Rede gesagt, wer glaubt, den Primärausgleich nur durch andere erledigen lassen zu können sei ein Phantast. Das ist korrekt. Aber wer ernsthaft glaubt, dies ohne externe Hilfe zu können, ist es auch! Und deswegen will ich Ihnen, meine Damen und Herren, zum Schluss in Stichworten aufzählen, was aus unserer Sicht neben den eigenen Konsolidierungsanstrengungen dafür getan werden muss. Entscheidend ist die Verbreiterung der kommunalen Einnahmebasis durch eine Gemeindefinanzreform. Eine aufgabengerechte Finanzausstattung der Kommunen gehört ins Grundgesetz: Die Selbstverwaltungsgarantie der Kommunen in Artikel 28 muss ergänzt werden durch eine Garantie der Mindestfinanzausstattung und eine Verankerung des Konnexitätsprinzips. Die kommunalen Einnahmen müssen verstetigt werden. Dazu gehört der Verzicht auf weitere Steuersenkungen, die Weiterentwicklung der Gewerbesteuer zu einer kommunalen Wirtschaftssteuer sowie eine ökologische Ausrichtung und Anpassung der Grundsteuer. Eine Altschuldenhilfe wird unerlässlich sein, ebenso wie eine massive Entlastung von den Kosten der sozialen Transferleistungen. All das ist sicherlich Zukunftsmusik, aber die Grundproblematik ist auf den oberen Ebenen erkannt. Das zeigt auch der laufende Landtagswahlkampf. Worauf es aber ankommt ist, den Druck von unten aufrecht zu erhalten, welche Landesregierung auch immer am Sonntag gewählt wird. Hagen als eine der am schlimmsten gebeutelten Städte muss deshalb an vorderster Front bei allen Protesten und Reforminitiativen stehen, sei es im Städtetag oder gemeinsam mit den anderen Nothaushaltskommunen in NRW. Von der Stadtspitze würden wir gerne sehen, dass der Einsatz und das Engagement mehr in diese Richtung geht, anstatt weiter Rat und Verwaltung wie die ungezogenen Kinder hinzustellen, die nicht vernünftig mit ihrem Taschengeld umgehen. Ein Diegel reicht uns eigentlich!
Fraktion
Hagen Aktiv - Herr Dr. Bücker:
Sehr geehrter Herr
Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger, Hagen Aktiv hat in den vergangenen 5
Jahren im Zuge der Haushaltseinbringung mehrmals darauf hingewiesen, dass bei
der Aufstellung des Haushalts, insbesondere bei der Erstellung des
Haushaltssicherungskonzepts, die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden
müssen. Diese Möglichkeit besteht bereits, und zwar in Form eines
Bürgerhaushalts, der aktuell von verschiedenen Kommunen - auch in NRW –
umgesetzt wird. Gerade in Zeiten, in denen es um erhebliche Einschnitte bei den
städtischen Leistungen geht, ist es zwingend erforderlich, die Bürgerinnen und
Bürger mit im Boot zu wissen. Dazu gehört – nebenbei bemerkt - auch eine
allgemeinverständliche Ausformulierung des Haushalts, so dass möglichst viele
das Zahlenwerk und seine Konsequenzen verstehen können. Zum Haushalt 2010 - In
diesem Jahr haben wir den vorgelegten Haushalt einer eingehenden Analyse
unterzogen und werden zu verschiedenen Positionen dezidiert Stellung beziehen.
Aufgrund der Umstellung zum Neuen Kommunalen Finanzmanagement wird unsere Stellungnahme
nur bedingt vergleichend zu den Vorjahren ausfallen können. Festzuhalten bleibt
aber, dass der Haushalt der vergangenen 5 Jahre jeweils vor dem Hintergrund
galoppierend ansteigender Schulden erstellt wurde. Dieser Trend wird 2010 noch
einmal übertroffen: Das jährliche Defizit steigt auf sage und schreibe 160 Mio.
€, die Gesamtschuldenlast Ende 2010 auf etwa 1,5 Milliarden €. Von
vorn herein ist abzusehen, dass der Haushalt von der Bezirksregierung in
Arnsberg nicht genehmigt werden wird. Gleich zu Beginn möchten wir deshalb
festhalten, dass wir - Hagen Aktiv
– dem aktuellen Haushaltsplan 2010 nicht zustimmen werden. Zahlreiche
Teilpläne und Konsolidierungsmaßnahmen bewerten wir als fragwürdig, nur schwer
realisierbar und für Sie – liebe Bürgerinnen und Bürger – als nicht
wünschenswert. Weil wir jedoch davon ausgehen, dass der Rat der Stadt Hagen
– trotz unserer Haltung – in der heutigen Sitzung dem Haushalt 2010
mehrheitlich zustimmen wird, möchten wir in aller Deutlichkeit an dieser Stelle
noch einige Anregungen zur Entwicklung unserer Stadt vorstellen. Die aktuelle
Schieflage der Stadt Hagen setzt sich aus vielfältigen internen und externen
Faktoren zusammen. Lösungen für die derzeitigen Probleme können wir im
aktuellen Haushaltsentwurf nicht bzw. nur in marginalen Ansätzen erkennen. Uns
allen ist bekannt, dass Hagen bereits seit 2009 überschuldet ist. Der
Oberbürgermeister und der Kämmerer haben dieses bei der Einbringung des
Haushaltes 2010 noch einmal deutlich gemacht. Allerdings ist nicht nur Hagen
überschuldet. Bei den meisten NRW-Kommunen ist eine ähnliche Situation zu
beobachten. Daraus herzuleiten, dass alle Städte und Gemeinden in der
Vergangenheit intern schlecht gewirtschaftet haben, wäre zu kurz gegriffen.
