27.01.2009 - 2 Grabungen in Herbeckhier: mündlicher Vortrag de...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 2
- Gremium:
- Kultur- und Weiterbildungsausschuss
- Datum:
- Di., 27.01.2009
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Zusammenfassung des
Diskussionsergebnisses:
Frau Kramps begrüßt nun Herrn
Dr. Baales von der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen.
Frau Hobein möchte vorab
etwas zur Einordnung des Adelssitzes Haus Herbeck sagen und referiert
ausführlich zu den bisherigen Funden in diesem Ausgrabungsgebiet. Sie hält
fest, dass die jetzigen Grabungsfunde aus Herbeck, die Herr Dr. Baales
anschließend vorstellen wird, etwas Besonderes in dieser Region und auch
darüber hinaus seien.
Sie freut sich, dass nicht nur Herr Dr. Baales heute hier ist,
sondern auch die zuständige Referentin, die die Notbergungen und Probegrabungen
in Herbeck geleitet habe.
Besonders ausgewählte Funde aus Herbeck werden im Frühjahr im Museum für
Ur- und Frühgeschichte gezeigt werden können. Sie bedankt sich bei beiden
Archäologen, die dazu beitragen, das Museum attraktiver zu gestalten. An dieser
Stelle lädt sie ein, im Frühjahr das Museum zu besuchen und die Funde
selbst in Augenschein zu nehmen.
Herr Dr. Baales berichtet
zum Vorlauf der Grabungen und zwar habe das Stadtplanungsamt Hagen im Jahre
1996 eine Anfrage an seinen Vorgänger gerichtet, inwieweit im Gewerbegebiet im
unteren Lennetal Archäologie betroffen sein könnte. Im Jahr 2001 sei die
gleiche Frage vom Umweltamt gestellt worden. Der LWL habe daraufhin den zuständigen
Stellen eine Karte, in der die archäologischen Fundzonen in diesem Areal
dargestellt wurden, zur Verfügung gestellt. Passiert sei seitdem nichts und
mittlerweile sei das westliche Fundgebiet, das Sudfeld, komplett überbaut
worden, obwohl es Hinweise auf eine mittelalterliche Bebauung gab, die nun
zerstört sein dürfte.
Ähnliches gelte für Herbeck, hier sei es so, dass man im Frühsommer
letzten Jahres durch erste Funde von ehrenamtlichen Mitarbeitern von den aktuellen Erschließungsarbeiten
erfahren habe. Man habe dann recht
unbürokratisch erreicht, auf dem Areal ein kleines Sondage-Projekt in die Wege
zu leiten. Dabei seien aus seinem Amt Personal, Zeit und etwas Geld zur
Verfügung gestellt worden und über die Stadt Hagen Bagger der dort stationierten Baufirmen.
Herr Dr. Baales berichtet
nun eingehend über die Grabungen und die Funde aus vier archäologischen
Perioden und geht dabei besonders auf die archäologische Einordnung der
Keramikfunde in dem Ausgrabungsareal ein.
Anschließend informiert er, die Eintragung der Fläche als archäologisches
Bodendenkmal in die Denkmalliste sei beantragt worden. Sollte eine Bebauung
geplant werden, müssten die Ausgrabungen vorher getätigt werden, die
Kostenübernahme liege beim Verursacher, sei also Teil der Erschließungskosten.
Eine Beteiligung seiner Außenstelle sei schon zugesagt worden.
Bisher seien große Flächen noch nicht begutachtet worden, man gehe aber
davon aus, dass sich auf dem gesamten Areal Funde verbergen. Wenn man Grabungen
machen würde, sei von einem Grabungszeitraum von mindestens zwei Jahren
auszugehen.
Herr Jobst fragt, ob die
Funde in einer Höhle weiter oberhalb in Hohenlimburg in Verbindung zur Höhle im
Sudfeld stehen.
Herr Dr. Baales antwortet,
es gebe keine Verbindung.
Frau Suda bittet darum,
noch einmal eine Folie aufzulegen, auf der das gesamte Gebiet zu sehen ist. Sie
möchte wissen, ob das, was bisher ausgegraben wurde, den Schwerpunkt der
Grabungen bildet oder ob auch in anderen Teilen der Fläche noch Überraschungen
zu erwarten sind.
