16.06.2009 - 10 Kinderschutzambulanz / Finanzierung
Grunddaten
- TOP:
- Ö 10
- Sitzung:
-
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
- Gremium:
- Jugendhilfeausschuss
- Datum:
- Di., 16.06.2009
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Zusammenfassung des
Diskussionsergebnisses:
Herr Strüwer berichtet,
dass in der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses unter dem Punkt
Mitteilungen ein Hinweis in Form einer Tischvorlage gegeben worden sei, dass
die Finanzierung der Kinderschutzambulanz nicht gesichert sei und derzeit keine
Kompensationsmöglichkeit in anderen Bereichen gesehen werde, man aber willens
sei, nach Lösungen zu suchen.
Er möchte von Herrn Steuber wissen, wie es zu dieser Tischvorlage
gekommen sei, nachdem der Jugendhilfeausschuss und der Rat der Stadt Hagen
beschlossen hätte, diese Kinderschutzambulanz einzurichten und einen Betrag in
Höhe von 100.000 € für den Betrieb einzustellen. Diese Beschlüsse wären
aufgrund der Zusage der Verwaltung gefasst worden, eine Kompensation zu finden.
Herr Steuber führt aus,
dass Dr. Schmidt in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses das
wiedergegeben habe, was der Meinung des Verwaltungsvorstandes entsprochen habe.
Man habe seinerzeit den kompensatorischen Vorschlag gemacht, auf die
Wiederbesetzung von zwei Stellen, die zurzeit noch besetzt seien, zu
verzichten. Die Mitarbeiter hätten einen Antrag auf Altersteilzeit gestellt.
Diese würden dann teilweise im nächsten Jahr und im übernächsten Jahr nicht
mehr zur Verfügung stehen. Der Verwaltungsvorstand sei nun zu der Auffassung
gelangt, dass die Kompensation nicht in diesem Jahr sichergestellt sei. Wenn
man eine sofortige Realisierung haben wolle, müsse man auf den Stellenplan 2009
zurückgreifen. Auch dafür seien Stellenfortfälle gemeldet worden. Der
Ratsbeschluss hierzu stehe noch aus. Wenn jede freiwerdende Stelle auf das
Kontingent der Zukunftskommission angerechnet werde, sei man erst in der Lage,
eine Stelle wirksam einzusparen, wenn sie oberhalb des zugeteilten
Personalkostenbudgets eingespart werde. Der entsprechende Ratsbeschluss stehe jedoch
noch aus.
Die Zukunftskommission habe die
Einsparung von 720 Stellen vorgesehen. In der Summe sollten dadurch 33
Millionen Personalaufwand eingespart werden. Wie diese Einsparungen auf die
einzelnen Fachbereiche und Ämter verteilt werden sollten, sei bisher noch nicht
bekannt. In der nächsten Woche fänden weitere Gespräche in dieser Angelegenheit
mit der Kämmerei statt.
Die dritte Alternative, die er derzeit nicht belegen könne, sei, dass
auch Einsparungen im Bereich der Erziehungshilfe durch das Betreiben einer Kinderschutzambulanz erfolgten
und diese als Kompensation akzeptiert würden.
Herr Reinke macht
deutlich, dass er mit seiner Geduld langsam am Ende sei. Er bittet die
Verwaltung um Erläuterung, warum eine Sparmaßnahme vorgeschlagen worden sei,
von der man gewusst habe, dass diese Stellen bereits im Paket der
Zukunftskommission enthalten seien. Außerdem hätte er gern eine Erklärung für
die Aussage von Herrn Dr. Schmidt am 12.05.09, dass noch keine Antwort der
Kämmerei vorliege. Laut der Aussage von Herrn Gerbersmann habe die Kämmerei am
30.04.09 auf die Anfrage vom 23.04.09 geantwortet. Er habe in den letzten
Wochen in dieser Sache zahlreiche Gespräche geführt. Für viele Projekte in
dieser Stadt sei Geld vorhanden, warum nicht für die Kinderschutzambulanz? Er
habe Herrn Steuber zu Beginn des letzten Jahres angeboten, gemeinsam zu
schauen, wie man die Kompensation realisieren könne. Man habe jetzt durch das
Angebot des Diakonischen Werkes, qualifiziertes Personal für die Kinderschutzambulanz
bereit zu stellen, die Chance, das Projekt zu starten. Der Bericht der
Zukunftskommission werde nächste Woche im Rat so beschlossen werden. Gleichzeitig
werde im Rat der Haushaltsplan 2009 verabschiedet. Darin sollte die Finanzierung
der Kinderschutzambulanz enthalten sein.
Im Namen seiner Fraktion bittet er eindringlich, bis zum 25.06.09 eine
Lösung zu finden, damit im Juli die Vereinbarung mit dem Diakonischen Werk
geschlossen werden könne. Er könne sich gut
vorstellen, dass die anderen Fraktionen das in dieser Form mittragen
würden.
Er beschreibt die Notwendigkeit einer Kinderschutzambulanz, der ein
gesellschaftliches Problem zugrunde liege. In Hagen müsse man mit 150 -180
Fällen rechnen, die sich an eine solche Institution wenden würden.
Parallel zum Jugendhilfeausschuss tage heute ein Stiftungsrat, an den er
einen Antrag gestellt habe.