Zweifellos spielen auch externe Faktoren eine große Rolle. Faktoren, die diesen
Gemeinden nicht anzulasten sind. Hier sind Bund und Land in der Pflicht. Als
Freie Wählergemeinschaft ist unser Aktionsradius nur auf den Bereich der Stadt
Hagen begrenzt. Somit haben wir bedauerlicherweise keinen direkten Einfluss auf
die Entscheidungen in Bund oder Land. Deshalb sehen wir hier die landes- und
bundesweit tätigen Parteien in der Pflicht und fordern diese auf, die zwingend
erforderlichen Veränderungsprozesse zur Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit
umgehend anzustoßen: „Erhöhen Sie den Druck auf Ihre Parteizentralen
sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Taktische Lippenbekenntnisse, um
die Wählerinnen und Wähler für die am kommenden Wochenende anstehende Landtagswahl
wohl zu stimmen, reichen uns an dieser Stelle nicht.“ Als Wähler bekommen
wir vor der anstehenden Landtagswahl zu hören, dass sich Ministerpräsident
Rüttgers zum Schutz der Gemeinden ab sofort gegen Steuersenkungen im Bund
ausspricht. Frau Kraft fordert sogar massiv Gelder zur Rettung der
überschuldeten NRW-Gemeinden ein. Hagen Aktiv verweist an dieser Stelle darauf,
dass die damalige Große Koalition aus CDU und SPD einen milliardenschweren
Rettungsschirm für inkompetente Bänker in nur wenigen Wochen durchgesetzt hat.
Allerdings erwecken die voran genannten Aussagen und das aktuelle Handeln den Anschein,
dass unsere Gemeinden den Großparteien weniger wichtig sind als unsere zweifelhaften
Bänker. Die Wahrheit ist - und dies wird sich nach Ende des Wahlkampfes zeigen,
dass die Kommunen allein gelassen werden sollen. So hat sich der amtierende
Landesfinanzminister Linssen in einer Rede am 19. Februar 2010 in Essen gegen
einen Entschuldungsfond für Gemeinden ausgesprochen. Erst sei der Bund, dann
die Gemeinde selbst und zu allerletzt das Land in der Pflicht, so der
Finanzminister. In unseren Augen verschiebt eine Ebene die Verantwortung auf
die andere. Deshalb frage ich Sie, liebe Ratsmitglieder, wie intensiv haben Sie
in der Vergangenheit auf Ihre Parteizentralen eingewirkt, damit sie das
Konnexitätsprinzip einhalten. Sie wissen: Dazu sind Land und Bund
verfassungsrechtlich verpflichtet! Ich sehe hier jedoch eine große Diskrepanz
zwischen Verfassungsanspruch und
Verfassungswirklichkeit. Sie bezeichnen sich als demokratische Volksparteien.
Wir alle haben gelernt, dass „Demokratie“ Herrschaft des Volkes,
also Willensbildung von unten nach oben bedeutet. Bei Ihnen, den etablierten
Parteien, scheinen diese Prozessketten jedoch genau umgekehrt zu verlaufen. Wie
eingangs erwähnt, bestimmen nicht nur externe Faktoren die mehr als bedenkliche
Finanzlage unserer Stadt. Sowohl auf Seiten des Verwaltungsvorstandes wie auch
in den Fraktionen gibt es zahlreiche “Altgediente“, die in den
letzten Jahren Verantwortung getragen haben und die sich deshalb fragen lassen
müssen, ob man in der Vergangenheit nicht allzu leichtfertig mit dem Geld der
Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt umgegangen ist. Zu Beginn dieses Jahrtausends gab es
Steuerjahre, in denen Mehreinnahmen, sprich Überschüsse, erzielt werden
konnten. Allerdings wurde in dieser Zeit versäumt, Vorsorge in Form von Rücklagen für
schlechtere Zeiten zu treffen. Bedenklich ist dabei vor allem, dass in diesen
Jahren Leuchtturmprojekte, wie z.B. das Emil-Schumacher-Museum, umgesetzt
worden sind, die uns jetzt wie ein Klotz am Bein hängen und unseren
Gestaltungsspielraum wesentlich einengen. Was haben Sie getan, als sich die
Misere abzuzeichnen begann? In unseren Augen folgte ein ebenso blinder wie
teurer Aktionismus. Zunächst hat man die Aufgabenkritikkommission installiert,
danach das Roland Berger-Gutachten eingeholt. Weiter ging’s mit dem
Mentor und seinem Ersten- und Zweiten Sparpaket. Zuletzt kam noch die
Zukunftskommission. Umgesetzt wurde von den immer gleichen Vorschlägen jedoch
nur wenig bis gar nichts. Allein: Es wurden große Summen in externe Gutachten
investiert, während sich das Haushaltsdefizit der Stadt weiterhin vergrößerte.
