30.06.2005 - 5.20 Verabschiedung Haushalt 2005
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.20
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 30.06.2005
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- OB/A Amt des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Zusammenfassung
des Diskussionsergebnisses:
Herr Gerbersmann hält die nachfolgende Haushaltsrede:
Sehr
geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine Damen
und Herren,
eigentlich
war das Feld für die Stadt Hagen zur Kommunalwahl 2004 gut bestellt. In den
vorangegangenen 5 Jahren hatte sich in Hagen so viel bewegt, wie in 10 oder 20
Jahren zuvor nicht. Mit Wilfried Horn hatte die Stadt 5 Jahre lang einen
Oberbürgermeister gehabt, der die Menschen in dieser Stadt und vor allem für
diese Stadt begeistert hat. Mit allem Nachdruck hat sich Wilfried Horn für eine
positive Entwicklung eingesetzt und hat für sie geworben. Das Bemühen des
Oberbürgermeisters und der Verwaltungsspitze wurde begleitet durch eine klare
Mehrheit von CDU und FDP im Rat der Stadt Hagen. Festes Ziel von
Oberbürgermeister und Ratsmehrheit war es, anstehende Probleme schnell zu lösen
und vor allem für die großen Investitionsprojekte der vergangenen Legislaturperiode
alle Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.. Letztlich war es diese Konstellation,
die in der letzten Legislaturperiode zur Umsetzung der gewaltigen Veränderungen
besonders in der Hagener Innenstadt, aber nicht nur dort führten. Die Erfolge,
die erzielt wurden, führten zu einer nie da gewesenen Aufbruchstimmung in
unserer Stadt. Die Menschen haben bemerkt, dass sich etwas tut. Aber nicht nur
die Menschen in dieser Stadt haben diese Aufbruchstimmung gespürt.
Auch die
Wirtschaft wurde von dieser Aufbruchstimmung angesteckt:
Im
Dynamikranking zeichnet die Wirtschaftswoche in der von ihr beauftragten Untersuchung
für Hagen ein hervorragendes Bild für die Zukunft:
·
“Einen
Schub an Gründungen hat Hagen zwischen 1999 und 2003 erlebt: Damit liegt Hagen
(im Stadteranking) auf Platz 2.”
·
Die
Einkommen je Beschäftigten sind in Hagen zwischen 1998 und 2004
ünerdurchschnittlich gestiegen. Damit liegt die Stadt auf Platz 5.
·
Gleiches
gilt für die Kaufkraft. Platz 9 für Hagen.
Hagen
war also auf einem guten Weg. Doch dann kam die Kommunalwahl. Sie brachte der
Stadt vor allem eins: unklare Mehrheitsverhältnisse! Seither ist jegliche
Dynamik in der Entwicklung unserer Stadt erloschen. Sicher, wir bekommen nun
endlich das ersehnte Schumachermuseum, was auch mich persönlich ganz besonders
freut. . Zur Ehrlichkeit gehört aber, dass dieses Projekt bereits in der
letzten Legislaturperiode erstellt wurde und ohne einige wahltaktische Manöver
auch bereits im letzten Herbst hätte unterschrieben werden können.
Ansonsten gestaltet sich alles sehr schwierig. Probleme
werden weniger gelöst, als vertagt. Der Sitzungsturnus ist zwar enger, die
Anzahl wichtiger Entscheidungen, die mit klarer Mehrheit laufen hat drastisch
abgenommen. Gute Beispiele für Zufallsmehrheiten bot der letzte HFA. Hat sich
für wichtige Bauprojekte endlich ein Investor gefunden, so wird nicht nach
einem beschleunigten Verfahren gesucht, sondern es werden weitere Wünsche auf
den Tisch gebracht, die den Investor zur Verzweiflung und damit vielleicht aus
dem Projekt treiben.
Machen
wir so weiter, werden auch die letzten, gerade noch vorhandenen Reste der
Aufbruchstimmung aus dem Jahr 2004 zerstört. Dies wäre ein denkbar schlechter
Einstieg in einen Maßnahmenplan zur Begleitung des Demographischen Wandels.
Dabei brauchen wir Aufbruchstimmung und positive Signale im Konzert der
Gemeinden so nötig wie der Mensch Luft zum Atmen. Bei der Diskussion um den
Demographischen Wandel sehe ich allerdings in den letzten Wochen auch positive
Signale. Stand am Anfang der Diskussion eine fatale Ergebenheit in die
Statistik im Fordergrund, nehme ich nun auch Konzepte für Gegenmaßnahmen wahr.
Ich bin der festen Überzeugung, dass ohne das umfangreiche Engagement der
CDU-Fraktion gerade in dieser Frage heute immer noch “Hagen, die sterbende
Stadt” im Fordergrund der Diskussionen stünde. Die CDU-Fraktion hat ein
umfassendes Papier mit Analyse und ersten Maßnahmenvorschlägen vorlegt, zu
einem Zeitpunkt, als die Verwaltung noch bei der Situationsbeschreibung
verharrte. Inzwischen wurde das CDU-Papier durch die Vorschläge der anderen
Fraktionen in einer Synopse ergänzt. Diese Synopse wird nun mit gleichberechtigten
Vorschlägen sich der weiteren Diskussion stellen. Ich hoffe, dass hieraus ein
fruchtbarer Dialog entsteht. Die Stadt Hagen kann gute Ideen wahrlich gut
gebrauchen. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen, die Ihre Ideen dort
eingebracht haben, vor allem aber ganz persönlich auch bei meinem
Fraktionsgeschäftsführer Alexander Böhm, für die tolle Arbeit an diesen
Papieren.
Kommen wir
nun noch zum Haushalt selbst:
II.
Haushalt 2004 – Blaupause für die Zukunft
Wer
über den Haushalt 2005 reden will, der muss auch einen kurzen Blick auf den vorangegangenen
Haushalt werfen. Denn der jetzt vorliegende Haushaltsplanentwurf ist im Wesentlichen
eine Fortschreibung der letzten Finanzplanung.
Im
Dezember 2003 lag dem Rat ein genehmigungsfähiger Haushalt von Oberbürgermeister
Wilfried Horn vor. Der Haushalt war
solide prognostiziert und ein Haushaltssicherungskonzept entwickelt, dass in
seinem Umfang und seiner Konsequenz ganz gegen den Trend landesweit seines
Gleichen sucht. Die Entwicklung dieses Konzeptes ist unzweifelhaft mit dem
Namen unserer Kämmerin Anne Grehling verbunden. Die Vorraussetzungen waren also
gut, doch statt eines einheitlichen Vorgehens, entzweite sich der Rat. Das Böse
Wort der “Luftbuchungen” nahm seinen Anfang. Die Bezirksregierung
lobte zwar das Konzept, versagte “aus Glaubensgründen” dem Haushalt
die Genehmigung. Eine solche Begründung mag bei der Kriegsdienstverweigerung
ehrenhaft sein, bei der Genehmigung eines Haushaltes ist sie schlicht
unrechtmäßig. Statt sich konkret mit den Hagener Zahlen auseinander zu setzen,
“glaubte” man einfach nicht, das beispielsweise die Prognose der
Gewerbesteuer so eintreffen würde. Heute wissen wir, dass die Zahlen genauso
eingetroffen sind, wie sie unsere Kämmerin prognostiziert hat. Annekathrin
Grehling hatte das Steuer fest in der Hand und verstand es, das HSK und den
Haushalt sicher zu landen – auf dem vorhergesagten Punkt genau. Ganz
nebenbei senkte sie das strukturelle Haushaltsdefizit seit 2003 von 117 auf 84
Mio. Euro. Die Prognosen der Kämmerin
– und nicht die Weissagungen der Regierungspräsidentin sind in der
Schlussrechnung des Jahres 2004 zu finden.
