14.05.2009 - 4.1 Vorschlag der CDU-Fraktionhier: Zukunftsfähige ...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 4.1
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 14.05.2009
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Vorschlag zur Tagesordnung
- Federführend:
- OB/A Amt des Oberbürgermeisters
- Bearbeitung:
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Herr Röpsel verweist auf den Beschluss des Rates hinsichtlich der Vereinbarung mit
den Vertretern des Bürgerbegehrens aus der Ratssitzung vom 26.03.2009, wonach
grundlegende Veränderungen in der Grundschullandschaft der Stadt Hagen für rd.
zwei Jahre ausgeschlossen seien. Obwohl sich die CDU-Fraktion an diese
Vereinbarung gebunden fühle, müsste die nächste Zeit genutzt werden, um
gemeinsam mit den Menschen in Hagen eine Schulentwicklungsplanung zu entwerfen.
Die damit verbundenen notwendigen Maßnahmen müssten erarbeitet und ermöglicht
werden. Die Beteiligung der Menschen in Hagen stehe für die CDU-Fraktion
ausdrücklich am Beginn einer fortlaufenden Schulentwicklungsplanung, die eine
leistungsfähige und qualitätsvolle Schullandschaft sicherstelle. Der von der
CDU-Fraktion vorliegende Antrag mache deutlich, wie eine verlässliche und
bedarfsgerechte Schulpolitik in dieser schwierigen Situation umgesetzt werden
könnte. Kinder, Eltern und Lehrer in Hagen würden verlässliche Perspektiven und
keine populistischen Aussagen benötigen. Es gehe um eine gesicherte,
qualitätsvolle schulische Versorgung, mit leistungsfähigen Schulsystemen die in
der Lage sein sollten, bedarfsgerechte Differenzierungsangebote anzubieten und
Förderkonzepte umzusetzen. Die Schullandschaft müsste so aufgestellt werden,
dass unter den geltenden Rahmenbedingungen eine optimale Personalausstattung
möglich sei. Die Zielzahl von 24 Schülern pro Klasse sollte erreicht werden.
Gleiches gelte für den bedarfsgerechten Ausbau des offenen und gebundenen
Ganztages. Trotz der anstehenden Haushaltssanierung sei es sinnvoll, so viele
finanzielle Mittel wie möglich in Kinder und Jugendlichen und damit in die
Zukunft von Hagen zu investieren. Dieser Antrag sei der Anstoß für ein
Beteiligungsverfahren, an dessem Ende ein Maßnahmekatalog durch den Rat
verabschiedet werde könnte. Die Bürgerinnen und Bürger sollten die Gelegenheit
bekommen, sich ausführlich auf bezirklicher Ebene mit einzubringen. Dabei
müsste berücksichtigt werden, dass die städtischen Finanzen und der
demographischen Wandel als Rahmenbedingungen für die Ziele seien. Aufgrund des
großen Umfangs des Beschlussvorschlages erklärt sich die CDU-Fraktion damit
einverstanden, vor Beschlussfassung eine Beratung in den Gremien durchzuführen.
Entscheidend sei, dass die Ziele dabei nicht aus dem Rahmen fallen dürften.
Herr Jochen Weber betrachtet den eingereichten Antrag der
CDU-Fraktion als besonders umfangreich und empfindet den Inhalt als sehr stark
verklausuliert. Bei genauer Betrachtung sei der Interpretation Tür und Tor
geöffnet. Herr Jochen Weber erinnert an die Vorgehensweise der
CDU-Fraktion im Jahre 2008, wonach diese rd. 10 Schulen ohne Beteiligung der
Bürgerinnen und Bürger schließen wollten. Aus diesem Grunde sei es
verwunderlich, dass die CDU-Fraktion nun die Beteiligung der Menschen an den anstehenden
Entscheidungsprozessen einfordere. Es sei sinnvoll, dass sich der Schulausschuss
intensiv mit diesem Antrag auseinandersetze. In dieser Diskussion werde sich
herausstellen, dass es insbesondere bei einer Reduzierung der Klassenstärke
notwendig sei, die Landesregierung entsprechend mit einzubinden. Gerade, wenn
es darum gehen würde, die Offenen- und Ganztagsangebote bedarfsgerecht
auszubauen und zu finanzieren. In seinem weiteren Wortbeitrag geht Herr
Jochen Weber auf den im Antrag aufgeführten Verhältnis von laufenden Kosten
pro Quadratmeter zu unterhaltender Fläche zu laufenden (pädagogischen) Kosten
pro zu förderndem Schüler ein. Daraus würde sich ergeben, dass die Schulen, die
keine energetischen Maßnahmen erhalten, zukünftig teurer und von vornherein auf
einer Liste von Schulschließungen stehen werden. Dieser Auffassung widerspricht
Herr Jochen Weber deutlich und bittet die CDU-Fraktion, diesen
Diskussionspunkt noch mal zu überdenken. Darüber hinaus sei der Abriss von
Schulpavillons selbstverständlich eine Maßnahme verantwortbarer
Schulentwicklungsplanung, weil eine Bereinigung von energetischen Problemen
stattfinden werde.