Mit dem aktuellen Haushaltsentwurf 2010 beginnen wir nahezu bei null. Die
Verwaltung versucht mit einem brachialen Akt sämtliche Konsolidierungs-maßnahmen
in einem Abwasch durchzusetzen, ohne jedoch langfristige Folgen auch nur
näherungsweise abschätzen zu können. Seit Monaten sehen und bewerten wir die
Rolle des Regierungspräsidenten als äußerst bedenklich. Zwar lobt dieser in der Öffentlichkeit stets die gute Zusammenarbeit mit
der Stadt in der Zukunftskommission, aber bei zwingend notwendigen
Investitionen blockiert er die weitere Entwicklung unserer Stadt, wo es nur
geht. Bezirksbürgermeister Dahme drückte es in einem Leserbrief folgender Maßen
aus: „Im Arnsberger Wald fallen Entscheidungen nach dem Motto: Der
Regierungspräsident will nicht, basta“. Dass er sich dabei vor Gericht
– hier zitiere ich den Kollegen Riechel – immer öfter
„blutige Nasen“ holt, zeigt, auf welch dünnem Eis sich die
Entscheidungen aus Arnsberg bewegen. Herr Diegel ist aus unserer Sicht ein
unkalkulierbares Risiko. Er wäre gut beraten, sich auf seine Aufgaben zum Wohle
der Stadt Hagen zu konzentrieren. Schauen wir nun aber nach vorn. Wir
möchten, dass es mit Hagen voran geht. Hier und heute geht es um die Zukunft
unserer Stadt, in der auch Sie - liebe Ratsmitglieder - leben. Hagen Aktiv ist der Meinung, dass es
sich bei den aktuellen Haushaltszahlen lediglich um reine Planwerte handelt,
die wir zum jetzigen Zeitpunkt – Mitte 2010 – im Prinzip für nicht
mehr verwertbar halten. Die maßgeblichen und zukunftsrelevanten Entscheidungen
werden wir in den kommenden Fachausschüssen zu treffen haben. Hier wird Hagen Aktiv sich mit aller Kraft und großem
Engagement für die Belange der Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Dieses beinhaltet
auch die Umschichtung und Optimierung der im Haushalt genannten Planzahlen. Unser
Ziel ist, einem „Ausbluten“ der städtischen Infrastrukturen und
einem Verlust an Lebensqualität in Hagen couragiert und aktiv
entgegenzutreten. Es geht um den Erhalt
einer nachhaltigen und somit zukunftsfähigen Infrastruktur, die Förderung und
den Ausbau der Schulen, die Rettung sowie den Erhalt kultureller Einrichtungen,
den Erhalt und Ausbau des ÖPNV und um ein ökologisch wertvolles
Landschaftsbild. Mit anderen Worten: Es geht um unsere Lebensqualität. Wir
fordern alle Fraktionen auf, den hier und heute selbst vorgetragenen Worten und
Einwänden in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren Taten folgen zu lassen.
Ein fortwährendes, politisches Taktieren und die damit einhergehende
Verschleppung von Problemlösungen konnte und kann sich unsere Stadt nicht
leisten. Wie ebenfalls schon erwähnt, belastet nicht nur das System zur
Gemeindefinanzierung unseren Haushalt, sondern auch die internen, hausgemachten
Faktoren, die sich bereits seit vielen Jahren wie ein roter Faden durch die
Stadtpolitik ziehen. Beispielhaft sei hier der im Vergleich zu anderen Kommunen
hohe Personalbestand und ein seit Jahren fehlendes Personalbedarfs- und
–entwicklungskonzept genannt. Wir begrüßen ausdrücklich, sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister, dass Sie ein derartiges Personalkonzept bis Ende des
Jahres erstmals in der Stadtverwaltung umsetzen möchten. Bei der weiteren Konzeptumsetzung,
der Umstrukturierung und Verschlankung der Stadtverwaltung, werden wir Sie
aktiv unterstützen. Ein besonderes Augenmerk werden wir jedoch darauf legen,
dass durch die Verschlankung notwendige städtische Leistungen nicht wegbrechen.
Als Hagener Bürgerinnen und Bürger, aber auch jetzt in unserer Funktion als
Ratsmitglieder, haben wir mit Bedauern festgestellt, dass städtische
Baumaßnahmen in erheblichem Maße die Stadtkasse belasten. Und zwar durch eine
mangelhafte Planung und Umsetzung. Die Bürgerinnen und Bürger werden weder über
die Sinnhaftigkeit noch den Nutzen einzelner Bauprojekte aufgeklärt. Das führt
in den meisten Fällen zu einer geringen Akzeptanz innerhalb der Bürgerschaft.
Allein das Kunstquartier zeigt, wie nachlässig und unpräzise die
Stadtverwaltung große Bauprojekte plant und umsetzt: Bei genauem Hinsehen haben
sich die Betriebskosten verdreifacht! Im kleinen Rahmen hat jüngst die
Rundturnhalle in Elsey belegt, mit welcher Sorgfalt Baumängel von der Stadtverwaltung
nachgehalten werden. Wir bezweifeln stark, dass die Stadt nach nunmehr 3 Jahren
noch erfolgreich Regressforderungen an den externen Dienstleister stellen kann.