Ich
überlasse es Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zu entscheiden, ob die Kämmerin
Unmögliches möglich gemacht hat oder ob sie vorab einfach nur Hagens Möglichkeiten
richtig eingeschätzt hat. Und wer bis heute Ihre Kompetenzen und Ihren Einsatz
nicht zu schätzen wusste, der wird es spätestens ab Oktober tun.
III. Haushalt 2005
Ich
freuen mich allerdings – und jetzt kommen wir zum Haushalt 2005 –,
dass nun derselbe Mann als Oberbürgermeister ohne erkennbare Bauchschmerzen
unseren Konsolidierungskurs fortschreiben lässt, von dem er als
Fraktionsvorsitzender vor einem Jahr noch behauptete, es seien da jedem Menge
“Luftbuchungen” drin. Wenn man selbst in der Verantwortung steht,
sieht die Welt manchmal eben ganz anders aus.
So
wie bei den Kindergärten. Ich will den alten Streit nicht wieder neu aufwärmen,
erlaube mir aber den deutlichen Hinweis, dass nun exakt das umgesetzt worden
ist, was die CDU vor der Wahl angekündigt hatte. Sparen mit Augenmaß! Aber
lassen Sie uns nach vorne blicken!
Lobte
die Kämmerin in ihrer Haushaltsrede anlässlich der Einbringung am 24. Februar
noch die unzweifelhafte “Disziplin der Verwaltung”, so mache ich
eine zunehmend schwindende Haushaltsdisziplin im Rathaus und Politik aus. Die
Beispiele sind manchmal nur klein, aber in ihrer Signalwirkung an andere groß.
Hier müssen wir unbedingt auf ein schlüssiges Gesamtsparpaket weiter achten,
damit uns die Konsolidierung nicht wieder aus dem Ruder läuft.
Konsolidierungsmaßnahmen dürfen nicht vorschnell als “wegbrechend”
akzeptiert werden. Hier sind Oberbürgermeister und eine stabile Ratsmehrheit
gefragt, um wirksam zur Ordnung zu rufen.
Die
CDU-Fraktion trägt diesen Haushalt in der Hoffnung mit, dass der von uns begonnene
Weg der Konsolidierung konsequent fortgesetzt wird. Wir sind auch bereit, in diesem
Bereich Verantwortung zu übernehmen. Dies ist einer der Gründe, die uns bewogen
haben, mit der SPD eine Vereinbarung einzugehen. Die Stadt Hagen und ihre Bürgerinnen
und Bürger brauchen eine verlässliche Ratsmehrheit, die die großen Probleme
dieser Stadt gemeinsam angeht.
Zufallsmehrheiten müssen durch breite Entscheidungen ersetzt werden.
Dies haben die Ereignisse der letzten Monate, die ich Anfangs schon beschrieben
habe, überdeutlich gezeigt.
Wir
sind uns bewusst, dass die schwierigen anstehenden Entscheidungen durch diese
Vereinbarung alleine nicht einfacher werden. Um manchen Kompromiss werden wir
lange ringen und manchmal wird sicherlich auch nicht jedes Ergebnis zufrieden
stellen. Aber eines ist entscheidend: Die gefundenen Kompromisse werden über
den Tag einer Zufallsmehrheit hinaus halten. Und diese Kontinuität werden wir
brauchen, wenn wir über Haushaltskonsolidierung, Umbau des “Konzerns
Stadt”, Demographische Entwicklung, Bäderkonzept, Personalentwicklung
oder wichtige Stadtentwicklungsprojekte wie die Bahnhofshinterfahrung reden.
Die beiden großen Fraktionen sind bereit, sich diesen Herausforderungen
gemeinsam zu stellen. Interessant ist dabei, dass in den letzten Wochen viele
in der Öffentlichkeit, aber auch aus anderen Parteien ein Zusammengehen der
beiden großen Fraktionen gefordert haben. Und nun wird eben jene Zusammenarbeit
von den kleinen Parteien abgelehnt. Dabei zeigen die letzten Monate, dass es
einfach nicht möglich ist, immer alles mit zwei oder drei Partnern zu klären.
Ich
würde mich freuen, wenn diese Zusammenarbeit der beiden großen Fraktionen als
vernünftigste Lösung für diese Stadt begriffen würde und nicht als
“Kartell der Macht”, nur weil man glaubt, nicht mehr Zünglein an
der Waage sein zu dürfen. Trotz aller Kraftworte, die im Augenblick fallen und
die ich hier bewusst nicht kommentieren möchte, laden wir auch die kleinen
Fraktionen ein, sich an den Lösungen für unsere Stadt weiter konstruktiv zu
beteiligen. Wenn der Pulverdampf verzogen ist, wird dies von den Bürgerinnen
und Bürgern sicher erwartet.
Ich bedanke
mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Weber hält die nachfolgende Haushaltsrede:
Die
Zahlen des Haushalts für 2005 machen es mehr als schmerzlich deutlich: Jahre des
Glücks und des Überflusses stehen uns nicht ins Haus. Es wird unruhiger,
spannender und kritischer werden. Der Haushalt ist für die nächsten Jahre nicht
genehmigungsfähig. Es ist aber möglich, dieses Ziel doch noch in dieser
Wahlzeit des Rates erreichen zu können. Dazu müssen grundlegende Entscheidungen
jetzt getroffen werden. Die radikale Senkung des jährlichen strukturellen Defizits von rd. 80
Mio Euro muss konsequent weiter angegangen werden. Es darf keine weiteren
Verschiebungen in die Zukunft mehr geben.
Wir kaufen nicht nur die Brötchen und die Wurst auf Pump.
Auch die Absätze, die wir auf dem Weg zum Bäcker verbrauchen, sind noch nicht
bezahlt.
Zum Jahresende werden wir die Summe von 500 Mio Euro an
Fehlbeträgen angesammelt haben. In guter alter DM bedeutet dies: Wir stehen mit
1 Milliarde Mark in der Kreide! Eine Summe die erst einmal erschreckt und kaum
zu begreifen ist. Allein für die Überziehung unserer Konten zahlen wir täglich
23.000 Euro.
Hält
man hier die geplante Einsparung von 30.000 Euro jährlich für die
Musikförderung dagegen, so wird deutlich: Bei aller Sympathie für die
Erkenntnis, dass Kleinvieh auch Mist macht: Wir müssen die wirklich bedeutsamen
Strukturentscheidungen des Strategiekonzeptes jetzt anpacken und nicht in die
Wiedervorlage 2007 oder 2008 legen. Die SPD-Fraktion war dazu immer bereit und
bekräftigt dies auch heute noch einmal.
Wir waren es auch, die die Koalition der Vernunft
eingefordert haben, um über den Weg des politischen Konsenses die
Handlungsfähigkeit der Stadt zurück zu gewinnen. Konsolidierung war und ist für
uns kein Selbstzweck. Es ist der einzige Weg, um aus eigener Kraft die
finanziellen Probleme zu überwinden.
Wir haben dabei aber auch immer deutlich gemacht, dass dies
nur auf einer soliden Grundlage geschehen kann. Nur ernsthafte und belegbare
Konsolidierungsvorschläge führen zu Zugeständnissen der Aufsichtsbehörde und
letztlich zur Genehmigung unseres Haushalts. In dieser Konsequenz haben wir dem
Haushalt 2004 die Zustimmung verweigern müssen.
