10.03.2009 - 9 Gefährdungen des Kindeswohls Mündlicher Bericht...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 9
- Sitzung:
-
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
- Gremium:
- Jugendhilfeausschuss
- Datum:
- Di., 10.03.2009
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Zusammenfassung des
Diskussionsergebnisses:
Herr Goebels erläutert das
übersandte Papier zum Thema „Gefährdungen des Kindeswohls“.
Auf die Frage von Frau Köppen, wie alt die Kinder seien, wenn die
U5-Untersuchung anstünde, antwortet Herr Goebels, dass die Kinder unter
1,5 Jahren seien.
Frau Köppen ist
erschrocken über diese hohe Zahl von Kindeswohlgefährdungen, die bei den Schuleingangsuntersuchungen
festgestellt worden seien.
Herrn Strüwer fällt auf,
dass über zwei Drittel der Fälle konzentriert im Innenstadtbereich und in
Altenhagen falle. Wie sei das zu erklären?
Welche Sozialindikatoren spielten da eine Rolle? Ihn habe erstaunt, inwieweit
sich konzentriert aus Fällen aus
bestimmten Stadtteilen ein höherer Handlungsbedarf ableite.
Herr Fischer weist darauf
hin, dass man hier feststellen könne, dass das aufgebaute Netzwerk
funktioniere. Es sei logisch und zwangsläufig, dass die Kosten in diesem Bereich
stiegen.
Herr Goebels bestätigt den
Trend, dass zum Beispiel in Wehringhausen die Kindeswohlgefährdung höher sei
als anderswo. Die Ursachen lägen natürlich überwiegend in sozial
schwierigen Umfeldern der Familien.
Frau Burghardt möchte
wissen, ob bei den 77 Meldungen im Bereich der 0-1,5-jährigen Kinder, die 25 %
der Fälle ausmache, ein anschließender Handlungsbedarf gegeben sei.
Herr Goebels bestätigt
diese Frage. Es seien in der Regel Hinweise auf gravierende Verwahrlosungen.
Frau Burghardt zieht
daraus den Schluss, dass eine Betreuung der Familien einige Monate nach der
Geburt des Kindes sehr wichtig sei, da offensichtlich erst dann die Probleme
aufträten. Hier sei ein zweiter und dritter Nachgang nach den Willkommensbesuchen
dringend erforderlich, damit frühzeitig an dieser Stelle Hilfeangebote auf der
niedrigschwelligen Ebene angeboten werden könnten.
Frau Machatschek berichtet
von einem Vortrag der Familienhebamme der Stadt Hagen im Sozialausschuss. Warum
habe Hagen dafür nur eine halbe Stelle? Die Hebamme leiste genau diese
Schwellenarbeit, die notwendig sei.
Herr Steuber macht
deutlich, dass dies genau Bausteine der frühen Hilfen seien, von denen er in
der Vergangenheit immer gesprochen habe und
die man gern im Zusammenhang mit dem Planungskonzept „Kindesschutz
in Hagen“ dem Ausschuss vorstellen wolle.
Herr Strüwer hält das
neben einer speziellen Betrachtung des Sozialraums Wehringhausen für sehr
wichtig. Hier müssten neue gemeinsame Wege beschritten werden im Bereich präventiver
nachsorgender und begleitender Hilfe, um zu einer Entschärfung dieser brisanten
Situation zu kommen.
Herr Steuber berichtet zum
Thema Wehringhausen, dass die Verwaltung mit einem Träger und mit einer Reihe
von Organisationen und Verantwortlichen im Sozialraum Wehringhausen gemeinsam
eine Überlegung angestellt habe, wie man sich dort noch optimaler vernetzen
könne. Aus dem Projekt in Dorsten könne man eine ganze Menge diesbezüglich
lernen. Es sei keine Lösung, im Rahmen der Erziehungshilfe ständig auf die
hochschwelligen stationären Hilfen zur Erziehung auszuweichen, die auch sehr
schnell sehr kostenintensiv seien.
Frau Klos-Eckermann ist
der Meinung, dass es doch aufgrund solcher Tatsachen möglich sein müsse, mit
dem Regierungspräsidenten den Weg einzuschlagen, präventive Dinge
vorzufinanzieren, durch die man hinterher wieder Geld einspare.
Herr Schledorn erklärt,
wie wichtig es sei, den Familien den Stress, die Armut verursache, zu nehmen.
Der seinerzeit vorgelegte Armutsbericht bestätige genau diese Zahlen.
Herr Fischer möchte neben
dem Werkzeug der Meldungen auch andere Dinge ansprechen, die im Stadtteil beobachtet
würden. Als Beispiel sei anzuführen, wie vielen Kindern und Jugendlichen eine
Teilnahme am Mittag- und Abendessen ermöglicht würde.
Das mache deutlich, wie viele Indizien auch unterhalb der Meldungen
vorhanden seien.
Herr Schurgacz macht deutlich,
dass es sich hier um neue Zahlen handele. Daneben gebe es aber auch eine große
Zahl von bekannten Fällen, die aktenkundig seien.
Es gehe hier um einige hundert Fälle. Seine damalige Prognose, dass man
Plätze ausbauen müsse, habe sich bewahrheitet. Er bäte darum, diese Berichte
auf der Tagesordnung zu lassen.
Herr Strüwer weist darauf
hin, dass diese Themen im Bereich der Erziehungshilfe im Jugendhilfeausschuss
permanent behandelt würden. Man unterhalte sich seit geraumer Zeit über die
Installierung einer Kinderschutzambulanz.
Die Zahlen in den Kinderheimen sagten aus, dass man gut belegt sei, es
aber noch freie Plätze gebe.
Herr Goebels ergänzt, dass
die Entwicklung so nicht vorhersehbar gewesen sei. Das Aufgabenfeld im
Allgemeinen Sozialen Dienst habe sich in
den letzten 2 Jahren durch die Einführung des § 8 a komplett verändert habe.
Man habe im Jahr 2005 freie Plätze gehabt. Im Jahr 2007/2008 sei das nicht mehr
der Fall gewesen. 2008 habe man neue Gruppen in Hagen eröffnen müssen, weil man
mit den Kapazitäten nicht ausgekommen sei.
Davon seien alle Jugendämter in der Umgebung betroffen.
Herr Steuber erinnert
daran, dass die Erziehungshilfe in Hagen in enger Kooperation mit den freien
Trägern neu konzipiert wurde. Er sei der Meinung, dass man immer noch nicht in
ausreichendem Maße flexible ambulante Hilfen in Hagen hätte, die man brauche.
Wichtig sei es, in den Raum zu gehen und die Hilfen dort anzubieten. Das müsse
der Trend sein. Es werde auch andere Formen der Hilfe geben.
Herr Schurgacz ist der
Meinung, dass man nach wie vor jede Menge stationäre Hilfen brauchen werde. Er
findet auch, dass andere Wege beschritten werden müssten und hält das
vorgestellte Modell in Dorsten für geeignet. Das würde aber viel Geld kosten.
Herr Strüwer erinnert
daran, dass die Mitarbeiter aus
Dorsten-Wulfen deutlich gemacht hätten, dass sie mit dem Geld, das auch
vorher verausgabt worden sei, ausgekommen seien. Dort sei sehr viel stärker im
präventiven Bereich gearbeitet worden. Der Einzelfall sei stärker betrachtet
worden und man habe versucht, ein adäquates Angebot für die Betroffenen zu
unterbreiten. Er halte es auch für sehr wichtig, auf diesem Gebiet neue Wege zu
gehen. Es seien gute Akteure vorhanden.
