08.11.2022 - 3.6 Situation auf dem AusbildungsmarktBericht der A...

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Wortprotokoll

Zusammenfassung des Diskussionsergebnisses:

 

Frau Engelhardt begrüßt zu diesem Tagesordnungspunkt Frau Heck und Herrn Schmitz.

 

Frau Heck und Herr Schmitz berichten über die Situation auf dem Hagener Ausbil-

dungsmarkt (siehe Anlage zu TOP 3.6).

 

Frau Engelhardt dankt für den interessanten Vortrag. Diese Thematik werde den Ausschuss weiterhin begleiten.

Herr Meier merkt an, dass das ein sehr spannender Vortrag gewesen sei.              Diese Präsentation sei sicher auch für den Ausschuss für Stadt-, Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung dahingehend interessant, wo die Probleme lägen. Am gestrigen Tag sei bei der SPD-Fraktion die Thematik aus Sicht der Wirtschaft beschrieben worden. Neben Energie sei auch der Fachkräftemangel ein großes Thema gewesen, was für den Standort entscheidend sei. Dort könne der beschriebene Konflikt praktisch wahrgenommen werden. Er wisse auch noch keine Lösung für dieses Problem. Fakt sei, dass sich gegenüber der damaligen Zeit eine Menge verändert habe. Heute hätten Schüler die Möglichkeit, für einen gewissen Zeitraum in Berufe „hineinzuschnuppern“. Es gebe eine Ausbildungsmesse, die mit der Kreishandwerkerschaft und der Agentur Mark entwickelt worden sei. Man könne dort viele Firmen kennenlernen. Das seien insgesamt sehr gute Instrumente. Gleichwohl erlebe man immer wieder eine gewisse Orientierungslosigkeit bei den Schülerinnen und Schülern, wenn sie ihren Schulabschluss machten. Dann sei unter Umständen der Zeitraum abgelaufen, in dem man sich hätte bewerben können und man drehe eine „Ehrenrunde“. Er frage sich, woran diese Orientierungslosigkeit liegen könne. Man müsse prüfen, ob man noch viel früher in die Schulen gehen müsse, um die Kinder auf den nächsten Lebensabschnitt vorzubereiten.  

Im Hinblick auf die Attraktivität des Standortes stelle sich außerdem die Frage, was man tun müsse, Jugendliche davon zu überzeugen, dass der Südrand des Ruhrgebietes durchaus attraktiv sei. Er fragt, ob es Kontakte des Jobcenters und der Arbeitsagentur zur Wirtschaftsförderung oder zur SIHK gebe, um an dem Image des Standortes Hagen als Arbeitsort zu arbeiten. Sei das überhaupt ein Problem?  

 

Frau Heck bestätigt, dass es zu keiner Zeit vorher in dem Zusammenhang so viele Informationen gegeben habe, die Jugendliche nutzen können, um sich frühzeitig zu informieren. Nie zuvor habe man früher mit Berufsorientierung angefangen, als es heute der Fall sei. Man starte damit spätestens in der achten Klasse, die Berufsfelderkundung zu machen. Es sei auch sehr wichtig, die Eltern zu informieren, da diese eine sehr wichtige Rolle bei der Berufswahl der Kinder spielten.  

Jugendliche nutzten heute andere Medien wie Tik Tok, Instagram oder Whatsapp. Man müsse versuchen, diese Medien zu nutzen, um die jungen Menschen zu erreichen. Es sei ein großes Problem, da die Nutzung dieser Medien rechtlich nicht immer möglich sei. Man habe jetzt einen Versuch in Form eines interaktiven Parcours in Hagen mit dem Namen „Shopp Dein Job“ gestartet, um die Berufsorientierung für Hagener Jugendliche wieder attraktiver zu gestalten. Es sei spielerisch, bunt, knallig und leicht organisiert.

Daneben spiele das Thema Work-Life-Balance bei vielen Jugendlichen eine große Rolle. Beruf habe nicht den Stellenwert, den die Generation davor ihn noch erlebt habe und wie man damals sozialisiert worden sei. Viele der jungen Menschen legten mehr Wert auf ganz andere Themenfelder oder sie seien überhaupt nicht interessiert.