Dies war richtig so, denn allein die Korrektur der Zahlen im
Kindergartenbereich von über 3 Mio Euro bestätigen uns heute in unserer
damaligen Haltung. Seifenblasen wollte und konnte kein verantwortungsvoller
Kommunalpolitiker beschließen.
Auch jetzt enthält das Strategiekonzept noch Maßnahmen, die
in ihrer Wirkung und zahlenmäßigen Darstellung noch konkretisiert werden
müssen, um zukünftig zur Genehmigungsfähigkeit des Haushalts beizutragen. Wir
sind aber sicher, dass unter der Führung von Oberbürgermeister Peter Demnitz
der jetzt eingeschlagene Weg zum Erfolg führen wird.
Es wird viel Kraft und Phantasie erfordern, die Strukturen
so zu verändern, dass Einsparungen von jetzt noch rd. 50 Mio Euro dauerhaft
realisiert werden können. Gleichzeitig müssen die Herausforderungen des
demografischen Wandels mit dem Anspruch nach deutlicher qualitativer Steigerung
Hagens auf vielen Gebieten bewerkstelligt werden. Nicht zuletzt steht die
Beseitigung der vielen Millionen Euro an aufgelaufenem Unterhaltungs- und
Investitionsaufwand auf der Tagesordnung, um hier nur die wichtigen Punkte
anzusprechen. Dieses Konzert unterschiedlichster Ansprüche und Forderungen
mutet utopisch und kaum realisierbar an.
Es gibt zur Lösung keine Patentrezepte. Es muss alles was
hierzu an eigenen Lösungen angedacht und vorgeschlagen worden ist auf den
Tisch. Der berühmte Blick über den Tellerrand zu den vielen anderen Städten,
denen es ähnlich geht wie uns, bringt sicher weitere Ideen und Lösungsansätze.
Es liegt dann an uns allen, hieraus ein schlüssiges Gesamtkonzept für eine
positive Zukunft Hagens zu entwickeln.
Den Anspruch auf eine gute Zukunft haben die Hagener sich
hart erarbeitet. Und das ist
Verpflichtung für uns, sie zu gestalteten.
Dazu sind wir alle gewählt worden!
Trotz finanzieller
Schwierigkeiten noch den Blick für notwendige Fortentwicklungen zu haben, ist
uns, so denke ich, gemeinsam bisher gut
gelungen. Die Neue Mitte hat das
gebracht was wir erhofft hatten. Mit dem Emil-Schumacher-Museum und der
Präsentation der frühgeschichtlichen Funde erhält Hagen Anziehungspunkte, die
über die Region hinaus wirken.
Dies sind touristische Schwerpunkte, die zügig ausgebaut werden müsse um breite Schichten
von Benutzern anzulocken.
Mit den dann vorhandenen Einrichtungen sind wir in Hagen gut
aufgestellt, stoßen aber an die Grenzen dessen, was wir uns leisten können, was
unsere Kasse noch zulässt. Wir müssen in den jetzt vor uns liegenden
Entscheidungsprozessen darauf achten, dass die Messlatte der Konsolidierung in
allen Bereichen gerecht aufgelegt wird. Das heißt nicht Rasenmäher, sondern
fordert von uns allen den Mut zum Setzen von Schwerpunkten. Es stellt sich z.B.
die Frage: Halbierung bei den Bädern, drastische Einschnitte beim ÖPNV und
Status Quo bei der Kultur?
Auch die SPD-Fraktion hat darauf noch keine Antwort. Es wird
spannende Diskussionen und schmerzliche Entscheidungen geben müssen.
Von zentraler Bedeutung für das Gelingen all unserer
Bemühungen ist das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger für unser Tun. Der
richtigen Vermittlung unserer Vorstellungen und Entscheidungen kommt deshalb
besondere Bedeutung zu. Frühzeitig muss deshalb das Gespräch, der Dialog mit
den Menschen gesucht werden.
Diese Dialogfähigkeit müssen wir auch mit den Beschäftigten
in unserer Verwaltung aufbringen. Arbeitsplatzgarantie und Besitzstand beim
Einkommen ist ein Versprechen, das wir erneuern müssen.
Aber auch Flexibilität bei der Übernahme neuer
Aufgabenfelder und die Bereitschaft zur notwendigen aufgabenbezogenen
Qualifizierung muss bei den Beschäftigten weiter verstärkt gefördert werden.
Hagen lebt von der Vielfalt seiner Bürgerinnen und Bürger.
Sie leben für ihre Stadt, sie engagieren sich in vielen Bereichen. Dies gilt in
besonderer Weise für die vielfältigen Aktivitäten in der Jugend- und
Vereinsarbeit. Dieses Engagement in seiner Vielfalt zu erhalten und zu
unterstützen liegt uns besonders am Herzen.
Hier sollte sich der Rat der Stadt öffentlich auch zur
finanziellen Unterstützung bekennen.
SPD und CDU stimmen darin überein, dass sie als große
Fraktionen eine besondere Verantwortung für die Weiterentwicklung unserer Stadt
haben und deshalb in wichtigen Zukunftsfragen gemeinsame Antworten und Lösungen
finden wollen. Wir sind überzeugt, dass diese Zusammenarbeit der Stadt gut tun
wird.
Nur gemeinsam, auch im positiven Streit, sind unsere
Probleme lösbar.
Nicht der Wind, den wir machen bestimmt die Richtung,
sondern die Stellung der Segel.
Das Erstellen und Ausrichten der Takelage ist Teamarbeit.
Dazu rufe ich sie alle auf. Packen wir`s gemeinsam an.
Herr Riechel hält die nachfolgende Haushaltsrede:
Herr Oberbürgermeister, Frau Kämmerin, liebe Kolleginnen und
Kollegen,
Wir lassen den von der Kämmerin vorgelegten Haushalt
passieren !
Da dies - soweit ich mich erinnern kann - seit Jahren nicht
mehr vorgekommen ist, einige Sätze zur Begründung.
Zunächst einmal:
Bereits der Haushalt des Jahres 2003 hätte mit den Stimmen
der Grünen verabschiedet werden können, als es vordringlich war, ein
einheitliches Signal für den Einstieg in die HH-Konsolidierung zu setzen.
Die damalige CDU/FDP-Mehrheit im Rat hat es jedoch
vorgezogen, mit einigen sachlich völlig unnötigen und zeitlich zudem
vorgezogenen Maßnahmen aus dem Konsolidierungspaket insbesondere die Grünen vor
den Kopf zu stoßen. Der bis dahin über die Fraktionsgrenzen hinausgehenden
Konsens wurde leichtfertig aufgekündigt.
Die Grundausrichtung des damaligen Haushaltsplanentwurfs,
der auf dem von allen Fraktionen gemeinsam erarbeiteten HSK aufbaute, war bis
auf einige unsinnige Großprojekte und “Dauerausnahmen” (z.B. die
Ortsumgehung Boele, der Holthauserdamm etc.) durchaus stimmig und von einem
zwingend notwendigen Sparbemühen gekennzeichnet.
Zu dem Grundsatzentschluss, mit einem umfangreichen und
zwischen den Fraktionen abgestimmten Maßnahmenpaket die Sanierung des
Haushaltes und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt wiederzugewinnen,
stehen wir nach wie vor.
Aber auch das muss ich vorwegschicken:
Wir stehen ebenfalls zu unserem erklärten Vorsatz, nicht auf
Gedeih und Verderb an der angestrebten Einsparsumme des Konsolidierungspakets
zu kleben.