Herr Riechel merkt an, dass seine Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Schulausschuss
seit Jahren eine inhaltliche Schulentwicklungsplanung eingefordert habe. Vor
dem Hintergrund, dass insbesondere die CDU-Fraktion in der Vergangenheit dies
nicht mitgetragen habe, überrasche der nun eingereichte Antrag. Es sei
allerdings begrüßenswert, dass auch die anderen im Rat vertretenen Fraktionen
konzeptionelle Planungsansätze mittragen und anerkennen. Die Fraktion Bündnis
90/ Die Grünen beantragt, dass der Antrag der CDU-Fraktion an den
Schulausschuss verwiesen werden soll.
Herr Feste erklärt für die Fraktion Bürger für Hagen, dass diese grundsätzlich dem
Antrag der CDU-Fraktion zustimmen werde. Es sei selbstverständlich, dass die
Qualität und das pädagogische Konzept sowie die Förderung der Angebote im
Mittelpunkt stehen sollten. Die Einforderung einer Bürgerbeteiligung halte die
Fraktion Bürger für Hagen für richtig. Der im Antrag aufgeführte Zielkorridor
werfe die Frage auf, ob in kommenden Gesprächen nicht offensiver an die
Thematik herangegangen werden sollte. Das unter Punkt vier aufgeführte Ziel
kleinerer Klassen sei nicht eindeutig definiert, so dass sich die Frage stelle,
ob damit alle Schularten gemeint seien. Darüber hinaus würde der Punkt fünf des
Antrages mit der gestrigen Beschlussfassung des Schulausschusses nicht
übereinstimmen.
Herr Sondermeyer führt aus, dass im Antrag der CDU-Fraktion nicht
der Bereich der integrativen Schulen sowie die Kinder mit Behinderungen
berücksichtigt wurden. Dies sollte im Rahmen einer Schulentwicklungsplanung
erfolgen.
Der Rat der Stadt Hagen einigt sich
einvernehmlich darauf, den Antrag der CDU-Fraktion an den Schulausschuss zu
überweisen.
Hinweis des Schriftführers: Als Tischvorlage
wurde eine Stellungnahme der Verwaltung ausgelegt, die als Anlage 3 Gegenstand der Niederschrift ist. Der Antrag der
CDU-Fraktion wurde ebenfalls als Tischvorlage ausgelegt und ist als Anlage 4 der Niederschrift beigefügt.
Beschluss:
Die Verwaltung legt ein Konzept für die Schulentwicklungsplanung und -politik in Hagen vor, das sich in den kommenden Jahren an den nachfolgenden, zentralen Eckpunkten ausrichtet:
A.
schulorganisatorische Maßnahmen / Standards
1. Ziel einer Schulentwicklungsplanung für die Stadt Hagen ist die Schaffung dauerhaft leistungsfähiger Schulsysteme, die Kindern, Eltern und Lehrern verlässliche Perspektiven und eine gesicherte und qualitätvolle schulische Versorgung in der Fläche bieten. Hierbei muss Anonymität in jedem Fall verhindert werden. Kleine Schulen sind jedoch keine Garantie für eine qualitätvolle Beschulung! Die Qualität des pädagogischen Konzeptes und der Förderangebote steht im Mittelpunkt. Beide sind am Bedarf der Schülerinnen und Schüler zu orientieren.
2.
Die zukünftige Schulentwicklungsplanung geht von einem in den Bezirken breit
angelegten, öffentlichen Beteiligungsprozess aus, an dessen Ende die konkreten
Maßnahmen durch den Rat auf Basis der dann vorliegenden Ergebnisse der
Beteiligung beschlossen werden.
Dieser Prozess kann aber nicht ohne Prämissen starten: Die Formulierung eines
Zielkorridors ist zwingend notwendig. Zur Debatte sollen der Weg und die
Instrumente der Zielerreichung bis hin zu konkreten Maßnahmen stehen.
3. Die Schulentwicklungsplanung muss als fortlaufender Prozess betrachtet werden, der der Stadt vor dem Hintergrund der dramatischen Auswirkungen des demografischen Wandels schulpolitische Handlungsfähigkeit sichert.
4. Die Schulentwicklungsplanung für die Stadt Hagen verfolgt im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Ziel kleiner Klassen (Zielzahl 24 Kinder) und eines bedarfsgerechten Ausbaus der gebundenen und offenen Ganztagesangebote.
5. Das Verhältnis von laufenden Kosten pro Quadratmeter zu unterhaltender Fläche zu laufenden (pädagogische) Kosten pro zu förderndem Schüler muss nachhaltig zu Gunsten der Schüler verändert werden!
6. Diese und darüber hinaus gehende Maßnahmen unterliegen sowohl dem Primat der Sanierung des Haushaltes als auch der Zuordnung der Zuständigkeiten zwischen Land und Bund (Mehr Lehrer – kleinere Klassen).
B. OGS /
Übermittag
- Der bedarfsgerechte Ausbau der Übermittagangebote ist ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit des Schulsystems.
- Im Rahmen der Schulentwicklungsplanung dürfen die ergriffenen Maßnahmen keine dauerhafte Reduzierung des Angebotes bewirken.
C.
Aussage zu den Standorten
Der Abriss der Pavillons an sich ist keine Maßnahme einer verantwortbaren Schulentwicklungsplanung, sondern ausschließlich eine energetische bzw. fiskalische Operation.
Anlagen zur Vorlage
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