19.11.2013 - 3 Die Situation blinder und sehbehinderter Mensch...

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Wortprotokoll

Anhand einer Powerpoint-Präsentation berichtet der Rehabilitationslehrer Herr Dr. Michael Haferkemper über Herausforderungen in der Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen. Er stellt zunächst das Haus des Blindenwerks Westfalen in der Schillerstraße vor. Hier befinden sich ein Wohnheim mit 38 Plätzen und eine Werkstatt mit 40 Plätzen, auch eine Trainingswohnung kann hier genutzt werden.

Er erläutert die Orientierungs- und Mobilitätsschulungen, die auch O- und M - Training genannt werden. Bei diesem Training wird der Umgang mit dem weißen Langstock geübt, blinde Menschen lernen dabei, wie sie sich in der Umwelt orientieren und bewegen können. Das Training wird in der Regel von den Krankenkassen gezahlt.

Des Weiteren geht er auf das Training lebenspraktischer Fähigkeiten ein, auch LPF-Training genannt. Hier lernen blinde und sehbehinderte Menschen einzukaufen, wie sie Nahrung zubereiten und Körperpflege durchführen können. Sie lernen, wie sie am besten schneiden, Brote schmieren, backen und essen können. Es wird aber auch vermittelt, wie man als blinder Mensch ein Baby versorgt oder wie man Erste Hilfe leisten kann.

Herr Dr. Haferkemper berichtet auch über Leitsysteme und Bodenindikatoren, die blinden Menschen helfen, sich zu orientieren. Er stellt Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfelder vor, die auch aus Kunststoff nachträglich angebracht werden können und nach seiner Aussage zum Beispiel von der Firma Inclusion recht preiswert zu beziehen sind. Diese Streifen und Platten können mit dem Langstock ertastet werden und sollen den blinden Menschen führen und leiten, aber auch vor Gefahrenstellen warnen. Der Einbau dieser Bodenindikatoren ist heute beim Bau von großen öffentlichen Bauten und an Bushaltestellen Pflicht.

 

Er schildert, wie ein blinder Mensch von der Halle des Hauptbahnhofes zum Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gelangen kann und welche Schwierigkeiten er dabei hat. So fehlt in der Bahnhofshalle ein Leitsystem für Blinde und die spiegelnde Oberfläche irritiert sehbehinderte Menschen. Auch auf dem Bahnhofsvorplatz fehlen Leitlinien. Hilfsweise kann man sich hier an dem verlegten Kleinpflaster orientieren, dies ist jedoch sehr schwierig, weil von mehreren Streifen nur ein Streifen zum Überweg und zum ZOB führt. Ist man am Überweg angelangt, ist am Bordstein keine Kante tastbar, da der Bordstein fast eben mit der Fahrbahn verlegt wurde. Am ZOB selbst sind Leitstreifen verlegt worden, aber der Buseinstieg ist nicht zu finden, da hier keine Aufmerksamkeitsfelder vorhanden sind. Frau Dohms merkt hierzu an, dass an anderen Bushaltestellen zwar Aufmerksamkeitsfelder vorhanden sind; dass aber die Busse nicht unbedingt an diesen Feldern halten. Sie kritisiert auch, dass am
Rathaus I im Eingangsbereich immer noch keine Leitlinien installiert wurden.

 

Herr Dr. Haferkemper schildert sodann noch ein großes Anliegen der Bewohner des Wohnheimes in der Schillerstraße. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist für sie der Kaufpark an der Schwerter Straße. Da an der Kreuzung Schwerter Straße / Eckeseyer Straße jedoch immer noch keine Blindenampel installiert wurde, ist es ihnen nicht möglich, die Schwerter Straße alleine zu überqueren. Mehrfach wurde die Verwaltung gebeten, hier doch eine Blindenampel zu installieren, aber es ist nichts passiert.  Frau Dohms merkt an, dass auch der Behindertenbeirat sich für eine Blindenampel an dieser Stelle eingesetzt habe. Der Bitte wurde jedoch nicht entsprochen. Sie vermutet, dass die Mitarbeiter der Verwaltung für die Probleme blinder Menschen nicht ausreichend sensibilisiert sind.

 

Frau Böhm ergänzt, dass es in Hagen kein gutes Leitsystem gibt. Sie berichtet, dass sie eigentlich jeden Morgen auf dem Weg zur Bushaltestelle an der Kreuzung Helfer Straße / Pappelstraße bei Rot über die Ampel geht, weil hier keine Blindenampel installiert ist. Frau Böhm kündigt an, dass sie weitere Schritte einleiten werde. Sie weist darauf hin, dass der Blinden- und Sehbehindertenverein eine Beratungsstelle unterhält, die jeden ersten Mittwoch im Monat im Haus des DPWV Beratung anbietet.

 

Herr Dr. Haferkemper berichtet, dass es aber auch schon eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Hagen gegeben habe. Im Zuge der langfristigen Baumaßnahmen an der Eckeseyer Straße wurde eine Blindenampel installiert. Des Weiteren werden die Bewohner des Blindenheims nun über eine Verlegung der Baustelle rechtzeitig informiert.

 

Herr Heiermann kommt noch mal auf die fehlende Blindenampel an der Kreuzung Schwerter Straße / Eckeseyer zu sprechen. Sie regt an, dass die Bewohner des Blindenheims sich an die Bezirksvertretung Nord wenden sollen. Er geht davon aus, dass die Bezirksvertretung das Anliegen der Bewohner unterstützen wird.

 

Die Powerpoint-Präsentation ist in Auszügen der Niederschrift als Anlage beigefügt.

 

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Anlagen