Vielmehr werden wir – wie bisher auch - weiterhin jede
im Konsolidierungspaket angedachte Maßnahme einzeln betrachten und einer
kritischen Prüfung unterziehen, wenn sie als Verwaltungsvorlage in die Gremien
eingespeist wird.
Unsere Zustimmung zu einzelnen Maßnahmen ist und bleibt
davon abhängig, ob die Auswirkungen der Einsparvorschläge vertretbar sind!
Insbesondere die sozialen oder ökologischen Folgen dürfen
keine unvertretbaren Härten verursachen!
Wichtige funktionsfähige Infrastrukturen dürfen nicht
zerstört werden !
Die Folgekosten müssen in einem angemessenen Verhältnis zum
Einsparvolumen stehen !
Der Einspareffekt muss nachhaltig wirksam sein !
Sofern diese Voraussetzungen gegeben sind , werden wir uns
auch weiterhin einer zielgerichteten Konsolidierungspolitik nicht verschließen
sondern diese konstruktiv begleiten.
Nun zum Haushaltsplanentwurf 2005 !
Der vorgelegte Haushaltsplanentwurf 2005 hat einen
grundlegenden Schönheitsfehler: Er ist trotz aller Anstrengungen nicht
genehmigungsfähig !
Nun könnte man fragen:
Was unterscheidet diesen Hagener Haushalt 2005 dann von den
Haushalten der vergangenen Jahre bzw. was unterscheidet ihn von den Haushalten
der Städte, die sich mit ihren dauerhaft ungenehmigten Haushalten
“abgefunden” haben und sich ihrem Schicksal ergeben ?
Der wesentliche Unterschied:
Auch wenn die bisherigen Sparbemühungen noch nicht zur
Genehmigung des Haushaltes geführt haben, wird von der Aufsichtsbehörde
immerhin gewürdigt, dass Hagen aus eigener Kraft Fortschritte macht.
Das führt nicht nur zu einem Fleißkärtchen für die Kämmerin,
sondern zu einer neu ausverhandelten Kreditlinie, mit der die Stadt immerhin
einen - wenn auch begrenzten -Freiraum zur Umsetzung ihrer wichtigsten
Investitionsvorhaben wiedergewinnt.
Wie man die Investitionsvorhaben dann inhaltlich und
politisch bewertet, steht natürlich auf einem anderen Blatt:
Sie wissen, dass unser grünes Herz wegen der ökologischen
und ökonomischen Folgewirkungen immer noch weniger für die Ortsumgehung Boele
oder die infrastrukturelle Aufbereitung von Baugebieten schlägt als zum
Beispiel für Investitionen in Schulen und Soziale Einrichtungen.
Die nächste naheliegende Frage ist deshalb sicherlich:
Warum hat gerade der vorgelegte, in Teilbereichen für uns
eher kritische und in Gänze von der Aufsicht nicht genehmigungsfähige Haushalt
einen derartigen Charme, dass sogar die Grünen zustimmen ?
Nun, dieser Haushalt gibt nicht, wie in der Vergangenheit
aufgrund der Mehrheitsverhältnisse üblich, die einseitige politische
Willensbildung einer eindeutigen Gestaltungsmehrheit wieder, denn die gibt es
zur Zeit nicht.
Man wird sehen, was aus dem angekündigten Vorhaben einer
“Großen Koalition” zwischen SPD und CDU in den nächsten Wochen und
Monaten wird.
Der vorgelegte Haushaltsentwurf ist stattdessen die
schlichte Fortschreibung der laufenden Geschäfte unter den Bedingungen eines
Konsolidierungsprozesses, mit dem sich die im Rat vertretenen Fraktionen
bislang einverstanden erklärt haben.
Unser Anlass, diesen Haushalt passieren zu lassen, liegt nun
keinesfalls darin begründet, dass wir als tendenzielle Opposition in diesem Rat
keine Verantwortlichen ausmachen können, die in einer Haushaltsdebatte rituell
zu verprügeln wären. Hier böten sich diverse Ansatzpunkte !
Nein, - die Kassenlage der Stadt Hagen ist schlicht so
dramatisch, dass nur eine gemeinsame politische Anstrengung aller Fraktionen im
Rat Aussicht auf Erfolg verspricht, die notwendige Konsolidierung fortzusetzen.
Insbesondere ist dies notwendig, weil eine Reihe der
Ausgabeposten, die uns in diese desolate Haushaltslage gebracht haben, nicht
hausgemacht sind.
Sowohl der Bund als auch das Land NW haben aus ihrer eigenen
Finanznot heraus Gesetzesänderungen zu Lasten der Kommunen beschlossen, die
selbst bei eiserner Ausgabedisziplin der Kommunen und durchgängigen Reformen
und Umstrukturierungen in allen Bereichen, nicht zu kompensieren sind (
Beispielhaft nenne ich hier: Solidarausgleich Ost, Hartz IV,
Gewerbesteuerreform ).
Im Gegenteil, die Finanznot der Kommunen, die sich aus
dieser Schieflage ergibt, zwingt die Städte und Gemeinden häufig zu
unwirtschaftlichen , unsozialen und unökologischen Maßnahmen mit negativen
Langzeitwirkungen auch für den Hauhalt.
Insbesondere die Stadt Hagen hat zudem mit Abwanderung und
demographischem Wandel zu kämpfen, der sich nachhaltig auch im Haushalt
niederschlägt.
Geringere Schlüssel- und Zweckzuweisungen des Landes zur
Finanzierung der Grundkosten und der Investitionen der Kommune, geringere
Auslastung der vorhandenen und vorzuhaltenden Kapazitäten sowie der Rückgang
der regionalen Nachfrage und der Steuereinnahmen etc. führen dazu, dass sich
die Haushaltslage eher weiter verschlechtert.
Das soll nun jedoch nicht heißen, dass sich die Grüne Fraktion bei einem
dieserart dauerhaft überschuldeten Stadtsäckel zukünftig grundsätzlich und per
se auf den Haushalt einschwören lässt !
Das wäre in der Tat ein wenig schlicht !
Es wird sicher in der Zukunft weiterhin Differenzen und
Auseinandersetzungen darüber geben, welche Prioritäten bei den wenigen
möglichen Investitionsvorhaben von Bedeutung gesetzt werden.
Eine neue Bäderkonzeption ist ebenso zu entscheiden, wie die dauerhafte
Finanzierung des ÖPNV, des Theaters/Orchesters, die Sanierung der Sportstätten
und Schulen und der Stadtteile, oder die Sanierung und Weiterverwendung der
Stadthalle.
Und wenn dann , sagen wir mal die sogenannte “Große
Koalition” der Baulöwen in SPD und CDU, mit der Erschließung des Bau- und
Gewerbegebietes Emst IV “um die Ecke biegt”, den Autobahnanschluss
durchs Landschaftsschutzgebiet im Lennetal auf die Tagesordnung bringt, oder
eine Neuauflage des gottlob gestorbenen Autohofs auf dem Böhfeld hervorzaubert,
- dann können Sie auch wieder damit rechnen, das die Grünen Haushalte dieser
Art ablehnen werden.
Der heute vorgelegte Haushalt weist – mangels
finanzieller Spielräume und Möglichkeiten – keine Investitionen auf, die
aus unserer Sicht seine Ablehnung rechtfertigen.
Einzig die schon erwähnte Ortsumgehung Boele fällt durch
unser “Prüfnetz”.
Unsere Zustimmung zum vorliegenden Haushalt bedeutet jedoch
nicht, dass wir rundum zufrieden damit wären, wie die Stadt Hagen ihre
Einnahmen und Ausgaben bewirtschaftet.
