11.10.2007 - 5.4 "Haushaltssanierung Hagen - Einsetzung eines Me...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.4
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 11.10.2007
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- VB2 Vorstandsbereich für Finanzen, Controlling und interne Dienste
- Bearbeitung:
- Manuela Strunkeit
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Hinsichtlich des Einsatzes eines Mentors zur
Begleitung des Prozesses bezüglich der Haushaltsanierung in Hagen, macht Herr
Gerbersmann einige Ausführungen, die der Niederschrift als Anlage 11 beigefügt sind.
Herr Jochen Weber verweist auf die seit 20 Jahren durchgeführte
Haushaltskonsolidierung, um den Haushalt der Stadt Hagen auszugleichen. Die
dabei erzielten Ergebnisse seien nicht erfolglos, aber ergebnislos gewesen. Die
zusätzliche Aufgabenverteilung von Bund und Land sowie die Umsetzung
verschiedener Richtlinien der Europäischen Union habe dazu geführt, dass alle Sparbemühungen
von Rat und Verwaltung nicht dazu geführt haben, eine stabile
Haushaltssituation vorzuweisen. Die selbstgesetzte Zielmarke zur Einsparung von
57 Millionen habe Rat und Verwaltung in Höhe von rd. 30 Millionen Euro erreicht.
Dennoch erscheine im Moment die Realisierung eines ausgeglichenen Haushaltes
als unerreichbar. Die
Alle bereits in Betracht gezogenen
Einsparvorschläge müssten auf einen neuen Prüfstand gestellt und beschlossen
werden. Die Hilfe eines Mentors halte die
Herr Riechel vertritt die Auffassung, dass sich Herr Regierungspräsident Diegel
mit dem eingebrachten Vorschlag zum Einsatz eines Mentors die Möglichkeit offen
gehalten habe, die angedachten Einsparungen zur Haushaltsituation nicht selber
durchführen zu müssen. In diesem Zusammenhang stelle sich die Frage, ob sich
der Einsatz eines Mentors als effektiv herausstellen werde. Seit fünf Jahren
werde in Hagen auf der Basis des Berger-Gutachtens und dem
Konsolidierungsmanagement sowie unter Einbindung der Aufgabenkritikkommission
versucht, ein Konsolidierungsprozess in Höhe von 57 Millionen umzusetzen. 30
Millionen Euro wurden davon bereits eingespart und viele noch umzusetzende
Einsparvorschläge würden bereits vorliegen. Durch den Einsatz eines Mentors könnte
möglicherweise diesen Einsparvorschlägen mehr Nachdruck verliehen werden, um
diese zeitnah umzusetzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die
Personalkosten für einen Mentor auf rd. 150.000,-- Euro belaufen werden. Herr
Riechel sieht eine Gefahr darin, dass ein möglicher Mentor auf die bereits
vorliegenden Vorschläge des Konsolidierungsmanagements zurückgreife, ohne neue
Einsparvorschläge unterbreiten zu können. Sollten die finanziellen
Handlungsmöglichkeiten keinen Spielraum mehr zulassen, so sei der Mentor
vergleichbar mit dem Einsatz eines Sparkommissars. Die Fraktion Bündnis 90/ Die
Grünen glaube nicht mehr daran, dass ein strukturelles Defizit von 150
Millionen Euro bei gleichzeitigen Schulden von 800 Millionen Euro aus eigener
Kraft zu sanieren seien. Im Vergleich zur Stadt Lünen, die rd. 15 Millionen
Euro unter dem Einsatz eines Mentors eingespart habe, könnten sich die Einsparungen
von rd. 30 Millionen Euro in Hagen ohne Einsatz eines Mentors, sehen lassen.
Zwar seien in Hagen noch nicht alle Einsparmöglichkeiten ausgereizt, aber auf
lange Sicht sollte eher in Richtung Gemeindefinanzreform argumentiert werden.