Herr Dr. Baales antwortet,
die Funde seien eindeutig nicht auf einen Punkt konzentriert. Man gehe nach den
bisherigen Erfahrungen davon aus, dass sich auf dem ganzen Areal Funde
verbergen.
Herr Fritzsche fragt, ob
eine weitere Erschließung stattfinden kann, wenn das Ganze als Bodendenkmal
eintragen würde.
Herr Dr. Baales verneint
dies.
Herr Fritzsche hakt nach,
es müsse also auf jeden Fall eine Ausgrabung stattfinden, wenn weiter
erschlossen werden soll. Das heißt, es könne nicht das passieren, was an
anderer Stelle passiert sei, nämlich dass wichtige Funde überbaut werden und
keine historische Erschließung stattfinde.
Dies wird von Herr Dr. Baales bestätigt, das Bodendenkmal sei im
Begriff der Eintragung, das sei auch die Grundvoraussetzung dafür, dass durch
den Verursacher die Kosten übernommen werden müssen.
Herr Schellhorn fragt, ob
er richtig verstanden hat, dass eine Grabung etwa zwei Jahre dauern wird.
Herr Dr. Baales hält grob
geschätzt eine Grabungsdauer von zwei Jahren für wahrscheinlich.
Außerdem möchte Herr Schellhorn wissen, ob der
Grundstückseigentümer dann die Kosten für die Grabungen tragen müsse.
Herr Dr. Baales stellt
klar, die Kosten habe dann derjenige zu tragen, der dort etwas bauen möchte,
also im Prinzip der Investor, eigentlich handele es sich dann um Erschließungskosten.
Wie man sich die teile, sei eine ganz andere Sache. Wenn die Stadt Hagen kein
Geld habe, müsse der Investor die Kosten tragen und der LWL würde helfen.
Dazu stellt Frau Kramps klar, die Stadt Hagen verfüge eben nicht über
genügend Geld.
Herr Fritzsche bezieht
sich auf die Anfangsbemerkung von Herrn Dr. Baales, dass ein Teil des
Sudfeldes überbaut worden sei und möchte wissen, welche Funde man dort
vermutet.
Herr Dr. Baales antwortet,
es gehe um ein ähnliches Spektrum wie man es hier in Herbeck auch vorfinde.
Herr Millhoff erinnert
daran, dass das gesamte Gebiet ja wirtschaftlich genutzt werden sollte und
möchte wissen, was denn nun mit den Investoren passiere und ob man möglicherweise
Ersatzgrundstücke für sie habe.
Dazu berichtet Herr Gerbersmann, es sei natürlich ein nicht
unerheblicher Aufwand zu treiben, um mit dem Bodendenkmal so umzugehen, wie es
zwischen der Stadt Hagen und dem LWA vereinbart sei. Herr Thomys habe ihm
gerade gesagt, dass eine endgültige Unterschutzstellung kurz bevorstehe. Das
heiße aber nicht, dass die Fläche jetzt nicht mehr als Gewerbefläche genutzt
werden kann.
Er gibt auch zu bedenken, dass die Stadt Hagen nicht gerade mit ebenen,
zusammenhängenden Flächen auf denen man Gewerbe ausweisen kann, gesegnet sei.
Man könne sich daher nicht erlauben, alle Flächen, auf denen Funde vermutet
werden, aus der weiteren Betrachtung heraus zu lassen. Es dürfe nicht dazu
führen, auf diesen Flächen zukünftig keine Planung mehr vorzunehmen, denn man
sei dann mit der Ausweisung neuer Gewerbeflächen sehr schnell am Ende.
Frau Suda fragt nach, wie Herr
Dr. Baales denn die Qualität der Funde einstufe. Sie möchte wissen, ob es
sich um etwas Besonderes handelt oder ob Funde dieser Art häufig vorkommen.
Herr Dr. Baales antwortet,
das Eine oder Andere gebe es in Westfalen sicherlich ein paar Mal, die
frühmittelalterlichen Funde seien allerdings für die Region einmalig.
Weitere Fragen liegen nicht vor, daher bedankt sich Frau Kramps
sehr herzlich bei Herrn Dr. Baales und Frau Dr. Zichy.