Letztendlich haben wieder einmal die Bürgerinnen und Bürger die Zeche für die
Nachbesserungen zu zahlen. Sollte sich ein derart nachlässiges Management auch
beim Projekt Bahnhofshinterfahrung
– das wir weiterhin nicht befürworten werden – fortsetzen, so ist
zu befürchten, dass sich dadurch ein zusätzliches „Millionenloch“
für die Stadt Hagen öffnet. Wir sind überzeugt, dass der städtische Eigenanteil
von rund 20 Mio. € im ÖPNV und in der Ausstattung unserer Schulen besser
investiert ist. Der infrastrukturelle Nutzen wäre größer - auch mit Blick auf
die Luftverschmutzung. Denn bei der geplanten Bahnhofshinterfahrung ist zudem
zu berücksichtigen, dass die Trasse sich nach wie vor inmitten der Tallage
Hagens befindet und die vorliegenden Verkehrsprognosen davon ausgehen, dass
Zusatzverkehr von der A1 den Schadstoffausstoß in diesem Bereich markant
verstärken könnte. Auch die Verkehrsprognosen für die Ortsumgehung Boele waren
bereits mangelhaft. – Warum sollten wir jetzt den aktuellen Prognosen bei
der Bahnhofshinterfahrung Glauben schenken? Zahlreiche andere, meist
verschwenderische Ausgabepositionen, wie die „verzockten“
Millionenbeträge beim Derivate-Handel oder der teure Neubau des Westfalenbades
sind hinlänglich bekannt und wurden intensiv diskutiert, auch und vor allem
hier im Rat. Deshalb möchten wir die Diskussion zu diesen Themen an dieser
Stelle nicht weiter vertiefen. Festzuhalten bleibt für uns jedoch, dass es für
die Bürgerinnen und Bürger nach wie vor vollkommen unverständlich ist, warum
nicht einmal der Versuch unternommen worden ist, die Verantwortlichen für die
über 40 Mio. € schweren Verluste aus den hoch riskanten Derivatgeschäften
zur Rechenschaft zu ziehen? Seitens der Stadtverwaltung fordern und wünschen
wir uns zukünftig eine sensiblere und vor allem zukunftsorientierte Verwendung
der Steuergelder unserer Bürgerinnen und Bürger sowie der in Hagen ansässigen
Unternehmen. Dies muss der Anspruch für den aktuellen Haushalt, für die
Haushaltspläne der kommenden Jahre und insbesondere das
Haushaltsicherungskonzept sein. Den Ansatz, die Außendarstellung der Stadt
Hagen durch die Neugründung und den Aufbau einer nachhaltigen
Wirtschaftsförderung zu verbessern, begrüßen wir deshalb ausdrücklich. Eine
derartige Investition in die Stadt Hagen bewerten wir als sinnvoll. In unseren
Augen ist Hagen eine vielfältige und lebenswerte Stadt, die darüber hinaus über
eine exzellente Verkehrsanbindung zwischen Sauerland und Ruhrgebiet sowie
Norden und Süden verfügt. Mögliche Investoren, Neu-Hagener und Besucher von
außerhalb der Stadtgrenzen wissen allerdings kaum von diesem Potential, weil
sowohl die externe als auch die interne Berichterstattung über unsere Stadt
häufig negativ ausfällt. Einen maßgeblichen Beitrag hierzu hat die Hagener
Politik selbst geleistet. Und, was noch schwerer wiegt, sie hat auch zu einem
spürbaren Vertrauensverlust bei den Bürgerinnen
und Bürgern geführt. Eine nachhaltige Wirtschaftsförderung bedeutet aber auch,
dass man sich seiner eigenen Trümpfe nicht berauben bzw. diese zu früh
ausreizen darf. Deshalb gilt es, die Alleinstellungsmerkmale der Stadt Hagen zu
erhalten und in der Außendarstellung hervorzuheben. Durch Einsparungen kann man
sicherlich kurzfristig Erfolge erzielen, mittel- bis langfristig muss jedoch
die Einnahmeseite der Stadt erhöht werden – und zwar durch neue
Firmenansiedlungen und damit einhergehend neue Arbeitsplätze, durch den Zuzug
neuer Einwohner und eine Attraktivitätssteigerung für Touristen, die mit
konsumtiven Ausgaben die städtische Wirtschaft ankurbeln. All dies lässt sich
allerdings nur mit einer guten und vor allem nachhaltigen Infrastruktur realisieren.
Ein Theater, das jährlich mehr als 160.000 Gäste anlockt und die Attraktivität
des Standortes Hagen erhöht, darf man nicht in seiner Existenz gefährden. Das
Theater ist ein wesentlicher Freizeitfaktor für unsere Bürgerinnen und Bürger,
aber auch für die Menschen aus dem Umland. Auch die zahlreichen Grünflächen, um
die uns viele Ruhrgebietsstädte sicherlich beneiden, gilt es zu erhalten. Keineswegs
dürfen diese durch die Ausweisung neuer Gewerbeflächen oder durch neues Bauland
zersiedelt werden. Hagen verfügt z.B. mit den ehemaligen Brandtflächen oder den
Gewerbeflächen hinter dem Bahnhof über attraktive Flächen für gewerbliche Investoren.
Im Wohnbereich zeigt eine Studie der Prognos AG gar auf, dass die Stadt Hagen
bis zum Jahr 2025 einen Wohnungsüberhang aufzuweisen haben wird. Warum sollen
wir also immer mehr Grünflächen versiegeln? Naherholung bekommt bei der Lebensplanung
der Bevölkerung einen immer wichtigeren Stellenwert. Es gilt vielmehr, die bestehenden
Flächen sinnvoll zu erschließen und zu vermarkten. Vor allem unsere städtischen
Unternehmen, insbesondere ENERVIE, sehen wir in einer Vorreiterrolle für Hagen.
Ein Unternehmen, das sich durch den Zukauf der NUON Deutschland GmbH selbst als
Nummer 5 im nationalen Energiemarkt bezeichnet, wird zukünftig um qualifizierte
Mitarbeiter konkurrieren. Um solche Mitarbeiter, die in der Regel jung sind und
mittelfristig sesshaft werden wollen, für ein Unternehmen und eine Stadt zu
begeistern, spielt der Faktor Lebensqualität für einen möglichen Zuzug nach Hagen
eine immens wichtige Rolle. Standortfaktoren können hier gut ausgestattete
Schulen und Kindergärten, Naherholungsgebiete für Wanderungen oder Radtouren,
ein gutes ÖPNV-Netz, kulturelle Einrichtungen wie das Theater und die Museen
sowie ein breites Einzelhandelsangebot sein. Hagen hat sich in der
Vergangenheit vehement für eine „Neue Mitte“ eingesetzt, die
aktuell durch die geplante Rathausgalerie noch erweitert und gestärkt werden
soll. Warum forcieren wir aber vor diesem Hintergrund eine Ansiedlung der
ENERVIE auf der Haßleyer Insel? Dies
führt in unseren Augen zu einem Kaufkraftverlust in der Hagener Innenstadt. Hagen Aktiv ist überzeugt, dass durch
den Wegzug der ENERVIE das angedachte Einzelhandelskonzept untergraben wird.
