11.09.2018 - 7.3 Konzept zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit ...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 7.3
- Sitzung:
-
Sitzung des Sozialausschusses
- Datum:
- Di., 11.09.2018
- Status:
- öffentlich (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Herr Gierke teilt mit, dass er anhand einer PowerPoint-Präsentation das Fachstellenkonzept der Fachstelle für Wohnraumsicherung und Wohnraumversorgung in Notfällen vorstellen möchte. Die Zielgruppe der Fachstelle seien Menschen, die unmittelbar oder aktuell von Wohnungslosigkeit betroffen sind und Menschen die in unzumutbaren Wohnverhältnisse leben. Ziele der Fachstelle seien die Verhinderung von Wohnungslosigkeit und eine dauerhafte Wohnraumversorgung. Mit der vorbeugenden Obdachlosenhilfe solle der bestehende Wohnraum erhalten werden. Die hier arbeitenden Sozialarbeiter unterstützten die Menschen zum Beispiel, wenn Mietrückstände bestehen und führten Gespräch mit den Vermietern. Auch für die ordnungsrechtliche Unterbringung sei die Fachstelle zuständig, aktuell gebe es in Hagen noch zwei Notunterkünfte. Aber auch in Übergangswohnungen, im städtischen Männerasyl, im CVJM und in Hotels oder Pensionen könne man die Menschen unterbringen. Es gebe auch Reintegrationshilfen; die Menschen würden so auch aktiviert, um ihre Notlage zu überwinden. Er erwähnt, dass die Präsentation mit der Ablauforganisation dem Protokoll beigefügt werde. Hieraus könne man weitere Informationen entnehmen. Im Jahr 2017 habe die Fachstelle 1.082 Fälle von drohendem Wohnungsverlust bearbeitet, nur bei 19 Personen habe man eine Wohnungslosigkeit nicht verhindern können. Man habe 374 wohnungslose Personen beraten und es habe 110 ordnungsrechtliche Unterbringungen gegeben. Anhand einer Grafik erläutert er die Entwicklung der Obdachlosenzahlen seit 1999. Die Zahlen seien über die Jahre stetig zurück gegangen, 2017 und 2018 seien sie jedoch wieder angestiegen, weil viele Menschen nach Hagen zugewandert seien und teilweise in unbewohnbaren Wohnungen lebten.
Herr Müller berichtet über das städtische Männerasyl, das früher nur ein Nachtasyl war. Heute sei das Haus auch tagsüber geöffnet. Man verfüge über 800 Quadratmeter auf vier Etagen, es gebe Einzelzimmer, Zweibettzimmer und Schlafräume für vier bis neun Personen. Die Menschen erhielten Frühstück und Abendessen. Die vorhanden 45 Schlafplätze seien in der Regel ausreichend. Einige Menschen würden auch dauerhaft in der Unterkunft wohnen. Die Einrichtung sei 24 Stunden täglich aufnahmebereit. Ein Aufenthaltsbereich sei auch für Obdachlose nutzbar, die nicht in der Unterkunft übernachten. Der stadtärztliche Dienst biete wöchentlich Sprechstunden an. Für die Übernachtung in der Unterkunft seien von den Obdachlosen Gebühren zu zahlen. Ein Großteil der Menschen wohne nicht dauerhaft im Männerasyl, sondern könne irgendwann in eine eigene Wohnung oder in das Ambulant Betreute Wohnen wechseln. Herr Müller geht auf die Problemlagen der Menschen ein, dies seien Alkohol, Drogen, psychische Erkrankungen und soziale Isoliertheit. Der älteste Bewohner sei derzeit 80 Jahre alt, mehrere Bewohner seien über 70 Jahre, einige Bewohner hätten einen Rollator. Pflegedienste würden einigen Menschen die notwendigen Medikamente verabreichen. Er stellt fest, dass die Bewohner immer älter würden, diese könne man jedoch kaum noch anderweitig unterbringen. Nehme die Pflegebedürftigkeit bei Bewohnern zu, dann würde die Versorgung im Männerasyl schwierig.
Herr Klein fragt, ob es auch wohnungslose Frauen gebe. Er frage sich, wie man die älter werdenden Menschen mit Pflegebedürftigkeit im Männerasyl versorgen solle.
Frau Fischbach möchte den Unterschied zwischen Notunterkunft und Übergangswohnung wissen.
Herr Thieser merkt an, dass er sich die Präsentation näher anschauen werde. Es sei in der Öffentlichkeit nicht bekannt, welche Leistungen die Mitarbeiter der Verwaltung erbringen würden.
Frau Buchholz zeigt sich erschrocken darüber, dass die Obdachlosenzahlen wieder steigen. Sie befürchtet, dass die Zahlen noch weiter steigen könnten.
Herr Sondermeyer fragt, wie hoch der Anteil der Menschen sei, die draußen leben möchten.
Frau Sauerwein stellt fest, dass in Hagen kleine bezahlbare Wohnungen für Einzelpersonen fehlen.
Herr Gierke antwortet, dass es auch obdachlose Frauen gebe. Auch diesen Frauen werde ein Angebot gemacht. Die Notunterkunft bestehe aus zwei Gebäuden, es gebe vier Flure, Einzelzimmer, ein Sammelsanitär, jedoch keine weitere Betreuung vor Ort. Die Übergangswohnungen seien ganz normale Wohnungen, dort könnten die Menschen auch auf Dauer wohnen bleiben. Teilweise werde die Fachstelle von Gerichtsvollziehern informiert, wenn eine Räumungsklage eingereicht werde. Auch über sonstige Probleme mit der Wohnraumversorgung werde die Fachstelle oftmals rechtzeitig informiert, da sie gut vernetzt sei. Über Personen, die auf der Straße lebten habe die Fachstelle keine Zahlen, er vermute jedoch, dass diese Zahl recht gering sei. Man habe im Übrigen für Flüchtlinge viele Wohnungen angemietet. Er würde gerne der Anregung von Herrn Thieser nachkommen und die Namen seiner Mitarbeiter benennen.
Herr Müller berichtet, dass ein Bewohner die Pflegestufe drei habe, die Versorgung sei aber im Männerasyl auf Dauer nicht leistbar. Man suche nun andere Unterbringungsmöglichkeiten.
Frau Kaufmann schlägt vor, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Auch das Problem der Pflege von obdachlosen Menschen sollte in der Konferenz Alter und Pflege aufgegriffen werden.
Frau Timm-Bergs sagt zu, das Thema Anfang 2019 wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Anlagen
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