22.02.2007 - 1 Einwohnerfragestunde
Grunddaten
- TOP:
- Ö 1
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 22.02.2007
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Frau T. bittet um Auskunft, warum der von der Firma Rheinkalk gestellte
Steinbrucherweiterungsantrag wegen fehlender Voraussetzungen nicht abgelehnt
werde.
Herr Oberbürgermeister Demnitz erläutert, dass zunächst einer von mehreren
Begründungspunkten des Antrages durch die Verflechtung der Firma entfallen
sein. Die Firma Rheinkalk habe ein Recht darauf, innerhalb einer bestimmten
Frist ihren eingereichten Antrag nachzubessern. Danach werde eine sachliche und
neutrale Abwägung hinsichtlich einer Entscheidungsfindung erfolgen.
Herr Dr. Bleicher bestätigt die Frage von Frau T., dass bei
einer Ergänzung bzw. Änderung des bisherigen Antrages die Öffentlichkeit voraussichtlich
in der gleichen Form wieder beteiligt werde wie im ersten Anhörungsverfahren im
Mai 2006.
Herr P. fragt nach, welche juristischen Schritte Herr Oberbürgermeister
Demnitz zur Klärung von Verantwortlichkeiten im Rahmen der Derivatgeschäfte
persönlich eingeleitet habe.
Zusätzlich möchte Herr P. von Herrn Dr.
Schmidt wissen, welche sozialpolitischen Möglichkeiten für die Hartz IV
betroffenen Bürgern der Stadt Hagen in Bezug auf den kommunalen
Teuerungsausgleich aufgrund der 3% Mehrwertsteuererhöhung in Betracht kommen. Ergänzend
fragt Herr P. nach den vielen Fördermillionen der ARGE Hagen, die nach
Abschluss des Geschäftsjahres 2006 ungenutzt nach Nürnberg an die Bundesagentur
zurück überwiesen wurden.
Des Weiteren bittet Herr P. erneut um
Auskunft, wie hoch die Anzahl der insgesamt im Geschäftsjahr 2006 beim Werkhof zum
Einsatz gekommen 1 Euro-Kräfte liege und wie viele Beschäftigte durch einen
Arbeitsunfall und/oder durch Inanspruchnahme eines Krankenscheins (sogenannte
15-Tage-Regelung) oder durch Kündigung aus der Maßnahme ausgeschieden seien.
Herr P. kritisiert das Antwortschreiben zu seiner Anfrage, ob bei den Renovierungsarbeiten
im Krupp-Betriebskrankenkassengebäude ausschließlich 1 Euro Kräfte zum Einsatz
gekommen seien oder ob es auch Ausschreibungen an Fachbetriebe gegeben habe.
Herr Oberbürgermeister Demnitz bestätigt Herrn P., dass er als Dezernent
dem Rechtsamt vorstehe. Persönliche juristische Schritte im Rahmen der
Derivatgeschäfte habe er nicht eingeleitet. Der Rat habe sich darauf
verständigt, ein strukturiertes Aufklärungsverfahren in Gang zu setzen.
Hinsichtlich der sozialpolitischen Möglichkeiten
zum Teuerungsausgleich erinnert Herr Dr. Schmidt an den gefassten
Ratsbeschluss, wonach die Stadt Hagen für ausfallende Bundes- und Landesmittel
nicht einstehe. In diesem Zusammenhang sehe Herr Dr. Schmidt keine
Möglichkeit, einen Teuerungszuschlag aus Haushaltsmitteln zur Verfügung zu
stellen.
Richtig sei, dass im Jahr 2005 rd. 45% und im
Jahr 2006 knapp 25% der zur Verfügung stehenden Fördermittel zurückgegeben worden
sind. Die Höhe der Zuweisungen im Bereich der Arbeitsgelegenheiten bezog sich
im Jahr 2006 auf rd. 2.800 Personen. Diese Anzahl müsse halbiert werden, weil
jede einzelne Maßnahme auf ein halbes Jahr ausgerichtet sei. 625 Personen haben
dieses halbe Jahr beendet, davon konnten 111 Personen auf dem ersten
Arbeitsmarkt vermittelt werden. Dies entspreche einer Quote von ca. 17%.