Der Städtetag habe bereits vor einem Finanzkollaps der Kommunen gewarnt. Die
restliche vorhandene Infrastruktur in Hagen müsse erhalten bleiben, damit der
Demographische Wandel in Hagen nicht weiter unaufhaltsam voranschreite. Eine pauschale
Kürzungsdynamik ohne ein definiertes Ziel in Gang zu setzen, mache aus Sicht
der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen keinen Sinn. In seinem weiteren Wortbeitrag
bezieht sich Herr Riechel auf die weiteren Anforderungen im
Konsolidierungsprozess, wonach die Maßnahmelisten nicht ohne vorherige Beratung
auf den Weg gebracht werden sollten.
Durch die Vorberatungen konnte in der
Vergangenheit sichergestellt werden, dass die vorhandenen Strukturen noch nicht
zerschlagen wurden. Nach sorgfältiger Abwägung habe seine Fraktion in über 90%
den vorgelegten Konsolidierungsmaßnahmen zugestimmt. Die Fraktion Bündnis 90/
Die Grünen werden auch weiterhin konstruktiv an einem weiteren
Konsolidierungsprozess mitarbeiten.
Herr Marscheider ist der Meinung, dass es sich bei der heutigen
Beratung zu diesem Tagesordnungspunkt, um den Offenbarungseid der großen
Kooperation zwischen SPD und CDU handele und verweist auf seine Haushaltsreden
aus den Jahren 2005, 2006 und 2007, in denen die Fraktion Bürger für Hagen ein
Konzept zur Sanierung des Haushaltes aufgezeigt habe. Zurzeit sei der Einsatz
eines Sparkommissars die einzig richtige Lösung, um den Haushalt zu sanieren. Aus
diesem Grund werde die Fraktion Bürger für Hagen den Beschlussvorschlag der
Verwaltung ablehnen.
Vor dem Hintergrund, dass der Einsatz eines
Mentors rd. 150.000,-- bis 350.000,-- Euro im Jahr kosten werde, stellt Herr
Flebus die Frage, ob es nicht sinnvoller sei, einen Finanzberater bei der
Sparkasse in Anspruch zu nehmen.
Herr Röspel verdeutlicht, dass es um die Zukunft der Stadt Hagen gehe. Der jungen
Generation darf eine finanzielle Verschuldung der momentanen Größenordnung nicht
zugemutet werden. Der von Herrn Marscheider geforderte Sparkommissar
führe dazu, dass die kommunale Selbständigkeit verloren gehe. Herr Röspel
betrachtet den Einsatz eines Mentors als Chance, den Haushalt weiter zu
sanieren, so dass seine Fraktion dem Beschlussvorschlag der Verwaltung folgen
werde.
Herr Thielmann erinnert daran, dass auch die Bundes- und Landesregierung dafür verantwortlich
sei, dass die sich die finanzielle Lage der Stadt Hagen in der Form gestalte.
In diesem Zusammenhang bittet Herr Thielmann die Ratsmitglieder, über
Ihre Parteien auf den Bundesfinanzminister dahingehend einzuwirken, dass der
Bund zur Sanierung der Haushalte in den Kommunen beitrage. Nach Auffassung von Herrn
Thielmann sollten die Ratsmitglieder, die den Einsatz eines Mentors
ablehnen und den Einsatz eines Sparkommissars fordern, ihr Ratsmandat
niederlegen, weil sich dieser Personenkreis aus der Verantwortung ziehen wolle.
Herr Riechel weist die Aufforderung von Herrn Thielmann entschieden zurück und
erinnert daran, dass die Mehrheitsfähigkeit und somit die Verantwortung der
finanziellen Lage primär bei den großen Parteien läge.
Herr Oberbürgermeister Demnitz verdeutlicht, dass die Personalkosten einen
gewichten Anteil im Haushaltsblock ausmachen würden und merkt an, dass die
größten Ausweitungen des Hagener Stellenplans immer mit den Stimmen der
Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen beschlossen wurden.
