10.02.2010 - 1 Sachstandsbericht Theater Hagenhier: Bericht de...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 1
- Gremium:
- Kultur- und Weiterbildungsausschuss
- Datum:
- Mi., 10.02.2010
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Herr Röspel eröffnet die
erste KWA-Sitzung in diesem Jahr und begrüßt alle Anwesenden, besonders aber Herrn
Dr. Bleicher, der heute erstmalig als Beigeordneter für den Bereich Kultur
fungiert.
Er bittet um Einverständnis, die Tagesordnung ein wenig umzustellen, TOP 5 soll an allererste Stelle rücken, weil Herr
Hilchenbach anschließend zu den Proben für My Fair Lady zurück ins Theater
muss.
Damit sind alle einverstanden, und Herr Röspel erteilt Herrn
Hilchenbach das Wort.
Herr Hilchenbach gibt
einen kurzen Abriss über die Entwicklung des Theaters in den letzten Jahren.
Die Spielzeit 2009/2010 sei bisher von der ersten bis zur letzten
Produktion sehr gut verlaufen und sowohl von den Besuchern als auch von der
Presse sehr gut beurteilt worden.
Mit der „La Traviata“ habe man im Januar einen sehr guten
Einstieg in die Ruhr 2010 begehen können. An dieser Stelle möchte er sich auch
noch einmal beim Kulturbüro bedanken, gemeinsam habe man für einen
gleichermaßen stilvollen und lockeren Abend gesorgt.
Im Jahr 2009 konnten gute 9000 Besucher mehr erreicht werden als im
Vorjahr, hauptsächlich seien es Jugendliche gewesen. Kehrseite der Medaille
ist, dass bei Jugendlichen nicht mit den Einnahmen zu rechnen ist, die
Erwachsene zahlen würden. Insgesamt befinde man sich aber mit den Produktionen
auf dem richtigen Weg.
Die vom Rat beschlossenen Einsparungen wurden weitgehend umgesetzt, im
Zeitraum von 2007 bis 2008 konnten insgesamt über eine Million Euro eingespart
werden. Die im gleichen Ratsbeschluss geforderte Einrichtung einer
Marketing-Abteilung konnte erst 2009 umgesetzt werden und arbeitet seitdem sehr
erfolgreich.
Die Diskussion über die Sparvorgaben habe gewisse Dinge auch erschwert,
so sei das Publikum irritiert worden, was sich hauptsächlich im Verkauf von
Abos bemerkbar gemacht habe. Dies konnte aber aufgefangen werden.
Im Moment sei man dabei, letzte Hand an den Spielplan 2010/2011 zu legen,
man wolle den neuen Spielplan auch in der nächsten KWA-Sitzung hier vorstellen.
Außerdem laufen die Planungen für die Jubiläumsspielzeit, in der
Spielzeit 2011/2012 werde der hundertste Geburtstag des Theaters gefeiert.
Insgesamt habe man es trotz aller Schwierigkeiten geschafft, das Haus
weiterhin sehr gut zu positionieren. Vor wenigen Tagen sei zu hören gewesen,
dass das Theater Hagen ein sehr „preiswertes“ Theater sei, dazu
werde sicher Herr Dr. Bleicher gleich noch etwas sagen.
Herr Dr. Bleicher ergänzt,
in der Presse sei eine Statistik des Bundes der Steuerzahler veröffentlicht
worden, die die Gesamtausgaben und den Zuschussbedarf der Theater in NRW
gegenübergestellt habe. Es sei sehr erfreulich, dass das Theater Hagen dort
eine Spitzenposition eingenommen habe, was den Zuschussbedarf pro Besucher angehe.
Dies zeige, dass das Theater hinsichtlich der wirtschaftlichen Fragestellung
sehr gut aufgestellt sei.
Dies entbinde die Stadt nicht davon, zu schauen, wo noch weiteres
Optimierungspotenzial vorhanden ist und wie man den Zuschussbedarf weiter
abschmelzen kann.
Vonseiten der Verwaltungsspitze versuche man derzeit, Kooperationen anzuknüpfen.
Insbesondere mit Dortmund und Wuppertal wurden erste Sondierungsgespräche geführt.
Dies liege auch auf der Linie des Städtetages, der einen Theaterpakt zwischen
dem Land und den theatertragenden Kommunen vorgeschlagen habe. Danach soll das
Land angeregt werden, den Zuschuss von 10 % auf 20 % zu erhöhen, besonders bevorzugt
sollen dabei die theatertragenden Kommunen werden, die in einer besonders
prekären Finanzsituation sind und solche, die Kooperationen nach vorne treiben.
Sobald diese Gespräche einen bestimmten Stand erreicht haben, wird er
hier im KWA darüber berichten.
Herr Dücker bedankt sich
für den Bericht von Herrn Hilchenbach.
Aus den Ausführungen von Herrn Dr. Bleicher ergebe sich für ihn
eine gewisse Sorge.
An sich habe man ja beschlossen, das Theater in eine andere Rechtsform zu
überführen. Davon höre man bisher aber nichts, es sehe so aus, als würde die
Verwaltung unverändert weiterarbeiten.