Frau L. bittet um Auskunft, ob in der geplanten Mehrzweckhalle am Ischeland zum
Schutze der Kinder und Jugendlichen eine Anti-Drogen-Disco veranstaltet werden
könnte.
In Ihrer nächsten Frage bezieht sich Frau L.
auf eine von Herrn Sondermeyer noch ausstehende Antwort zum Thema
Feinstaub gegenüber der örtlichen Presse und möchte wissen, wie die Fraktion
Die Linke.PDS zu dieser Thematik stehen würde. Ergänzend fragt Frau L.
die Fraktion Die Linke.PDS nach dem gestellten Antrag im Rat zum ermäßigten
Eintritt in öffentlichen Gebäuden für Menschen mit Behinderung.
Herr Oberbürgermeister Demnitz wird die Anregung von Frau L. hinsichtlich der Anti-Drogen-Disco
überprüfen lassen.
Herr Sondermeyer erklärt, dass die Fraktion Die Linke.PDS der
Presse inzwischen eine Stellungnahme zur Feinstaubproblematik zugeleitet habe,
welche im Fraktionsbüro abgeholt werden kann.
Frau H. bezieht sich in Ihrer Frage auf die Baumfällungsmaßnahmen zur Ortsumgehung
Boele und fragt nach, ob es nach dem Prozessrecht möglich sei, eine vorzeitige
Inbesitznahme vorzunehmen und nach welchen Kriterien diese seitens der
Verwaltung entschieden wurde. Die Nennung der entsprechenden Paragraphen reiche
Frau H. zur Beantwortung aus. Des Weiteren möchte Frau H. wissen,
ob der Gesetzgeber nicht vorschreibe, dass 14 Tage vor Beginn der Arbeiten die
von der Maßnahme betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu informieren sind.
Herr Hoffmann teilt Frau H. dazu mit, dass es durch eine Entscheidung der
Bezirksregierung in Arnsberg zu einer vorzeitigen Besitzeinweisung gekommen sei,
das bedeutet, dass die Stadt Hagen über die betroffenen Grundstücke verfügen
dürfe. Richtig sei zwar, dass am 07. März noch eine gerichtliche Entscheidung
ausstehe, aber die Anrufung des Gerichts habe nach § 224 Baugesetzbuch keine
aufschiebende Wirkung. Grundlage der vorzeitigen Besitzeinweisung ist § 116
Baugesetzbuch. Ein Anspruch auf vorzeitige Information besteht insoweit nicht.
Die Eigentümer haben die Möglichkeit gehabt, tätig zu werden. Dieses Recht sei
nicht in Anspruch genommen worden, so dass die Stadt Hagen entsprechend tätig
werden durfte.
Frau H. bezieht sich auf Ihre am 14.12.2006 im Rat gestellte Frage zu den
ruhegehaltsfähigen Dienstzeiten von Herrn Oberbürgermeister Demnitz und fragt
nach, ob er die bisher geführte Diskussion in dieser Angelegenheit im
Zusammenhang mit den Derivatgeschäften mit seinem Gewissen vereinbaren könnte.
Weiter bittet Frau H. den Rat, darüber
nachzudenken, ob nicht in Anlehnung an die bisherige Verfahrensweise die
Behindertenparkausweise für die Fahrzeuge der Wohnheime und Werkstätten
ausgestellt werden könnten. Frau H. wäre der Fraktion Die Linke.PDS
dankbar, wenn diese die von ihr gemachte Anregung in die jeweiligen Gremien
einbringen könnte.