Wir fordern deshalb den Verbleib der ENERVIE im Zentrum von Hagen. Wir wollen
die ENERVIE in ihrer Weiterentwicklung zu einem bundesweit bedeutenden
Energieversorger nicht blockieren. Wir sehen das Unternehmen aber sehr wohl in
der Pflicht, soziale und wirtschaftliche Verantwortung für den Standort Hagen
zu übernehmen. In Essen ist RWE z.B. unmittelbar an den Bahnhof und somit an
die Innenstadt angebunden. Die Mitarbeiter sichern der Innenstadt Kaufkraft,
der Unternehmenssitz wertet die Innenstadt und den Bahnhof auf. Warum sollte
dieses nicht auch in Hagen funktionieren? Zumal die Stadt bereits
Gewerbeflächen hinter dem Bahnhof erworben hat. ENERVIE könnte sich als weithin
sichtbarer „Leuchtturm“ in der Nähe des Bahnhofs positionieren.
Folge: Weitere Unternehmen werden Interesse an den Gewerbeflächen hinter dem
Bahnhof zeigen. Das gesamte Bahnhofsareal würde aufgewertet. Innenstadt und
Bahnhof würden sozusagen zu einer Einheit verschmelzen. Das Bild der Hagner
City würde abgerundet. Vorteil für ENERVIE: die bundesweiten Kunden und Geschäftspartner
haben eine ideale Verkehrsanbindung über den Bahnhof. Da ein Hauptteil der
NUON-Kunden in Berlin und Hamburg ansässig ist, erscheint uns eine derartige
Anbindung wesentlich kundenfreundlicher, aber auch ökologischer als eine
Ansiedlung auf der Haßleyer Insel. Abschließend möchte ich kurz das Thema
„Steuern“ – ein Reizthema für uns Bürger - beleuchten. Auffällig ist: Der aktuelle
Haushaltsplan enthält keine Steuererhöhungen. Wir vermuten: Dies liegt an der
unmittelbar bevorstehenden Landtagswahl. Unser Appel an die etablierten
Parteien: Bekennen Sie Farbe und sagen Sie – hier und jetzt - den Bürgerinnen und Bürgern die Wahrheit.
Denn bei sinkender Einwohnerzahl, einer gleichbleibenden Infrastruktur und
insgesamt steigenden Kosten werden Steuererhöhungen, wenn man die
Lebensqualität in Hagen erhalten will, unausweichlich sein. Wir vermuten, dass
die Parteien nach der Landtagswahl uns - die Bürgerinnen und Bürger - damit „überraschen“ werden. Eine
Anpassung der Steuersätze bei der Grundsteuer B ist zwar schmerzhaft für jeden
Einzelnen – aber für HAGEN AKTIV zumindest temporär und in Grenzen
vorstellbar. Die Sinnhaftigkeit und Dauer dieser Maßnahme sowie die Verwendung
der zusätzlichen Mehreinnahmen muss jedem Bürger detailliert, verständlich und
ohne Rückhalt erläutert werden. Hieraus ergibt sich für die Stadtverwaltung die
Verpflichtung, den Haushalt innerhalb eines gemeinsam vordefinierten Zeitraums
zu konsolidieren. Nach dem Abschluss gilt es, die Steuersätze auf das
Ausgangsniveau zurückzuführen. Wünschenswert wäre, wenn andere NRW-Kommunen
diesem Hagener Model folgen würden. Die Anhebung des Gewerbesteuerhebesatzes
hält Hagen Aktiv dagegen für
kontraproduktiv, weil wir uns sowohl lokal als auch global im Wettbewerb mit
anderen Kommunen befinden. Wie bereits zu Beginn meiner Rede skizziert, setzt
sich HAGEN AKTIV für die Stärkung des Wirtschaftstandortes Hagen – und
damit für die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen ein. An dieser Stelle
wiederhole ich meine eingangs gemachte Forderung: Um zukünftig bei politischen
Entscheidungen eine höhere Akzeptanz bei den Bürgern zu schaffen, ist es notwendig,
die Bürgerinnen und Bürger stärker einzubinden. Hagen Aktiv wird sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass
die Bevölkerung Gelegenheit bekommt, den Haushalt aktiv mitzugestalten. Andere
Städte, wie z.B. Freiburg oder Gütersloh, haben gezeigt, dass die Bürger in
diesem Fall auch schmerzhafte Sparmaßnahmen mittragen. Sehr geehrter Herr
Oberbürgermeister, unter Berücksichtigung der genannten Punkte möchten wir
Ihnen unsere aktive Unterstützung für eine gemeinsame Entwicklung unserer Stadt
anbieten. Jedem muss bewusst sein, dass Konsolidierungsmaßnahmen beschwerlich
sind, dass aber die damit verbundenen Veränderungen auch neue Chancen für unsere
Stadt bringen. Hagen muss lebenswert bleiben! Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit.
FDP-Fraktion
- Herr Thielmann:
Eine Gesundung des Hagener Haushaltes ist möglich!? Hagen braucht endlich
Planungssicherheit. Die galoppierenden Kassenkredite müssen gezügelt werden.
