01.06.2011 - 2 Ergebnis der Machbarkeitsstudie Hohenhof
Grunddaten
- TOP:
- Ö 2
- Gremium:
- Kultur- und Weiterbildungsausschuss
- Datum:
- Mi., 01.06.2011
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB61 - Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung
- Bearbeitung:
- Britta Wimpelberg
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Herr Dr. Bleicher erinnert, er habe
bereits im letzten KWA über die Ergebnisse der Sitzung der Bewertungskommission
berichtet. Vor der heutigen Sitzung habe man bei der Begehung des Hohenhofs mit
Frau Dr. Schulte auch schon die Gelegenheit gehabt, die Grundzüge der
Planungen vorgestellt zu bekommen.
Er schlägt vor, bei Bedarf jetzt die
entsprechenden Fragen zur Vorlage zu stellen.
Herr Asbeck kann dieses Konzept für die Neufinanzierung
des Hohenhofs so gar nicht nachvollziehen, im Endergebnis führe es ja dazu,
dass erst einmal umfangreiche finanzielle Mittel durch Grundstücksverkäufe
akquiriert werden müssen, um das zu finanzieren, was sich selbst nicht trägt.
Es sei auch nicht ohne weiteres möglich, die Erlöse aus Grundstücksverkäufen
für andere neue Aufgaben zu verwenden, sicher werde da auch der Regierungspräsident
nicht einverstanden sein.
Es könne auch nicht Sinn der Sache sein, die
bisherigen jährlichen Kosten für den Hohenhof in Höhe von 230.000 € einzusparen,
indem man ein Konzept entwickelt, das sich nur trägt, wenn die Stadt Hagen
nicht unerhebliche Vermögenswerte zuschießt.
Die vorgestellte Konzeption sei so nicht
realisierbar. Sie sei entscheidend geprägt von einem geplanten Hotelneubau, der
mitten in einem vorhandenen Buchenwald entstehen soll. Einen solchen alten
Buchenbestand zu roden, um ein Hotel zu bauen, passe nicht mehr in die heutige
Zeit. Die Verwaltung selber komme zu dem Schluss, dass das nicht tragbar sei
und wolle den Neubau nun im Bereich der Goldenen Pforte realisieren, ob der
Platz dort überhaupt ausreiche, hält er für zweifelhaft.
Was dann von dem Konzept noch übrig bleibe, sei
das „Wohnen im Denkmal“, ein Veranstaltungsraum und das Cafe in der
Remise. Vom Ansatz her könne man diese Planungen als gute Idee begrüßen,
allerdings gehe die Vorlage schon davon aus, dass sich das allein nicht rechne.
Schon die Lage des Hohenhofs außerhalb des Stadtkerns sei nicht dazu angetan,
dieses Projekt zu realisieren. Er fragt sich, wer denn realistisch betrachtet
dieses Cafe besuchen soll. Also seien die begleitenden Maßnahmen wie der
Hotelbau nötig, um Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Diese begleitenden Maßnahmen
seien aber aus sich heraus nicht nachvollziehbar. Er fragt sich, was eigentlich
passiert, wenn das Hotel am Ende insolvent sei, dann seien auch die Mittel, die
man zusätzlich investiert habe, verloren.
Zudem sehe die Planung vor, die gehobene
Wohnbebauung auf dem Gelände des jetzigen Sportplatzes zu errichten, dies und
auch die unmittelbare Nähe zu der vorhandenen Autobahn werde es erschweren,
später Käufer für diese Grundstücke zu finden. Er könne nur schwer nachvollziehen,
wie man zu dieser Konzeption kommen konnte.
Beim Durchlesen der Vorlage falle ihm auf, dass
sämtliche Kernaussagen des Gutachtens zur Realisierung durch die Verwaltung
selbst infrage gestellt werden.
Hinzu komme, dass im Rahmen der van de
Velde-Gesamtschau angestrebt werden soll, den Hohenhof als Weltkulturerbe
anzuerkennen. Insofern dürfe man nicht vorher das Ambiente um den Hohenhof
herum verderben.
Er sehe für Hagen nur die einzige Möglichkeit,
den RVR doch noch einmal eindringlich aufzufordern, den Hohenhof als Museum im
derzeitigen Zustand zu übernehmen. Die Stadt Hagen zahle jahrzehntelang ein,
habe aber immer nur sehr wenig zurückbekommen. Es sei Aufgabe des RVR, ein
solches Kleinod der Route der Industriekultur zu fördern, wenn die Kommune
damit überfordert sei. Das Konzept hält er insgesamt für unausgegoren und nicht
realisierbar.
Herr Röspel bedankt sich für diese Analyse.
