17.04.2018 - 3.1 Vorschlag der Fraktion Bürger für Hohenlimburg ...

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Wortprotokoll

 

[Anmerkung der Schriftführung: Herr Söhnchen hatte aus zeitlichen Gründen die Punkte 4.1. und 4.2. in der Tagesordnung vorgezogen; der Vorschlag zur Tagesordnung wurde im Anschluss besprochen, bleibt im Wortprotokoll der besseren Übersicht wegen aber an dieser Stelle.]

 

Herr Söhnchen bittet die Fraktionen darum, darauf zu achten, dass zukünftig die Anfragen innerhalb der gesetzten Fristen eintreffen sollten.

 

Zur Anfrage der Fraktion Bürger für Hohenlimburg / Piraten äert sich Dr. Blank wie folgt: Das unter dem Namen „Flamms“ auftretende Restaurant für Elsässer Flammkuchen wurde von den Betreibern von „Bunker Hagen“ in den Medien als Reminiszenz auf die Beteiligung französischer Kriegsgefangener 1940 am Bau des unmittelbar benachbarten und dem Betrieb zugehörigen Hochbunkers in der Bergstraße in Hagen vorgestellt. Die angebotenen Elsässer Flammkuchen sollen daran erinnern und an eine deutsch-französische Freundschaft anknüpfen.

Abgesehen von der aus historischer Sicht anzuzweifelnden bzw. unrichtigen Aussage, der Bunker sei 1940 von französischen Kriegsgefangenen errichtet worden, handelt es sich dabei um ein revisionistisches Geschichtsbild. Die Aussage vermittelt den Eindruck, die französischen Kriegsgefangenen seien während des Zweiten Weltkriegs freiwillig sowie im Rahmen einer deutsch-französischen Freundschaft beim Bunkerbau tätig geworden. Überdies wäre eine Pizzeria passender gewesen, denn der Bunker sei in der ersten Phase von italienischen Bauchfacharbeiter hochgezogen worden, im Winter 41/42, die aber nach Italien zurückgekehrt seien, und erst danach seien französische Kriegsgefangene eingesetzt worden. Das über eine solche Aussage vermittelte Geschichtsbild sei  unzutreffend und ahistorisch. Die Frage sei zum einen, wie gehe man mit einem solchen Bunker um. Diese seien bekanntermaßen in vielen großen deutschen Städten die einzigen Relikte nationalsozialistischer Architektur, seien nämlich beim Bau schon oft in die Generalbebauungspläne eingetragen worden und häufig von Architekten aus Speers Ministerium betreut worden. Bei diesen Bunkern hätten die Nationalsozialisten schon beim Bau einen gewissen Denkmalwert mit einbezogen, wie man aus Publikationen wisse. Die Bunker seien als „steinerne Festungen“ verkauft worden, die nach dem „Endsieg“ an die „glorreiche Heimatfront“ erinnern sollten, wie diese dem Bombenkrieg und den alliierten Luftangriffen widerstanden hätte. Die Befürchtung von Herrn Dr. Blank sei nun, dass, wie sich auch an anderen Beispielen zeigen würde, z.B. in Publikationen, wo die „schöne Gauhauptstadt Westfalen-Süd“ abgefeiert werde, oder in Form eines Bunkerbiers als Reminiszenz an die Front, also dass so ein Geschichtsbild hier weiter tradiert werde. Aus wissenschaftlicher Sicht sollte man mit einem Bunker eher so umgehen wie in Berlin, wo höchst fundiert informiert werde. Er begrüße es sehr, dass man hier einen öffentlich zugänglichen Bunker habe, wo man etwas über den Bunkerbau, den Krieg und alles Weitere erfahren könne, ihm ginge es aber um die Frage, wie werde es dargestellt, wie werde es rezipiert, und wie werde es vermittelt. Bei „Flamms" und dem hier getroffenen Bezug auf französische Zwangsarbeiter sei ihm dies als Historiker unangenehm aufgefallen und man könne dies seiner Meinung nach besser machen.

Herr Specht sieht die Anfrage im Wesentlichen beantwortet. Für ihn ergäbe sich jetzt die Frage, sei dies als ein naiver Umgang mit dem Thema zu bewerten, oder als ein wissentlicher?

Herr Dr. Blank antwortet, er habe sich am 28. Februar mit der Betreiberin Frau Beiderbeck zusammengesetzt und man bemühe sich gemeinsam, alles in ein sinnvolles Fahrwasser zu lenken. Schon bei der Einrichtung des Bunkers hätten sich das Stadtmuseum und das Stadtarchiv gekümmert, es seien auch viele eigene Leihgaben im Bunker, Fotografien und Museumsexponate. An sich sei dies alles also eine gute Sache, aber es fehle eine historische Betreuung und auch die Möglichkeit, so etwas im Bunker selbst herüberzubringen. Dies sei etwas, was die Zukunft verbessern könne.

Herr Söhnchen baut darauf, dass dies in der zukünftigen Kommunikation geschehe.

Herr Walter schließt die Frage an, ob man einmal an den eigentlich berühmteren Bunker gedacht habe, den man heute gar nicht mehr als solchen wahrnehme, wo aber Bomben eingeschlagen seien, was heute als heftigstes Bombenunglück des Zweiten Weltkrieg mit den meisten Toten weltweit gelte, und von außen erinnere nichts hieran, es gäbe kein Gedenkschild. Dies können man seriös handhaben und nicht als Histotainment à la Bunkelgrusel plus Flammkuchen.

Herr Dr. Blank greift einen Hinweis von Herrn Walter auf und erwähnt die zusammen mit der VHS entwickelte Bunkertour, welche gut angenommen werde. Der Bunker in der Körnerstr. zeige nichts mehr, sei nun ein umgebautes Wohn- und Geschäftshaus und diene heute als Moschee. Der Bunker selbst sei nun also ein Gotteshaus, hier werde gebetet, und aus seiner Sicht sei dies als Gedenken gut. Er ist der Meinung, dass ein begehbarer Bunker, historisch gut vermittelt, weitaus mehr bewirken könne für die politische Aufklärung und als Ort der Auseinandersetzung für Schulklassen, als ein Denkmalschild.

 

 

 

 

 

 

 

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Zur Kenntnis genommen

 

 

 

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Anlagen zur Vorlage