08.02.2006 - 7.2 Zukunftskonzeption und Neuausrichtung der Hagen...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 7.2
- Gremium:
- Bezirksvertretung Hohenlimburg
- Datum:
- Mi., 08.02.2006
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/BC Beteiligungscontrolling
- Bearbeitung:
- Jürgen Reiß
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Zusammenfassung des Diskussionsergebnisses:
Herr Leisten meint, dem
Beschlussvorschlag der Verwaltung könne so nicht zugestimmt werden. Bereits in
der letzten Sitzung habe man ja beschlossen, zu diesem Thema eine eigene
Beschlussvorlage in den Rat einzubringen. Er verweist auf die bereits
stattgefundenen Treffen der neu eingerichteten Bäderkommission, der auch er
selbst angehöre. Er könne nur die veröffentlichten Presseberichte bestätigen.
Er befürchte, die Bäderkommission sei nur ein vorgeschobenes Instrument.
Hagenbad verweigere eine konstruktive Zusammenarbeit und die Lieferung von
konkretem Zahlenmaterial.
Er hoffe auf den Erhalt von
Zahlen in der nächsten Woche, da diese dringend benötigt würden, um einen
Gegenstandpunkt entwickeln zu können. Man gerate immer mehr unter Zeitdruck, da
der Rat der Stadt bereits am 02.03.06 abschließend beraten und beschließen
wolle. Man könne aus der vorliegenden Beschlussvorlage auch Positives
herauslesen. Erstens, dass inzwischen deutlich gesehen werde, dass in den
einzelnen Hagener Stadtteilen Bädereinrichtungen weiterhin existieren müssen.
Daher werde der Vorschlag, die Freibäder Hestert und Hengstey zu erhalten,
begrüßt. Auch der Plan, in Hohenlimburg eine Ganzjahreslösung anzubieten, stoße
auf Zustimmung. Allerdings halte man es für falsch, diese Lösung im Lennebad zu
installieren, daher sei man dabei, ein Alternativkonzept zu entwickeln. Man
halte es für unschädlich, wennn der Rat in Hagen zunächst beschlösse, die Bäder
Hestert und Hengstey zu erhalten und eine Ganzjahreslösung in Hohenlimburg zu
betreiben und in diesem Beschluss offenzuhalten, ob es sich hierbei um das
Lennebad oder das Kirchenbergbad handeln müsse. Diese Entscheidung bitte man
davon abhängig zu machen, zu welchen Ergebnissen die neu eingerichtete
Kommission kommen werde. Es bestehe ansonsten die Befürchtung, durch den engen
Zeitrahmen überfordert zu werden.
Er schlage vor, den
Beschlussvorschlag abzulehnen und den bereits am 17.01.06 gefassten Beschluss
zu wiederholen.
Herr Palsherm berichtet, dass
laut Hagenbad das Kirchenbergbad total marode sein und erheblichen
Wasserverlust haben soll. Eine Sanierung sei nicht zu finanzieren.
Im Rahmen der Ortsbesichtigung
habe man die Schäden dann begutachtet, die längst nicht so schwerwiegend
gewesen seien, wie sie vorab dargestellt worden seien.
Plötzlich hätten ganz andere
Aspekte im Vordergrund gestanden, z.B. die Gegenstromanlage mit den damit
zusammenhängenden Gesundheitsaspekten. Genaue Zahlen lägen immer noch nicht
vor. Er sei der Ansicht, diese Zahlen existierten gar nicht, die
Sanierungskosten seien nur geschätzt worden, so dass er glaube, auch nächste Woche
würden keine Zahlen geliefert werden. Sie wollten sich daher der CDU
anschließen und die Vorlage ablehnen. Er sei der Ansicht, dass Hagenbad nicht
wirklich an einer gemeinschaftlichen Lösung interessiert sei.
Herr Buschkühl äußert seinen
Eindruck, es handele sich hier um eine Verzögerungstaktik seitens Hagenbad. Den
Unterlagen sei zu entnehmen, dass bei einer Baukostensumme in Höhe von 25
Millionen Euro zuzüglich Nebenkosten, was einer Gesamtsumme in Höhe von
ungefähr 30 Milionen Euro entspreche, eine jährliche Kreditbelastung in Höhe
von 2,4 Millionen Euro zu finanzieren sei. Die vom Rat festgesetzte maximale
Finanzierungssumme liege bei 3 Millionen Euro, was bedeute, dass lediglich
600.000,00 Euro Zuschuss für den laufenden Betrieb übrigblieben. Das 50m-Becken
sei laut Hagenbad defizitär eingeplant. Daraus folge, dass lediglich das
Zentralbad bezuschusst werden könne. In letzter Konsequenz würden dann
voraussichtlich alle anderen Hagener Bäder aufgegeben werden müssen.