Aus unserer Sicht gibt es immer noch genügend
“hausgemachte” Kostenfallen und “schwarze Löcher”, in
denen die im Rahmen der Konsolidierung erzielten Einspareffekte größtenteils
wieder versickern oder mit nicht vertretbaren Qualitätseinbußen kommunaler
Leistungserbringung verbunden sind.
Die Effizienz und Effektivität des Verwaltungshandelns ist
in vielen Fällen aufgrund unklarer Strukturen, Kompetenzen und Verantwortungen
nicht gegeben.
Weder der Prozess der Verwaltungsreform mit dem Ziel,
mittelfristig effektivere Verwaltungsstrukturen zu bekommen ( NSM ) wurde
konsequent fortgeführt, noch wurde das vorhandene Personal hinreichend auf sich
abzeichnende Veränderungen ( NKF, dezentrale Ressourcenverwaltung,
Beteiligungscontrolling ) vorbereitet, qualifiziert und beworben.
Dies wird zum Beispiel deutlich am unprofessionellen Umgangs
mit Vertragspartnern aufgrund unzureichender Strukturen und unübersehbarer
Mängel im Controlling.
Ein fehlendes oder fehlerhaftes Vertrags- und
Vergabemanagement führt zu hohen Kosten die aus Nachverhandlungen,
Rechtsstreitigkeiten und fehlerhaften Kalkulationen entstehen ( ich nenne hier
beispielhaft den ” Vergleich” Feuerwache, die Planungen zur
Softwarebeschaffung des Habit oder den Umbau der Realschule Emst. )
Auch das unüberlegte und konzeptionslose Vorgehen bei der
Strukturierung und Ausrichtung des Konzerns Stadt kann nicht weiter hingenommen
werden. ( Ich erinnere hier z.B. an die Fehlkonstruktion GIV, die GWH ohne
Kapitalausstattung, die Schnittstellenproblematik bei der Service-GmbH”
HVG )
Hier müssen endlich tragfähige Langzeitstrategien an
die Stelle zufälliger oder kurzfristig politisch motivierter Maßnahmen treten.
Mangelnde Kostentransparenz und fehlende Zuordnung von Verantwortung sind
häufig die Kernursachen für dieses “irrationale” Verhalten von
Politik und Verwaltung.
Unsere Hoffnung richtet sich deshalb auf das NKF. Das
kommunale Haushaltswesen alter Prägung bietet nicht die notwendige
Kostentransparenz für eine zielgerichtete Steuerungsmöglichkeit des Konzerns
Stadt .
Weder die Herstellungs- oder Produktkosten von Verwaltungsleistungen
sind bekannt noch ist eine angemessene Bepreisung ( Preiskalkulation) der
angebotenen Dienstleistungen möglich.
Für uns ein immer wieder eklatantes Beispiel:
Niemand kann uns in Hagen beantworten, welche Kosten zum
Beispiel die Aufstellung eines Bebauungsplans verursacht.
Und zwar weder im
Durchschnitt noch im Einzelfall.
Berechnungen aus anderen Kommunen zeigen, dass solche
Kosten leicht in den sechsstelligen Bereich gehen!
Wenn wir dann mal
wieder über solche Antiquitäten wie das seit über 20 Jahren
projektierte Wohngebiet am Muhler Kopf reden, dann wüsste ich schon gerne, was
es den Bürger kostet, wenn sich die Verwaltung dauerhaft mit solchen
überflüssigen Planungsruinen beschäftigt.
Ich erinnere mich übrigens noch, wie unser Planungs- und Baudezernent Herr
Grothe bei seiner ersten Vorstellung in unserer Fraktion davon berichtete, das
es in Duisburg überhaupt kein Problem sei die Kosten von Bauplanungen zu
ermitteln ! Da würden diese Zahlen der Politik sogar regelmäßig mitgeteilt.
Wenn es anderswo also eine leichte Übung ist, Kostentransparenz
herzustellen, kann man ja nur daraus schließen, dass diese Transparenz in Hagen
nicht gewollt oder gekonnt ist.
Das muss sich ändern! Das NKF bietet die Chance dazu.
Wie wichtig eine aussagekräftige Kostenrechnung für die
politischen Entscheider ist, zeigt das Beispiel der Bäderkonzeption :
Die Hagenbad GmbH kann nämlich aufgrund vorhandener und/oder
erhobener Zahlen die laufenden Kosten der einzelnen Bäder, die Zuschussbedarfe
je Besucher oder den Investitionsstau je Bad benennen.
Daher wissen wir auch, dass jeder Besucher eines
Hallen-/Freibades mit durchschnittlich etwa 12 Euro bezuschusst wird, und dass
die Bäder jährlich ein Defizit von rund 6 Mio Euro erwirtschaften, Tendenz
aufgrund Alterung steigend.
Das Wissen um diese Zahlen macht uns zwar nicht glücklich,
aber es trägt dazu bei , dass politische Entscheidungen nicht weiter nach dem
Wünsch-Dir-was-Prinzip von Partei-, Lobby- oder Stadtteilinteressen getroffen
werden können.
In Zeiten knapper werdender Mittel sind politische Entscheidungen mehr denn je auf
rationale Grundlagen zu stellen und abzuwägen. Eine ehrliche Kostenbetrachtung
gehört unbedingt dazu.
Ein zielorientiertes Finanzmanagement (Cashmanagement,
Umschuldung, konzernbezogene Liquiditätsbetrachtung) ist für einen Konzern, der
Einnahmen und Ausgaben in Milliardenhöhe hat und Vermögen und Kredite in
ähnlicher Höhe handelt, zwingend notwendig, um Synergien zu heben und die
Finanzkosten zu senken. Dies darf jedoch nicht zu windigen und risikobehafteten
Transaktionen führen, die zudem rechtlich bedenklich sind. Ich nenne hier die
mittlerweile verbotenen Cross-border-Geschäfte, die wir in Hagen gottseidank
nicht eingegangen sind, aber auch haushaltsoptimierte Ausgabenreste, deren
Ansammlung, uns gerade gerichtlich untersagt wurde.
Anlagen in Fonds und Schneeballkredite sind ebenso kritisch
zu sehen wie die zunehmenden Risiken der Derivat- und Swap-Satz-Geschäfte, die
in Hagen betrieben werden. Ebenso ist jede “In-sich-Transaktion”
zwischen Stadt und Töchtern auf ihre ökonomische Nachhaltigkeit zu überprüfen.
Trotz der vielen kritischen Anmerkungen zur Lage
insgesamt :
Für heute signalisieren wir Zustimmung für den
Haushalt- für die Zukunft weiterhin eine
kritische Begleitung.
Unsere zukünftige konstruktive Mitarbeit ist aber nicht
nur von sachlichen und fachlichen Gesichtspunkten abhängig, sondern auch davon,
ob wir als Fraktion weiterhin auf Augenhöhe beteiligt und informiert werden.
Die jüngsten Signale, die zukünftig auf eine schwarz-rote
Beton-Allianz in diesem Rat hindeuten und die ersten brachialen
personalpolitischen Maßnahmen, die uns diese neue Mehrheit gleich beim nächsten
Tagesordnungspunkt vor die Füße wirft, lassen in dieser Hinsicht nichts Gutes
ahnen.
Ich warne dringend vor einem solchen Rückfall in die
politische Steinzeit. Die Kräfte müssen im Interesse der Stadt gebündelt und
die vorhandenen Ressourcen genutzt werden, ohne den konstruktiven Diskurs zu
vernachlässigen, dies ist die Botschaft, die die Bürgerinnen und Bürger dieser
Stadt uns auf den Weg gegeben haben.