Herr Schulz teilt mit, dass er in seiner Haushaltsrede 2006 vor weiteren finanziellen
Ausgaben gewarnt habe.
Herr Finck schlägt vor, unter Punkt 3 des Beschlussvorschlages der Verwaltung nach
dem Wort „Bezirksregierung“ das Wort „unverzüglich“
einzusetzen. Darüber hinaus sollte die Aufnahme der Tätigkeit des Mentors bis
zum 01.05.2008 im Beschlussvorschlag mit aufgenommen werden.
Herr Gerbersmann korrigiert die Aussage von Herrn Riechel dahingehend, dass das
jahresbezogene Defizit rd. 135 Millionen Euro betrage, abzüglich der
Einmaleffekte von rd. 15 Millionen Euro. Ergänzend betont Herr Gerbersmann,
dass sich die Kosten für den Einsatz eines Mentors im Vergleich mit dem
möglichen Einsparvolumen rechnen werden. Zum weiteren Vorgehen teilt Herr
Gerbersmann mit, dass mit der Bezirksregierung verabredet wurde, in den
nächsten Wochen erste Gespräche mit möglichen Bewerbern zu führen. Danach falle
die Entscheidung, welche Bewerber zu einem Angebot in einem Ausschreibungsverfahren
eingeladen werde. Die Verwaltung stelle sich vor, dass der Prozess vor dem
01.05.2008 beginnen sollte. Die Entwicklung des Sanierungskonzeptes zwischen
dem Mentor und der Verwaltung nehme ca. sechs bis sieben Monate in Anspruch.
Danach werde eine Phase in ähnlicher Länge benötigt, um die politische
Beschlussfassung herbeizuführen. Für einen erfolgreichen Prozess zur Erarbeitung
und Beschlussfassung des Konzeptes sollte ein Abschluss bis Ende 2008 angestrebt
werden. Ein detaillierter Zeitplan werde dem Rat nach der Entscheidung, ob ein
qualifiziertes oder beschränktes Ausschreibungsverfahren durchgeführt werden
soll, vorgelegt. Sobald die Aufstellung des NKF-Haushaltes abgeschlossen sei
und sich die Veränderungen gegenüber der Kameralistik auf den Haushalt
auswirken, werde die Verwaltung ein Ziel definieren müssen.
Frau Kingreen verwahrt sich gegen den Vorwurf, dass die Personalkosten von der Fraktion
Bündnis 90/ Die Grünen in die Höhe getrieben werden und erinnert an die vielen
Planungsvorhaben, die von Ihrer Fraktion im Rat abgelehnt wurden. Darüber
hinaus verweist Frau Kingreen auf das „100 Einfamilienhausprogramm“,
in dem einige Grundstücke im Außenbereich angrenzen, wodurch weitere
Infrastrukturmaßnahmen erzeugt werden. Die kommenden Generationen werden diese
Maßnahmen bezahlen müssen.
Herr Marscheider entgegnet gegenüber Herrn Thielmann, dass
der eingetretene finanzielle Schaden ebenfalls von der FDP zu verantworten ist.
Herr Oberbürgermeister Demnitz lässt über den Beschlussvorschlag der Verwaltung
mit folgendem Ergebnis abstimmen.
Beschluss:
- Der
Rat der Stadt Hagen begrüßt das Angebot der Bezirksregierung, den zukünftigen
Konsolidierungsprozess in Hagen durch einen vom Land finanziell
geförderten Mentor begleiten zu lassen.
- Der
Rat der Stadt Hagen beauftragt die Verwaltung, mit der Bezirksregierung
die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen für die Tätigkeit
eines Mentors zu verhandeln und einen entsprechenden Förderantrag zu
stellen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit der Bezirksregierung geeignete Persönlichkeiten für die Tätigkeit eines Mentors zu suchen und dem Rat einen oder mehrere Vorschläge zu unterbreiten.