Die unberechenbare Gewerbesteuer ist längst Fluch statt Segen und gehört
ersetzt. Stattdessen sollten die Städte und Gemeinden einen höheren Anteil an
der Umsatzsteuer und ein eigenes Hebesatzrecht für einen kommunalen Anteil an
der Einkommens- und Körperschaftssteuer bekommen. Nur so könnten wir unser
Glück endlich wieder selbst in die Hand nehmen, den Haushalt konsolidieren, in
Infrastruktur investieren und die Bürger entlasten. Wir brauchen faire
Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Der Grundsatz
„wer bestellt, bezahlt“ gehört ins Grundgesetz. Unter Rot-Grün
haben sich Bund und Länder darauf verständigt, die Lasten der
Unterbringungskosten für Hartz-IV-Empfänger allein den Kommunen zu übertragen,
ohne dass die Kommunen am Entscheidungsprozess beteiligt waren. Diese
Fehlentscheidung belastet Städte und Gemeinden bis heute und gehört dringend
revidiert. Die Landesregierung hat angekündigt, die Kommunen nicht allein zu
lassen. Man will allen, die die Folgen jahrzehntelanger Versäumnisse nicht aus
eigener Kraft bewältigen können, Zinshilfen gewähren. Voraussetzung für
Zinshilfen ist ein solider Sanierungsplan. Das kann aber doch nur heißen: das
Prinzip „Erwirtschaften vor Verteilen“ ist mit Leben zu füllen. Bei
den konkreten Maßnahmen im nächsten HSK wird es zum Schwur kommen müssen. Nur
wenn wir drastische Einschnitte beschließen, können wir auf Hilfen von Land und
Bund hoffen. Die Gewerbesteuer bietet keine solide Basis! In der Finanz- und
Wirtschaftskrise sind den Kommunen bundesweit zwischen 2008 und 2010 ca. 14%
der Gewerbesteuereinnahmen weggebrochen. Waren es im Jahr 2008 noch rund 41
Mrd. € werden es in 2010 aller Voraussicht nach nur noch 35 Mrd. €
sein. Obwohl dies noch über dem Niveau des Jahres 2004 liegt, sind die Auswirkungen
dramatisch: Manche Kommunen müssen bis zu 60% niedrigere Gewerbesteuereinnahmen
verkraften; bei anderen Gemeinden ist die Gewerbesteuer sogar ganz weggefallen.
Diese Schwankungen zeigen, dass die konjunkturanfällige Gewerbesteuer für
unsere Kommunen keine verlässliche und planbare Finanzierungsquelle darstellt.
Die FDP begrüßt daher den klaren Auftrag der Bundesregierung an die Kommission
zur Reform der Gemeindefinanzen: Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, soll der
aufkommensneutrale Ersatz der Gewerbesteuer durch einen höheren Anteil an der
Umsatzsteuer und einen kommunalen Zuschlag auf die Einkommen- und
Körperschaftssteuer mit eigenem Hebesatzrecht geprüft werden. Die FDP geht in
diese Kommission mit ihrer jahrelangen Forderung nach genau diesem Modell. Für
den Fall der Ersetzung der Gewerbesteuer ist die Körperschaftsteuer auf ca. 25%
anzuheben, damit die Besteuerungshöhe konstant bleibt. Das liberale Gemeindefinanzmodell
schafft eine höhere Stabilität der Einnahmen der Kommunen und stärkt die Demokratie
vor Ort, weil sie die kommunalen Steueranteile für die Bürger und Unternehmen
transparent macht: Bürger sowie Unternehmen werden bei den kommunalen
Leistungen genauer hinsehen, wenn hiervon die Höhe ihrer kommunalen Steuer abhängt.
Sie werden sich mehr als zuvor für die Politik in ihrer Gemeinde verantwortlich
fühlen. Für die FDP ist dieses Reformmodell ein wichtiger Schritt zur
Verwirklichung eines einfachen, niedrigen und gerechten Steuersystems. Eine
auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen setzt jedoch auch eine nachhaltige
und tragfähige Beteiligung des Bundes an den Sozialkosten voraus. Zwischen 2007
und 2010 sind die Kosten der Unterkunft bei Hartz IV, die Kosten durch die
Grundsicherung im Alter und die Ausgaben für Menschen mit Behinderung und zur
Pflege um 20% gestiegen. Hierbei handelt es sich um die Bewältigung einer
gesamtgesellschaftlichen Herausforderung. Diese kann und darf nicht alleinige
Aufgabe der Kommunen sein. Die im Zuge der Föderalismusreform I geschaffene
Regelung, nach der der Bund Aufgaben nicht mehr direkt auf die Kommunen
übertragen darf, ist nicht ausreichend. Die FDP erneuert daher ihre Forderung
nach einer Verankerung des so genannten Konnexitätsprinzips im Grundgesetz. Die
über elf Jahre dauernden Versäumnisse von SPD-Bundesfinanzministern bei der
finanziellen Ausstattung der Kommunen insbesondere für soziale Aufgaben müssen
in der Reformkommission zu den Gemeindefinanzen ebenfalls zentral diskutiert
und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. In Anbetracht der gegenwärtig
schwierigen Finanzsituation der Gemeinden ist es Ziel der FDP, im Rahmen der
Gemeindefinanzreform zusätzliche Belastungen für die Gemeinden zu vermeiden. Im
Gegenteil: Die Gemeindefinanzausstattung muss gestärkt werden. Deshalb bedarf
es Maßnahmen zum Ausgleich möglicher Steuerausfälle: Durch die
Gemeindefinanzreform wird die Finanzierungsbasis der Gemeinden nachhaltig gestärkt.
Durch die verbesserten Beschäftigungsanreize im Zusammenhang mit der
Hartz-IV-Reform soll die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in dieser
Legislaturperiode um einige hunderttausend reduziert werden. Das würde den
Aufwand der Gemeinden und die Kosten für die Jobcenter deutlich verringern.
