10.02.2010 - 3 Antrag der SPD-Fraktion gem. § 6 (1) GeschO des...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3
- Gremium:
- Kultur- und Weiterbildungsausschuss
- Datum:
- Mi., 10.02.2010
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Herr Dr. Geiersbach schickt einige Worte
zum Hintergrund des Antrages der SPD-Fraktion voran.
Ein Museum sei nicht nur ein Ausstellungsraum,
sondern auch eine wissenschaftliche Einrichtung, zu der ganz wesentlich das
Archiv gehöre. Ziel sei es daher, das Archiv des Osthaus Museums wieder
zugänglich zu machen.
Es bestehe nicht nur innerhalb Deutschlands,
sondern besonders auch in den Niederlanden ein großes Interesse am Hagener Archiv.
Auch Herr Asbeck vertritt die
Auffassung, dass das Archiv irgendwann wieder zugänglich gemacht werden muss.
Andererseits würde ihn interessieren, wie und ob eine Wiedereröffnung
personalmäßig derzeit überhaupt zu realisieren sei. Er bezweifelt, dass es möglich
sein wird, das Archiv bereits zum 1. April wieder zu öffnen.
Vielleicht gebe es aber auch andere Wege,
Interessierten in Einzelfällen den Zugang zu ermöglichen.
Herr Dr. Bleicher hält es ebenso wie
Herr Asbeck und Herr Dr. Geiersbach für die vordringliche Aufgabe eines Museums,
ein Archiv auch für die Fachbesucher zu öffnen.
Problematisch sei aber, dass es im
wissenschaftlichen Bereich des Osthaus Museums insgesamt nur drei Stellen gebe,
die sich fünf Mitarbeiterinnen teilen. Davon seien vier Mitarbeiterinnen
teilzeitbeschäftigt. Die stellvertretende Museumsleiterin, die eine Vollzeitstelle
innehabe, werde in diesem Jahr im Wesentlichen mit der Rückführung der Kunstwerke ins Osthaus Museum beschäftigt
sein.
Zudem seien zwei Mitarbeiterinnen gleichzeitig
schwanger, auch sie werden längere Zeit ausfallen, so dass eine Öffnung des
Archivs personalbedingt zur Zeit nicht realisiert werden könne.
Herr Dr. Belgin ergänzt, dass nicht
nur die beiden angesprochenen Mitarbeiterinnen ausfallen, sondern auch der
bisher angestellte Volontär. Gerade diese Mitarbeiter haben in der
Vergangenheit diejenigen betreut, die Anfragen an das Archiv gestellt haben. Es
seien bei ca. 90.000 Archivalien auch gewisse Sicherheitsmaßnahmen zu treffen,
daher könne man auch Interessierten nicht einfach Zugang in das Archiv
gewähren. Vor seiner Zeit sei es z.B. in einem Fall zu Problemen mit der
Urheberschaft einer Veröffentlichung gekommen. Solche Dinge wolle man zukünftig
verhindern.
Natürlich bestehe die Möglichkeit, eine Person
zu finden, die das Archiv betreut, allerdings müsse dann auch ein
entsprechendes Honorar finanziert werden.
Als Beispiel berichtet er über die Mitarbeit
von Frau Dr. May an der im März stattfindenden Ausstellung „Das schönste
Museum der Welt“ anlässlich der Wiedereröffnung des Folkwang Museums in
Essen. In diesem Fall habe das Folkwang Museum die Bezahlung übernommen.
Nach der Eröffnung des neuen Kunstquartiers im
letzten Jahr sei das Museum - und damit auch Frau Dr. Schulte - in
diesem Jahr besonders mit der Rückführung der Exponate aus dem Depot beschäftigt.
Das bedeute, dass eine Eröffnung des Archivs in diesem Jahr leider nicht umgesetzt
werden könne.
Herr Dücker ist dankbar für diese Ausführungen. Er hat
großes Verständnis für den Antrag der SPD-Fraktion. Allerdings sei die Stadt
zur Zeit in einer Lage, in der nicht alles Wünschenswerte umgesetzt werden
könne.
Er schlägt vor, diesen Antrag nicht ad acta zu
legen, sondern im Hinterkopf zu behalten. Nach ca. einem Jahr, wenn auch die
Rückführung abgeschlossen sei, könne man erneut schauen, ob es Möglichkeiten
gibt, das Archiv zu öffnen. Sicher sei die Eröffnung des Archivs sehr wichtig, denn
es sei auch ein Teil der Geschichte der Hagener Bürger, besonders, was das
Wirken der Niederländer in der Stadt Hagen anbelange.