Bezüglich der angesprochenen Kooperationen sei er sehr skeptisch. In der
Zeit zwischen 1995 und 2000 habe die Verwaltung die
Kooperationsverhandlungen zwischen Hagen
und der Philharmonie Hilchenbach geführt – seiner Ansicht nach nicht besonders
gut. Dies habe auch dazu geführt, dass diese Kooperation irgendwann
auseinandergefallen sei.
Er hält es für dringend erforderlich, zunächst
eine Rechtsform für das Theater festzusetzen. Danach sollten die Fachleute die
Verhandlungen mit den Kommunen führen und nicht die Verwaltung. Die Gefahr sei
sehr groß, dass solche Verhandlungen immer unter dem Aspekt
„Einsparungen“ geführt werden, er halte es für besser zu untersuchen,
wie Mehreinnahmen generiert werden können. Damit erreiche man das gleiche Ziel,
nämlich den Zuschuss für das Theater zu senken. Weitere Einsparungen würden
dazu führen, dass das Theater an die Grenzen des Machbaren stoße und dann auch
die Existenzfrage gestellt werde.
Herr Asbeck geht davon aus, dass der Ausschuss bald einmal die konkreten Zahlen zur
Abo-Entwicklung und zur Einnahmen- und Ausgabenentwicklung von der Verwaltung
erhält. Es sei wichtig, sich in der nächsten Zeit mit diesen Zahlen zu befassen,
damit man sehen könne, wie sich die Zahlen in den einzelnen Bereichen
entwickeln.
Sicher sei es eine wichtige Aufgabe, Kinder und
Jugendliche an das Theater heranzuführen, allerdings müsse man auch die
Einnahmenseite betrachten. Vielleicht müssten auch Überlegungen angestellt
werden, wie das Marketing noch
verbessert werden könne, um die Zahl der Erwachsenen-Abos wieder zu erhöhen. Es
sei auch Aufgabe des Theaters, Veranstaltungen anzubieten, die geistige
Auseinandersetzung erfordern, gerade hier seien die Abonnenten die treuesten
Theaterbesucher.
Ein zweiter Punkt sei, wie mit dem Ratsbeschluss
umgegangen werden soll, der weitere 500.000 € Einsparungen einfordert.
Diese Zahl stehe immer noch im Raum und die Frage sei, wie dieser Betrag
umgesetzt werden kann.
Der Auftrag an die Verwaltung, andere
Rechtsformen zu überprüfen, sei schon vor längerer Zeit auf den Weg gebracht worden.
Er gehe davon aus, dass die Verwaltung diesen Auftrag auch weiter verfolgt und
nicht ad acta gelegt habe. Auf der einen Seite sollte diese Rechtsformänderung
Einsparungen mit sich bringen und auf der anderen Seite sollte das Theater eine
solide Planungsgrundlage und damit eine langfristige Perspektive erhalten.
Was die Kooperationen betrifft, meint Herr
Asbeck, es könnten gewisse Ängste entstehen, wenn man die Zahlen der
Defizite der anderen Theater lese. Man könne die Befürchtung haben, dass man
letztlich bei einer Kooperation die Defizite der anderen Theater mit
finanzieren müsse. Das wolle man natürlich nicht.
Die Verwaltung habe aber dennoch den Auftrag,
sorgfältig auszuloten, welche Möglichkeiten solche Kooperationen bieten. Zum
gesamten Bereich möchte er doch in kürzerer Zeit konkretere Untersuchungen hier
im KWA vorgestellt bekommen.
Der Kulturausschuss sei auch die richtige
Institution, die diesen Weg konstruktiv begleiten werde.
Da Herr Dr. Fischer auch in der letzten Legislaturperiode dem KWA
angehört hat, möchte er betonen, dass hier im Ausschuss bereits sehr intensiv
über eine neue Rechtsform diskutiert worden ist. Es sei aber auch eindeutig
festgestellt worden, dass die Rechtsformänderung zunächst gar keinen finanziellen Gewinn
bringen würde. Sie würde lediglich bewirken, dass die Geschäftsführung des
Theaters leichter wird und dass Zustiftungen möglich sind.
Er hält es für nötig, dass die Verwaltung auch
Wege geht, die sich in der Vergangenheit als nicht positiv erwiesen haben,
damit sei die damalige Kooperation mit Hilchenbach gemeint, die bereits durch
die große Entfernung zum Misslingen verurteilt war.
Die Verwaltung solle dennoch erneut versuchen,
mit unseren Nachbarstädten Dortmund, Wuppertal - und wegen des Schauspielhauses
auch mit Bochum - neue Überlegungen
anzustellen. Bei allen Schritten solle der Kulturausschuss miteinbezogen und auf
dem Laufenden gehalten werden.
Herr Söhnchen hält es auch für sinnvoll, hier weiter am Ball zu bleiben. Das Theater
werde den KWA auch noch in den nächsten Jahren hoffentlich intensiv begleiten.
Man wolle das Theater gerne begleiten und es so umfassend erhalten, wie es
möglich ist.
Er bedankt sich im Namen der neuen Mitglieder des
Ausschusses für diesen ersten Beitrag, der es ermöglicht, in das Thema
einzusteigen.