Herr Thielmann hält die nachfolgende Haushaltsrede:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und
Herren,
das von uns immer noch praktizierte Ritual der
Haushaltsreden stammt aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts im letzten
Jahrtausend. Es gab drei Parteien im Rat. Die Reden wurden veröffentlicht und
öffentlich beachtet. Heute sind fünf Fraktionen plus drei weitere politische
Gruppierungen vertreten, die vermutlich auch das Bedürfnis haben sich zu
äußern. Mir stellt sich die Frage, ob sich dieses Ritual der Haushaltsreden
nicht überholt hat. Zukünftig sollten sich die Parteien darauf verständigen,
nicht nur weiterhin zu reden und dabei die Zeit strikt zu begrenzen, sondern
über alle Grenzen hinweg endlich Politik für die Kommune, unser Hagen, zu
betreiben. Bedauerlicherweise haben die CDU- und SPD-Fraktionen die große
Koalition der Vernunft, mit der in der letzten Legislaturperiode die
Haushaltskonsolidierung erfolgreich begonnen wurde, durch ein Machtkartell
ersetzt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
auch wenn bei der anvisierten zehn Minuten
Redezeitbegrenzung nur wenig Raum bleibt für eine Replik auf die Rede der
Kämmerin zur Einbringung des Haushaltes, muss ich einige Anmerkungen dazu
machen. Bekanntermaßen wurden die Einsparungspotentiale im Bereich der
Kinderbetreuung, soweit sie nicht der demographischen Entwicklung zuzuordnen
waren, aus dem Strategiekonzept gestrichen. Somit galt es, die dahinter
stehende Konsolidierungssumme in Höhe von rund 3,4 Mio. € zu ersetzen.
Die diesbezüglich angedachten Maßnahmen zur Steigerung der Erstwohnsitznahme
von Bewohnern, die zurzeit nur ihren Zweitwohnsitz in Hagen haben, ist reine
Augenwischerei. Die Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer lehnen wir strikt ab,
halten sie für kontraproduktiv. Die von der Kämmerin im Strategiekonzept neu
eingeplante Summe von 3,2 Mio. € ist keine verlässliche Planungsgröße.
Hier wurde eine Luftbuchung durch die andere ersetzt.
Zur Kategorie der
“rechte-Tasche-linke-Tasche-Buchungstricks” gehört die angedachte
Übertragung von Forstflächen an die GIV. Diese Art von Haushaltskosmetik hilft
uns nicht wirklich weiter. Es muss endlich Schluss sein mit weiterer
Zahlen-Akrobatik, denn damit werden wir der schwierigsten Haushaltssituation in
der Geschichte unserer Stadt nicht gerecht. Ich bezweifle, dass es uns so
gelingen wird, gegen die ausufernden Kosten anzusparen. Hinzu kommt, dass Bund
und Land den Kommunen weiterhin Aufgaben übertragen, ohne für einen
finanziellen Ausgleich zu sorgen. Wir sind gezwungen, laufende Ausgaben
dauerhaft mit Kassenkrediten zu finanzieren. Dabei sollten mit Kassenkrediten -
wie im privaten Bereich der Überziehungskredit - nur vorübergehende Liquiditätsengpässe
überbrückt werden. Aber bei uns sind mittlerweile ständige Kassenkredite in
Höhe von mehreren hundert Millionen Euro zur Regel geworden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
was gilt es also zu tun? Waren früher grundsätzliche
Aussagen zur Neuordnung des kommunalen Finanzausgleiches sorgloser möglich,
denn sowohl in Berlin als auch in Düsseldorf machte Rot-Grün keine Anstalten
einer grundlegenden Besserung, so werden sich die neuen Mehrheiten in
Düsseldorf und hoffentlich bald auch in Berlin daran messen müssen, ob sie die
kommunale Selbstverwaltung weiterhin ausbluten lassen wollen. Die versprochene
Entlastung aus Hartz IV in Höhe von 2,5 Milliarden Euro für alle deutschen
Kommunen ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für den wünschenswerten und
familienpolitisch notwendigen, bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuung
brauchen wir zusätzliche Finanzmittel. Ein weiteres Aufsatteln der Kassenkredite
wird die finanzpolitische Abwärtsspirale nur noch sich schneller drehen lassen.
Die derzeit günstige Finanzierungssituation für Kassenkredite im Bereich unter
drei Prozent wird sich spätestens im übernächsten Jahr nach Expertenmeinung
drastisch verschlechtern. So hilft es nicht weiter, die Fahne des Konnexitätsprinzips
zu schwenken und zu fordern, dass derjenige, der die Musik bestellt, sie auch
bezahlen muss. Wir müssen uns selber helfen und das geht nicht durch schlichtes
Sparen mit der Rasenmähermethode, sondern durch eine permanente Aufgabenkritik
und Senkung von Erledigungsstandards auch bei Pflichtaufgaben, damit wir nicht
gezwungen sind, alle freiwilligen Aufgaben rigoros zusammenzustreichen.
Gleichwohl bleibt die Forderung an Bund und Land erhalten die Gemeindefinanzen
so zu regeln, dass wir auch in Zukunft unsere Stadt weiter lebenswert und
attraktiv gestalten können. Hierzu reichen die bisher gefundenen faulen
Kompromisse, z.B. die Absenkung der Gewerbesteuerumlage, nicht aus. Die
konjunkturanfällige und deshalb völlig unkalkulierbare Gewerbesteuer muss endlich
abgeschafft werden.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und
Herren,
eine überfällige Gemeindefinanzreform wird frühestens in
zwei Jahren und mit ungewissen Ergebnissen kommen. Das ist für uns zu spät.
Doch es hilft kein Jammern und Klagen. Wir müssen uns auf die eigenen Kräfte
besinnen und z.B. Aufgaben bündeln. So könnten Theater, Orchester, das
Kulturamt und weitere städtische Kultureinrichtungen in einer Kultur-GmbH
zusammenfasst werden. Nach dem selbstherrlichen und unsachgemäßen Dezernatszuschnitt
steht allerdings zu befürchten, dass die schwarze Kämmereibesetzung rote
Streicharien aufführen und nicht dazu führen wird, dass die Hagener Kulturszene
neue Impulse bekommt. Eine Absenkung des Erledigungsstandards habe ich schon
erwähnt. Wir dürfen unsere Stadt nicht durch das “Rasieren” aller
freiwilligen Leistungen verkommen lassen, während gleichzeitig alle
Pflichtaufgaben ungeschmälert durchgeführt werden. Wir müssen die Verwaltung
stärker als bisher auf die Kernaufgaben reduzieren. Darüber hinaus müssen wir
endlich ernst machen mit der Zusammenführung von gleichwertigen Aufgaben im
“Konzern Stadt”. So ist es doch ein Treppenwitz, wenn wir vom
Ebertplatz ausgehend Richtung Körnerstraße alle einhundert Meter eine
öffentlich-rechtliche Kantine bei der Stadtverwaltung, der Sparkasse und Mark E
vorhalten. Andere gleichartige Querschnittsaufgaben wie Fuhrpark, Druckerei,
Beschaffung, Aus- und Weiterbildung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um nur
einige zu nennen, müssen endlich zentralisiert werden. Ich befürchte aber, dass
dieses nebeneinander Arbeiten in städtischen Gesellschaften, bei
Eigenbetrieben, Töchtern oder Beteiligungsunternehmen weiter bestehen bleibt
oder noch schlimmer: die angedachte Servicegesellschaft wird in städtischer Regie
betrieben.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
bei all unseren finanziellen Problemen erlaube ich mir
Feststellung: “Wir sind nicht arm, sondern wir haben nur kein
Geld”. Und bei Geldmangel ist Kreativität gefragt. In der Hagener
Situation reicht es nicht mehr aus, nur noch zu reagieren, wir müssen endlich
agieren. Mit einigen Beschlüssen zur Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete
hat dies der Rat in den zurückliegenden Wochen bereits getan. Doch das wird
noch nicht reichen. Ohne neue Gewerbeflächen keine ausreichende Anzahl von
Arbeitsplätzen und ohne ein ausreichendes Angebot von Arbeitsplätzen wird die
angepeilte Beibehaltung der Einwohnerzahl nicht realisiert werden können.
