14.06.2007 - 5.1 Zukunftssicherung für das Theater Hagen, Konzep...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.1
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 14.06.2007
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Herr Thielmann geht im Zusammenhang mit dem neuen Stadtlogo „Lebendiges
Hagen“ auf das dazu erforderliche vielfältige kulturelle Angebot von
Hagen ein, welches unter anderem durch das Theater Hagen, die freien
Kulturangebote, das Karl-Ernst-Osthaus-Museum sowie das zukünftige
Emil-Schumacher-Museum geprägt werde. Die Qualität all dieser Einrichtungen
unterscheide Hagen von anderen Städten. Auf Basis und der eindeutigen
Empfehlung des Actori Gutachten habe sich die FDP-Fraktion für das Szenario 1
entschieden. Dieses habe im Kultur- und Weiterbildungsausschuss die Mehrheit
erhalten. Der über das Szenario 2 b vorgeschlagene Beschlussvorschlag der SPD
und CDU Fraktion, welcher als Anlage 5
Gegenstand der Niederschrift ist, führe zum schleichenden Tod des Theaters. Die
Stellungnahme der Gutachter mache deutlich, dass sich das Hagener Theater
künstlerisch und in der ökonomischen Effizienz im Vergleich mit anderen
Theatern am Besten darstelle. Zudem seien die vorangegangenen Sparbemühungen
optimal umgesetzt worden. Herr Thielmann bittet die Ratsmitglieder dem
Szenario 1 unter Auflage einer geeigneten Marketingstrategie zuzustimmen, um
somit den Zuschussbedarf weiter zu reduzieren. Die Aktivitäten der jungen Bühne
„Lutz“ haben gezeigt, dass die Akzeptanz bei den jungen Zuschauern
gewachsen sei.
Frau Kingreen mahnt die Mitglieder der SPD und CDU Fraktion an, dass bei einer positiven
Abstimmung zum eingereichten Beschlussvorschlag beider Fraktionen eine Richtungsentscheidung
getroffen werde, die eine Abwärtsspirale darstelle, welche nicht mehr aufzuhalten
zu sei. Dies mache die Tischvorlage vom Theaterintendanten zum Stellenabbau der
Chorstellen, welche als Anlage 6 der
Niederschrift beigefügt ist, deutlich. In diesem Zusammenhang erinnert Frau
Kingreen an die damalige Diskussion zur Zukunft des städtischen Orchesters.
Auch damals habe es den Vorschlag gegeben Orchesterstellen zu streichen und
diese bei Bedarf kurzfristig zu ersetzten. Die Einsicht und Vernunft habe sich seinerzeit
durchgesetzt. Die Einsparungen zwischen dem Szenario 1 und 2 b werden auf Dauer
nicht sehr bedeutend sein. Hinzu würde die Qualität des Theaters leiden. Mit
der Erhaltung von Kultur könnten ein Teil der Probleme der heutigen Generation
gelöst werden. Dies sei aber nur möglich, wenn Künstler noch Spielraum für
diese Dinge hätten. Frau Kingreen appelliert an alle Ratsmitglieder in
eigener Verantwortung zu entscheiden und beantragt in dieser Angelegenheit
namentliche Abstimmung.
Herr Röspel erinnert an die letzte Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, in der
die CDU-Fraktion die Motivation zur Notwendigkeit von Einsparungen im Theater
vorgestellt habe. Die Begriffe „schleichender Tod des Theaters“
sowie „Tod auf Raten“ weist Herr Röspel entschieden von sich.
Diese Begriffe würden zu einem Szenario passen, welches die Schließung des
Kinder- und Jugendtheaters oder eine Kürzung des Balletts in Betracht ziehe.
Diese beiden Vorgehensweisen seien nicht Inhalt des eingereichten Beschlussvorschlages.
