14.05.2009 - 5.10 Haushaltskonsolidierunghier: Bericht der Zukunf...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5.10
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 14.05.2009
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- VB2 Vorstandsbereich für Finanzen, Controlling und interne Dienste
- Bearbeitung:
- Manuela Strunkeit
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Hinweis des
Schriftführers: Der Tagesordnungspunkt wurde vorgezogen und vor dem
Tagesordnungspunkt I.4.1 beraten.
Herr
Oberbürgermeister Demnitz verweist auf den als Tischvorlage ausliegenden
interfraktionellen Beschlussvorschlag, der als Anlage 9 der Niederschrift beigefügt ist. Herr Oberbürgermeister
Demnitz bedankt sich bei den Mitarbeitern der Bezirksregierung Arnsberg und
der Stadt Hagen für Ihren Einsatz und Engagement zur Erstellung des vorliegenden
Berichtes der Zukunftskommission.
Herr
Gerbersmann geht auf die Ausganglage der Stadt Hagen ein, wonach
auf Empfehlung der BZR Arnsberg und des Rates der Stadt Hagen eine
Zukunftskommission gebildet wurde. Die zuvor von Herrn Gerbersmann
gemachte Mitteilung mache deutlich, dass sich die finanzielle Lage der Stadt
Hagen weiterhin verschlechtern werde. Das strukturelle Defizit betrage in
diesem und im letzten Jahr rd. 129 Millionen Euro. Der Inhalt des Berichtes der
Zukunftskommission sei dringend von der Notwendigkeit geprägt, einen
erforderlichen Wechsel herbeizuführen. Der Kassenkredit betrage derzeit 830
Millionen Euro und werde im Jahre 2012 voraussichtlich bei 1,2 Milliarden Euro
liegen. Selbst wenn die Vorschläge der Zukunftskommission in Gänze umgesetzt
würden, werde die Stadt Hagen bis 2014 voraussichtlich weitere 500 Millionen
Euro an Kassenkrediten aufnehmen müssen. Dadurch würden sich weitere Zinslasten
ergeben. Zwar seien die Zinsen aufgrund des Konjunktureinbruchs recht niedrig,
allerdings führe selbst ein leichter Zinsanstieg zu einem enormen zusätzlichen
finanziellen Aufwand für die Stadt. Trotz der Personalkosten in Höhe von rd.
125 Millionen Euro stehe die Sanierung des Haushaltes vordergründig im Mittelpunkt,
damit die Stadt Hagen auch weiterhin eine Zukunft habe. Es gelte, die
Neuverschuldung so gering wie möglich zu halten. Herr Gerbersmann merkt
zusätzlich an, dass es bei einer Umsetzung der geplanten Maßnahmen zu
Einschnitten bei den Bürgerinnen und Bürgern kommen werde und bittet an dieser
Stelle bereits um Verständnis.
Herr Jochen
Weber erklärt, dass der Rat aus dem Paket der Zukunftskommission Maßnahmen
erarbeiten müsste, die bedauerlicherweise zu erheblichen Einschränkungen bei
den Bürgerinnen und Bürgern führen werde. Infolge der Einbringung des
Haushaltes 2009 und durch die vorliegende Verwaltungsvorlage werde deutlich,
dass lediglich 1/3 des finanziellen Defizits von der Verwaltung selbst
verursacht wurde. Die restlichen 2/3 des Defizits seien aufgrund der
Aufgabenübertragung des Landes, des Bundes bzw. durch die europäischen Richtlinien entstanden. Das Einsparvolumen der
Zukunftskommission enthalte rd. 90 Millionen Euro, wovon bereits rd. 30
Millionen Euro durch Beschlussfassung des Rates in Form von Einzelmaßnahmen eingespart
wurden. An der sich daraus entstehenden Differenz in Höhe von rd. 60 Millionen
Euro, müssten sich die zuvor genannten Verursacher beteiligen. Im Übrigen seien
viele Städte in NRW aufgrund des Strukturwandels an dem Punkt eines
Nothaushaltes angekommen. Dies zeige, dass die Überschuldung der Gemeinden
zunehmen werde. Weiter geht Herr Jochen Weber auf den interfraktionellen
Beschlussvorschlag zum Theater ein und erklärt, dass auch nach dem Abgleich der
Daten des Actori-Gutachten mit dem Bericht der Zukunftskommission, Einsparungen
im Theater vorgenommen werden müssten, um den Zuschussbedarf zu verringern.
Herr Röspel geht auf die
Bedeutung des Berichtes der Zukunftskommission ein und hebt in diesem
Zusammenhang den Einsatz der daran Beteiligten hervor. Das Ergebnis könnte sich
ausdrücklich sehen lassen. Es handele sich bei dem Bericht um den letzten
Strohhalm, um den freien Fall der städtischen Finanzen aufzuhalten.