In der Hagener Kommunalpolitik hilft nur das
konstruktive Miteinander. Hier waren wir in der Ära von Wilfried Horn gemeinsam
auf einem guten Wege. Die schmerzlichen Konsolidierungseinschnitte, begonnen
mit einer gemeinsamen Aufgabenkritik bis zum gesamtstädtischen Strategiekonzept
zur langfristigen Wiederherstellung der kommunalen Handlungsfähigkeit, wurden
von CDU, SPD, Grünen und FDP entwickelt und getragen. Die Gemeinsamkeit wurde
durch die am letzten Montag verkündete Zusammenarbeit von CDU und SPD bewusst
durch die beiden großen Parteien aufgekündigt. Diese Arroganz der Macht wird zu
einer Politik auf kleinstem gemeinsamen Nenner führen und die Hagener in ihrer
Politikverdrossenheit bestärken.
Erlauben Sie mir mit einem Zitat des französischem
Staatsmannes Charles Maurice de Talleyrand (1754-1838) abzuschließen, der gesagt
hat: “Geldmangel ist ein Segen. Niemand vermag zu sagen, wie viele
politische Dummheiten durch Mangel an Geld schon verhindert worden sind.”
Und wenn ich überlege, was in vermeintlich besseren
Zeiten im Hagener Rat so alles beschlossen wurde, sollten wir unseren heutigen
Geldmangel als Chance begreifen, unsere Stadt mit kreativen Ideen weiter nach
vorn zu bringen. Doch es darf bezweifelt
werden, ob die neue große Koalition mit ihrem blockierenden Kräfteverhältnis
dazu in der Lage sein wird.
Herr Marscheider hält die nachfolgende Haushaltsrede:
Ein Käfig voller Narren!
Die Dinge sind oft nicht so, wie sie zu sein
scheinen. – In der Stadt Hagen findet eine Konsolidierung des städtischen
Haushaltes nach dem St.-Nimmerleins-Prinzip statt. Dies soll am Beispiel der
Personalkosten verdeutlicht werden:
Wenn man unseren vergangenen Haushalt sieht,
fällt einem als erstes die Überziehung von 7,3 Mio. € im Personalhaushalt
auf. Dies ist an sich schon abenteuerlich, noch abenteuerlicher ist aber die
Begründung:
Da wir ja eine Planung für strukturelle
Einsparungen in Höhe von ca. 58 Mio. bis zum Jahr 2014 haben, gibt es ein
definiertes Budget für die Personalkosten. Dieses Budget darf nicht verändert
werden, da wir ja den Konsolidierungskurs nicht verlassen wollen. Also sind wir
schon heute, ohne daß dieser Haushalt 2005 verabschiedet wurde, schon wieder
über 3 Mio € über dem Budget ! Ständig wird von Erfolgen der
Konsolidierung berichtet, aber die Zahlen des Haushaltes sprechen eine andere
und deutlichere Sprache. Eine solide Haushaltsplanung sieht anders aus.
Kernpunkte wären hierbei eine solide Budgetplanung und Maßnahmen, die bei der
Überschreitung eines Budgets greifen. Es darf nicht sein, dass es bei
Nichteinhaltung eines Budgets keinerlei Konsequenzen gibt.
Der zweite wesentliche Punkt der
Haushalts-Sanierung nach dem St.-Nimmerleins-Prinzip ist die Frage, wann wieder
ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden soll. In anderen Kommunen werden
solche Pläne für 5-6 Jahre vorgelegt. In Hagen wird dies lieber auf einen
Zeitpunkt verlegt, zu dem die meisten hier im Raum nicht mehr im Rat tätig
sind.
Obendrein wurde die Planung, die im Haushalt
2004 noch bis zum Jahr 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorsah in dem hier
vorgelegten Haushalt um 5 Jahre nach hinten auf das Jahr 2019 verschoben. Dies
geschieht nach dem Motto: Wenn uns die Einsparungen nicht gelingen, planen wir
den Ausgleich einfach einige Jahre später. Das St.-Nimmerleines-Projekt oder
“Ein Käfig voller Narren”.
Ich denke, dass es hier im Rat unstrittig ist,
dass die Ursachen für unsere gigantischen Defizite nur teilweise hausgemacht
sind und uns im überwiegenden Bereich von außen vorgegeben wurden. Die
Anforderungen an die Bandbreite und Qualität städtischer Verwaltung wachsen
kontinuierlich. Die kommunalen Einnahmen stagnieren hingegen und sind
rückläufig. Bund und Land tragen eine gehörige Portion Schuld an der schlechten
Haushaltslage der Kommunen, so auch in Hagen. Die Bundesregierung setzt
hier ihre kommunenfeindliche Politik konsequent fort. Man sollte aber diese
schwierige Situation zur konsequenten strukturellen Verbesserung des Haushaltes
für die nächsten Jahrzehnte nutzen.
Die desolate Finanzsituation der Städte ist
hinreichend bekannt und bedarf ebenso wie die zugrunde liegenden Ursachen keiner
nochmaligen Erläuterung. Diese Krise in der kommunalen Finanzausstattung ist
nicht hausgemacht, sondern strukturell vorgegeben.
Ohne Finanzspielraum geht nichts und die
zunehmende Diskrepanz zwischen Wollen und Können, zwischen Anspruch und
Wirklichkeit, hat die originären Entscheidungsspielräume der Stadt in eine
Weise verengt, dass gestalterisch tatsächlich so gut wie nichts mehr geht.
Normalerweise müsste man an dieser Stelle sagen, “wir verweigern unsere
Mitarbeit”
Doch wir meinen: Einschneidende Schritte zur
Haushaltskonsolidierung sind ein ökonomischer Zwang.
Eine vernünftige Kosten- und Leistungsrechnung
ist zwingende Voraussetzung für ein sparsames Handeln. Wir begrüßen deshalb
ausdrücklich die intensiven Vorbereitungen der Verwaltung zur Einführung des
Neuen Kommunalen Finanzmodells.
Wer es mit der öffentlichen
Haushaltskonsolidierung wirklich ernst meint, muss auch den Mut haben, die
Wahrheit zu sagen. Nach dem heutigen Stand der Dinge ist das Versprechen,
betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, kaum noch haltbar. Hier muss nach
neuen Lösungen gesucht werden. Umfangreiche Schritte zur Haushaltskonsolidierung
sind nicht nur ein ökonomischer Zwang, sondern auch ein Gebot der Verantwortung
der kommenden Generation gegenüber.
Die Unterdeckung des Haushaltes erreicht
in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt. Mit den Ausgaben im Verwaltungshaushalt
hat die Stadt Hagen mit über 3000 € pro Einwohner einen Spitzenplatz.
Ähnlich große Städte wie Münster (2.327) oder Gelsenkirchen (2.550) stehen
weitaus besser da. Dabei gibt Hagen für Personal mit 681 € pro Einwohner
am meisten von allen NRW-Städten zwischen 200.000 und 400.000 Einwohnern aus.