Es gehe nicht nur um die Zukunftssicherung des Theaters, sondern auch um die
Zukunftssicherung der Stadt Hagen. Wer verantwortliche Kommunalpolitik in Hagen
praktizieren möchte, muss in allen Bereichen sparen. Das Actori Gutachten sei in
Auftrag gegeben worden, damit an einer so wichtigen Einrichtung wie das Theater
sinnvolle Sparvorschläge erarbeitet werden. Das Gutachten habe gezeigt, dass
primär eine Investitionssumme von 250.000,-- Euro bereitzustellen ist, um ein
gutes Marketingkonzept zu bewerkstelligen. Die CDU-Fraktion werde sich dafür
einsetzten, dass der bisherige Landeszuschuss für das Theater von 4 % erhöht
werde. Darüber hinaus werde die CDU-Fraktion letztmalig einen Sparbeschluss für
das Theater Hagen mittragen.
Herr Jochen Weber knüpft an die Ausführungen von Herrn Röspel
an und teilt mit, dass sich seine Fraktion in den bisherigen Diskussionen die
Frage gestellt habe, ob das Theater trotz der zwingenden angedachten
Sparbeschlüsse überlebensfähig sei. Diese Frage sei dem Grunde nach mit
Mehrheit befürwortet worden, weil die Empfehlung von CDU und SPD auf jeden Fall
die Vielfalt im Hagener Theater sicher stelle, das Theater lebensfähig lasse
und auch die Chance beinhalte, das Theater weiter auszubauen. Herr Jochen
Weber erinnert in diesem Zusammenhang an die ähnlich schmerzlich geführte
Diskussion vor einem Jahr, als es um den Erhalt der Hagener Schwimmbäder gegangen
sei. Den damals beschlossenen Kompromissvorschlag haben alle Ratsmitglieder
mitgetragen und gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern vertreten. Gegenüber Herrn
Pietzsch ruft Herr Jochen Weber in Erinnerung, dass der seinerzeit
ausgehandelte Theaterkontrakt vom Theater eingefordert, aber nicht eingehalten
wurde. Das Theater Hagen werde auch zukünftig mit den Einsparvorschlägen der
CDU und SPD Fraktion einen hohen Stellenwert behalten.
Herr Sondermeyer vertritt die Meinung, dass es nicht ums sparen,
sondern um Kürzungen gehe. Die Entscheidung zur Errichtung eines Eigenbetriebes
würde die Fraktion Die Linke.PDS zwar mittragen, aber den vorliegenden
Beschlussvorschlag von CDU und SPD lehne seine Fraktion ab.
Herr Dücker beginnt seinen Wortbeitrag mit einem Zitat aus einer Pressemeldung und
bezieht sich anschließend auf den an alle Ratsmitglieder gerichteten offenen
Brief der ehemaligen Generalmusikdirektoren. Herr Dücker habe gehofft,
dass die Eindrücke und Informationen der letzen vierzehn Tage dazu geführt
hätten, dass der heute eingereichte Beschlussvorschlag nicht zur Abstimmung
gestellt werde. Herr Dücker macht darauf aufmerksam, dass sich das
Theater Hagen seit 1983 mit Einsparvorschlägen auseinandersetzen und immer
wieder neu positionieren müsse. Die Leistungen der Künstler seien vorbildlich
und gutachterlich bescheinigt worden. Die Zuschüsse an das Theater seien seit
1983 nicht oder, nur unwesentlich erhöht worden. Betriebsbedingte Änderungskündigungen
seien ohne Beteiligung des Personalrates nicht zu realisieren und müssten
gegebenenfalls auf die gesamte Stadtverwaltung ausgeweitet werden. Der von der
CDU und SPD eingereichte Beschlussvorschlag führe zwangsläufig zum Ende des
Theaters. Der Beschlussvorschlag des Kultur- und Weiterbildungsausschuss
beinhalte ebenfalls Einsparvorschläge, die langfristig zu einem ähnlichen
Einsparergebnis führen würden. Die von der CDU-Fraktion angestrebten Erhöhungen
des Landeszuschuss, werden sich nach den Erfahrungen von Herrn Dücker
nicht bestätigen. Abschließend beantragt Herr Dücker zu diesem
Tagesordnungspunkt geheime Abstimmung.