Herr Söhnchen bedankt sich bei Herrn Dr. Belgin für die
Darstellung der Situation. Auch seiner Fraktion gehe es darum, eine Lösung zu
finden.
Nun sei hier von verschiedenen Zeiträumen die
Rede gewesen, mal sei von einem Jahr gesprochen worden, mal von 18 Monaten, er
würde gerne heute einen Zeitpunkt erfahren, wann aus fachlicher Sicht wirklich
mit einer Wiedereröffnung zu rechnen sei. Seine Fraktion ist sicher damit
einverstanden, die Sache noch zu schieben und auf „Wiedervorlage“
zu legen, zumal es scheinbar parteiübergreifend inhaltlich überhaupt kein Problem
gebe.
Herr Klippert findet es schade, dass die Mutterschaft schuld
daran sein soll, dass ein Archiv nicht eröffnet werden kann. Er gibt zu
bedenken, dass alle Veröffentlichungen über Karl Ernst Osthaus auch ein
Instrument des Marketings für Hagen sein werden, daher würde er das Thema nicht
hintenan stellen wollen.
Man sollte zumindest darüber nachdenken, ob die Verwaltung nicht
im internen Pool geeignete Maßnahmen finden könnte, wenigstens diese
Erziehungszeiten befristet zu überbrücken.
Herr Dr. Fischer möchte eine Frage an
die Verwaltung stellen, die vielleicht schriftlich beantwortet werden sollte.
Er verweist auf das Archivgesetz von NRW, nach dem jede Verwaltung in der
Größenordnung Hagens mindestens zwei ausgebildete Archivare beschäftigen müsse.
Möglicherweise sei einmal zu überlegen, ob die vorhandenen Archivare eventuell
für ein paar Stunden abgeordnet werden könnten.
Herr Klinkert stellt fest, die SPD- Fraktion werde nun nach
allen Darlegungen, insbesondere auch der personellen Situation, sicher nicht an
dem Termin 1. April 2010 festhalten.
Zum Problem der Beaufsichtigung fragt er, ob es
möglich sei, insbesondere mit den wissenschaftlichen Nutzern eines Archivs eine
Vereinbarung zu treffen. Ihm stelle sich die Frage, ob über eine
Gebührenordnung für einen angemeldeten Zeitraum Honorarkräfte zur Verfügung gestellt
werden können, was möglicherweise sogar zu einer Kostendeckung führen könnte.
Herr Dr. Belgin hält es für sehr
problematisch, eine solche Gebühr festzulegen, im Grunde sei der Stundenlohn
eines Archivars im Endeffekt viel zu teuer für den Nutzer, der ja in den
meisten Fällen auch noch in mehreren Archiven arbeite.
Auf Zwischenfrage von Herrn Dr. Fischer
bestätigt Herr Dr. Belgin, dass die Archive selbstverständlich geordnet
seien, darauf habe man in den letzten Jahren vor der Schließung des Museums
sehr viel Wert gelegt und viel Zeit für intensive Forschungen im Bereich Karl
Ernst Osthaus verwendet.
Es sei das Problem aller Häuser mit einer ähnlichen
Personalstruktur, dass man nicht an jeder Front kämpfen könne. Es sei
wünschenswert, aber auch außerordentlich schwierig, Forschung, Marketing und Management
gleichzeitig zu betreiben. So gebe es, obwohl man ein Kunstquartier habe,
bestimmte Defizite. Für das Jahr 2012 sei beispielsweise eine
Jugendstilausstellung geplant, die man auch mit entsprechender Forschung versorgen
wolle. Man sei dabei, Sponsoren zu gewinnen, aber dieses Projekt bedeute eine außerordentliche
Kraftanstrengung. Im Augenblicke sehe er dieses Projekt auch noch nicht, zumal
die beiden Mitarbeiterinnen, die für die Dokumentation zuständig seien, auch
ausfallen. Diese beiden Damen haben in den letzten 10 Jahren sehr intensiv gearbeitet
und das ganze Archiv in die Datenbank eingebracht.
Er lasse jedoch bei den derzeitigen Strukturen
niemanden ohne Aufsicht in das Archiv hinein.
Herr Röspel möchte den Antrag und den Beschlussvorschlag
der SPD-Fraktion nicht unbedingt um ein Jahr vertagen.
Er schlägt vor, die Verwaltung zu beauftragen, Möglichkeiten
zu eruieren, das Archiv der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Es seien einige Stichpunkte wie IMA oder
stundenweise Beschäftigung gefallen und der KWA wolle die Verwaltung auffordern,
dieses Thema weiter zu verfolgen und bis zum Sommer einen Bericht abzugeben,
wie man mit dieser Frage weiter umgehen wolle.
Damit sind alle einverstanden.