Zudem würden die einzelnen Stadttteile
würden aus taktischen Gründen gegeneinander ausgespielt. Er fühle sich aufgrund
der Verzögerungstaktik hingehalten und auf den Arm genommen. Auch er werde den
Antrag ablehnen.
Herr Arnusch möchte sich der
Aussage von Herrn Leisten anschließen. Es sei wichtig, für Hohenlimburg ein
einheitliches Bild abzugeben. In allen Hagener Bereichen müsse weiterhin
Stadtteilschwimmen möglich sein. Er zitiert aus der Verwaltungsvorlage die
Passage, in welcher ausgeführt wird, dass es an ungefähr 15 Tagen im Jahr bei
idealem Freibadwetter zu einem Engpass beim Freibadangebot kommen könne. Das
heiße, an richtigen Sommertagen könne Hagen nicht schwimmen gehen. Daher sei es
so wichtig, die bisherigen Anstrengungen weiterzuführen. Beim Standort
Ischeland müsse die kritische Parkplatzsituation genau untersucht werden. Dies
sei eine Problematik, die bei einer Ganzjahreslösung am Kirchenbergbad nicht
bestehe, dort stehe genügend Parkraum zur Verfügung.
Herr Strüwer empfindet es als
skandalträchtig, dass innerhalb kürzester Zeit wichtige nicht nur
sportpolitische - Entscheidungen getroffen werden müssten. Der Beratungsgang
dauere vom 02.02.06 bis zum 02.03.06. Die maßgebliche verantwortlichen Personen
hielten es nicht einmal für erforderlich, an den öffentlichen, politischen
Beratungen teilzunehmen, um dort einmal Klartext zu reden oder die Möglichkeit
zu eröffnen, in aller Tiefe nachzufragen. Als Vertreter der Bürgerschaft werde
man so nicht Ernst genommen. Es gebe viele Fragen, die möglicherweise erst am
02.03.06 beantwortet würden.
Wenn Schul- und Vereinssport
im Zentralbad abgedeckt werden solle, dann bedeute dies, dass öffentliches
Schwimmen nur noch in ganz begrenztem Umfang möglich sei.
Darüber hinaus fielen in Boele
und im Willi-Weyer-Bad zusätzliche Schwimmflächen weg. Er vermisse plausible
Erklärungen, die entscheidend wären, über ein Bäderkonzept zu entscheiden, das
für die nächsten 25 Jahre Gültigkeit haben solle. Er wolle auch wissen, wie ein
Interims-Betrieb aussehen solle und ob es Gründe dafür gebe, die Entscheidung
über Hohenlimburg Lennebad oder Kirchenbergbad bereits am 02.03.06 treffen
zu müssen, wenn doch beide Bäder bis 2009 bzw. 2010 weitergeführt würden. Es
sei irrsinnig, einen solchen Zeitdruck aufzubauen, aber gleichzeitig in keiner
Weise bereit zu sein, Fragen zu klären und kooperativ mitzuwirken.
Herr Dr. Schmidt erwidert, er
könne keine Detailfragen zum Konzept beantworten, er könne jedoch die deutlich
gemachten Standpunkte absolut nachvollziehen. Er habe jedoch die Hoffnung, dass
Hagenbad keine Hinhaltetaktik betreibe, sondern ernsthaft bemüht sei, am Ende
die Entscheidung plausibel zu erklären oder zu einer anderen Entscheidung zu
kommen. Wie er in der Expertenkommission verstanden habe, gehe es hier ja in
erster Linie nicht um das Zentralbad, sondern um die Hohenlimburger Situation,
d.h. Ganzjahresschwimmen in Hohenlimburg. Er schlage vor, die vorliegende
Verwaltungsvorlage daher nicht völlig abzulehnen, sondern ein Signal an die
Hagener Ratsfraktion zu geben, die Frage des Ganzjahresschwimmens in
Hohenlimburg noch offenzulassen. Er teile somit die Auffassung von Herrn
Strüwer, dass keine Notwendigkeit bestehe, darüber bereits am 02.03.06 zu
entscheiden. Aus seiner Sicht könne man das politische Signal geben, diese
Vorlage wenn auch mit Bauchschmerzen - mitzutragen, wenn im Gegenzug vom Rat
signalisiert werde, dass die Hohenlimburger Situation noch ausdiskutiert werden
könne, bis eine einvernehmliche Lösung gefunden worden sei. Er wolle
vorschlagen, darüber einmal nachzudenken, bevor eine solche Vorlage insgesamt
abgelehnt werde. Dies sei nur als Rat zu verstehen.