Herr Marscheider ist davon überzeugt, dass sich die Diskussionen
bezüglich der Einsparungen unter anderem auf den sportlichen und sozialen
Bereich ausweiten werden. Der seinerzeit gefasste Beschluss, 1,5 Millionen Euro
beim Theater einzusparen mache nun deutlich, dass die Strukturen am Theater
geändert werden müssten. Die aktuelle Aufstellung des Theaters mit den heute zur
Verfügung stehenden Mitteln kann in der bestehenden Form nicht aufrecht
erhalten werden. Die Fraktion Bürger für Hagen schließt sich dem Beschlussvorschlag
der CDU und SPD an.
Herr Riechel beantragt im Namen seiner Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen den Beschlussvorschlag
des Kultur- und Weiterbildungsausschusses zur Abstimmung zu stellen.
Herr Oberbürgermeister Demnitz wertet den Beschlussvorschlag der CDU und SPD
Fraktion als den Weitestgehenden und informiert den Rat, dass der Antrag auf
geheime Abstimmung dem Antrag auf namentliche Abstimmung vorgehe.
Herr Oberbürgermeister Demnitz lässt über den Antrag auf geheime Abstimmung mit
folgendem Ergebnis abstimmen:
|
Abstimmungsergebnis: |
|
x |
Mit Mehrheit beschlossen |
Herr Oberbürgermeister Demnitz stellt fest, dass über den Beschlussvorschlag
der CDU und SPD Fraktion geheim abzustimmen ist.
Auf Nachfrage von Herrn Oberbürgermeister
Demnitz entsenden die Fraktionen folgende Mitglieder für die
Wahlkommission:
Frau Kuschel-Eisermann
Herr Rudel
Frau Gerber
Herr Finck
Herr Oberste-Berghaus
Herr Sondermeyer
Herr Oberbürgermeister Demnitz eröffnet den Wahlvorgang und ruft nacheinander
die Mitglieder des Rates zur Abstimmung auf.
Nach Beendigung des Wahlvorganges verkündet Herr
Oberbürgermeister Demnitz, dass von der Wahlkommission festgestellte Wahlergebnis:
JA- Stimmen: 34
Nein-Stimmen: 21
Enthaltungen: 02
Gegen die Auszählung und gegen das Wahlergebnis
sind keine Einwendungen hervorgebracht worden, so dass der Beschlussvorschlag
der CDU und SPD Fraktion angenommen wurde.
Hinweis des Schriftführers: Ein Stellungnahme des
Gesamtpersonalrates zur Verwaltungsvorlage ist als Anlage 7 Gegenstand der Niederschrift.
Beschluss:
1.
Die Verwaltung wird beauftragt, das im Rahmen des Gutachtens der Firma ACTORI aufgeführte Szenario 2 b unter folgenden Maßgaben umzusetzen:
· Die Reduzierung des Ballettensembles um 4 Planstellen entfällt.
· Durch Erhöhung der Eintrittspreise sind weitere Einnahmen von 80.000 € je Spielzeit zu realisieren.
· Die notwendigen personalwirtschaftlichen Maßnahmen sind auf der Grundlage der Kooperationsvereinbarung zwischen Personalrat, Verdi, Komba und Oberbürgermeister vom 25.2.04 durchzuführen.
· Ist im Einzelfall eine Lösung auf der Grundlage der Kooperationsvereinbarung nicht möglich, kann die notwendige personalwirtschaftliche Maßnahme im Wege der betriebsbedingten Änderungskündigung durchgesetzt werden. Bei abweichenden tariflichen Bedingungen ist der Besitzstand der Betroffenen über tarifliche Erhöhungen abzuschmelzen.
· Die Mitarbeiter werden unverzüglich mit Realisierung der jeweiligen Maßnahmenschritte dem internen Arbeitsmarkt –IMA- zur Verfügung gestellt und ab diesem Zeitpunkt finanziell nicht mehr beim Theater geführt.
Hierfür sind die erforderlichen Maßnahmen unverzüglich zu ergreifen.
2.
Die Verwaltung wird beauftragt, für den Gremiendurchlauf im August 2007 den Regiebetrieb auf NKF-Basis und den Eigenbetrieb vergleichend darzustellen.