Herr Oberbürgermeister Demnitz informiert Frau H. darüber, dass er lediglich
versuche, sein ihm zustehendes Recht durchzusetzen. Dies könne er mit seinem
Gewissen vereinbaren. In Bezug auf die Derivatgeschäfte teilt Herr
Oberbürgermeister Demnitz mit, dass ein Verfahren vereinbart wurde, um
einen umfangreichen Überblick zu erhalten. Alle beteiligten Personen,
insbesondere Herr Oberbürgermeister Demnitz, seien sehr bewegt um die
Situation. In der Angelegenheit werde sehr verantwortungsvoll gehandelt. Herr
Oberbürgermeister Demnitz bittet um Verständnis, dass das bereits eingeleitete
Prüfverfahren zunächst abgeschlossen werden müsste, um konkret zu den Derivatgeschäften
Stellung beziehen zu können. Über das Ergebnis des Prüfverfahrens werde im Rat
berichtet.
Frau H. bittet um schriftliche Beantwortung Ihrer Fragen.
Herr Sch. bezieht sich auf seine in der Ratsitzung am 14.12.2006 gestellte Frage
zu den Derivatgeschäften und bemängelt die bisherige Transparenz von Verwaltung
und Politik gegenüber der Bürgerinnen und Bürger.
Herr Riechel weist diesen Vorwurf für seine Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen zurück. Gerade
seine Fraktion habe bei Herrn Oberbürgermeister Demnitz eine
Sondersitzung des Rates beantragt, um an dieser Stelle in der Angelegenheit der
Derivatgeschäfte Aufklärung zu betreiben. Nach Mitteilung des Kämmerers über
den Stand der Geschäfte habe seine Fraktion die Angelegenheit geprüft und dann
zeitnah gehandelt. Darüber hinaus habe Herr Oberbürgermeister Demnitz
deutlich gemacht, dass die erforderlichen Prüfauftrage im Haupt- und
Finanzausschuss vergeben worden sind. Die Berichte hierzu sind abzuwarten.
Herr Sondermeyer entgegnet Herrn Sch., dass alle
Ratsmitglieder an einer Aufklärung in dieser Angelegenheit interessiert sind,
bitte aber um Verständnis, dass im Rahmen der Schweigepflicht die Inhalte einer
nichtöffentlichen Sitzung nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben werden dürften.
Herr Gerbersmann verdeutlicht, dass er die konkreten Werte des
negativen Marktwertes nicht in öffentlicher Sitzung bestätigen oder dementieren
werde. In der Dezember Sitzung des Rates habe Herr Gerbersmann zum
Ausdruck gebracht, dass zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war, wie sich
tatsächlich mit Ablauf der Geschäfte der Marktwert oder die zukünftigen
Zinszahlungen entwickeln werden. Zum heutigen Stand könne die Verwaltung nur
von drohenden Verlusten sprechen und noch nicht sagen, ob diese Verluste
tatsächlich im Ablauf der Geschäfte eintreten werden.
Auf die Frage von Herr Sch., ob die
Öffentlichkeit über das Verfahren der Derivatgeschäfte und deren Inhalt im
Nachhinein informiert werde, antwortet Herr Oberbürgermeister Demnitz,
dass nach Vorlage der Untersuchungsergebnisse und Berichte auch die Öffentlichkeit
soweit wie möglich informiert werde. Eine Vertuschungs- und Manipulationsstrategie
strebe die Verwaltung nicht an, sondern beabsichtige, in aller Sachlichkeit und
Nüchternheit Aufklärung zu betreiben.
Ergänzend möchte Herr Sch. wissen, warum
zur Sturmschädenbeseitigung ein Expertenteam aus Österreich engagiert wurde, wo
doch auch Hartz IV Empfänger mit so einer gefährlichen Aufgabe betraut werden.
Herr Dr. Bleicher bestätigt das Engagement der beiden
österreichischen Spezialfirmen. In der Tat handele es sich um eine sehr
gefährliche Arbeit, auf die sich diese Firmen spezialisiert haben. Seiner
Kenntnis nach werden keine Hartz IV Empfänger oder ungelernte Kräfte im Auftrag
der Stadt für die von Herrn Sch. beschriebenen Tätigkeiten eingesetzt.