Herr Feste erwidert, er könne
Herrn Dr. Schmidts Argumentation aus seiner Sicht nachvollziehen, aber aus der
Hohenlimburger Sicht könne er dies nicht.
Es sei in Hagen bei Politik
und HVG bekannt, dass die kurzfristig eingesetzte Expertenkommission auf Wunsch
der HVG gegründet worden sei. Ebenso sei allen bekannt, dass es bereits mehrere
Termine gegeben habe, an welchen die HVG nicht in der Lage gewesen sei, Zahlen
vorzulegen. Die Zeit dränge zwar, aber jetzt überstürzt der Vorlage zuzustimmen
und zu bitten, Hohenlimburger Interessen zu berücksichtigen, halte er nicht für
einen erfolgreichen Weg. Er empfehle stattdessen der Bezirksvertretung, diese
Vorlage abzulehnen und dem Rat zu sagen, man bitte, die endgültige Entscheidung
über das Bäderkonzept nicht am 02.03.06, sondern in einer späteren Sitzung zu
treffen, wenn die Expertenkommission zu einem Ergebnis gekommen sei. Die
Verzögerung liege ja nicht an den Bürgerinnen und Bürgern oder an den
beteiligten Politikern, sondern ganz eindeutig bei der HVG, dass sie die
gemachten Aussagen nicht mit Zahlen belegen könne oder wolle.
Herr Niederköppern meint, es
sei klar, dass von den großen Parteien das Spaßbad auf jeden Fall durchgesetzt
werden solle. Er sei in der Expertenrunde erstaunt gewesen, dass selbst das
Wellenbad im Kirchenbergbad zur Disposition stünde. Man werde nicht Ernst
genommen, und schon aus diesem Grund müsse das Ganze abgelehnt werden.
Herr Leisten ist sich sicher,
dass der Rat von Herrn Dr. Schmidt gut gemeint gewesen sei, auch taktisch nicht
unklug wäre. Trotzdem sei er der Meinung, die Vorlage müsse abgelehnt werden.
Er halte es natürlich für gut, dass in bestimmten Stadtteilen ein Schwimmen
weiterhin gewährleistet werden solle, dem werde ja auch gar nicht
widersprochen. Wenn man aber über die Notwendigkeit, ein 25 Millionen-Bad am
Ischeland zu errichten diskutieren wolle, würden sicher ganz andere Meinungen
geäußert. Diese Diskussion lasse man daher besser weg. Er könne sich auch
vorstellen, für 25 Millionen Euro die bestehenden Bäder in Hagen zu sanieren,
und höchstens die ganz maroden Bäder zu schließen. Für eine Ermöglichung des
Ganzjahresschwimmens im Kirchenbergbad könne man ja dann das Lennebad als
Sparmaßnahme schließen, was ja auch von Hohenlimburg aus angeregt worden sei.
Nach wie vor sei er der Meinung, die Vorlage mit ihrem jetzigen Inhalt
abzulehnen. Stattdessen wolle er folgenden Beschlussvorschlag unterbreiten:
1.)Die Verwaltungsvorlage wird
abgelehnt. 2.) Die Bezirksvertretung wiederholt ihren Beschluss vom 17.01.06.
3). Der Rat möge beschließen, eine Ganzjahreslösung in Hohenlimburg zu
belassen, und bei der Standortfestlegung das Ergebnis der Arbeit der neu
eingerichteten Bäderkommission zwischen der BV Hohenlimburg und Hagenbad
abzuwarten.
Herr Feste meint, die
Formulierung eine Ganzjahreslösung sei nicht ratsam, denn eine
Ganzjahreslösung stehe ja bereits im jetzigen Konzept. Man solle eher
formulieren, die Expertenrunde abzuwarten und dann zu entscheiden.
Herr Strüwer wirft ein, der
Beschlussvorschlag sei doch eindeutig.
Herr Hulvershorn mahnt zur
Ruhe und erteilt Herrn Buschkühl das Wort. Nach Herrn Buschkühls Beitrag wolle
er eine Pause einberufen, in welcher der Vorschlag noch einmal besprochen
werden könne.
Herr Buschkühl stellt klar,
ein Versprechen, Hohenlimburger Belange in Zukunft zu berücksichtigen, reiche
ihm nicht. Er sei daher auch dafür, den Verwaltungsvorschlag abzulehnen.
Pause von 17.13 Uhr bis 17.25
Uhr.
Herr Hulvershorn erkundigt
sich, nach der Pause nach dem Ergebnis der Diskussion.
Herr Leisten formuliert den
gemeinsamen Beschlussvorschlag.