Wie es mit einer möglichen Rechtsformänderung
weitergehen soll, werde man sehen, die Verwaltung müsse den KWA weiter
regelmäßig informieren und in die Verantwortung nehmen, sie müsse aber auch die
Vorleistung dazu erbringen.
Bei den Kooperationen sollte man eben aus den
Fehlern, die mit dem Ort Hilchenbach gemacht wurden, lernen. Er sei sicher,
dass die Intendanten der einzelnen Kommunen miteinander reden und dass auch die
Kulturdezernenten bereits Gespräche geführt haben. Daher sei es sinnvoll, den
Kulturausschuss zeitnah zu informieren. Er hat aber noch die Bitte, dass zuerst
der KWA informiert wird und erst dann die Presse.
Herr Fritzsche stellt fest, Herr Dr. Fischer
habe schon das meiste vorweg genommen. Er
könne auch bestätigen, dass der bisherige KWA den Umstrukturierungsprozess des
Theaters sehr intensiv verfolgt habe, sowohl im Ausschuss als auch in den
verschiedensten Arbeitsgruppen. Der KWA habe auch die Actori-Gutachten
angestoßen und vierteljährliche Finanzberichte des Theaters hier etabliert.
Am Rande dieses Arbeitsprozesses seien auch
Kooperationen erörtert worden, die man aber sehr skeptisch gesehen habe.
Dennoch solle die Verwaltung weitere Gespräche in dieser Richtung führen und
darüber berichten.
In Sachen Rechtsformänderung sei dem KWA von der
Theaterverwaltung dargelegt worden, dass es nicht sofort oder mittelfristig zu
Einsparungen kommen würde, sondern es sei sehr deutlich gesagt worden, dass man
am Anfang erstmal richtig Geld in die Hand nehmen müsse. Ein solcher Prozess
könne unter Umständen auch zwei Jahre dauern und sei nicht sofort umzusetzen.
Er habe die Hoffnung, dass dieses Gremium nach
einer gewissen Eingewöhnungsphase an die
Arbeit der Vorgänger anknüpfen könne, um das Theater weiterhin auf einen guten
Weg zu bringen.
Herr Walter wendet sich an Herrn Hilchenbach und fragt, ob er bezüglich der neuen
Spielzeitplanung auch im Blick habe, was das Zentralabitur für die Fächer
Deutsch und Englisch im Dramenbereich vorgebe. Er mache im Schulbereich selber
die Erfahrung, dass es enorm wichtig für die Schüler sei, mit den Lehrern ein
Theater zu besuchen und damit eine erste Hemmschwelle zu überwinden.
Herr
Hilchenbach berichtet, in den letzten zwei Jahren achte man bei den
eingekauften Schauspielaufführungen immer darauf, dass Stücke ausgewählt werden,
die im Kanon mit dem Abitur stehen, das werde in der kommenden Spielzeit auch
so sein.
Herr Dr. Bleicher hält fest, dass alle wichtigen Aspekte, die in
der Diskussion angesprochen worden sind, berücksichtigt werden müssen, wenn man
nach einem Weg suche, das Theater in Hagen dauerhaft zu erhalten.
Natürlich sollte die Einnahmenseite weiter
optimiert werden, dabei müsse man schauen, wie man sich besser oder anders
aufstellen könne. Dies gelte natürlich für die Kooperationen und auch für die
Rechtsformen, die Diskussion müsse in beide Richtungen geführt werden.
Die Rechtsformdebatte sei in der Tat sehr
intensiv geführt worden, blieb dann aber stecken, weil festgestellt wurde, dass
im ersten Schritt damit keine Konsolidierungsmaßnahmen zu erzielen sind.
Allerdings führe eine Rechtsformänderung zu einer erhöhten Flexibilität und zu
einer Planungssicherheit des Theaters. Aus diesem Gesichtspunkt heraus sei es
besonders attraktiv und richtig, diesen Weg auch weiter zu gehen.
Daran arbeite man auch, genauso wie man an der
Fragestellung arbeite, inwieweit auch Kooperationsmöglichkeiten bestehen
könnten.
Bei dieser Diskussion seien alle gefragt, der
Kulturdezernent genauso wie der Intendant und alle anderen handelnden Personen
im Theater.
Diese Gespräche werden natürlich nicht nur auf
Dezernenten- oder Verwaltungsebene geführt, sondern auch auf der Ebene der
Fachleute.
Was die Information angehe, werde die Verwaltung
die Mitglieder des Kulturausschusses gerne auf dem Laufenden halten, denn in
der Tat müsse man die Entscheidung wie man sich aufstellen wolle, gemeinsam
treffen.
Herr Röspel bedankt sich und hält fest, dass der KWA diesen wichtigen Prozess für
das Theater intensiv begleiten wird, damit alles geregelt ist, bevor man dann
in das Jahr des 100 - jährigen Bestehens des Theaters eintreten könne.
Er bedankt sich auch bei Herrn Hilchenbach und
stellt noch einmal fest, dass der KWA an weiteren Zahlen und Fakten
interessiert ist.