Der Rat stehe
in der Verantwortung und könnte nicht vorrangig die Verantwortung auf die
Landesregierung übertragen. Die CDU-Fraktion habe sich in einer Klausurtagung
bereits intensiv mit dem Bericht der Zukunftskommission auseinandergesetzt. Vor
dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise sei kein Spielraum für weitere
Steuererhöhungen gegeben. Die Mieterinnen und Mieter hätten mit den aktuellen
Folgen der Energiepreise zu kämpfen und auch eine Erhöhung der Grundsteuer B
dürfe es in diesem Jahr nicht geben. Die Menschen und die Unternehmen würden
gleichermaßen unter der Wirtschaftskrise leiden. Die Gewerbesteuer sei erst zum
01.01.2009 erhöht worden, so dass Steuererhöhungen bis zum 01.01.2011 ausgesetzt
werden sollten. Danach könnte über eine Erhöhung von Steuern nur nachgedacht
werden, wenn kein Konsens über anderweitige Einsparungen zu erzielen sei. Die
CDU stehe zum Erhalt des Theaters. Mehr als 800.000 Euro an Einsparvolumen könnte
derzeit nicht gefordert werden. Die CDU-Fraktion schließe sich dem Kompromiss
von Herrn Oberbürgermeister Demnitz und der Bezirksregierung Arnsberg an.
Herr Riechel begrüßt die
Einsicht der CDU-Fraktion zum interfraktionellen Beschlussvorschlag und
erinnert an den zu verantwortenden gewachsenen Schuldenberg der letzten 10
Jahre. Zurzeit befinde sich die Stadt Hagen in einer Vergeblichkeitsfalle. Vor
einer Woche habe der Regierungspräsident erklärt, dass eine
Haushaltskonsolidierung bis 2014 bei einem Einsparvolumen von rd. 90 Millionen
Euro möglich sei. Zu dieser Zeit habe Herr Riechel bereits auf die im
Zukunftsbericht fehlenden dynamischen Komponenten, wie z.B. Zinserhöhungen,
hingewiesen. Der heutige Bericht von Herrn Gerbersmann habe seinen vor
einer Woche getätigten Hinweis bestätigt. Dadurch zeige sich erneut, dass das
ausgearbeitete Konzept im nächsten Jahr schon wieder überarbeitungswürdig sei.
Aus eigener Kraft und lediglich mit eigenen Mitteln werde die Stadt Hagen nicht
aus dieser Vergeblichkeitsfalle herauskommen. Dem Bericht der Zukunftskommission
fehle eine vernünftige Ursachenanalyse. Eine wesentliche Ursache sei die
Übertragung von Aufgaben durch die Landesregierung ohne die erforderliche
finanzielle Ausstattung. Dies habe die Zukunftskommission ebenfalls in ihrem
Bericht bestätigt. Der Rat werde, wie bei den anderen Sparpaketen auch, die
erforderlichen Konsolidierungsmaßnahmen mit begleiten und entscheiden. Dabei
sollte dem demographischen Wandel Rechnung getragen werden. Funktionierende
Strukturen, wie z.B. ein Theater, müssten in diesem Zusammenhang erhalten, aber
nicht zerstört werden. Das Land könnte mit einem Entschuldungskonzept über
einen bestimmten Zeitraum der Stadt Hagen strukturell weiterhelfen. Ergänzend
geht Herr Riechel auf den interfraktionellen Beschlussvorschlag ein, in
dem die Beratung von Einzelmaßnahmen in den Ausschüssen nicht vorgesehen sei.
Nach Auffassung seiner Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen sollte gerade in den
Fachausschüssen aufgrund der vorhandenen Kompetenz diese Entscheidungen dort mitgetroffen
werden. Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen werde aus diesem Grund erneut
Einzelanträge zu den verschiedenen Maßnahmen an die Verwaltung stellen, um die
Fachausschüsse mit einzubeziehen.
Herr
Marscheider hinterfragt die politische Verantwortung der letzten 10
Jahre für die Stadt Hagen und die damit im Zusammenhang stehende aktuelle
negative Finanzsituation. Die Politik sollte die Bürgerinnen und Bürger
intensiver bei der Entscheidungsfindung mit einbinden. Im Rahmen des
anstehenden Konsolidierungsprozesses müsste das errechnete Einsparvolumen auf
alle Bereiche gleichmäßig aufgeteilt werden. Das Theater, so Herr
Marscheider, sei auf die erhebliche finanzielle Unterstützung eines Außenstehenden
angewiesen. Sollte dies nicht gelingen, so müsste über neue Strukturen im
Theater nachgedacht werden. Die Fraktion der Bürger für Hagen spreche sich im
Übrigen für Steuererhöhungen aus.