Durch Pauschalierung der Kosten für Unterkunft und Heizung erreichen wir eine
deutliche Verwaltungsvereinfachung, einen drastischen Rückgang der Prozessflut
und mehr Planungssicherheit für die Gemeinden. Durch Abbau von Subventionen und
durch Vereinfachung des Steuerrechts wird der Ausfall an Steueraufkommen
gesenkt. Alle Erfolge hier kommen auch dem Hagener Haushalt zu Gute. Aufgaben
sind kritisch zu überprüfen, Privatisierungen zu ermöglichen! Die FDP setzt
sich für eine solide und verantwortungsbewusste Finanzpolitik ein, die
insbesondere mittel- und langfristige Ziele verfolgt. Eine populistische
Gefälligkeitspolitik, die kurzfristig alle Wünsche erfüllt, aber langfristig
zur Überschuldung führt, lehnen wir als unverantwortlich ab. Die FDP tritt
dafür ein, die Ausgaben immer wieder kritisch zu überprüfen. Die FDP verfolgt
dabei unbeirrt den Grundsatz „Privat vor Staat“. Vieles, was heute
von den Kommunen geleistet wird, gehört nicht zu deren Kernaufgaben und kann
von den Bürgerinnen und Bürgern in ehrenamtlichem Engagement oder von privaten
Unternehmen besser und kostengünstiger geleistet werden. Die FDP setzt sich für
eine schlanke Verwaltung ein. Dies erfordert eine umfassende und ständige
Aufgabenkritik mit dem Ziel einer Konzentration auf die wirklich notwendigen
Aufgaben. Diese sind konsequent auf Leistungs- und Qualitätsziele auszurichten
und müssen ständig auf ihre Qualität, insbesondere im Umgang mit den
Bürgerinnen und Bürgern hin überprüft werden.
Verwaltung ist ständig zu modernisieren und Barrieren sind abzubauen! Mit
der weiteren Entwicklung elektronischer Medien kann die Verwaltung sowohl für
die Bürgerinnen und Bürger als auch für die Unternehmen zu einem wirklichen
Servicecenter werden. Mit bedienungsfreundlichen Internetangeboten können
zeitaufwendige Behördengänge ersetzt werden. Hier ist Hagen unbestritten auf
einem guten Weg. Aber auch in diesem Bereich gilt: Gutes kann noch besser
werden. Durch E-Government kann die Verwaltung zudem in vielen Bereichen
effizienter werden und Kosten sparen. Hier erreichte Einsparungen sollten
bedarfsgerecht auch für die kundenfreundliche Gestaltung von Behördengängen
beispielsweise für Senioren genutzt werden. Die Liberalen wollen die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung stärken, indem sie durch
vermehrt eigenständiges Arbeiten und Entscheiden zusätzlich motiviert werden
und zu einem effizienteren Verwaltungsablauf beitragen können.
Anmerkung
der Schriftführerin: die Ratsgruppierung die Linke verzichtet auf eine Haushaltsrede.
Einzelvertreter
- Herr Feste:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, wir müssen uns um Hagen keine Sorgen machen. Hilfe ist in Sicht. Am Sonntag ist Wahl. Alle Parteien haben den Wählern versprochen, den Kommunen finanziell zu helfen. Zwei Fragen bleiben: Warum kommt die Hilfe erst nach der Wahl und wenn sie kommen sollte, wer soll das bezahlen? Ganz aktuell: Die neueste Steuerschätzung ist deutlich niedriger (40 Mrd.) ausgefallen, als erwartet. Herr Schäuble hat als Konsequenz aus der Steuerschätzung einen entschlossenen Sparkurs angemahnt. Was bedeutet das für uns? Spaß beiseite, denn die Lage ist zu Ernst. Politik heißt gestalten. Das ist in Hagen kaum mehr möglich, denn Hagen ist überschuldet und befindet sich damit in einem rechtswidrigen Zustand. Fakt ist auch, aus dieser Schuldenfalle kommt Hagen aus eigener Kraft nicht heraus. Wer trägt die Verantwortung für diese Misere? Das ist ganz einfach. Wir alle, mit unserem Handeln bzw. mit unserem nicht Handeln. Deswegen ist ein verändertes Denken und ein konzentrieren auf die wesentlichen Dinge gefragt. Was Hagen fehlt, ist eine Vision, mit der sich Bürgerinnen und Bürger und Politik identifizieren und daran orientieren können. Zum Beispiel könnte Hagen sich die Vision geben, die familienfreundlichste Stadt in NRW zu werden. Hagen würde dann als Stadt insgesamt positiver wahrgenommen und nicht nur mit dem Image einer „Pleitestadt“ in Verbindung gebracht. Ich frage mich auch, warum sich die Verwaltung nicht zu Beginn einer Legislaturperiode konkrete Ziele setzt, sie dem Bürgerinnen und Bürgern und der Politik vermittelt und sich nach einer Zeitspanne daran messen lässt. In der freien Wirtschaft macht man das. Die Entscheidungsinstrumente müssen in Zukunft für die Ratsmitglieder transparenter, überschaubarer und in kurzen Zeiträumen erfolgen. Mit Hilfe des NKF muss es zum Beispiel möglich sein, auf einer DIN-A4 Seite eine Grobstruktur der Kostenstellen abzubilden, um Veränderungen sofort zu erkennen. Diese Übersichten sollten monatlich erfolgen. In der betrieblichen Praxis gibt es das seit Jahrzehnten. Die Verantwortlichkeiten sollten in Zukunft ernster genommen werden. Es gibt z.B. zu viele Kostenberechnungen von Projekten, die sich im Nachhinein zum Nachteil verändern. Es wird dann viel diskutiert. Es passiert aber nichts. Schuld haben immer die anderen. Manchmal hat man den Eindruck, dass bei der Planung etwas bewusst niedrig gerechnet oder vergessen wurde, um bestimmte Entscheidungen zu rechtfertigen. Die Kassenkredite haben