Bei dem letzten Punkt sei ihre Bitte an die Anwesenden, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie gewollt seien. Sie hätten in den letzten Jahren nur gehört, was alles nicht gehe, wie Demokratie in Gefahr sei und was Pandemien und Krisen auslösen könnten und man erwarte dann von ihnen, dass sie eine qualifizierte Berufswahlentscheidung träfen. Man müsse den jungen Menschen vermitteln, dass sie gebraucht würden und eine Perspektive vorhanden sei. Da sei jeder in seiner Rolle gefragt, ob beispielsweise als Elternteil, als Unternehmer oder als Verwandter.   

 

Herr Schmitz nimmt Bezug auf die Frage nach dem Problem mit der Region. Auf einer hiesigen Ausbildungsmesse könne man sehen, welche Vielzahl von Betrieben dort ihre Angebote unterbreiten würden. Er glaube nicht, dass man konkret ein Problem in dieser Stadt und dieser Region habe. Man müsse darauf aufmerksam machen, welche Möglichkeiten Jugendliche auch hier in dieser Region hätten.

 

Frau Sauerwein nimmt Bezug auf die Aussage, dass man auf Zielgruppen zurückgreifen müsse, die man vorher nicht im Blick gehabt habe. Sie fragt, welche Zielgruppe damit gemeint gewesen sei und wie man diese erreichen wolle. Gebe es spezielle Angebote und Hilfestellungen für diese Menschen oder auch möglicherweise für die Ausbildungsbetriebe?

 

Frau Heck antwortet, dass es solche Angebote beispielsweise in Form von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen gebe, um Jugendliche, die unentschieden seien, zu unterstützen. Man arbeite seit vielen Jahren gemeinschaftlich mit den Trägern hier vor Ort an diesem Thema, um Jugendlichen diese Perspektiven eröffnen zu können. Darüberhinaus böten auch diese Träger eine Art Förderunterricht an, in dem Jugendliche sozialpädagogisch und praktisch unterstützt würden. Das bedeute zusätzlichen Aufwand für den Ausbildungsbetrieb, weil er den Jugendlichen motivieren müsse, dorthin zu gehen. Der Jugendliche mache das außerhalb seiner normalen Arbeits- bzw. Berufsschulzeit. Davon seien auch nicht alle Jugendllichen angetan. Die von ihr angesprochenden vier Säulen beihalteten, wie man an Fachkräfte kommen könne. Das beziehe sich nicht ausschließlich auf Jugendliche, sondern auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Wenn man beispielsweise an die Zielgruppe der Frauen denke, sei der Vorteil, dass diese bedingt durch die Krise wieder darüber nachdenken würden, in Beschäftigung zu gehen, um das Überleben der Familien sicherzustellen. Auch für Menschen mit Behinderungen ergäben sich neue Chancen. Je höher der Bedarf an Fachkräften sei, desto eher seien Unternehmen bereit, weitere Hilfen in Anspruch zu nehmen, damit diese Menschen ihren Job gut machen könnten. Ihre Hoffnung sei, dass auch die Menschen, die es vor ein paar Jahren noch nicht geschafft hätten, jetzt durch zusätzliche Unterstützung, finanzielle HIlfen oder veränderte Rahmenbedingungen in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten.

 

Herr Thieser macht deutlich, dass die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Berufswelt ein Part des Ganzen sei. Es sei aber nutzlos, wenn der gesellschaftspolitische Stellenwert von Ausbildungsberufen so katastrophal sei, wie er im Moment sei. Da im Moment der Mangel an Facharbeitern im Handwerk deutlich spürbar sei, habe er die Hoffnung, dass ein Maurer oder Elektriker vom Stellenwert her endlich wieder hochgehoben werde und den Stellenwert bekomme, den er verdiene. Das gelte auch für die monetäre Seite, die sicher dabei auch von Belang sei. Da hätten die Arbeitgeber in den letzten Jahrzehnten zu wenig getan.

 

Frau Dr. Dreher-Sudhoff gibt zu bedenken, ob es nicht vielleicht ein Problem sei, dass bei uns inzwischen der Zusammenhang zwischen existieren und leben können und arbeiten müssen verlorengegangen sei. Wenn jemand arbeiten müsse, um leben zu können, wäre das Problem ihres Erachtens kleiner.

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Anlagen

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