Herr Thielmann stimmt dem
Redebeitrag von Herrn Röspel zu und geht auf die bisherige
Personalentwicklung innerhalb der Verwaltung ein, die externe Einstellungen
immer wieder erforderlich gemacht hätte. Beim Verwaltungsumbau müsste nicht nur
Personal abgebaut, sondern auch die Verwaltungsstrukturen geändert werden. Das
Fachbereichsprinzip sei dem Ämterprinzip vorzuziehen. Der Bericht der
Zukunftskommission basiere auf dem Prinzip der Hoffnung, allerdings sei die
eine oder andere Maßnahme realitätsfremd. In seinem weiteren Redebeitrag
würdigt Herr Thielmann das Engagement der Bürgerinnen und Bürger für die
Erhaltung des Theaters und geht dabei insbesondere auf eine mögliche neue
Betriebsform für das Theater Hagen ein. Das Theater, die freien Kulturzentren
und Museen seien wichtige Einrichtungen in dieser Region, die weitestgehend
erhalten werden sollten.
Herr
Sondermeyer befürchtet, dass die soziale Verantwortung der Stadt
Hagen aufgrund der bestehenden Wirtschaftskrise gegenüber den Bürgerinnen und
Bürger steigen und weitere finanziellen Lücken im Haushalt entstehen werden.
Weiter geht Herr Sondermeyer auf das von den anderen Fraktionen
eingeforderte Konnexitätsprinzip ein. Die Fraktion Die Linke. werde sich mit in
die Einspardiskussion einbringen.
Herr Schulz macht eine
Anmerkung zur aktuellen Wirtschaftskrise.
Herr Vaupel stimmt dem
Konzept der Zukunftskommission zu und hinterfragt in diesem Zusammenhang die
bei der Stadt Hagen noch durchgeführten Gemeinschaftsveranstaltungen für die
Mitarbeiter.
Herr Oberbürgermeister
Demnitz weist darauf hin, dass es innerhalb der Verwaltung, im Gegensatz zur
freien Wirtschaft, zurzeit keine Möglichkeit geben würde, für die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter Leistungsentgelte zu zahlen. Aus diesem Grund werde in seiner
Amtszeit diese Gemeinschaftsveranstaltung für die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter weiter durchgeführt.
Der Rat der
Stadt betrachtet die Verwaltungsvorlage 0418/2009 „Haushaltskonsolidierung,
hier: Bericht der Zukunftskommission 2009 „ als Einbringung. Die weitere
Beratung erfolgt in der Ratssitzung am 25.06.2009.
Herr
Oberbürgermeister Demnitz lässt über den interfraktionellen Beschlussvorschlag
wie folgt abstimmen.
Beschluss:
- Der Rat beschließt die Umsetzung des Berichts der Zukunftskommission in Höhe des vereinbarten Konsolidierungspotentials von 90,5 Mio. Euro bis 2014.
Die Verwaltung wird beauftragt, entsprechende Konzepte zu erarbeiten und, soweit nicht der Oberbürgermeister für die Entscheidung von
Einzelmaßnahmen zuständig ist, dem Rat bzw. den Bezirksvertretungen
ohne Vorberatung in den Fachausschüssen zur Entscheidung vorzulegen.
- Darüber hinaus wird die Verwaltung beauftragt, mit dem Land die Möglichkeiten und Voraussetzungen einer finanziellen Förderung des Theaters, z.B. unter dem Gesichtspunkt der Bedeutung für die Region, zu erörtern.
- Dem Rat ist regelmäßig über die Umsetzung zu berichten.
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Abstimmungsergebnis: |
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x |
Der Beschluss des Rates vom
19./20.6.08 im Rahmen des 1. Sparpakets wird zu Ziffer 46-02 -Gründung einer
Theatergenossenschaft / Auflösung Ballett- hier:
3) Sollte bis zum 30.6.09 kein tragfähiges Modell vorliegen, ist das
Ballett zum Ende der Spielzeit 2009/2010 aufzulösen.
aufgehoben.
Zum Theater / Orchester trifft
der Rat die abschließende Entscheidung mit den Maßnahmevorschlägen auf der
Grundlage des Berichts der Zukunftskommission.
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Abstimmungsergebnis: |
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x |
Einstimmig beschlossen |
Anlagen zur Vorlage
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1
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(wie Dokument)
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1,9 MB
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Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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15,1 kB
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