Herr Söhnchen kann sich dem ausführlichen Vortrag von Herrn
Asbeck größtenteils anschließen. Eine Art Baulandentwicklung auf Kosten der
Kultur könne seine Fraktion nicht gutheißen. Man habe sich im Vorfeld gefragt,
ob diese Vorlage heute als erste Lesung betrachtet werden soll und die
Angelegenheit an den RVR zurückgegeben wird. Die SPD-Fraktion könne der Vorlage
nicht folgen, ein Konzept in dieser Form werde es mit seiner Fraktion nicht
geben.
Für Herrn Dücker wurde das meiste nun
bereits gesagt. Das Konzept sei so nicht machbar. Allerdings müsse man an einer
Stelle aufpassen; es gebe für das Gebiet einen Teilbebauungsplan und das
Interesse, in bestimmten Gebieten zu bauen. Daher sollte der KWA den STEA
möglicherweise beratend begleiten. Die Umgebung des Hohenhofs dürfe nicht
zugebaut werden, sondern der Hohenhof müsse seine Eigenständigkeit behalten,
auch die ganz alten Pläne dürften seiner Meinung nach nicht aufgegriffen
werden.
Er schlägt vor, die Dinge insgesamt noch einmal
zu diskutieren und diese Vorlage zurückzugeben, d.h., es sollte zunächst beim
RVR erneut beantragt werden, den Hohenhof als Museum zu übernehmen. Gleichzeitig
müsse man aufpassen, dass durch die Bebauungspläne nichts Negatives im Umfeld
des Hohenhofes passiert.
Er regt an, als Zwischenstation mit dem
Osthausbund und Heimatbund diese Vorlage zu diskutieren, um mit diesen
Kultureinrichtungen einen Rückhalt für die Nicht-Weiterbebauung dieses Gebietes
zu erhalten.
Herr Fritzsche schließt sich seinen
Vorrednern an, würde es aber begrüßen, wenn der Punkt 5 der Vorlage, also die
vorbereitenden Gespräche für die Aufnahme als Weltkulturerbe bei der UNESCO, von
der Verwaltung weiter betrieben werden könnte. Er selbst sieht es auch so, dass
ein unverändertes Gesamtensemble größere Chancen hätte, dort aufgenommen zu
werden. Er beantragt, den Punkt 5 der Vorlage heute hier zu beschließen.
Herr Röspel formuliert nun den Beschlussvorschlag, die
Einwendungen von Herrn Dücker werden nicht in den Beschluss aufgenommen,
Herr Dücker beabsichtigt, seine Argumente und Anregungen noch einmal in
den STEA einzubringen.
Herr Dr. Bleicher stellt noch einmal klar,
dass ja bereits intensive Gespräche mit dem RVR geführt worden sind, um die
Frage zu klären, ob der RVR die Trägerschaft des Hohenhofs übernehmen kann. Es
habe ja auch Überlegungen gegeben, außerhalb der Route der Industriekultur
besonders herausragende Denkmäler wie beispielsweise den Hohenhof aufzunehmen.
Es habe nach der Landtagswahl solche Planungen mit der Landesregierung gegeben,
bisher sei aber noch nichts passiert, was sicherlich auch vor dem Hintergrund
der Haushaltsnot des Landes gesehen werden müsse. Von daher könne er sich
derzeit nicht vorstellen, dass positive Ergebnisse erzielt werden können.
Man werde die Gespräche dennoch gerne noch
einmal führen, denn mit dem Hohenhof verfüge die Stadt durchaus über einen
Schatz, den man besonders behutsam fortentwickeln müsse, dies sei auch ein
besonderer Gedanke der Bewertungskommission gewesen. Die Vorlage beinhalte
einige gute Module, die man nicht isoliert sehen könne, sondern im Zusammenhang
mit dem Betrieb eines Hotels vor Ort, was in der Tat größere Probleme mit sich
bringe.
Er möchte an dieser Stelle die Erwartungen an
die weiteren Gespräche etwas dämpfen.
Herr Röspel hält fest, man habe heute festgestellt, dass
der Hohenhof ein wertvolles Kulturgut für die Stadt Hagen darstellt, man habe
sich das Gutachten heute vorstellen lassen und festgestellt, dass das Konzept
nicht passt. Er appelliert, mit voller Kraft in neue Gespräche mit dem RVR
einzutreten, in der Hoffnung, dann im Herbst gute Nachrichten zu erhalten.
Beschluss:
Der Kultur- und Weiterbildungsausschuss beauftragt die Verwaltung, umgehend
erneut mit dem RVR Verhandlungen bezüglich der Trägerschaft des Hohenhofs
aufzunehmen.
Die Bestrebungen, den Hohenhof Hagen als Teil der europäischen van de
Velde-Route in ein Antragsverfahren zur Anerkennung als Weltkulturerbe bei der
UNESCO einfließen zu lassen, sollen weiter betrieben werden.