sich in den letzten 6 Jahren nahezu verdoppelt. Sie liegen zurzeit dauerhaft bei über 900 Mio. Euro. Die Milliardengrenze ist bald erreicht. Ein trauriger Rekord. Das strukturelle Defizit wird deutlich über 150 Mio. Euro betragen. Ob die angestrebten Sparbemühungen dies dauerhaft mildern können, bleibt abzuwarten. Wir werden uns an unseren Entscheidungen messen lassen müssen. Dabei sollte Politik immer mit dem Betrachten der Realität beginnen und danach seine Entscheidungen treffen. Viele unserer Entscheidungen lassen aber erkennen, dass wir die Realität häufig ausblenden. Die Folgen sind bekannt. Um die Sparbemühungen nicht zu unterlaufen, ist es notwendig, dass zur Zeit niedrige Zinsniveau - soweit möglich – abzusichern. Fakt ist, dass das extrem niedrige Zinsniveau kein Dauerzustand sein wird. Bei den millionenschweren Zinsverpflichtungen (ca. 40 Mio. Euro pro Jahr) ist Handeln angesagt, sonst ist die Stadt mehr als Pleite. Dabei sollte sich die Stadt eines neutralen professionellen Beraters bedienen. Leuchtturmprojekte, die eigentlich gar nicht mehr zulässig sind, müssen vermieden werden. Meine Hoffung ist, dass es endlich eine Personalpolitik gibt, die den veränderten Einwohnerzahlen, den Bedürfnissen und der Bezahlbarkeit entspricht. Ich setze hier voll auf unseren neuen Oberbürgermeister, der gezeigt hat, dass er in der Sache sehr kompetent ist. Ich hoffe nur, dass er sich nicht so sehr in die Parteipolitik einbinden lässt und dann zuviel Rücksicht bei seinen Entscheidungen nehmen muss. Wir können die Schulden nicht weiter auf unsere nächsten Generationen übertragen. Stellen wir uns das Jahr 2050 vor. Wir sind dann alle nicht mehr politisch tätig - bis auf zwei (drei): Christian Kurrat von der CDU und Timo Schisanowski von der SPD (Katrin Helling von der FDP). Sie müssen dann unser Handel der nächsten Generation erklären. Wie hat es Herr Jörg von der SPD in einem Statement sinngemäß formuliert: „Hagen muss einen klugen Sparkurs verfolgen, der Hagen liebenswert hält.“ Dieser Aussage kann ich voll zustimmen. Vor allem auf den großen Fraktionen liegt eine besondere Verantwortung für Hagen, denn nachhaltige Entscheidungen erfordern bei der Durchsetzung eine breite Mehrheit. Dabei müssen wir auch die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen, wie es Herr Kohaupt von der CDU sinngemäß formuliert hat. Ich selbst werde mich dieser Verantwortung stellen und aktiv an der Haushaltssanierung mitarbeiten. Aus diesem Grund werde ich auch dem vorgelegten Haushaltentwurf zustimmen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Einzelvertreter
- Herr Marscheider:
Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren.
Mich gibt es noch. Ich kann Ihnen versichern, der Blick aus der letzten Reihe
ist nicht immer uninteressant. Meine Rede ist kurz. Griechenland und die Stadt
Hagen sind vergleichbar, bis auf die Sonnentage. Gestern habe ich Kurt Biedenkopf
erleben dürfen, der folgendes gesagt hat: „Eine Lösung könnte auch eine
Staatsinsolvenz sein.“ Nun komme ich zur Stadt Hagen. Wer aufhört zu
kämpfen, hat schon verloren. Ich will damit nicht andeuten, dass wir chancenlos
sind, nur dass, was auch von einigen Zeitgenossen gesagt worden ist und was
interessant ist. Man muss auch manchmal Dinge sagen, die sich kaum einer traut
zu sagen. Hagen hat gut 1,5 Milliarden € Schulden, ich glaube auch, dass
dieses nicht zu schaffen ist. Ein böser Kritiker hat gesagt, warum macht ihr
nicht 2,5 Milliarden € Schulden, ihr könnt Euch alleine nicht mehr
retten. Daraufhin habe ich gesagt, dass ist doch Unsinn, dass kann man doch
eigentlich nicht machen. Da hat er gesagt, wenn ihr noch 1 Milliarde
€ mehr Schulden macht, könnt ihr
vielleicht einige Schulen sanieren und das eine oder andere Gutes tun. Also
wilde Ideen, was auch mit dieser Staatsinsolvenz zu tun hat. Wo man einfach mal
fragen muss, kommen wir eigentlich so hier raus. Manchmal muss man den Bürgern
viel deutlicher sagen, was auf uns zukommt. Wir leben seit etlichen Jahren über
unsere Verhältnisse. Wir geben immer mehr aus, als wir einnehmen. Das kann auf
Dauer nicht gut gehen. Hier müsste man ganz klar sagen, die Steuern müssten
erhöht werden, die Einnahmen müssten erhöht werden. Wo führt das hin?! Zu dem
was ich gerade gesagt habe, wir werden dieses nicht schaffen und müssten mit
2,5 Milliarden € in die Insolvenz gehen. Dieses, meine Damen und Herren,
war es auch von mir. Mit mir können sie weiterhin rechnen.
Einzelvertreter
- Herr Schulz:
Aufgrund der neuen Steuerschätzungen stelle ich
fest, dass hier in Hagen sicherlich auch noch einige Millionen Euro fehlen
werden, daher werde ich den Haushalt ablehnen.
Beschluss:
Der Rat der Stadt Hagen beschließt die
Haushaltssatzung für das Haushaltsjahr 2010 sowie das
Haushaltssicherungskonzept 2010 unter Berücksichtigung der 1. Veränderungsliste.
Das 1. Sparpaket ist Bestandteil des Haushaltssicherungskonzepts. Der Bericht
der Zukunftskommission ist in die Mittelfristige Finanzplanung pauschal
eingeflossen und wird bei der Aufstellung des Haushaltsplanes 2011 durch
konkrete Maßnahmen umgesetzt.