So kommt z.B. Bielefeld mit 437 € pro Einwohner aus. Dafür bekommt beispielweise
Gelsenkirchen mehr als doppelt so viele Zuweisungen / Zuschüsse wie Hagen (252
TEuro / 117 TEuro). Die Kämmerin möchte die mögliche kurzfristige Verschuldung
beträchtlich erhöhen. Während bisher Kontoüberziehungen in Höhe von über 400
Millionen € “normal” waren, sollen diese nun über 50% erhöht
werden. Man fragt sich, wohin dies alles angesichts der St.-Nimmerleins-Planung
führen soll.
Zur Demographischen Entwicklung:
Nach Bekanntwerden einer Untersuchung mit einer
Schätzung von 170.000 Einwohnern in Hagen in den nächsten Jahren wird diese
Zahl gebetsmühlenartig von Seiten der Verwaltungsführung wiederholt, ohne dass
bisher klar ist, wie diese überhaupt zustande kam. Es werden alle möglichen
Konsequenzen für die Stadt aufgezeigt nur eine nicht: Wenn es knapp 15 %
weniger Bevölkerung in Hagen gibt, brauchen wir da nicht auch 15% weniger
Verwaltungsmitarbeiter? Dies entspräche ca. 600 Mitarbeiter über das
Konsolidierungsziel hinaus. Ziel kann es aber eigentlich nur sein, optimistisch
in die Zukunft zu sehen und fest davon auszugehen, dass es gelingen wird, den
Trend zu stoppen. Nur so und mit den zu vereinbarenden Maßnahmen zwischen
Politik und Bürgerschaft haben wir die Chance, weitere Haushaltsprobleme in den
nächsten Jahren in den Griff zu bekommen.
Wirtschaft:
Einer der entscheidenden Punkte in den nächsten
Jahren wird die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein. Symptomatisch ist es, dass
es keinen Wirschafts-Ausschuß des Rates gibt, weil dieses Thema wohl nicht so
wichtig ist. Der Bericht der Wirtschaftsförderung in den HFA-Sitzungen besteht
seit Monaten aus dem Satz “Es gibt nichts zu berichten”. Auf Antrag
der Fraktion Bürger für Hagen und der Zustimmung aller Fraktionen wurde Ende
letzten Jahres vom Oberbürgermeister das Projekt Servicezentrum Wirtschaft auf
den Weg gebracht. Dort sind wir auf einem guten Weg und hoffen auf eine
Eröffnung noch in diesem Jahr. Weiterhin wurde auf unseren Antrag einstimmig im
letzten Jahr eine Optimierung der Stellplatzablösesatzung beschlossen. Die
entsprechende Umsetzung der Verwaltung steht nach über einem halben Jahr noch
aus, es wurde noch nicht einmal ein Vorschlag entwickelt ! Wirtschaft und
Arbeitsplätze sollten nach unserer festen Überzeugung absolute Priorität haben.
Bäder:
Im Zuge der Haushaltskonsolidierung wird die
Stadt Hagen sich die Bäderstruktur so wie sie heute ist, nicht mehr leisten
können. Dies ist wohl jedem klar. Wir fordern zwei Maßnahmen. Zum einen sollen
die bestehenden Bäder durch neue, alternative Betreiberkonzepte eine Chance für
das Überleben erhalten. Zum anderen ist ein zentrales Bad auf dem Ischeland die
richtige Lösung, um auf Dauer zumindest ein hochwertiges Bad in Hagen am Leben
zu erhalten.
Schumacher-Museum:
Unabhängig davon, wie man zum Bau des neuen
Museums steht, gibt es mehrere Fragen, die bisher nicht beantwortet werden. Zum
einen fehlt nach wie vor ähnlich wie im Karl-Ernst-Osthaus-Museum ein
Betreiberkonzept. In der Menschheitsgeschichte gab es oft Ideen, die dann
irgendwann einmal umgesetzt wurden. In Hagen gibt es erst eine Umsetzung und
vielleicht irgendwann mal eine Idee, was man mit der Umsetzung anfangen will.
– Ein entscheidender Punkt war immer die Höhe der laufenden Kosten des
Museums. Nach den bisher von der Kämmerin vorgelegten Zahlen (540.000 €)
belaufen sich diese inclusive der Instandhaltung, Komplettfinanzierung und
Rückzahlung auf über 1 Millionen Euro pro Jahr, der Bund der Steuerzahler geht
von 2 Mio. pro Jahr aus !
Angesichts der hier vorgetragenen Argumente ist
klar, dass wir dem hier vorgelegten Haushalt in dieser Form nicht zustimmen
werden.
Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,
es ist sicherlich schwer in diesen Zeiten Visionen für unsere Heimatstadt zu
entwickeln, die auch umsetzbar sind. Hagen als Stadt der Weiterbildung und Tor
zum Sauerland braucht aber diese Visionen. Wir haben eine Menge zu bieten,
müssen aber hier gemeinsam mit guten Konzepten und Einbeziehung der Bürger für
eine bessere Zukunft kämpfen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr
Sondermeyer erklärt für die PDS-Gruppe, dass diese den Haushalt
ablehnen wird. Die PDS könne keinem Haushalt zustimmen, der Leuchtturmprojekte
fördere und soziale Belange vernachlässige. Der Bau des Museums sei nicht
vertretbar, die späteren laufenden Kosten seien nicht absehbar. Außerdem gehen
etliche Maßnahmen zu Lasten der Arbeitslosengeld-II-Empfänger.
Herr Schulz erklärt für
die Republikaner, dass diese den Haushalt ebenfalls wegen einiger untragbarer
Maßnahmen ablehnen werden.
Herr Dr.
Bücker verzichtet auf eine Haushaltsrede regt jedoch an, dass der Haushalt in
bürgerverständlicher Form aufbereitet und zugänglich gemacht werde.
Herr Demnitz verweist auf
die Maßnahme zur den versenkbaren Pollern in Haspe im Vermögenshaushalt, die
dem Rat durch Beschluss des HFA überlassen wurde. Er bittet um
Meinungsäußerungen.
Herr
Gerbersmann fragt, ob die Gelder aus der Sanierungsmaßnahme
zurückgezahlt werden müssen, wenn diese Maßnahme nicht umgesetzt werde.
Frau Grehling entgegnet,
dass die veranschlagten Gelder nicht zuschussfähig seien und dies eine
Kreditfinanzierung der Maßnahme bedeuten würde.
Herr Weber hält den
Antrag der Bezirksvertretung Haspe aufrecht.
Abstimmungsergebnis: Mit Mehrheit abgelehnt
Herr Demnitz lässt danach
über den Haushalt abstimmen.
Beschluss:
Der Rat der Stadt beschließt die Haushaltssatzung
für das Haushaltsjahr 2005, das Investitionsprogramm bis 2008 sowie das
Haushaltssicherungskonzept 2005 unter Berücksichtigung der 1. und 2.
Veränderungsliste.
Die Fortschreibung des gesamtstädtischen
Strategiekonzeptes zur langfristigen Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit
der Stadt Hagen (Vorlage 0121/2005) in der vom Rat beschlossenen Fassung wird
Bestandteil des Haushaltssicherungskonzeptes.
Die Finanzplanung wird zur Kenntnis genommen.
Die aktualisierte Haushaltssatzung 2005 sowie die
Jahresdaten über das Volumen des Investitionsprogrammes und die Finanzplanung
werden der Niederschrift als Anlage beigefügt.
