13.11.2018 - 3 "GEWINN Hagen - Integrierte Kommunale Gesundhei...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3
- Sitzung:
-
Sitzung des Seniorenbeirates
- Gremium:
- Seniorenbeirat
- Datum:
- Di., 13.11.2018
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Frau Sauerwein begrüßt Frau König und Herrn Matzke vom Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz.
Herr Matzke berichtet, dass sein Aufgabenkreis die Gesundheitsberichterstattung, Gesundheitskonferenz, Aufgaben der Förderung der Selbsthilfe und Gesundheitsförderung von Menschen umfasst. Nach dem Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst besteht der Auftrag zur Gesundheitsförderung und Prävention vor allem für benachteiligte Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen. Nach dem Präventionsgesetz sind die Krankenkassen verpflichtet, gesundheitsfördernde Strukturen zu entwickeln und einzurichten. Zur Einrichtung dieser Strukturen bedarf es der Kenntnis vor Ort. Gemäß des § 20 a Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) sollen die gesundheitsfördernden Projekte in sogenannten „Settings“ erfolgen, d.h. z.B. Schule/Kita oder auch in Stadtteilen.
Die Stadt hat das Projekt auf den Stadtteil Wehringhausen konzentriert, da dort bereits vieles an Strukturbildung und Netzwerken erfolgt ist, welche das Projekt nutzen kann. Als Zielgruppen in Wehringhausen nennt Herr Matzke die älteren Menschen, Familien in sozial belastenden Situationen und Binnenmigranten, hier vor allem Menschen aus Bulgarien und Rumänien.
Herr Matzke berichtet, dass für die Umsetzung des Projektes 190.000 € von den Krankenkassen für zwei Jahre zur Verfügung gestellt wurden.
Frau König berichtet, dass sie Sportwissenschaftlerin ist und das Projekt ab 01.10.2018 umsetzt. Von 74 Kommunen, die einen Förderantrag gestellt haben, wurden nur 8 Anträge bewilligt. Die Menschen sollen in ihren Lebenswelten erreicht werden, d.h. dort wo sie wohnen, arbeiten, lernen und ihre Freizeit verbringen. Ziel ist es, die Menschen in zwei Jahren in Bewegung zu bringen, sie zu animieren, über ihren Gesundheitszustand nachzudenken und sie zu aktivieren.
Momentan erfolgt eine Bestandsaufnahme mit den Menschen, die in Wehringhausen leben, und den Akteuren vor Ort. Es erfolgt eine Fragebogenanalyse mit Fragen zur Beurteilung des Gesundheits- und Ernährungszustandes, welche Angebote bekannt sind und genutzt werden und welche Wünsche und Bedürfnisse bzgl. von Angeboten erforderlich sind. Dadurch sollen Angebotslücken aufgezeigt und Doppelstrukturen vermieden werden. Das Projekt erfolgt zusammen mit der Hochschule für Gesundheit und wird in den zwei Jahren der Projektlaufzeit evaluiert.
Ziel für die nächsten zwei bis drei Monate ist die Einrichtung eines Gesundheitsteams mit engagierten Menschen, die sich aktiv in die Durchführung von Maßnahmen und auch bei der Ideenfindung einbringen. Endgültiges Ziel ist, ein Netzwerk zu gründen, die Bewohner in Bewegung gebracht zu haben und eine Übertragbarkeit auf andere Stadtteile und ggf. auf andere Kommunen.
Auf Nachfrage von Herrn Höfig bzgl. der Fragebögen führt Frau König aus, dass in der dritten Oktoberwoche Interviews rund um den Wilhelmsplatz stattgefunden haben und in zwei Wochen noch einmal gezielt in den Einrichtungen Interviews stattfinden. Parallel laufen derzeit auch die Experteninterviews mit Leitern von Schulen, Kitas und Seniorenzentren.
Herr Bögemann weist auf eine schwierige Klientel hin und schildert, dass der Stadtsportbund dort auch bereits versucht hat, mit einem niederschwelligen Angebot Fuß zu fassen. Auf die Nachfrage wegen der Beschränkung auf Migranten aus Bulgarien und Rumänien erklärt Frau König, dass sie alle anderen Menschen mit Migrationshintergrund zur Zielgruppe 1 (junge Familien, Alleinerziehende, Kinder und Jugendliche) gezählt haben. Herr Bögemann bietet an, dass der Stadtsportbund gerne die Arbeit des Projektes unterstützen würde. Frau König bedankt sich für das Angebot und informiert, dass bereits diese Woche ein Gesprächstermin mit dem Stadtsportbund ansteht.
Frau Sauerwein weist auf die verschiedenen Kooperationspartner in Wehringhausen hin, die bereits jetzt mit dem „schwierigen Klientel“ zusammenarbeiten und dem Projekt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Frau König erläutert auf Nachfrage, dass es sich bei ihrer Stelle um eine Projektstelle für die Dauer von zwei Jahren handelt. Eine Verlängerung auf insgesamt fünf Jahre ist möglich. Frau König hofft, dass sich die entwickelten Strukturen so implementieren, dass sie auch ohne Fördergelder fortbestehen können.
Herr Bögemann führt auf Nachfrage von Frau Karakaya bzgl. der Form der Ansprache der Migranten noch einmal aus, dass persönliche Gespräche in den Familien geführt wurden, sie viele Kinder auch über die Schulen erreichen und in Sportprojekte einbinden konnten, aber die dauerhafte Einbindung in den Sport sich schwierig gestaltet. Frau Karakaya weist darauf hin, dass bei diesem Personenkreis bereits eine gewisse Scheu und mangelndes Vertrauen besteht und hier Vorarbeiten zu leisten sind.
Herr Matzke bittet um Vorschläge von Seiten des Seniorenbeirats für eine Erreichbarkeit von u.a. allein stehenden älteren Damen um auch einer Vereinsamung entgegenzuwirken. Frau Sauerwein verdeutlicht in diesem Zusammenhang noch einmal, dass nicht nur Migranten, sondern auch Senioren eine Scheu und Vertrauensprobleme gegenüber Neuem und fremden Menschen haben.
Herr Homm schlägt als Erreichbarkeitsmöglichkeit die Kirchen und die Familienzentren vor.
Frau Wiewiorka schildert, dass es auch für die Begegnungsstätten schwierig ist Menschen zu erreichen. Vieles läuft über Mundpropaganda und man muss Geduld haben.
Herr Klein weist darauf hin, dass die Bewohner in Seniorenzentren meist nicht mehr die fittesten sind, aber z.B. Bewohner von Seniorenwohnungen angesprochen werden könnten. Aufgrund der Hemmschwelle der Senioren würde gegebenenfalls eine Vertrauensperson des Verbandes, die den Menschen bekannt ist, die Arbeit der Projektmitarbeiter erleichtern. Er bittet darum, nicht jetzt schon das Projekt zu zerreden und macht den Vorschlag, dass Frau König in einem Jahr eine Rückmeldung zu den bereits erreichten Ergebnissen gibt.
Frau Sauerwein bedankt sich bei Frau König und Herrn Matzke und bietet die Unterstützung durch den Seniorenbeirat an.