Herr Schledorn nimmt die
Verwaltung in Schutz und sieht die Verantwortung beim Stadtkämmerer. Dieser
würde auf der einen Seite die Notwendigkeit
des Projektes befürworten, auf der anderen Seite Kompensationsvorschläge
im Vorstand ablehnen.
Er fände es unfair, die Verwaltung verantwortlich zu machen. Die
Kompensationsvorschläge würden gern angenommen und das Geld eingespart. Die
politische Kunst bestehe darin, den Betrag in Höhe von 100.000 € zu
organisieren und den Verwaltungsvorstand zu überzeugen.
Herr Dücker erklärt, dass
die Notwendigkeit einer Kinderschutzambulanz unbestritten sei. Er sähe die
Schwierigkeiten des Fachbereiches, eine Kompensation zu schaffen, die an sich
nicht zu schaffen sei. Er würde gern versuchen, eine Lösung zu finden. Er
möchte wissen, was denn an Mitteln aufzubringen sei, wenn man das Angebot des
Diakonischen Werkes annehme.
Herr Reinke erklärt, dass
es sich bei den 100.000 € um den städtischen Anteil handele. Das Angebot
des Diakonischen Werkes belaufe sich auf 170.000 €. Dann kämen noch
Kosten für die Kooperation mit der Kinderklinik hinzu, so dass man einen
Gesamtbetrag in Höhe von 185.000 € kalkuliert habe. Das Diakonische Werk
würde den Anteil der Stadt in Höhe von 100.000 € benötigen und
gleichzeitig seinen Trägeranteil einbringen. Der Rest solle durch eventuell
durch den Stiftungsrat beigetragen werden. Er stünde auch in Gesprächen mit dem
Land.
Herr Decker erinnert
daran, dass es eine Sparkassenspende gebe. Er bittet zu prüfen, ob dort noch
Geld vorhanden sei, das man für diesen Zweck einsetzen könne. Hier ginge es um
das Wohl von Kindern. Etwas Wichtigeres könne er sich nicht vorstellen.
Anmerkung:
Laut Aussage der Stadtkämmerei
steht in diesem Jahr aus der Sparkassenspende kein Geld mehr zur Verfügung.
Herr Strüwer teilt mit,
dass aus der Sparkassenspende 10.000 € für die Installierung der
Kinderschutzambulanz zur Verfügung gestellt worden seien.
Frau Burghardt erinnert an
den Bericht von Herrn Goebels zum Thema Kindeswohlgefährdung, der sehr
betroffen gemacht habe. Hier handele es sich um mögliche Klienten der
Kinderschutzambulanz. Man könne es sich nicht erlauben, das Projekt Kinderschutzambulanz zurückzustellen. Sie
bittet die Verantwortlichen, das Tempo zu beschleunigen.
Herr Steuber macht
deutlich, dass es auch sein Interesse sei, eine Lösung für dieses Problem zu
finden. Man habe das grundsätzliche Problem, eine akzeptierte Form der
Refinanzierung zu finden. Es sei eine Alternative in der Form denkbar, dass die
Finanzierung durch die Abrechnung im Einzelfall vorgenommen werde. Sein
Vorschlag sei, dass man Frau Geisendres aus Remscheid nach Hagen einlade, um
die Situation dort zu schildern.
Es sei bekannt, dass 90 % der Fälle, mit denen sich eine
Kinderschutzambulanz beschäftige, aus dem Bereich der Diagnostik sei. Das seien
die Fälle, mit denen der Allgemeine Soziale Dienst fast ausschließlich zu tun
habe. Man müsste dann einen Anbieter finden, der sich darauf einließe, nicht
einen institutionalisierten Zuschuss zum Betrieb der Einrichtung zu erhalten,
sondern die Fälle über den Einzelfall abzurechnen, die aus der Erziehungshilfe
allgemein finanziert würden. Hier sei natürlich ein unternehmerisches Risiko
für den Betreiber gegeben.
Herr Strüwer erinnert
daran, dass in den letzten drei Jahren in diesem Bereich immer thematisch und
sachorientiert gedacht worden sei. Er hätte sich gewünscht, dass dies auch in
der Sache Kinderschutzambulanz so gelaufen wäre. Er meint, dass der von Herrn
Steuber gemachte Vorschlag eventuell ein Weg sei, der Sinn machen könnte.
Er weist auf die beantragten Stellen im ASD hin, die auch für zu
erwartende Maßnahmen genehmigt worden seien. Die Argumentation gelte auch für
die Kinderschutzambulanz. Alle Beteiligten wollten die Kinderschutzambulanz,
dann müsse auch ein Weg gefunden werden.
Herr Reinke hält den
gemachten Vorschlag, über Einzelfallabrechnungen einen institutionalisierten
Zuschuss zu umgehen, für nicht geeignet. Das vom Diakonischen Werk gemachte
Angebot solle als Minimallösung angesehen werden.
Herr Haensel legt dar,
dass man über die Vielzahl der Fälle im Rahmen von Kindeswohlgefährdung
erschrocken und entsetzt gewesen sei. Hier trage der Fachbereich eine immense
Verantwortung. In diesem Bereich würden alle Beteiligten das Möglichste tun.
Mit dem § 8 a SGB VIII habe man
eine Sensibilisierung geschaffen, der man dann jetzt auch Rechnung tragen müsse.
Bisher sei nur über Konzepte gesprochen worden, jetzt müsse man über die
Finanzierung der Kinderschutzambulanz sprechen.