Frau Fischbach ist der
Meinung, es sei ratsam, unter Punkt 3 eine Formulierungsänderung vorzunehmen.
Herr Leisten ist der Ansicht,
dass dies inhaltlich bereits abgedeckt sei.
Herr Hulvershorn fragt nach,
ob der von Herrn Leisten vorgetragene Beschlussvorschlag konsensfähig sei.
Herr Leisten trägt Punkt 3 des
Beschlussvorschlages zur Verdeutlichung noch einmal vor.
Zunächst wird der
Beschlussvorschlag der Verwaltung zur Abstimmung gestellt.
Beschluss:
1.
Der
Rat der Stadt Hagen befürwortet die Errichtung eines zentralen Sport- und
Freizeitbades am Freibadstandort Ischeland und beauftragt schon jetzt den/die
noch zu bestellende/n Vertreter/in in einer noch anzuberaumenden
Gesellschafterversammlung, die Geschäftsführung der Hagener Versorgungs- und
Verkehrsgesellschaft mbH (HVG) bzw. der HAGENBAD GmbH zu beauftragen, dieses
Konzept umzusetzen und alle dafür notwendigen Genehmigungsverfahren und
Ausführungsplanungen einzuleiten. Dies erfolgt unter tarifvertraglicher
Absicherung der derzeitigen Beschäftigten.
2. Im
übrigen beauftragt der Rat der Stadt Hagen den/die Vertreter/in in einer noch
anzuberaumenden Gesellschafterversammlung, der Neuausrichtung der Hagener
Bäderlandschaft mit dem Weiterbetrieb folgender Bäder zuzustimmen:
3. Die Anlagen, die nicht in
einem zukünftigen Bäderkonzept vorgesehen sind, sind nach Fertigstellung des
zentralen Sport- und Freizeitbades am Standort Ischeland zu schließen und einer
Nachnutzung zuzuführen.
Die
Umsetzung der Vorlage erfolgt bis zum 31.12.2006.
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Abstimmungsergebnis: |
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Einstimmig beschlossen |
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Mit Mehrheit beschlossen |
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x |
Einstimmig abgelehnt |
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Mit Mehrheit abgelehnt |
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Abgelehnt bei Stimmengleichheit |
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Ohne Beschlussfassung |
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Zur Kenntnis genommen |
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Danach wird wie folgt
abgestimmt:
Interfraktioneller
Beschlussvorschlag:
1. Die
Bezirksvertretung Hohenlimburg wiederholt den Beschluss vom 17.01.06 wie folgt:
Die Bezirksvertretung
Hohenlimburg fordert den Rat der Stadt Hagen und den Aufsichtsrat der HVG auf,
im neuen Bäderkonzept auch zukünftig die Interessen der Bürger in den Stadtteilen
zu berücksichtigen.
Die Realisierung eines
Konzeptes mit nur einem Standort wird abgelehnt.
In Hohenlimburg ist für die Familien, Schulen und Vereine
auch zukünftig ein ganzjähriger Badebetrieb sicherzustellen.
Hierzu soll das Kirchenberg-Schwimmbad
zu einem Ganzjahresbad umgebaut werden.
Die Hagenbad-Verwaltung wird
beauftragt, für die weitere Beratung in den politischen Gremien ein Konzept
eines Ganzjahresbades am Kirchenberg vorzulegen. Hierbei sind im Vorfeld die
Bezirksvertretung, der Bürgerinitiative Ja zum Kirchenbergbad sowie die von
der Bürgerinitiative benannten externen Experten (Fachfirmen, unabhängige
Gutachter etc.) einzubeziehen, um eine kostengünstige und nachhaltige Lösung zu
entwickeln.
Die notwendigen
Investitionskosten sind zu ermitteln und in den Investitionsplan des
Gesamt-Bäderkonzeptes aufzunehmen.
Bei den Planungen sind
umfangreiche Einsparpotentiale und Synergieeffekte zu nutzen, um zu einer
deutlichen Reduzierung des Bäderzuschusses zu kommen.
2.
Der
Rat möge beschließen, die Freibäder Hestert und Hengstey zu erhalten und bei
der Standortfestlegung für die Bäder in Hohenlimburg das Ergebnis der Arbeit
der neu eingerichteten Bäderkommission abzuwarten und zu berücksichtigen.
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Abstimmungsergebnis: |
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x |
Einstimmig beschlossen |
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Mit Mehrheit beschlossen |
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Einstimmig abgelehnt |
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Mit Mehrheit abgelehnt |
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Abgelehnt bei Stimmengleichheit |
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Ohne Beschlussfassung |
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Zur Kenntnis genommen |
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